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Lockruf der Ferne

Familienbetriebe werben Talente mit Auslandseinsätzen.

Seinen Traum konnte sich Bernd Kieslich schon am Anfang der Berufslaufbahn erfüllen. "Ich wollte möglichst früh eine Auslandskarriere einschlagen", sagt der Ingenieur. Bereits ein knappes Jahr nach dem Ende des Studiums gelang ihm das: Für das Familienunternehmen Peri, ein Hersteller von Gerüsten und Schalungen mit Sitz bei Ulm, zog Kieslich nach Nordamerika. Dort übernahm er die Leitung eines technischen Büros.

Heute ist der 37-Jährige bei Peris Geschäftsführer in der Region Asien-Pazifik. Seit sieben Jahren leitet er von Singapur aus die Geschicke der Firma und ist zum Beispiel zuständig für ein Projekt im Hotel Marina Bay Sands, einem Wahrzeichen des Stadtstaats. "Nach Hause will ich derzeit nicht", sagt er. "Ich bin hier glücklich." Peri bietet Bewerbern mit Fernweh viele Möglichkeiten - mit Niederlassungen von Tokio über Mumbai und Abu Dhabi bis nach Buenos Aires. Gerade bei jungen Akademikern ist dies ein zentrales Kriterium für die Wahl des Arbeitgebers, ergab eine Umfrage der Stiftung Familienunternehmen. Viele Mittelständler müssen im Wettbewerb um den Fach- und Führungsnachwuchs gegen Vorurteile kämpfen. In der Erhebung der Stiftung bewerten 71 Prozent der Befragten die Internationalität von Familienbetrieben pauschal schlechter als die von Großunternehmen. Mit Investitionen in das Personalmarketing können internationale Mittelständler gegenhalten.

Constantin von Rundstedt kennt das Problem. Aus Sicht des Düsseldorfer Personalberaters steht ein klassischer Aufstieg für viele Beschäftigte nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen liege der Fokus zunehmend auf der persönlichen Weiterentwicklung, die etwa mit Auslandsaufenthalten einhergeht. Das gelte vor allem für die junge Generation, so von Rundstedt. Mittelständlern fällt es aber oft schwer, potenziellen Bewerbern zu vermitteln, dass sie Mitarbeitern genau diese Chance bieten. "Viele Familienunternehmen sind einfach zu unbekannt, als dass man ihnen internationale Karrieremöglichkeiten zutraut", sagt von Rundstedt.

Peri geht dieses Vorurteil entschieden an. Das Unternehmen wirbt jedes Jahr auf 15 Karrieremessen, vergibt Stipendien und lädt Kandidaten auf Exkursionen zu seinen Baustellen ein. Im persönlichen Kontakt fällt es dem Unternehmen leicht, seine Vorzüge vorzustellen. "Da zeigen wir unsere Internationalität", sagt Sven Schmitz, der bei Peri für Personalentwicklung zuständig ist. Interessierte haben auch die Chance auf ein Auslandspraktikum: "So handeln nicht einmal mehr viele Konzerne", sagt Schmitz. Sie hätten die Budgets dafür oftmals gestrichen. Für Peri lohne sich der Aufwand: "Wir haben fast immer mehr geeignete Bewerber als Plätze. Wenn uns erst einmal jemand wahrgenommen hat, kommt er gerne zu uns", sagt Schmitz. Er sieht dennoch weiter Handlungsbedarf: "Wir müssen die Arbeitgebermarke Peri noch bekannter machen."

Das wichtigste Instrument dafür ist laut Umfrage der Stiftung Familienunternehmen das Internet. Neun von zehn Kandidaten informieren sich demnach bei der Arbeitgeberwahl auf der Unternehmenswebseite. Personalberater von Rundstedt empfiehlt den Familienbetrieben, sich in der Selbstdarstellung gezielt von Konzernen abzusetzen. Dort würden Karrieren meist eher nach starren Mustern verlaufen. "Familienunternehmen sollten keine vorgezeichnete Karriereleiter beschreiben, sondern ein selbstverantwortetes Karrieremosaik." Dabei entscheidet der Mitarbeiter gemeinsam mit Führungskräften über den jeweils nächsten Karriereschritt - wie etwa eine Entsendung ins Ausland.

Bizerba, ein Anbieter von Waagen und Schneidemaschinen, nutzt soziale Medien, um potenziellen Bewerbern die Möglichkeiten im Unternehmen aufzuzeigen. Auf einer Facebook-Seite präsentiert das baden-württembergische Unternehmen die Erfahrungen, die junge Mitarbeiter rund um den Globus sammeln. Die Studenten Julia und Markus, die ein Auslandspraktikum bei Bizerba in den Vereinigten Staaten machen, meldeten sich dort Mitte August zu Wort. In ihrem persönlich gehaltenen Bericht geht es zielgruppengerecht nicht nur um berufliche Herausforderungen, sondern auch um Sightseeing-Trips durch Washington D.C. und den Besuch im Baseball-Stadion: "Wir erleben tolle Städte, sammeln viele neue Erfahrungen und genießen das sonnige Wetter", heißt es in dem Text.

Dass Mitarbeiter die Welt entdecken können, während sie bei Bizerba arbeiten, ist in der Unternehmenskultur fest verankert. "Wir setzen schon Azubis im europäischen Ausland ein", sagt Personaldirektorin Elsbeth Haberer. "Nach der Ausbildung ist ein dauerhafter Einsatz im Ausland als Servicetechniker nicht unüblich." Damit sich dies herumspricht, präsentiert sich Bizerba auch auf Recruiting- und Jobmessen und arbeitet mit lokalen Bildungsträgern zusammen. Mit 1 000 Mitarbeitern ist das Familienunternehmen in Balingen der größte Arbeitgeber der Region. Das Unternehmen sieht sich dort bereits gut positioniert: "Dass man bei uns schneller international Karriere machen kann als in anderen Unternehmen, ist hier bekannt", sagt Haberer. "Dafür müssen wir gar nicht mehr groß trommeln."

 

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