Wenn Eltern gründen

Unflexible Arbeitszeiten, wichtige Meetings, wenn die Kita-Betreuungszeit vorbei ist: Nicht immer gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Familienphase. Vor allem Frauen müssen oft zurückstecken. Die Flucht nach vorn: eine Unternehmensgründung.

Selbst machen: Kunden bei DeinKindergeschirr können Tassen und Teller mit dem Namen des Kindes versehen

Vom Wickeltisch zurück an den Schreibtisch – viele frischgebackene Eltern wollen oder müssen nach einer Auszeit vom Beruf in Sachen Karriere wieder voll durchstarten. Auch Nicola Hoensbroech kündigte an, schon nach sechs Monaten Mutterschutz wieder Vollzeit arbeiten zu wollen, als sie 2007 ihr erstes Kind erwartete. Doch die Pause stieß bei ihrem ehemaligen amerikanischen Arbeitgeber auf wenig Verständnis. Warum denn erst nach sechs Monaten? „Don’t you have pumping rooms in Germany?“, hieß es nur. „Da habe ich gemerkt, bei dem Arbeitgeber wäre es nie möglich gewesen, mit gutem Gewissen Mutter zu sein und gleichzeitig einen Top-Job zu machen“, erzählt Hoensbroech. „Ich bin jemand, der seine Sachen gerne gut macht, ich habe einen hohen Anspruch an mich, und ich wäre daran zerbrochen.“ Das war die Geburtsstunde der Idee, ein Mami-freundliches Unternehmen zu gründen. Heute leitet die mittlerweile vierfache Mutter den Onlineshop DeinKindergeschirr. Kunden können ihr individuelles Geschirr mit einem Baukastensystem selbst gestalten – ob Außenrand, Innenrand, Innenmotiv oder Kindernamen auf dem Teller. „Das ist in dieser Form einzigartig weltweit“, sagt Hoensbroech. Das Geschäft brummt. Ende 2011 gegründet, war DeinKindergeschirr bereits im ersten Jahr profitabel. Mama und Gründerin in einem – das funktioniert in ihrem Fall auch deshalb, weil viele Prozesse ausgelagert werden. Produzent und Logistiker sitzen in Norddeutschland, Letzterer verpackt und schickt das Produkt an den Endkunden. Eine Mitarbeiterin kümmert sich um Bestellungen, eine andere um PR, und zwei Externe sind für Grafik und Buchhaltung zuständig. Drei von vier Mitarbeiterinnen sind selbst Mütter. „Wir sehen uns teilweise nur einmal in einem halben Jahr und arbeiten alle auf Cloud-Basis“, erklärt die 37-Jährige. Das gibt ihnen vor allem eins: Flexibilität. „Wir können arbeiten, von wo wir wollen, zu jeder Tages- und Nachtzeit.“

Frauen stecken beruflich zurück

Die Unternehmensgründung nach der Familienphase ist für viele Eltern eine flexible Alternative zur Rückkehr in den alten Job, wo die Arbeitszeiten nicht immer mit der Familie vereinbar sind. Eine Studie des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach zeigt, dass dabei vor allem die Frauen häufig den Kürzeren ziehen. Von den befragten Paaren waren vor der Geburt des ersten Kindes 71 Prozent in Vollzeit erwerbstätig, nach der Geburt und Elternzeit nur noch 15 Prozent. Mehr als die Hälfte wechselt in das Modell mit Vollzeitarbeit des Vaters und Teilzeitjob der Mutter – auch langfristig: Laut Studie bleiben viele Frauen dann in der Teilzeit und Männer in der Vollzeit. „Im Zusammenhang mit der Geburt des ersten Kindes treffen Paare Entscheidungen, die vor allem das weitere Leben von Frauen langfristig verändern“, sagt Professor Renate Köcher vom IfD Allensbach in einer Pressemitteilung. „Die meisten stecken nicht nur kurzfristig, sondern für viele Jahre, oft für immer, beruflich zurück – mit gravierenden Auswirkungen auf berufliche Chancen und Rentenansprüche.“ Carmen Kraushaar und Heidemarie Klein organisieren eine Summer School für gründungsinteressierte Frauen nach der Familienphase. „Wir haben festgestellt, dass Frauen, die wieder einsteigen möchten, kein adäquates Jobangebot bekommen haben – selbst wenn viele vielleicht nur ein Jahr in Elternzeit waren“, sagt Kraushaar.

Den Markt gründlich analysieren

Welche Trends gibt es? Wofür geben die Menschen heute ihr Geld aus? Wie kann ich diese Trends mit meinen Fähigkeiten kombinieren? Das sind zentrale Fragen bei der Umsetzung einer Geschäftsidee, erklärt Gründungsberaterin Dr. Uta Willim von der GründerinnenWerkstatt, die Frauen in der Region Mülheim an der Ruhr, Essen und Oberhausen bei ihren Gründungsvorbereitungen unterstützt. Themen, an denen sich ansetzen lässt, seien beispielsweise demografischer Wandel, Umwelt oder Individualisierung. Hoensbroech entschied sich für Letzteres. Der individualisierbare Bereich liege im Trend, sagt sie. „Hinzu kommt, dass die Menschen in Deutschland immer weniger Kinder bekommen, das heißt, jedes Kind wird wichtiger. Die Eltern sind zum Zeitpunkt der Geburt immer älter, und dadurch steht mehr Geld zur Verfügung. Früher hätte keiner Interesse an einem Teller mit Namen gehabt, heute ist das anders“, erklärt die Gründerin. Neben der gründlichen Marktanalyse ist das richtige Netzwerk ein wichtiger Aspekt für jeden Unternehmensgründer. „Man hat als Unternehmerin ganz viele Hüte auf“, sagt Willim. „Man ist selbst die beste Fachfrau, der eigene Manager. Da ist es hilfreich, wenn man erkennt, wer einen dabei unterstützen kann und dafür das richtige Netzwerk hat. Auch ist es wichtig, dass sich die Frauen Gedanken darüber machen müssen, was sie mindestens verdienen möchten oder müssen und wie der notwendige Gewinn zu erreichen ist.“

Die Gründungstätigkeit in Deutschland nimmt zu, wie der aktuelle Gründungsmonitor der Förderbank KfW zeigt. So stieg im Jahr 2014 die Anzahl der Gründer auf 915.000 - ein Plus von 47.000. Laut Bericht haben 43 Prozent der Existenzgründungen Frauen umgesetzt. Damit wurde der Spitzenwert von 2013 erneut erreicht. Nicht nur die Flexibilität spricht für ein Dasein als Gründerin. Auch ein gewisses Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmung gehöre dazu, erklärt Klein. „Es ist die Möglichkeit, selbst etwas zu gestalten, ganz gleich ob Produkt oder Dienstleistung, und es dann auf den Markt zu bringen.“ Das stärkt auch das Selbstbewusstsein – ein ganz wichtiger Punkt, weiß Willim. „Viele Frauen haben sich lange nicht mehr mit sich selbst auseinandergesetzt“, sagt sie über Teilnehmerinnen der GründerinnenWerkstatt. „Sie haben sich um die Familie gekümmert, was aber vielleicht nicht immer so wertgeschätzt wurde wie eine Frau, die im Beruf steht. Das Selbstbewusstsein hat oft gelitten, und sie waren sich teilweise gar nicht mehr bewusst, über welche Qualitäten und Fähigkeiten sie verfügen.“ Die Gründung nach der Familienphase könne auch denen helfen, die sich noch mal bei einem Unternehmen bewerben möchten, sagt Hoensbroech. „Man zeigt Einsatzwillen, Durchhaltevermögen und Flexibilität. Das sollten viel mehr Frauen machen.“ Wer eine Idee habe, solle loslegen. „Ohne Angst vorm Scheitern.“

Das interessiert andere Leser

  • 26.09.2019 | Praxis-Workshop "Betriebliche Nachfolge"| Hamburg
    26.09.2019 | Workshop "Betriebliche Nachfolge"| Hamburg

    Anhand abgestimmter theoretischer Grundlagen und alltagsnaher praktischer Übungen wird den Teilnehmern essenzielles Methodenwissen für eine erfolgreiche Unternehmensübernahme und Führung vermittelt.

  • Unternehmenswert: Berater nehmen die Zahlen objektiv unter die Lupe
    Wahre Werte

    Stefan Butz, öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter, erklärt, worauf es bei Unternehmensbewertungen ankommt.

  • Die Suche nach einem passenden Unternehmensnachfolger auf DUB.de
    Ein Geduldsspiel

    Worauf man bei der Suche nach einem passenden Unternehmensnachfolger achten sollte erklärt Thomas Sonntag, Gründer der Unternehmerberatung Nachfolgekontor.

  • Best Practise: Unternehmensnachfolge auf DUB.de
    „Voller Tatendrang“

    In nur drei Monaten hat Ömer Uzuner die Technologiegruppe IGEA, DMS und NFT übernommen. Wenn es zwischen Verkäufer und Käufer passt, kann sogar eine Unternehmensnachfolge schnell gehen.

  • Unternehmenskaufvertrag: Das lästige Kleingedruckte
    Unternehmenskaufvertrag: Das lästige Kleingedruckte

    Die Details einer Unternehmensnachfolge sind in einem Unternehmenskaufvertrag zu regeln. Worauf Käufer und Verkäufer achten sollten.

  • In vielen KMU werden Angestellte zu geeigneten Kandidaten für die Nachfolge.
    Unternehmensnachfolge: Angestellte als passende Nachfolger

    Die Nachfolge ist in vielen KMU stark bedroht und somit werden oftmals die eigenen Angestellten als geeignete Kandidaten in Erwägung gezogen. Welche Vorteile das haben kann, wird in diesem Beitrag beschrieben.

  • Unternehmensbewertung - Auf der Suche nach dem richtigen Preis
    Auf der Suche nach dem richtigen Preis

    Jedes Unternehmen ist einzigartig. Das macht Standardvergleiche schwieriger und erfordert ein großes Maß an Spezialwissen bei der Bewertung.

  • Franchise lohnt sich
    Franchise in Deutschland: Warum sich diese Form des Unternehmertums lohnt

    Franchise ist eine Erfolgsgeschichte. Die Branche floriert kräftig, wie die 3 Top-Franchisesysteme TeeGeschwendtner, Nordsee und FiltaFry zeigen.

  • Unternehmensnachfolge zieht an
    70% mehr neue Inserate auf der Deutschen Unternehmerbörse DUB.de im ersten Halbjahr 2019

    Unternehmensnachfolge zieht an. 70% mehr neue Inserate auf der Deutschen Unternehmerbörse DUB.de im ersten Halbjahr 2019

  • Veränderungsprozesse in Unternehmen
    Sprung ins kalte Wasser - Haufe Group Teil 1

    Mut zur Veränderung ist eine zwingende Voraussetzung für langfristigen Erfolg. Das Beispiel der Haufe Group zeigt, worauf es bei Innovations- und Transformationsprozessen ankommt.

  • Interview: Markus Reithwiesner und Hermann Arnold von der Haufe Group
    Bloß nicht zurücklehnen - Haufe Group Teil 2

    Geht es um Innovation, sehen Markus Reithwiesner und Hermann Arnold von der Haufe Group das ganze Unternehmen in der Pflicht. Was Flöße und Kreuzfahrtschiffe damit zu tun haben.

  • Kartellschadensersatzhaftung für Unternehmensnachfolger

    Kartellschadensersatzhaftung für Unternehmensnachfolger. Was die Entscheidung des EuGH zum Fall "C-724/17 – Skanska" für Unternehmensnachfolger bedeutet.

  • Nachfolge Checkliste machen und optimal auf den Nachfolgeprozess vorbereitet sein!
    Unternehmensnachfolge: Das müssen Sie in der Frühphase beachten

    Übersichtlich und hilfreich: Mit unserer Nachfolge Checkliste bereiten Sie sich optimal auf den Nachfolgeprozess vor. Jetzt hier herunterladen!

  • Franchiserecht:
    Franchiserecht: Über Pflichten und Rechte im Franchise

    Der Vertrag im Franchising wird dem Franchisenehmer vom Franchisegeber vorgelegt. Da dieser die rechtliche Grundlage darstellt, sollten die Klauseln genau geprüft werden.

  • FRANCHISE WEITER IM AUFWIND:
    Franchise weiter im Aufwind

    Steigende Umsätze, mehr Systeme und Partner: Der Franchiseverband hat positive Zahlen vermeldet und wieder die begehrten Awards verliehen.

  • Christian Grusemann vom IT-Systemhaus Bechtle
    Managed Security Services

    Nicht jedem Unternehmen gelingt es, die IT intern zu sichern. Die Alternative: Outsourcing. Christian Grusemann vom IT-Systemhaus Bechtle sagt, wie das aussieht.

  • Versicherungsbestand verkaufen – darauf sollten Sie achten
    Versicherungsbestand verkaufen – darauf sollten Sie achten

    Der Verkauf eines Versicherungbestandes gehört zu den spezielleren Formen der Nachfolge im Mittelstand - So läuft der Verkaufsprozess problemlos ab.

  • Wenn es perfekt passt

    Die NGC Nachfolgekapital tätigt mit dem Kauf der E-M-C-direct ihre erste Beteiligung. Ein zielgerichteter Nachfolgeprozess.

  • Die bKV-Experten über die Perspektiven der betrieblichen Krankenversicherung
    Wie der Chef für die Mitarbeiter sorgen kann

    Die bKV-Experten Rainer Ebenkamp, Frank Nobis, Sabrina van de Bürie, Robert Gladis und Marc Simons über die Perspektiven der betrieblichen Krankenversicherung.

  • Sonja Wärntges, CEO des Immobilienkonzerns DIC Asset.
    Wandel der Immobilienbranche

    Nur vier börsennotierte Unternehmen in Deutschland werden von einer Frau geführt. Sonja Wärntges, CEO des Immobilienkonzerns DIC Asset, zählt zu ihnen.

  • Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin und Gründerin des Zahlungsdienstleisters RatePAY
    Goldgräberstimmung

    Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin und Gründerin des Zahlungsdienstleisters RatePAY, über die Chancen der Digitalwirtschaft, eine perfekte Basis für Gleichberechtigung und Vielfalt in Unternehmen zu bieten.

  • Simone Ashoff, Good School
    Eine Frau, die das Digitale liebt und lebt

    Wie arbeiten Computerhacker? Und wie fühlt es sich auf einer virtuellen Schaukel an? In ihrer Good School hilft Simone Ashoff Managern, Digitalisierung (neu) zu begreifen.

  • Anke Giesen, Vorstand Operations bei Fraport
    „Mehr Diversität steigert den Unternehmenserfolg”

    Als Vorstand Operations bewegt Anke Giesen den Flughafenbetreiber Fraport. Die Förderung von Frauen ist für sie eine Herzensangelegenheit.

  • Dr. Melanie Maas-Brunner, President Nutrition & Health beim Chemieunternehmen BASF.
    Vielseitig Team führen zum Erfolg

    Welche Mechanismen bei der Suche nach passenden Talenten greifen und warum Mädchen Naturwissenschaften studieren sollten, erklärt Dr. Melanie Maas-Brunner, President Nutrition & Health beim Chemieunternehmen ...

  • Veronika Bunk-Sanderson, Telefónica Deutschland
    Kommunikation als Kernkompetenz

    Veronika Bunk-Sanderson steuert für Telefónica Deutschland als Director Communication und Investor Relations das Selbst- und Fremdbild des Telekommunikationsdienstleisters. Ein Interview mit dem DUB ...

  • Tijen Onaran, Gründerin von Global Digital Woman.
    „Menschen folgen Menschen“

    „Making the world more digital and female“ – mit diesem Claim möchte die Gründerin von Global Digital Woman, Tijen Onaran, Frauen zusammenbringen – auch um das Scheitern zu zelebrieren.

  • GmbH-Insolvenz: Den Verkauf als Weg aus der Krise nutzen
    GmbH-Insolvenz, und nun?

    Statt eines langwierigen Sanierungsverfahrens bietet sich bei Insolvenz häufig der Verkauf des Unternehmens an. Was dabei zu beachten ist.

  • Bester Franchisenehmer der Welt - jetzt Nominierung abgeben

    Nominieren Sie Ihre Franchisenehmer zum internationalen Award und präsentieren Sie Ihr Franchise-System und Ihre Marke auf internationaler Bühne.

  • Franchise Konzepte: Positive Stimmung in den Systemen
    Franchise Klima Index 2019

    Der Franchisemarkt boomt, die Stimmung ist gut. Das zeigt die neuste Erhebung des FKI. Zugleich treibt viele Franchise-Systeme um, wie sie schnell neue Mitarbeiter und Franchisepartner finden.

  • Unternehmensnachfolge im Fokus– „Turmgespräch des Mittelstands“
    "Turmgespräch des Mittelstands" in Düsseldorf

    Der Deutsche Mittelstands-Bund (DMB) lud rund 50 wirtschaftliche Entscheider, Politiker und Fachexperten ein um über die Herausforderungen und Lösungen der Nachfolgerproblematik zu diskutieren.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser