Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Raus aus dem Raster

Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

Einmal im Jahr gibt Stefan Hamann seinen 100 Mitarbeitern freie Bahn. Eine ganze Woche lang darf dann jeder an eigenen Projekten basteln - losgelöst vom Tagesgeschäft, in dem es sonst um E-Commerce-Plattformen geht. Und das Resultat? "Einfach krass", beschreibt der Gründer der Softwareschmiede Shopware die Effektivität dieser Woche.

Dann sitzen Techniker mit Designern und Entwicklern zusammen. Manche tüfteln an kleinen Software-Änderungen, andere nehmen sich Unternehmensprozesse vor. "Zwischendurch wird auch einfach mal eine Runde gezockt", sagt Hamann. "Die Mitarbeiter sollen raus aus dem normalen Raster."

Ein Kunstwort beschreibt dieses Kreativitätsevent, das in Unternehmen immer populärer wird: Hackathon, zusammengesetzt aus hacken und Marathon, war ursprünglich eine Domäne der Softwareentwickler. Bis in die Nacht hinein und mit viel Koffeinzufuhr bastelten sie auf solchen Veranstaltungen an Innovationen. Heute gilt es auch außerhalb der harten Tech-Szene als sinnstiftend: Das zwanglose Experimentieren stärkt den Zusammenhalt in der Belegschaft und kann wertvolle Anregungen für das Unternehmen bringen.

Wie ein Hackathon abläuft, kann sich von Unternehmen zu Unternehmen stark unterscheiden. Wichtig sei es, den Teilnehmern große Freiräume zu lassen und eine gute Atmosphäre zu schaffen, sagt Andreas Dittes. Er ist Mitgründer des Hack Institute, das Konzernen bei der Organisation solcher Veranstaltungen hilft.

So manches Unternehmen tastet sich an das neue Konzept heran - etwa die Bosch-Tochterfirma SoftTec. Sie hat eine Anwendung entwickelt, die das Smartphone mit dem Display im Armaturenbrett koppelt. Zuerst lud die Firma externe Entwickler ein, die in Berlin passende Zusatz-Applikationen austüfteln sollten. Projekte wie diese ließen die Grenzen zwischen Konzern- und Start-up-Welten verschwimmen, sagt Dittes. "Mit eigenen Mitarbeitern funktioniert das auch. Besonders, wenn Leute aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen und an Projekten arbeiten, die sie interessieren."

Nach den positiven Erfahrungen mit den Externen setzte auch Bosch auf einen internen Hackathon - und legte sich für die richtige Atmosphäre ins Zeug: "Wir haben unsere Büros umgestaltet, eine Soundanlage aufgebaut, einen Foodtruck mit Burgern im Innenhof aufgestellt und ein paar Spielzeuge wie Drohnen und Sensoren besorgt", sagt Kay Herget, der bei Bosch SoftTec für Marketing und Produktentwicklung zuständig ist. "Und dann haben wir etwa 20 Mitarbeiter Freitag und Samstag einfach mal machen lassen."

Von der kreativen Kraft der interdisziplinären Tüftelei waren die Organisatoren begeistert. "Ein Mitarbeiter, der privat ein Drohnen-Fan ist, programmierte etwa eine Anwendung, die eine kamerabestückte Drohne hinter dem Auto herfliegen lässt, während man das Bild auf dem Display im Cockpit sieht", berichtet Herget. So beeindruckend viele Ideen waren: Umgesetzt wurden am Ende nur wenige. Für das Teambuilding wirkungsvoller als ein Betriebsausflug sei dieses Event allemal, findet Herget.

Dabei sind Hackathons nicht die einzige Form, die Unternehmen für sich entdeckt haben. Auch sogenannte Barcamps halten immer öfter Einzug in deutsche Konzerne. Dabei geht es um eine von den Mitarbeitern organisierte Konferenz, bei der jeder Teilnehmer einen Vortrag initiieren kann. Bei der Deutschen Telekom gab es bereits elf solcher Veranstaltungen. Kernpunkt sind sogenannte Sessions, deren Themen vom Sprecher selbst gewählt werden und vorher im Intranet einsehbar sind.

Weil die Agenda an der Basis entsteht, können Programm und Ergebnisse gute Indikatoren sein, welche Themen die Mitarbeiter wirklich bewegen. Die Belegschaft fühlt sich im Idealfall mit ihren Anliegen ernst genommen. Der Berliner Jan Theofel organisiert Barcamps für Firmen und Institutionen. Vielen falle es anfangs schwer, sich darauf einzulassen - da sie vorher nicht wissen, wohin das Ganze führt. Mut für den Austausch auf Augenhöhe sei vonnöten, sagt Theofel: "Ohne diese Freiheit entsteht keine besondere Stimmung, egal ob Barcamp oder Hackathon."

Bei den Telekom-Barcamps geht es um eigene Projekte oder Ideen, manchmal aber auch um den Frust, der sich in einem Konzern anstauen kann. "Uns geht es darum, Leute zusammenzubringen, die sonst nicht zusammenkommen", sagt Alexander Derno, Kommunikationsspezialist bei der Telekom. Während der Veranstaltung zähle Demokratie mehr als Hierarchie: "Auch wenn Topmanager dabei sind, haben sie die gleichen Bedingungen und kriegen nicht mehr Zeit als jeder andere Teilnehmer", erklärt Derno.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Mut zur Nische

    Investorin Anastasia Borghardt will Popcorn ganz groß rausbringen. Was sie über Start-ups und der Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen“ zu sagen hat.

  • Online-Tischler Pickawood liefert Erfolgszahlen

    Was ist eigentlich aus Pickawood geworden, dem Startup, das vor zwei Jahren ein Crowdinvesting auf DUB erfolgreich durchgeführt hat?

  • Compliance in Zeiten der digitalen Transformation

    Warum ein grundlegender Wertewandel notwendig ist, lesen Sie hier.

  • Das haben wir doch schon immer so gemacht

    Die Bundesbürger mögen Beständigkeit, keine Innovationen. Das könnte zum Problem für die Unternehmen werden.

  • Spektakuläre Deals

    Bei Übernahmen werden oft völlig überzogene Prämien bezahlt. Warum eigentlich? Und sind Familienunternehmen auch betroffen?

  • Auf den Punkt flüssig
    Säumige Großkunden

    Alltag in deutschen Firmen: Kunden lassen viel Zeit mit den Zahlungen, die Außenstände gehen in die Millionen. Factoring kann Abhilfe schaffen.

  • Was Chefs nicht können

    Bei der Suche nach einem Nachfolger mangelt es den meisten Chefs an einer entscheidenden Fähigkeit.

  • "Weniger Bürokratie für Start-ups und kleine Gründer"

    Letztes Jahr lockerte das Bürokratieentlastungsgesetz (BEG) einige Regeln für Existenzgründer. 2017 könnte das BEG II noch einen draufsetzen. Ein Expertengespräch über die wichtigsten Neuerungen.

  • Stellen Sie sich vor
    Stellen Sie sich vor

    Das DUB UNTERNEHMER-Magazin stellt in der Ausgabe 2-2017 potenzielle Firmenkäufer vor. Zeigen Sie, wer Sie sind, und erhöhen Sie Ihren Bekanntheitsgrad – gratis.

  • Franchise wächst in Deutschland

    Zunehmend fehlen jedoch Partner und Nachfolger für bestehende Standorte. Die Branche hofft auf gründungswillige Migranten.

  • Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht
    Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

    Immer mehr Familienfirmen suchen einen Nachfolger für den Inhaber. Das ist häufig eine komplexe Angelegenheit: Das liegt nicht nur an den Kindern, die oft ihre eigenen Wege gehen wollen.

  • Redakteur Eike Benn für das D unterwegs
    Baukastenprinzip

    Der Digitale Wandel offenbart Chancen. Beispiel: Neuerungen im Hard- und Software-Bereich versprechen, Effiienz und Umsatz zu erhöhen. Doch wie vermeidet man Fallstricke?

  • Franchise Marketing
    Franchisegeber und -nehmer: Arbeitsteilung beim Marketing

    Franchisenehmer haben einen starken Partner im Rücken. Ob Marke, Corporate Identity oder Raumgestaltung: Für viele Fragen halten sie professionelle Antworten parat.

  • Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!
    Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Besonders eine Nation geht in Deutschland auf Einkaufstour: China. Das Verhalten der Investoren aus Asien hat sich dabei in letzten Jahren kräftig geändert.

  • David gegen Goliath

    Sich gegen einen Platzhirsch zu behaupten, ist schwer. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel Paydirekt.

  • GANG ZUR BANK
    Gang zur Bank

    Eine Neugründung ist kostspielig. Franchisegründer bekommen oft Hilfestellung durch ihr System, sollten aber unbedingt auch weitere Beratungsangebote annehmen.

  • Was Unternehmensberater kosten

    Beim Thema Unternehmensnachfolge kommen meist Berater zum Zuge. Mit diesen Kosten sollten Sie planen.

  • Die neue Erbschaftssteuer im Überblick

    Ein Experte erklärt die vier wichtigsten Regeln der neuen Erbschaftssteuer.

  • Besonders zu festlichen Anlässen rundet eine edle Uhr am Handgelenk den Auftritt ab
    Zeit fürs Wesentliche

    Uhren sind mehr als Zeitmesser. Viele Freunde hochwertiger Nobelticker schätzen sie als Schmuckstücke mit technischen Raffinessen.

  • Der große Franchise-Report
    Der große Franchise-Report – das sind die neusten Trends

    Wie finanzieren sich Franchise-Betriebe? Wie finden die Systeme neue Partner? Wie stark wachsen die Unternehmen? Eine Studie gibt Antworten.

  • Invest-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums
    So profitieren Gründer noch besser von Wagniskapital

    Deutschland ist kein Gründerland. Damit sich das ändert, hat das Bundeswirtschaftsministerium das Invest-Programm aufgepäppelt.

  • Hürzeler Bicycles
    Aufgesattelt

    Es gibt schönere Orte als das Fitnessstudio, um die Arbeit hinter sich zu lassen und den Akku aufzuladen. Unternehmer und Manager finden dazu gute Gelegenheit beim Radsport auf Mallorca.

  • Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 1: Wie gestalte ich die Nachfolge?

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 23. November 2016, 17 Uhr: Ein erster Überblick über Möglichkeiten der Nachfolgeplanung innerhalb und außerhalb der Familie. Wie gehe ich es an?

  • Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 2: Unternehmenskauf - Einzelne Verfahrensschritte

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 15. Dezember 2016, 17 Uhr: Von der Suche nach einem Käufer/Verkäufer bis zur faktischen Übergabe und Integration des Unternehmens.

  • BRL Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 3: Kernthemen des Unternehmenskaufvertrages

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 18. Januar 2017, 17 Uhr: Worauf Sie bei den Vertragsverhandlungen und der Gestaltung des Kaufvertrages besonders achten sollten.

  • Marketing-Tipps für Startups mit kleinem Budget

    Insbesondere Startups benötigen in der Anfangszeit viele Kunden, doch für ein effektives Marketing fehlt oftmals das Geld. Mit folgenden Tipps gelingt dies auch mit kleinem Budget.

  • Gründer gesucht
    Gründer gesucht

    Um die Gründerkultur in Deutschland ist es nicht gut gestellt. Eine Studie gibt Aufschluss und ein Unternehmer erzählt aus der Praxis.

  • Beratungsfalle Nachfolge

    Bei der Unternehmensnachfolge helfen Firmeninhabern spezialisierte Berater. Woran Sie einen seriösen Berater erkennen.

  • Multiples: Äpfel mit Äpfeln vergleichen
    Realer Unternehmenswert

    Mit Hilfe der Deutsche Unternehmerbörse DUB.de können Firmenchefs nun sehr viel genauer den Verkaufswert ihres Unternehmens berechnen.

  • Expansion im Franchise
    Mut zur Größe

    Weshalb Franchisenehmer in den Angriffsmodus schalten sollten.

Autor




Copyright © 2013-16 Handelsblatt

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick