Ein Einfall weiter

Innovative Behandlungsmethoden in der PKV

Die privaten Krankenversicherungen sehen sich selbst als Motor für Innovationen – und unterstreichen damit ihre Position im Gesundheitssystem. Was ist dran an dieser Vorreiterrolle?

Verbandes der Privaten Krankenversicherung

Zukunftsmedizin: Die PKV hält die Hürden für innovative Behandlungsmethoden und Medikamente niedrig (Foto: Getty Images/BlackJack3D)

Fürs Erste ist sie vom Tisch – die „Bürgerversicherung“. In den Koalitionsvertrag der neuen GroKo hat es die „Gesetzliche Krankenkasse für alle“ nicht geschafft. Zu weit lagen die Positionen von SPD und CDU in der Frage der künftigen Krankenversicherung auseinander. Damit bleibt es beim dualen System im Gesundheitswesen – mit der privaten Krankenversicherung (PKV) auf der einen und den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auf der anderen Seite. Im Vorfeld warfen sich Befürworter und Gegner der Bürgerversicherung gegenseitig vor, eine Zwei­Klassen­Medizin zu fördern. Während die Sozialdemokraten mit der Bürgerversicherung gleiche Leistungen für alle Versicherten erreichen wollten, warnte die Union – unterstützt von Ärztevertretern – vor den Folgen einer „Einheitsversicherung“, wie sie etwa in Großbritannien zu beobachten seien. Dort würden sich Menschen, die es sich leisten könnten, exklusiven Zugang zur Spitzenmedizin als Selbstzahler oder durch teure Zusatzversicherungen sichern.

Innovationsmotor Wettbewerb

Ein weiteres Argument, das für das bestehende duale System ins Feld geführt wird: Die PKV fungiert als Innovationsmotor im Gesundheitswesen. Diese Rolle unterstreicht auch Bundesärztekammer­Präsident Frank Ulrich Montgomery: „Die Existenz der PKV führt mit einem hohen Leistungsversprechen dazu, dass auch das GKV­System versucht, einen hohen Versorgungsstandard trotz aller Sparbemühungen aufrechtzuerhalten.“

Als gesichert gilt, dass die PKV in der Regel schneller Innovationen in Therapie und Diagnostik genehmigt und die Kosten dafür übernimmt. Ein Beispiel ist das PET/CT, ein diagnostisches Verfahren zur detaillierten Darstellung von Tumoren. Die PKV erstattet die Ausgaben für den Einsatz solcher Technologien von Anfang an, wenn er medizinisch gerechtfertigt ist. Dagegen dauerte es bis zum Einsatz in der GKV­Regelversorgung, die 2016 erfolgte, mehr als 15 Jahre. „Für die Technologie PET/CT lässt sich sagen, dass sich durch die frühe Bewilligung der Kostenübernahme durch die PKV – zumindest teilweise – der Markteintritt erleichtert hat“, sagt Annette Halstrick, Pressereferentin von Philips Healthcare, einem der Anbieter von PET/CT­Systemen.

Doch Halstrick betont auch: „Jede Krankenkasse, egal ob PKV oder GKV, fördert Innovationen, wenn Kosten neuartiger Diagnose­ und Therapieverfahren für den Patienten frühzeitig übernommen werden. Im klinischen Routinebetrieb lassen sich grundsätzlich besser kleinere Anpassungen durchführen, Prozessoptimierungen vornehmen oder Untersuchungsabläufe optimieren. Nur wenn wir als Konzern ein direktes Feedback aus dem Arbeitsalltag unserer Kunden bekommen und erfahren, vor welchen Herausforderungen sie stehen, ist es uns möglich, die Geräteentwicklung weiter voranzutreiben und die Innovationskraft unserer Entwicklungsabteilungen zu erhalten.“

Wirkt sich der Wettbewerb zwischen PKV und GKV also positiv auf Innovationen und damit auf das Gesundheitssystem aus? Experten wie Dr. Jürgen Wasem, Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg­Essen, sind davon überzeugt: „Die niedrigen Markteintrittsbarrieren und das relativ flexible Vergütungssystem in der PKV fördern eine schnelle Einführung von Innovationen. Auf der anderen Seite führt der Schwerpunkt, der in der GKV auf Wirtschaftlichkeit und Evidenz gelegt wird, zu notwendigen Qualitätsnachweisen und auch zu Prozessinnovationen. Von diesem Qualitätsgewinn profitieren alle Patienten.“


Teil 1: Innovative Behandlungsmethoden in der PKV

Teil 2: Interview Dr. Timm Genett

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