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WERTEWANDEL

Hohe Ansprüche

Worauf legen Studierende bei der Wahl des Arbeitgebers besonderen Wert? Eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts Schad gibt Antwort. Ergänzend wurden das DUB-Panel und weitere Entscheider befragt, wie ihr Traumbewerber aussehen sollte.

Vielen Personalern gilt sie immer noch als rotes Tuch. Anstelle von Status suche sie eher den Sinn und die Freude an der Arbeit, heißt es oft. Selbstverwirklichung und Freizeit seien ihr wichtiger als berufliches Vorankommen und materieller Wohlstand, ist über sie zu lesen. Und überaus selbstbewusst sei sie, mit steilen Hierarchien tue sie sich generell schwer.

Gemeint ist die Generation Y, die Bevölkerungsgruppe der zwischen Anfang der 80er- und Ende der 90er-Jahre Geborenen. Seit Jahren werden hitzige Debatten in Wirtschaft, Wissenschaft und Medien über die angeblichen Traumtänzer und Andersdenkenden geführt. Denn über die Millennials, wie sie auch genannt werden, gibt es geteilte Meinungen. Manch ein Soziologe bestreitet gar die Aussagekraft eines solchen Sammelbegriffs. „Sicher kann man über die heute 17- bis 34-Jährigen hierzulande vor allem zwei Dinge sagen“, erklärt Marcus Schad, Geschäftsführer des Sozialwissenschaftlichen Instituts Schad (S.W.I.). „Sie sind die erste Generation von Digital Natives, denn sie sind sowohl mit dem Internet als auch mit immer leistungsfähigeren mobilen Endgeräten aufgewachsen. Und keine Generation vor ihr war jemals so gebildet.“

Von 2005 bis 2015 stieg die Zahl der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife in Deutschland von rund 43 Prozent auf 51 Prozent pro Jahr. Die Zahl der Hochschulabsolventen hierzulande stieg im gleichen Zeitraum von 21 Prozent auf rund 31 Prozent eines jeden Jahrgangs an.

Was aber ist wirklich dran am Mythos Generation Y? Sind die Millennials wirklich so kompliziert und fordernde Arbeitnehmer, wie es gemeinhin heißt? Den Fragen ging eine aktuelle Studie auf die Spur. Im Testzeitraum von einem Monat hat das S.W.I. 1.016 Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen befragt, wie sie sich ihren zukünftigen Arbeitgeber vorstellen.

SUCHE NACH SINN

Im Rahmen einer Online-Umfrage wurden die Studierenden gebeten anzugeben, welche Aspekte ihnen bei der Wahl eines Arbeitgebers nach Studienabschluss wichtig sind. Dabei standen neun große Themenbereiche zur Auswahl: Altersvorsorge und Gesundheitsförderung durch den Arbeitgeber, Work-Life-Balance, finanzielle und sachliche Zuwendungen, Weiterbildungsangebote/Karrierechancen, Betriebsklima, Arbeitnehmervertretung/Betriebsrat, Image/Renommee des Unternehmens sowie die internationale Präsenz des Unternehmens. Da die Anforderungen an einen Arbeitgeber mehrdimensional sind, waren auch Mehrfachnennungen möglich.

„Das Ergebnis unterstreicht das Bild einer Generation, für welche die Sinnhaftigkeit im Beruf mehr zählt als die schnelle Karriere“, sagt Schad. Wichtigster Punkt für die Studierenden war mit rund 80 Prozent das Betriebsklima. Auch die Annahme, die Generation Y sei nicht mehr bereit, alles dem Beruf unterzuordnen, und fordere einen stärkeren Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben, wird von der Studie bestätigt: Mit rund 72 Prozent liegt die Work-Life- Balance auf Platz zwei der wichtigsten Werte. Bedeutet dies etwa, dass die Generation Y beruflich nichts erreichen will? Weit gefehlt! Mit rund 64 Prozent rangieren Angebote zur Weiterbildung und die Chance auf einen beruflichen Aufstieg auf Platz drei der Forderungen an den Arbeitgeber.

HOHE FLEXIBILITÄT

Auf die Frage, ob sie bereit wären, die Work-Life- Balance für eine Karriere hintanzustellen, antworteten rund 22 Prozent der Studierenden mit „ja“ und rund 50 Prozent mit „vielleicht“. Lediglich rund 28 Prozent der Befragten waren nicht bereit, Einschnitte bei der Work-Life-Balance hinzunehmen. Außerdem sind die Studierenden äußerst flexibel bei der Wahl des Arbeitsplatzes. So konnten sich 92 Prozent der Teilnehmer vorstellen, für den Job in eine andere Stadt zu wechseln. Rund 73 Prozent der Studierenden zogen es sogar in Erwägung, für einen guten Arbeitsplatz in eine infrastrukturschwache Gegend zu gehen.

Im Bereich Weiterbildungsangebote/Karrierechancen legen rund 88 Prozent der Studienteilnehmer Wert auf Fortbildungen. Aber auch Karrierprogramme (rund 52 Prozent) und Coachings (rund 40 Prozent) sind den Studierenden wichtig. Hinsichtlich der Vorgesetzten bestätigen die Studierenden das Bild von der unangepassten Generation – 55 Prozent bevorzugen flache Hierarchien.

START-UP ODER KONZERN?

Bei der Unternehmensgröße wählen die Millennials die goldene Mitte – 43 Prozent der befragten Studierenden bevorzugen ein mittelgroßes Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 21 und 100 Personen. Gut einem Viertel der Befragten ist es gar egal, wie groß die Firma ist, für die sie arbeiten. Aber wollen die jungen Akademiker heute nicht alle in hippen Startups in Berlin oder anderen Metropolen arbeiten? Schad erwidert: „Das Ergebnis der Befragung kann dies nicht bestätigen: Rund 52 Prozent der Befragten wollen lieber für ein etabliertes Unternehmen als für ein Start-up oder Traditionsunternehmen tätig sein.“

WISSENSCHAFT ODER WIRTSCHAFT?

Bei den Branchen und Sektoren, die für die Generation Y attraktiv sind, ergibt die Umfrage ein relativ ausgeglichenes Bild. Rund 14 Prozent der Teilnehmer gaben an, in der Industrie arbeiten zu wollen, rund 17 Prozent bevorzugen das Dienstleistungsgewerbe, und rund fünf Prozent wollen im Handel tätig werden. Somit sind es immerhin 36 Prozent der Teilnehmer, die in die Wirtschaft wollen. Auch der Beamtenstatus scheint viele Millennials zu locken, rund 18 Prozent der Teilnehmer gaben an, in Zukunft vorzugsweise für die öffentliche Hand zu arbeiten. Nicht hinzugezählt wurde dabei der Bereich Forschung und Wissenschaft, in dem 13 Prozent der Ypsiloner ihren Traumjob erwarten. Besonders auffällig ist die Kategorie der Unentschlossenen – 22 Prozent haben keine Präferenz für eine bestimmte Branche oder einen Sektor.

ALLES ONLINE

Schönes Briefpapier fürs Anschreiben, edle Bewerbungsmappen oder gar handschrifliche Lebensläufe – damit darf man den Digital Natives nicht kommen. Rund 44 Prozent der Studierenden ist es wichtig, dass sie ihre Bewerbung per E-Mail einsenden können. Bewerbungsportale mit Uploadfunktion und webbasierte Online-Formulare erachtete jeweils rund ein Drittel der Studierenden als wichtig. 26 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass ihnen der Bewerbungsprozess nicht wichtig ist.

Mehr unter swi-schad.de

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