Hamburg, 28.02.2017

Dr. Kurts Kolumne

Endlich wieder ganz Ohr

Ein Hörsturz macht vielen Patienten Angst. Doch mit Geduld und einer Kortisontherapie ist die Chance auf Heilung groß.

In Schwingung: Ein Hörsturz ist in der Regel ein Eil-, aber kein Notfall

Und plötzlich ist der Ton weg – als hätte jemand am Lautstärkeknopf gedreht. Wer einen Hörsturz erleidet, kann von einer Minute zur nächsten auf einem Ohr nicht mehr richtig hören. Auch wenn die Ursachen in der Regel nicht bekannt sind, scheinen einige Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für einen Hörsturz zu erhöhen. Dazu zählen Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte oder Rauchen. Was aber tun, wenn es einen erwischt? Ganz wichtig: Ruhe bewahren. Denn der Hörsturz ist ein Eil-, aber kein Notfall. Erst einmal ein bis zwei Tagen abzuwarten ergibt häufig sogar Sinn. Bei rund der Hälfte Patienten normalisiert sich in dieser Zeit das Hörvermögen wieder. Bleibt das taube Gefühl im Ohr bestehen, sollte man jedoch unbedingt den HNO-Arzt aufsuchen. Einen positiven Einfluss auf den Heilungsverlauf scheint die Behandlung mit Kortison zu haben, das in hoher Dosierung als Infusion oder in Tablettenform zum Einsatz kommt. Wenn dies nicht den gewünschten Effekt hat, kann der Arzt Kortison mit einer Spritze direkt ins Ohr injizieren.

Nicht immer gelingt es allerdings, das Hörvermögen wieder vollständig herzustellen. Bei einem Teil der Betroffenen bleiben Einschränkungen bestehen. So ist es mit einem schwächeren Ohr beispielsweise schwierig, Gespräche in größerer Runde zu verfolgen – vor allem im Job eine unangenehme Situation. Gerade beruflich Erfolgreiche verschweigen jedoch oft ihre Schwerhörigkeit und scheuen ein Hörgerät, fürchten sie doch, als weniger leistungsfähig wahrgenommen zu werden. Dabei gibt es mittlerweile technisch ausgereifte moderne Geräte, die gleichzeitig sehr unauffällig zu tragen sind. Legen Sie also im Fall der Fälle Ihre Scham ab und nutzen Sie die Chancen auf Unterstützung durch Mediziner und Hörakustiker – damit Sie wieder unbeschwert am Leben teilhaben können.

Für die fachliche Unterstützung bei dieser Kolumne gebührt mein Dank Professor Dr. med. Stephan Lang vom Universitätsklinikum Essen.

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