Vom Kumpel zum Kollegen

Bei der Rekrutierung kann die eigene Belegschaft oft wertvolle Tipps geben. Clevere Unternehmen setzen auf Empfehlungen im Freundeskreis.

Manchmal sind auch neue Kosten eine gute Nachricht: Bald muss Folke Werner wieder eine Ladung iPads bestellen. Für den Leiter Recruiting des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) ist das ein Zeichen dafür, dass seine Mitarbeiter erfolgreich Werbung für ihren Arbeitgeber machen - und genau wissen, wer zu PwC passt. Denn jedes Mal, wenn ein Mitarbeiter eine Empfehlung ausspricht, die zu einer Neueinstellung führt, hat er die Wahl: ein neues iPad oder eine Geldprämie.
 
Bei PwC gingen im letzten Jahr rund zehn Prozent der rund 1200 Neueinstellungen auf das Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programm zurück. Damit liegt das Unternehmen nahe am deutschen Durchschnitt: Hier liegt der Anteil der Programme an den Neueinstellungen bei neun Prozent - und so deutlich niedriger als in den USA, wo es nach Angaben des Recruitingportals Jobvite fast 40 Prozent sind.

Dabei ist die Thematik schon lange bei den Personalabteilungen angekommen. "Solche Programme sind mittlerweile ein etabliertes Instrument der Personalgewinnung", sagt Armin Trost, Professor für Personalmanagement an der Hochschule Furtwangen. Rund 30 Prozent der deutschen Unternehmen wenden solche Programme erfolgreich an, bemerkt Wolfgang Brickwedde vom Institute for Competitive Recruiting (ICR). Trotzdem bleiben einige Fallstricke, die über Erfolg oder Misserfolg des Instruments entscheiden können.

Die Vorteile der Empfehlungsprogramme liegen für die Experten auf der Hand: Die eigenen Mitarbeiter dienen als ein guter Filter - sie empfehlen nur Menschen, die sie für geeignet halten. Außerdem gilt häufig: Gute Mitarbeiter kennen andere gute Leute. "Das sind genau die relevanten Kräfte, für die sich Unternehmen interessieren", sagt Trost.

Im Schnitt kommen auf sieben Empfehlungen drei Einstellungen - im Vergleich zu anderen Instrumenten ist das eine gute Quote. Deshalb seien die Programme viel billiger als konventionelle Instrumente der Personalgewinnung, erklärt Trost. Und sie zahlen sich auch langfristig aus: Auf diesem Weg eingestellte Mitarbeiter blieben nach den Erkenntnissen der Forscher oft länger im Unternehmen als andere.

Verbreitet sind die Programme daher vor allem dort, wo die Konkurrenz um Mitarbeiter groß ist, also beispielsweise in der IT, bei Beratungen oder bei Personaldienstleistern. Profitieren können auch Unternehmen aus Branchen, die unter Imageproblemen leiden.

Gute Erfahrungen mit den Empfehlungsprogrammen hat zum Beispiel das Unternehmen Competence Call Center (CCC) gemacht. In den letzten beiden Jahren ist CCC stark gewachsen, im Jahr 2013 hat das Unternehmen in Deutschland rund 800 Mitarbeiter eingestellt - obwohl die Branche der Telefondienstleister keinen guten Ruf hat. "Das wirkt sich natürlich auch auf das Recruiting aus", sagt Dana Waschk, Human Resources Managerin bei CCC. Die Empfehlungen halfen weiter: Im Jahr 2013 lag der Anteil des Instruments bei über 40 Prozent der Neueinstellungen. Für eine Vermittlung zahlt CCC eine Geldprämie, bei einzelnen Standorten gibt es zusätzlich Sachprämien wie Einkaufsgutscheine.

Beim Personaldienstleister Randstad winkt für die Vermittlung eines fest angestellten Mitarbeiters eine Prämie von 600 Euro, bei zwei Verlosungen im Jahr lockt noch ein Hauptgewinn von 2 000 Euro. Jährlich gehen rund 30 Prozent der Neueinstellungen auf das Programm zurück. Und es sollen noch mehr werden: "Wir versuchen, es immer wieder intern zu bewerben", sagt Tanja Köhler, Manager Recruitment and Employer Branding. So wendet sich Randstad etwa gezielt an Mitarbeiter im Unternehmen, die zu der Vakanz passen - und die Bekannte mit einem ähnlichen Profil haben könnten.

Ein Schlüssel zum Erfolg ist die richtige Streuung des Angebots. Unternehmen sollten überlegen, welche Mitarbeiter sie wegen welcher Vakanzen ansprechen. "Einfach eine Ausschreibung an das schwarze Brett zu hängen, reicht nicht aus", sagt Brickwedde. Auch vor dem allgemeinen E-Mail-Verteiler warnt der Experte: "Die Jobausschreibung sollte nicht als Spam wahrgenommen werden, weil sie gar nicht zum Mitarbeiter passt."

Sinnvoll kann auch sein, Mitarbeiter aus der Personalabteilung auszuschließen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Einige Webportale bieten Dienste an, mit denen Unternehmen Ausschreibungen gezielt an Mitarbeiter schicken können, die diese dann in ihren Netzwerken verbreiten können. Die Reichweite wachse so zwar stark, sagt Brickwedde. Aber die Gefahr bestehe, dass die Filterfunktion durch die Mitarbeiter zu ausgeprägt werde und so die Qualität der Bewerber leide.

Auch die ausgesetzte Belohnung ist zu überdenken. Nicht in allen Fällen sei eine Prämie nötig, findet Brickwedde: "Es muss zur Unternehmenskultur passen." Ob Obstkorb oder Barscheck - eine Prämie sollte keinen Anreiz für eine Inflation von Empfehlungen geben. "Wenn Mitarbeiter Personen empfehlen, tragen sie in dem Moment eine Verantwortung für alle Beteiligten: die Person, das Unternehmen und auch für sich", sagt Armin Trost. Schließlich kann die Bewerbung auch schiefgehen. Dann steht der eigene Mitarbeiter ein wenig im Regen. Eine Prämie als Belohnung für dieses Wagnis - das ist auch bei PwC so. "Wir wollen damit das Engagement unserer Mitarbeiter honorieren", erläutert Folke Werner. Das ausgelobte iPad solle ein Dankeschön sein.

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Eigene Firma gründen: Das sind die erste Schritte

    Frei von den Zwängen des Angestelltendaseins: das ist nur ein Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Folgende Liste bietet Tipps für einen erfolgreichen Start.

  • Jetzt bewerben: Deutscher Exzellenz-Preis 2019

    Die top-besetzte Jury des Deutschen Exzellenz-Preises kürt Herausragendes. Entscheiderinnen und Entscheider können sich in allen Award-Kategorien noch bis zum 1. Oktober 2018 bewerben.

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • Angriff aufs Irrationale

    Welche Mechanismen machen Google, Amazon und Co. so erfolgreich? In seinem Buch „The Four“ wagt Marketingprofessor Scott Galloway einen Erklärungsversuch.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • “Refugien der Mechanik”

    Viele Freunde edler mechanischer Uhren lieben auch historische Fahrzeuge. Wilhelm Schmid fördert mit seiner Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne den legendären Oldtimer-Wettbewerb „Concorso d’Eleganza Villa ...

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

  • Frauen im Franchise
    Mehr Möglichkeiten für Frauen im Franchise

    Eine Umfrage des Deutschen Franchise-Verbands zeigt: Unter den Führungskräften in den Systemen gibt es relativ wenige Frauen. Das dürfte sich in den nächsten Jahren aber ändern.

  • Town und Country Haus
    Town & Country im Interview

    Town and Country Franchise Leiter Benjamin Dawo erläutert den Erfolg des Geschäftsmodells und spricht über Franchise-Partner, Neugründung und Nachfolge beim Bau Franchise.

  • Unternehmerische Kompetenz

    Reine Bauchentscheidungen sollten bei der Unternehmensnachfolge vermieden werden. Hier ist unternehmerische Kompetenz gefragt, die sich in vier Ebenen gliedern lässt.

  • Die Regeln des Spiels

    Die Franchise-Branche hat ihre ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Tom Portesy, CEO des Franchise-Expo-Veranstalters MFV Expositions, erklärt, was in der Branche zählt.

  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Autoreninterview: Außer Kontrolle?

    Frank Schätzing über die Folgen der Künstlichen Intelligenz für Mensch und Gesellschaft. Der Romanautor tritt für ein neues menschliches Selbstbild ein.

  • Haustüren Franchise Expandiert in Deutschland
    Haustüren Franchise auf Expansionskurs

    Pirnar sucht engagierte Verkaufstalente als Franchisenehmer für seine neuen Standorte in Deutschland. Der Produzent ist am 27.-29. September 2018 auf der Franchise-Expo in Frankfurt anzutreffen.

  • Motivation zur Selbstständigkeit
    Gründen 2018 - neue Studie zur Motivation

    Unterscheidet sich der Gründungswunsch nach Altersgruppe? Und was sind die wichtigsten Motivationen und Hindernisse auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Hier erfahren Sie mehr.

  • Franchise im Handwerk

    Die Rahmenbedingungen für Franchise im Handwerk sind gut. Durch Gesetzesänderungen sind viele Franchisesysteme im Handwerk auch für Berufs- oder Quereinsteiger offen.

  • Verkaufsmotiv beim Firmenverkauf

    Die objektive Beurteilung Ihres Verkaufsmotivs ist spielentscheidend für den Verkauf Ihrer Firma.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Sommer im Glas

    Die Vielfalt bei Weinen scheint unermesslich. Und die Qualität steigt stetig. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin befragte ausgewählte Weinhändler nach ihrem Geheimtipp für die warme Jahreszeit.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Eigene Firma gründen: Das sind die erste Schritte

    Frei von den Zwängen des Angestelltendaseins: das ist nur ein Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Folgende Liste bietet Tipps für einen erfolgreichen Start.

  • Jetzt bewerben: Deutscher Exzellenz-Preis 2019

    Die top-besetzte Jury des Deutschen Exzellenz-Preises kürt Herausragendes. Entscheiderinnen und Entscheider können sich in allen Award-Kategorien noch bis zum 1. Oktober 2018 bewerben.

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!