Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Abenteurer der Steppe

Wind im Gesicht, atemberaubende Landschaft vor Augen, von Gegenverkehr keine Spur – in den Weiten der mongolischen Steppe können Biker Gas geben und jenseits des Massentourismus das Land erfahren.

Ulan-Bator an einem Junimorgen im Jahr 2004: Es herrscht Aufbruchsstimmung in der mongolischen Hauptstadt. Ewan McGregor und sein Freund Charley Boorman schwingen sich auf ihre Geländemotorräder und machen sich auf den Weg in Richtung Russland. Die Anstrengungen der vergangenen Wochen sitzen noch in den Gliedern, und der Kopf brummt von den unvergesslichen Eindrücken. Kurz vor der Grenze blickt McGregor noch einmal zurück. „Es war, als wären wir durch eine Bilderstrecke im ,National Geographic‘ gefahren. Jedes Mal, wenn wir aufblickten, gab es etwas Einmaliges zu betrachten oder zu bedenken. Hier war alles noch völlig unverdorben und unberührt, sodass ich die Reise durch die mongolischen Weiten als echtes Privileg empfand.“

Heute, zehn Jahre später, träumen viele von dem Privileg, das der Schauspieler McGregor und sein Kollege Boorman in ihrem Buch „Long Way Round: Der Wilde Ritt um die Welt“ beschreiben: mit dem Motorrad die Mongolei entdecken. Über spezielle Agenturen lassen sich die mehrwöchigen Touren inklusive Guide und Verpflegung buchen. Obwohl das Interesse steigt, gehören die Trips noch nicht ins klassische Reisebüroprogramm. Den Teilnehmer erwarten spektakuläre Routen abseits ausgetretener Tourismuspfade. Die Touren durch meist unbefestigtes Terrain sind anstrengend und teuer, doch die Mühen werden belohnt, weiß Klaus Demel, Inhaber der Offroad & Motorbike Travel Agentur Einfach-Losfahren. „Es gibt viel Platz, eine fast grenzenlose Freiheit, wo ich fahren kann, und über all dem liegt eine besondere, spirituelle Stimmung“, sagt er über die Mongolei. „Es ist eine Mischung aus unendlicher Landschaft und einer Ausstrahlung von Ruhe und Gelassenheit, sogar von den Pferden und Kamelen, an denen wir vorbeifahren.“

Einsame Schönheit

Gelassene Pferde statt Gegenverkehr – in der mongolischen Steppe kann es einsam werden. Das Land zwischen Russland und China zählt zu den am dünnsten besiedelten Staaten der Erde. Die Fläche zieht sich über eine Strecke von 1,56 Millionen Quadratkilometern, viereinhalbmal so groß wie Deutschland. Nur 2,9 Millionen Menschen leben in der rohstoffreichen Mongolei, knapp die Hälfte davon wohnt in der Hauptstadt Ulan-Bator. Landwirtschaft und Viehzucht spielen eine große Rolle, und Besucher werden den ein oder anderen Yak sehen, eine Rinderart mit langem, zotteligem Fell. Die Tourismusindustrie steckt noch in den Kinderschuhen, doch die Besucherzahlen steigen. Im Jahr 2013 kamen circa 515.000 Besucher.

Start und Ziel für Motorradtouristen ist meist Ulan-Bator. Aus Deutschland wird es etwa von Turkish Airlines via Istanbul, Air China via Peking, Aeroflot via Moskau oder MIAT Mongolian Airlines angeflogen. Die beste Reisezeit ist Juni bis September. In diesen Monaten kann das Thermometer aber auch auf 40 Grad klettern. Sommerzeit bedeutet auch Ferienzeit, und die Flugpreise schießen entsprechend in die Höhe: Zwischen 800 und 1.000 Euro kostet ein Ticket. Von Ulan-Bator führen verschiedene Routen durch das Land. Paketangebote oder individuell abgestimmte Touren bieten unter anderem die Veranstalter Overcross, Einfach-Losfahren und Mongolei Special Tours an. Die Gruppengrößen variieren zwischen zwei und zehn Fahrern. Die Touren werden von Geländewagen begleitet, die Expeditionsküche und Lebensmittel, Ersatzteile, Werkzeuge und das Gepäck transportieren. Günstig sind die Touren nicht: Zwei Wochen kosten im Schnitt 3.000 Euro ohne Flug, mehr als drei Wochen ab 6.000 Euro. Beliebte Routen führen durch die Zentralmongolei oder gen Süden durch die Wüste Gobi.

Nichts für Anfänger 

Egal, in welche Richtung die Fahrer aufbrechen, ihre Zweiräder müssen der mongolischen Natur standhalten. Es geht durch die Steppe, Wälder und Berge; über Sand und Steinformationen, durch Flüsse und über Pässe. „Die Mongolei ist ein Enduro-Paradies“, sagt Rico Schnupp, Mongolei Guide bei Overcross. Enduros sind Geländemotorräder; Anbieter empfehlen leichte Modelle, zum Beispiel den „Beta Alp 4.0“ oder 650er-Enduros von Yamaha, Suzuki oder BMW. Motorräder können in Ulan-Bator oder beim Anbieter geliehen werden. Wer sein eigenes Zweirad hat, für den Nomadenidylle: Eine mongolische Familie in traditioneller Kleidung vor ihren Kamelen in der Wüste Gobi Atemberaubend: Blick auf die Wüste Gobi bei Abenddämmerung im Süden der Mongolei kann der Veranstalter den Transport bis in die Mongolei organisieren. Dieser Service oder Leihmotorräder sind meist im Preis mit inbegriffen. Auch der Fahrer muss den oft fordernden Pisten gewachsen sein. Das stellten schon McGregor und Boorman fest, als sie nach mehrfachem Stürzen mit dem Gedanken spielten, frühzeitig nach Russland aufzubrechen. „Ich glaube, es kommt auch daher, dass wir uns im Geist ein Fantasiebild von der Mongolei gemacht haben“, sagt McGregor im Buch. „Dass sie so idyllisch und sanft wäre. Dass wir um neun abfahren und um drei aufhören, an einem Fluss zelten und etwas angeln würden. Aber dieses Land hat uns, sobald wir drin waren, einfach gezeigt, wo’s langgeht.“

Bei Regen wird aus dem Enduro-Paradies eine Rutschbahn. Wenn die unbefestigten Wege matschig sind, ist das Vorankommen Schwerstarbeit. „Offroaderfahrung sollte vorhanden sein, das heißt sicheres Fahren auf Schotter und Gelände“, empfiehlt Johannes Geier, Mitarbeiter bei Overcross. Wer unsicher ist, dem bieten Agenturen Geländetraining vor Ort an. Denn: „Es ist keine Tour für Anfänger oder Wiedereinsteiger“, betont Demel. Übernachtet wird hauptsächlich in Jurten, den traditionellen Zelten der Nomaden. Jurtencamps sind mit Sanitäranlagen ausgestattet, und Solarzellen sorgen für Elektrizität. Die Camps ermöglichen einen Einblick in die Lebensweise der Nomaden, die sich vor allem durch Gastfreundschaft auszeichnet.

Einblick in das Nomadenleben

Die mongolische Küche ist geprägt durch viel Fleisch und Milchprodukte wie Käse, Quark, Joghurt sowie Airag, ein traditionelles Getränk aus vergorener Stutenmilch. Für manch einen westlichen Besucher hält sie auch Überraschungen parat. „Die mongolische Frau, die uns in ihre gemütliche Jurte eingeladen hatte, hob den Deckel vom blubbernden Eintopf. Wir sahen eine braune Flüssigkeit mit weißer Schaumkrone, in der etwas trieb, was wie Knorpelklumpen aussah“, beschreibt Boorman im Buch einen Abend als Gast bei Nomaden. „Sie rührte mit einer Schöpfkelle in der Flüssigkeit, fischte ein paar Brocken heraus und ließ sie wieder in den Kessel plumpsen. Das waren unverkennbar Hoden. Um die zweihundert. Vom Lamm, vom Stier und vom Ziegenbock. Ein Fest für Mongolen, aber ein Albtraum für uns.“ Nicht nur kulinarisch können Besucher Neues entdecken und sich vom Fremden inspirieren lassen. „Man kann so atheistisch sein, wie man will, aber jeder sollte mal einen ‚Gottesdienst‘ in einem tibetischen Tempel erlebt haben“, so Demel. „Wer da keine Gänsehaut bekommt, wenn die Priester eine Art von Alphörner blasen, der ist wahrlich gefühlskalt.“

Am 11. Juli feiern Mongolen ihr Nationalfest Naadam mit Pferderennen und Ringkämpfen im ganzen Land. Wem das noch nicht Abenteuer genug ist, der kann die Reisezeit verschieben: Im Winter fällt das Thermometer auf unter minus 30 Grad. Bei eisigen Temperaturen besticht die Wüste Gobi durch glasklare Luft und beeindruckende Farben. Touren starten auch in Deutschland, durch die Krise in der Ukraine muss der Reiseverlauf aber eventuell noch angepasst werden. Unabhängig von der Route – eine Motorradtour durch die Weiten der mongolischen Steppe wird ein unvergessliches Erlebnis. Für Boorman steht am Ende fest: „So glücklich hatte ich mich schon seit Langem nicht mehr gefühlt.“

Das interessiert andere Leser

  • Ideenschmieden der Topmanager
    Ideenschmieden der Topmanager

    Eine Reise ins Silicon Valley ist nicht alles: Vier Konzernlenker verraten, woher sie neue Ideen nehmen.

  • Wer sie verpasst, verliert

    Der deutsche Mittelstand muss die Chancen der Digitalisierung nutzen. Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, im Interview.

  • Günther Oettinger im Interview
    Die Schweinsteigers der Industrie

    Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, bezieht Stellung zur Digitalisierung und sagt, was Bastian Schweinsteiger damit zu tun hat.

  • Immer mehr Firmen leasen Software, anstatt sie zu kaufen.
    Pro und contra Software-Leasing

    Mehr IT-Sicherheit, weniger Personalaufwand, aber höhere Kosten – lohnt sich Software-Leasing für mein Unternehmen?

  • Jobgarantie Olympiasieg?

    Top-Athleten haben finanziell ausgesorgt? Von wegen. Im Schnitt müssen sie hierzulande mit 630 Euro im Monat auskommen.

  • Minderheitsinvestoren: Inhaber behalten das letzte Wort
    Geld und Macht

    Frisches Kapital für das eigene Unternehmen zu bekommen ohne an Einfluss zu verlieren – das klingt nach der Quadratur des Kreises. Minderheitsbeteiligungen versprechen genau das.

  • Futterhaus-Franchise
    Nachfolge per Franchise

    Franchise macht das Gründen leichter. So viel ist klar. Dass die Systeme auch helfen können, das eigene Unternehmen und die Nachfolge zu sichern, dürfte weniger bekannt sein.

  • Wladimir Klitschko gewährt einen Einblick in seine Pläne für die Karriere nach dem Sport.
    Wladimir Klitschko im Interview

    Der erfolgreichste Box-Schwergewichtler aller Zeiten über die Karriere nach der Karriere.

  • Nicolas Rädecke und Susanne Schnur von DUB.de auf dem Franchise Matching Day 2016.
    Franchise Matching Day mit großem Erfolg

    Rund 400 Besucher kamen zur größten deutschen Franchisemesse in Köln. Als Medienpartner stellte die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de die neue DUB Franchisebörse vor.

  • Das neue DUB UNTERNEHMER-Magazin ist da

    Exklusiv am Kiosk, in Handelsblatt und in WirtschaftsWoche: Weltmeister Wladimir Klitschko verrät sein Erfolgsgeheimnis. Dazu: fünf Megatrends, die Sie kennen müssen.

  • Wer ein Unternehmen gründen oder kaufen will, braucht Geld – zu möglichst niedrigen Zinsen.
    Wenn die Hausbank Nein sagt

    Ihre Bank will Ihnen keinen Gründerkredit geben? Kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen! So kommen Sie trotzdem an günstiges Startkapital.

  • Wie fit sind die Krankenkassen?

    Der Chef der größten deutschen Krankenkasse spricht über Zukunftsszenarien – nicht alle sind rosig.

  • Colin Berr
    Gefragte Mentoren

    „Jedes Team braucht einen guten Mentor“, weiß der Milliardär und Entrepreneur Richard Branson. Warum das auch für kleine Unternehmen zutrifft.

  • Am Ziel vorbei

    Teamarbeit ist ein Erfolgsfaktor. Doch was tun, wenn das Zusammenwirken hakt? Das gängige Rezept: ein gemeinsamer Ausflug. Aber hilft das?

  • Unternehmerischer Erfolg mit System

    Wer sich selbstständig machen will, ohne auf eine strategische Unterstützung zu verzichten, sollte über Franchising nachdenken.

  • Ideen innen und aussen

    Beim Innovationsforum 2015 in Frankfurt am Main sprachen vier Konzernlenker darüber, welche Quellen sie anzapfen, um neue Ideen zu generieren.

  • Aufs große Spielfeld

    Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, sagt, was passieren muss, damit Europa nicht den Anschluss verliert.

  • Was bleibt, was kommt

    Ob Digitalisierung, Mobilität, Demografiewandel – Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Wer erfolgreich sein will, muss sich dem globalen Wandel stellen.

  • Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen.
    Weg mit dem Server

    Die Cloud im eigenen Unternehmen kann IT-Kosten sparen und die Nerven schonen – wenn sie richtig eingesetzt wird. Zwei Experten sagen, wie sie am besten eingeführt wird.

  • Über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und das Ende des klassischen Beratungsgeschäfts.
    Roboter statt Banker

    Prof. Dr. Martin Hellmich über den Erfolg der Fintechs, Online-Strategien der Banken und wie Mittelständler von den neuen Angeboten profitieren.

  • 7 Tipps für eine gelungene Franchise-Vertragsunterzeichnung.
    Erst Verträge schließen, dann Geld verdienen

    Vertragslaufzeit, Einkaufsbedingungen Gebührenhöhe – Franchisenehmer müssen sich mit dem Kleingedruckten befassen. 7 Tipps für eine gelungene Vertragsunterzeichnung.

  • Die Entdeckung Europas

    Aus AG wird SE - Immer mehr deutsche Firmen werden ihrer Rechtsform nach europäisch. Die Vorteile: mehr Flexibilität beim Management, aber auch bei Mitbestimmung und Verlagerungen.

  • Mischung mit System

    Geldanlegen wie die Profis - das war lange Zeit nur vermögenden Investoren vorbehalten. Doch jetzt mischen Multi-Asset-Fonds den Markt auf.

  • Werben Sie jetzt auf der DUB-Franchisebörse

    Seit Jahren suchen Unternehmer in spe bei DUB.de Ihr eigenes Unternehmen. Bieten Sie finanzstarken Interessenten ein neues Zuhause unter Ihrem Dach.

  • Alles im Fluss

    Istanbul steht auf der Liste der beliebtesten Spots für Städtetrips ganz oben. Mit einem privaten Guide kann man die Stadt abseits der Touristenströme entdecken.

  • Welches Preisschild trägt ein Lebenswerk?

    Über Jahre hat Kirsten Schubert im Unternehmen ihres Vaters mitgearbeitet. Bis er unerwartet starb. Statt trauern zu können, musste sie die Firma verkaufen. Ein Erfahrungsbericht.

  • Anstand zahlt sich aus
    Anstand zahlt sich aus

    Der Gründer des Club of Hamburg, Frank Breckwoldt, erklärt, warum sich Wertschätzung und Verbindlichkeit gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Kunden lohnen.

  • Unternehmer per System

    Mit Franchising kann der Traum von der unternehmerischen Selbstständigkeit schnell wahr werden. Richtig angepackt, können beide Seiten profitieren.

  • Deckung oben halten

    Abischerung ist oft nicht das Erste, an das Entrepreneure denken. Doch die Altersvorsorge, die Deckung betrieblicher Risiken zählen.

  • Bester Agrarunternehmer zum „Landwirt des Jahres“ gekürt

    Bei der „Nacht der Landwirtschaft“ wurden zum zweiten Mal die begehrten „CeresAwards“ für innovative Ideen und verantwortungsvolles Wirtschaften verliehen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick