Türöffner für Neues

Interview mit Dr. Timm Genett zum deutschen Gesundheitssystem

Dr. Timm Genett erklärt, wie die PKV mit medizinischen Innovationen verfährt und wie sich das auf das deutsche Gesundheitssystem auswirkt.

Verbandes der Privaten Krankenversicherung

Dr. Timm Genett ist Geschäftsführer und Leiter der Abteilung Politik des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (Bild: PR)

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Inwieweit sehen Sie im dualen System Unterschiede im Umgang mit medizinischen Neuerungen?

Dr. Timm Genett: Im System der GKV bestehen relativ hohe Eingangshürden für Innovationen. Einschränkungen wie zum Beispiel der Erlaubnisvorbehalt des Gemeinsamen Bundesausschusses – des Gremiums, das über eine Aufnahme als GKV-Leistung entscheidet –, sind in der PKV nicht vorgesehen. Dieser Vorbehalt und der anschließende Aufnahmeprozess einer Innovation in das Honorarsystem der GKV dauern bis zu zehn Jahre, manchmal auch noch länger. Dagegen muss in der PKV eine Innovation im Wesentlichen wissenschaftlich anerkannt, zugelassen und medizinisch notwendig sein. Die PKV erstattet also in der Regel wesentlich schneller.

Auch im Bereich der Arzneimittelverordnung gibt es verschiedene Ansätze. Wie wirken sich diese aus?

Genett: Verschreibt ein Arzt GKV-Versicherten Medikamente, muss er bestimmte Richtgrößen beachten. Überschreitet er sie, kann dies zu seinen Lasten gehen. Eine solche Regelung gibt es für Privatpatienten nicht. Dies ist einer der Gründe dafür, dass Privatversicherte häufiger innovative Medikamente erhalten. So liegt der durchschnittliche Marktanteil der Privatversicherten bei neuen Medikamenten des Jahrgangs 2014 bei 13,8 Prozent und damit über dem Privatversichertenanteil in der Gesamtbevölkerung von 11,2 Prozent.

Sind diese Zahlen nicht ein Indiz für eine Zwei-Klassen-Medizin, die Kritiker dieses dualen Systems immer wieder anprangern?

Genett: Die PKV sorgt für eine Art Türöffner-Effekt. Gerade bei den innovativen Medikamenten zeigt sich, dass ab dem dritten Jahr nach der Markteinführung auch die Marktanteile der GKV deutlich ansteigen. So kommen nach vergleichsweise kurzer Zeit alle Versicherten in Deutschland in den Genuss von Arzneimittel-Innovationen.


 

Das wichtigste im Überblick

Während das Verfahren zur Anerkennung neuer Leistungen in der GKV oft Jahre dauert, erstattet die PKV diese meist schneller.

Der Wettbewerb zwischen PKV und GKV fördert nach Einschätzung von Medizinökonomen Innovationsprozesse im Gesundheitswesen.

Mehr unter pkv.de



Teil 1: Innovative Behandlungsmethoden in der PKV

Teil 2: Interview Dr. Timm Genett

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