Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 
Corporate Social Responsibility

Kein Werbe-Chichi

Der Hamburger Weg war 2006 die erste Corporate-Social-Responsibilty-Initiative eines Fußball-Bundesligaklubs. Der Geschäftsführer der heutigen HSV-Stiftung Stefan Wagner über den Weg vom Marketing-Tool zum Instrument, um gesellschaftliche Verantwortung zu zeigen.
Kicken mit Flüchtlingskindern: Der Hamburger Weg ist Ausdruck der gesellschaftlichen Verantwortung des HSV (Foto: PR)

Stefan Wagner ist ein freundlicher, professioneller, eher unaufgeregter Gesprächspartner. Kommt die Rede allerdings auf die Notwendigkeit von Corporate Social Responsibility und deren Missbrauch als Feigenblatt, wird sein Plädoyer leidenschaftlich.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Inwieweit ist die Stiftung das Vorzeige-CSR-Projekt des HSV?
Stefan Wagner:
Der Hamburger Weg ist heute die Ausprägung des Selbstverständnisses des HSV, das Mitglieder und Angestellte zuletzt in einem Leitbild definiert haben. Darin wird unter anderem klar gesagt, dass wir als HSV eine wesentliche Rolle in unserer Stadt spielen wollen, wenn es gilt, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Das Leitbild hat Einfluss auf die Art und Weise, wie wir CSR betreiben, und damit auch, wie wir Geld verdienen wollen. Es geht darin um unsere Fans, die ein wesentlicher Teil des HSV sind, es geht um Teilhabe, Umweltthemen, Inklusion oder Fairness und Respekt im Umgang miteinander. All dies macht CSR aus.

Das klingt zwar gut, doch welche Bedeutung können diese Themen angesichts des wirtschaftlichen und sportlichen Aufholbedarfs des HSV haben?
Wagner:
Wenn wir als HSV glaubwürdig für bestimmte Themen wie zum Beispiel unsere unternehmerische Verantwortung stehen – etwa ein wertschätzendes Miteinander mit unseren Fans, die Ausbildung junger Spieler, die zukunftsorientierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen –, dann hat dies direkte wirtschaftliche Implikationen durch bessere Spieler, durch Kinder, die sich identifizieren und Fans werden, und durch Sponsoren, die sich über eben diese Themen positionieren.

Inwieweit ist CSR auch ein Marketingthema?
Wagner:
CSR, so wie gerade geschildert, betrifft uns als Ganzes. Es geht darum, wofür wir stehen. Das hat dann direkt etwas mit Marketing und Vermarktung zu tun. Wer aber eine Stiftung zu Marketingzwecken nutzt, mag vielleicht rasch mehr Geld daraus ziehen, hat aber umso mehr an Reputation zu verlieren. Das ist nicht unser Weg. Wir wollen täglich soziale Verantwortung übernehmen. Das ist gelebte Verantwortung und kein Werbe-Chichi.

War das auch schon zum Start vor zehn Jahren so?
Wagner:
Als damals dieses Projekt initiiert wurde, waren wir – der HSV – Pioniere auf diesem Gebiet, die Einzigen, die auf diese Weise überhaupt etwas in Richtung CSR gemacht haben. Sicher war damals neben dem Bekenntnis zur Stadt Hamburg auch die Nutzung als Vermarktungsplattform ein Thema. Natürlich gab es Nachahmer, aber das Sponsoringkonzept hat kein Klub kopieren können.

Was läuft im heutigen Modell anders?
Wagner:
Der HSV war in die damaligen Projekte selten langfristig direkt involviert. Und in der Zwischenzeit hatten uns andere Klubs mit identitätsstiftendem sozialem Engagement durchaus überholt. Wir mussten also das für den HSV nicht mehr so glaubwürdige Konzept überarbeiten. Eine interne Befragung ergab ein klares Votum pro Hamburger Weg, aber auch den Wunsch, dass die Projekte viel näher am HSV sind. So entstand schließlich das Stifungsmodell. Aus der Hamburger Weg-Lounge und dem Hamburger Weg-Block im Stadion gehen jeweils ein Elftel der Erlöse an die Stiftung. Zusätzlich werden pro Werbepartner 35.000 Euro gespendet. Hinzu kommen Einzelspenden. Marketingaktionen unter dem Stiftungsmantel gibt es nicht.

Werden die ligaweiten CSR-Aktivitäten gebündelt?
Wagner:
Es gibt die Bundesliga-Stiftung, die bundesweite Aktionen durchführt und dabei auch das soziale Engagement der Vereine bündelt. Zudem gibt es einen Arbeitskreis der CSR-Verantwortlichen, aus dem heraus wir gerade versuchen, das Thema CSR im weiteren Sinne auch innerhalb der DFL aufzuhängen. Das würde der zunehmenden Relevanz innerhalb der Vereine Rechnung tragen.

Welches waren die Top-Projekte der Stiftung?
Wagner:
Ein Beispiel sind die Inklusionswochen mit Behindertensportlern an Schulen in der Region Hamburg. Die Schüler bekommen die Gelegenheit, beim Blindenfußball, Rollstuhl-Tischtennis und -Basketball inklusive Sporterfahrungen zu sammeln. Höhepunkt und Abschluss der Projektwochen ist ein inklusives Sportfest im Volksparkstadion. Ein echter Perspektivwechsel für die Beteiligten, der wichtige Impulse geliefert hat.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Erst boxen, dann beraten

    Als mehrfache Boxweltmeisterin weiß Ina Menzer, wie man sich Erfolg erkämpft. Jetzt hat sie sich mit einer Agentur selbstständiggemacht.

  • Energie für Gipfelstürmer

    Große Erwartungen, wenig Entspannung – viele Leistungsträger verspüren enormen Druck. Und doch gelingt es manchem, Spitzenleistungen genau dann zu erzielen, wenn es darauf ankommt.

  • Koalition reicht Start-ups die Hand

    Kleinanlegerschutzgesetz: Parlamentarier weiten Ausnahmen für Schwarmfinanzierungen per Internet aus.

  • Bransons Gebote

    Richard Branson gilt als Exzentriker und Egomane, aber der Erfolg gibt ihm recht: Kaum jemand hat in so vielen Märkten unternehmerisch Fuß gefasst wie er.

  • Wenn Anleger in(s) Schwärmen kommen

    Crowdinvesting via DUB.de eröffnet aufstrebenden Wachstumsunternehmen eine neue Kapitalquelle. Investoren bietet es attraktive Anlagechancen.

  • "Ich erwarte Dynamik"

    Volkswagen fährt derzeit Rekordzahlen ein. Das ist nicht zuletzt Verdienst des Mannes an der Spitze. Exklusiv gewährt Vorstandschef Professor Dr. Martin Winterkorn einen Einblick.

  • "Wer sich erschrecken lässt, verliert"

    Droht der Zerfall der Eurozone? Wie gefährlich ist der Terrorismus für die Wirtschaft? Verschläft Deutschland die Digitalisierung? Volker Kauder redet Tacheles.

  • Was tun mit dem Geld, Dr. Stephan?

    Mehr Mut zum Risiko fordert Dr. Ulrich Stephan, der Chefanlagestratege für die Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, bei Investments im Niedrigzinsumfeld.

  • Kollege Spitzensportler

    Die Praktikantenbörse für Unternehmen und Spitzensportler von Deutscher Bank, Deutscher Sporthilfe und Deutscher Unternehmerbörse hilft Athleten auf dem Weg in die zweite Karriere.

  • Tech-Szene sucht Trends

    Internet-Pionier Bob Metcalfe blickt beim Festival SXSW nach vorn.

  • Das Risiko der Haftung

    Beim Verkauf eines Unternehmens sollten die Vertragspartner genau regeln, wie lange und in welchem Maß der Alteigentümer für Gewährleistungen haftbar ist.

  • Immer top informiert: Der Handelsblatt Digitalpass

    Einmal kaufen. Alles nutzen. Testen Sie den Handelsblatt Digitalpass für 4 Wochen kostenlos.

  • Moving Mainstream

    Crowdfunding wird erwachsen. Europaweit sind fast EUR 3 Mrd. durch die Crowd finanziert worden, davon in Deutschland EUR 140 Mio. Die Uni Cambridge und EY schreiben eine spannende Analyse.

  • Leichtigkeit lernen

    Faszination Wellenreiten: Es dröhnt. Es rauscht. Und doch ist es ganz still. Surfen ist eine der kompliziertesten Sportarten der Welt. Und darum auch eine der entspannendsten.

  • Luxus am Handgelenk

    In der hohen Kunst der feinen Uhrmacherei kommt es auf echte Präzisionsarbeit an. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin stellt einen Schweizer und zwei deutsche Qualitätshersteller vor.

  • lnterim Management – flexible Lösung beim Generationswechsel

    Nicht selten kommt es vor, dass in einem Familienunternehmen die Stabübergabe vorgezogen werden muss. Der potenzielle Nachfolger ist dann aber womöglich noch nicht übernahmebereit.

  • Spektakuläres Afrika

    Beeindruckende Landschaften, unendliche Weite und einzigartigeTierwelt – die Wiege der Menschheit ist ein magischer Ort.

  • Freundliche Übernahme

    Der Feinkosthandel „Il Nuraghe“ steht seit Jahrzehnten für höchsteQualität. Um ihr Lebenswerk zu sichern, entschieden sich die jeweils kinderlosen Gründer Richard Retsch und Gesuino Atzeni für eine externe ...

  • Viele Wege, ein Ziel

    Unternehmen verändern ihr Verständnis von Mobilität. Das starre Dienstwagen-Denken weicht flexiblen Reisekonzepten.

  • Durchstarten am Strand

    Digitale Nomaden arbeiten über das Internet und erkunden gleichzeitig die Welt. Der Badeort Jomtien in Thailand entwickelt sich zu einer ihrer Pilgerstätten.

  • Einmal von München nach Berlin

    Start-up-Firmen mit Internet-Ideen zieht es in die Hauptstadt. Das Kapital aber sitzt noch in Bayern.

  • How to start a startup

    Die Startup-Vorlesungsreihe aus der Stanford University geht weiter mit unserem "Export" Peter Thiel und Alex Schultz, VP of Growth bei Facebook.

  • König Mitarbeiter

    Wer heute die besten Nachwuchskräfte haben will, muss flexible Arbeitszeiten bieten - das ist die Überzeugung von Projektron, einem mittelständischen Softwareentwickler in Berlin.

  • Auf neuen Wegen ans Personal

    Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für die Unternehmen. Die Personalmanager müssen umdenken und bei der Mitarbeitersuche Kreativität beweisen.

  • Nicht ohne meine Tochter

    Im deutschen Mittelstand übernimmt die nächste Generation - selbst im konservativen Maschinenbau sind das immer öfter die Töchter. Und die setzen häufig auf Teamarbeit an der Spitze.

  • „Urlaub ist überflüssig“

    Martin Kind spricht Klartext. Beim DUB UNTERNEHMER-Dinner nahm der Hörgeräte-Magnat und Hannover-96-Boss zu den Themen Erfolg, Nachfolge und Fußball kein Blatt vor den Mund.

  • Schwarmfinanzierung wird erwachsen

    Bislang galt Crowdfunding als Finanzierungsalternative für Start-ups, witzige Ideen und Projekte mit Sozialtouch. Doch jetzt entwickelt sich diese noch junge Form der Kapitalbeschaffung.

  • Abenteurer der Steppe

    Wind im Gesicht, atemberaubende Landschaft vor Augen, von Gegenverkehr keine Spur – in den Weiten der mongolischen Steppe können Biker Gas geben und das Land erfahren.

  • Bescheiden zum Erfolg

    Gästehaus statt Palast: Papst Franziskus wohnt bescheiden und führt die katholische Kirche ganz ohne Pomp. Dabei handelt er nach dem Muster jesuitischer Ordensregeln. Was Unternehmer aller Konfessionen von ...

  • Alle Potenziale nutzen

    Die Ideen der Mitarbeiter sollen dazu beitragen, Kosten zu senken. Dafür braucht man ein funktionierendes System – und Führungskräfte, die ineffizientes Arbeiten sehen und verändern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick