Wir entscheiden

Zukunft - komplett vernetzt und digital

Erde 5.0 nennt Digitalisierungsexperte Karl-Heinz Land eine Zukunft, in der Ökologie, Soziales und Marktwirtschaft im Einklang stehen. Dort wird es nachhaltig, gleichberechtigt und vor allem komplett vernetzt und digital zugehen – sofern wir das zulassen.


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je nach Bild (Foto: PR)

Klimawandel, Ressourcenverschwendung, Überbevölkerung, Hunger, soziale Ungleichheit: Die Missstände unserer Zeit sind zahlreich und vor allem nicht mehr zu ignorieren. Stephen Hawking mahnte gar: Binnen der nächsten 100 Jahre müsse die Menschheit einen Weg finden, den Planeten zu verlassen. Doch fragt man Karl-Heinz Land, muss es gar nicht so weit kommen. In seinem neuen Buch beschreibt der Digitalisierungsexperte, wie Technologie genutzt werden kann, um den Zustand des Ökosystems zu verbessern – und auch zukünftig den Planeten Erde als Lebensraum nutzen zu können.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Wie lässt sich die Zukunft provozieren?

Karl-Heinz Land: Ganz einfach: indem wir sagen, was wir wollen und was wir nicht wollen. Technologischer Fortschritt ist nur noch begrenzt durch unsere Vorstellungskraft und unseren Willen. Das sehen wir bereits in der Genforschung. Mit der CRISPR-Schere haben wir gerade einen Durchbruch erzielt und können das menschliche Genom verändern. Theoretisch können wir damit nun auch Menschen designen. Die Fragen, die wir uns stellen sollten, lauten jetzt nur noch: Wollen wir das, oder sollten wir besser die Finger davon lassen?

Warum sprechen Sie von einer Erde 5.0?

Land: Wir leben in der vierten beziehungsweise in der fünften industriellen Revolution: Es gab die Dampfmaschine, die Elektrifizierung, die Automatisierung und das Internet. Und die fünfte ist das, was ich als sogenannte cyberphysische und autonome Systeme bezeichne. Und deshalb glaube ich, dass wir uns auf eine Erde 5.0, sprich auf die fünfte industrielle Revolution vorbereiten müssen.

Wie genau sieht die Erde 5.0 aus?

Land: Es ist eine Erde, in der die Ökologie, das Soziale und die Marktwirtschaft im Einklang stehen. Dort nutzen Menschen den technologischen Fortschritt nicht, um Profite zu machen und die Produktivität zu steigern. Es geht wieder um den Menschen und die Frage: Was vertragen wir? Schon heute erleben wir, dass sich viele abgehängt fühlen und mit der Geschwindigkeit nicht mitkommen. Das gilt sowohl für Länder in der Ersten als auch der Dritten Welt, für Arm und Reich, für Männer und Frauen.

Wie gelingt es, dass Länder aus der Dritten Welt einen westlichen Wohlstand erreichen, ohne die Umwelt in einem Maße zu gefährden, wie wir es taten?

Land: Darauf gibt es zwei Antworten. Die erste lautet Bildung. Denn nur so können sich die Menschen aus der Dritten Welt mit Fragen des Klimawandels und der Demografie beschäftigen. Und zweitens geht es um Teilhabe. Wir müssen sicherstellen, dass alle Länder Zugang zum Internet haben. Zudem müssen wir sie an unserer Wertschöpfung und an den globalen Märkten teilhaben lassen. Beispiel Afrika: Wenn man dort regenerative Energie nutzen könnte, um synthetische Treibstoffe wie E-Diesel herzustellen, und die Forstwirtschaft diese dann nutzen würde, könnte das die erodierten Böden wieder aufwerten. Dann gäbe es auch weniger Migration. Wir brauchen einfach wieder eine saubere Balance. Davon profitieren am Ende dann auch alle.