Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 07.06.2017

Der Chef von morgen

Im Sport war er ein Spätzünder, dafür startet Johannes Lochner jetzt doppelt durch: Leitung eines Bobteams, Masterstudium – ein besseres Training für Führungskräfte gibt’s kaum.

Naturtalent: Bobweltmeister Johannes Lochner gilt als Hoffnung für Olympia (Foto: dpa/Arno Burgi)

Die diesjährige Bobsaison ließ er gerade mit dem Weltcup in Pyeongchang ausklingen, da sitzt Johannes Lochner schon wieder am Schreibtisch. Die Steuererklärung ist fällig. Papierkram – eine von vielen Aufgaben, die rund um den Sport anfallen, wenn man ein erfolgreiches Bobteam führt. „Finanzen und Logistik, Verhandlungen mit Sponsoren und Motivation der Anschieber – das ist so, als würde man eine kleine Firma leiten“, sagt Lochner. Eine Herausforderung, die der 26-Jährige ziemlich gut meistert.

Dabei fiel seine Entscheidung für den Leistungssport vergleichsweise spät. Bis 2014 sah der aus Schönau am Königssee stammende Bayer das Bobfahren eher als Hobby neben seinem Elektrotechnik-Studium. Nach dem Abschluss sollte er in diesem Jahr die Elektrofirma seines Vaters übernehmen. So weit der Plan. Doch dann kam alles anders. Eine Saison schnupperte er als Anschieber internationale Wettkampfluft, danach wusste er: „Ich will selbst lenken!“ Seit 2015 ist Lochner nun als Pilot seines eigenen Teams am Start. Eine gute Entscheidung: Bereits wenige Wochen nach seinem Weltcup-Debüt im Januar 2015 holte „Hansi“, wie ihn alle nennen, zum ersten Mal WM-Silber im Zweierbob. 2016 wiederholte er diese Leistung und wurde zudem Weltmeister im Team. Dafür wurde er von der Deutschen Sporthilfe gemeinsam mit seinem Anschieber Joshua Bluhm zur Juniorsportler-Mannschaft des Jahres gewählt.

Das Jahr 2017 hat ebenfalls gut angefangen: fünf Weltcupsiege sowie Europa- und Weltmeister in der Königsdisziplin Viererbob. Lochners nächstes sportliches Ziel: Edelmetall bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018. Bis dahin hat das Training für ihn oberste Priorität. Parallel dazu will der Wahl-Münchner im Sommersemester noch die letzten Prüfungen für sein Masterstudium der Elektro- und Informationstechnik ablegen, damit er nach Olympia seine Masterarbeit schreiben kann. „Außerdem muss ich im Sommer noch eine neunwöchige Forschungspraxis absolvieren und schaue mich daher gerade nach einem Praktikumsplatz im Raum München um“, so Lochner. Um Spitzensportlern die Praktikumssuche zu erleichtern, haben die Deutsche Sporthilfe, die Deutsche Bank und die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de die DUB-Praktikantenbörse ins Leben gerufen. „Wir stellen den Kontakt zwischen Top-Athleten und Unternehmen her, die deren Fähigkeiten zu schätzen wissen und ihnen die Vereinbarung von Praktikum und Spitzensport ermöglichen“, sagt Jens de Buhr, Herausgeber des DUB UNTERNEHMER-Magazins.

Studieren ohne Geldsorgen

Bobfahren auf Weltklasse-Niveau und studieren – das geht nur, weil Johannes Lochner sich um die Finanzierung seines Lebensunterhalts keine Sorgen machen muss. Seine Wohnung in München, Lebensmittel und sein Auto bezahlt er mit Mitteln der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die ihn in die höchste Förderstufe ElitePlus aufgenommen hat. „Damit stellen wir dank unseres Partners PwC olympischen Medaillenkandidaten in den 18 Monaten vor den Olympischen Spielen 1.500 Euro im Monat zur Verfügung“, sagt Michael Ilgner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Hinzu kommen weitere 400 Euro monatlich aus dem Deutsche Bank Sport-Stipendium. „Sportlicher Erfolg ist harte Arbeit – Training, Wettkämpfe, Ausbildung und Studium müssen miteinander vereinbart werden. Wir unterstützen studentische Nachwuchs- und Spitzensportler dabei“, sagt Thorsten Strauß, Global Head of Art, Culture & Sports bei der Deutschen Bank.

Vater und Sohn: Hans Lochner geht später in Rente, damit der Junior Medaillen holen kann (Foto: Privat)

Nach seiner Sportkarriere will Johannes Lochner nach wie vor den Familienbetrieb im heimischen Schönau am Königssee übernehmen. Bis es so weit ist, wird sein Vater Hans (65) weiter die Stellung bei „Elektro Lochner“ halten. „Solange ich gesund bin und er vorne mitfährt, arbeite ich gerne noch ein paar Jahre länger“, sagt der Senior. Ein weiterer Grund für sein Verständnis ist eher pragmatischer Natur: „Meine 25 Mitarbeiter und ich können froh sein, dass es einen Nachfolger gibt, wenn ich mich zur Ruhe setze.“

DUB-Praktikantenbörse

WAS: Die Praktikantenbörse ist ein Angebot für Unternehmen und Spitzensportler. Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete die Börse im Herbst 2014.
WIE: Bundeskader-Athleten und Sportler aus dem Radsportteam Racing Students präsentieren ihr Profil auf DUB.de. Unternehmen wählen passende Praktikanten aus.
WER: Initiatoren der Praktikantenbörse sind die Stiftung Deutsche Sporthilfe, die Deutsche Bank und die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de.

Mehr

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • „Zweifel zermürbten mich“

    Niemand spricht gern über sie: Verunsicherung wird besonders Chefs schnell als Schwäche ausgelegt. Wie Unternehmer mit Zweifeln an sich selbst umgehen und wieder Kraft schöpfen können - ein Erfahrungsbericht.

  • Putten mal anders

    Strikte Kleiderordnung und gediegenes Clubhaus waren gestern. Viele Golfspieler wollen mehr. Sie suchen nach unterhaltsamer Atmosphäre auf dem Platz. Zwei Turnierveranstalter aus dem Norden bieten genau das.

  • Grillen mit Finesse

    Es muss nicht immer die klassische Bratwurst sein: Spitzenköchin Cornelia Poletto verrät exklusiv originelle Grillrezepte und gibt wertvolle Tipps.

  • Urlaubst du noch, oder vermietest du schon?

    Eine Ferienimmobilie zu erwerben, sie mal selbst zu nutzen, mal zu vermieten – dieser Gedanke ist populär wie lange nicht. Zu Recht?

  • „Raus, oder ich schieße!“

    Schwierige Verhandlungen fordern knallharte Strategien. Ein Experte für Geiselnahmen zieht Parallelen zwischen dem Verhandeln mit Geiselnehmern und schwierigen Verhandlungen im Job.

  • Den Absprung im Visier

    Nicht jeder Spitzensportler hat Aussicht auf ein Millionengehalt. Die Praktikantenbörse für Spitzensportler öffnet die erste Tür zu einer zweiten Karriere - jetzt für alle Bundeskaderathleten.

  • Revolutionär!

    Elon Musk krempelt die Raumfahrt und Automobilbranche mit SpaceX und Tesla Motors mächtig um. Er versteht es, die digitale Transformation für seine Zwecke zu nutzen.

  • Transformer gefragt

    Die Digitalisierung verändert Gewohntes mit einer geradezu revolutionären Dynamik. Damit bietet sie Unternehmen viele neue Chancen - und Herausforderungen. Zögern ist keine Option.

  • Achtung, Baustellen!

    Reformen scheut das Bundesarbeitsministerium keine – selbst wenn sie in Wirtschaftskreisen unpopulär sind. Staatssekretär Jörg Asmussen über Reformbedarf und zwei D.

  • Von den Kleinen lernen

    Die Kooperation mit einem Start-up eröffnet Mittelständlern neue Wachstumschancen.

  • Entspannter reisen

    Führungskräfte achten bei der Wahl ihres Arbeitgebers zunehmend auf die Qualität der Geschäftsreisen. Externe Dienstleister sind eine Option, um Kosten und Komfort bestmöglich zu vereinen.

  • Auf Wolke Produktivität

    Cloud-Tools können weit mehr, als lediglich die Kosten in Unternehmen zu reduzieren. Sie haben vor allem das Potenzial, die Produktivität und Effizienz der Arbeit spürbar zu steigern.

  • "Ich möchte das Leben auskosten"

    Nach seiner Krebserkrankung orientierte sich Robert Kronekker neu und gründete seine eigene Firma. Sollte er nochmals ausfallen, greift ein Notfallplan.

  • Einheitsbräu ade

    „Ein Bier, bitte“ war gestern. Heute geht der Trend zu individuell gebrauten Spezialitäten, zu mehr Geschmacksvielfalt und einer Bierkultur ohne Schickimicki, aber mit viel Genuss.

  • Sicher wie nur was

    Eine der brennendsten und am häufigsten gestellten Fragen an IT-Experten lautet dieser Tage: Ist die Cloud sicher? Die Antwort unserer Autoren: Sicher im Vergleich zu was?

  • Gesunde Motivation

    Mit der betrieblichen Krankenversicherung bringen sich Arbeitgeber im Rennen um Fachkräfte in die Poleposition. Bewerber und Belegschaft wissen das vielseitige Leistungsplus zu schätzen.

  • Ein neues Hochgefühl

    Ein Schweizer Bergdorf erfindet sich neu. Andermatt soll zu einer führenden Adresse in der High-End-Alpintouristik werden. Dafür investiert ein ägyptischer Hotelier 1,8 Milliarden Franken.

  • Erst boxen, dann beraten

    Als mehrfache Boxweltmeisterin weiß Ina Menzer, wie man sich Erfolg erkämpft. Jetzt hat sie sich mit einer Agentur selbstständig gemacht.

  • Energie für Gipfelstürmer

    Große Erwartungen, wenig Entspannung – viele Leistungsträger verspüren enormen Druck. Und doch gelingt es manchem, Spitzenleistungen genau dann zu erzielen, wenn es darauf ankommt.

  • Koalition reicht Start-ups die Hand

    Kleinanlegerschutzgesetz: Parlamentarier weiten Ausnahmen für Schwarmfinanzierungen per Internet aus.

  • Bransons Gebote

    Richard Branson gilt als Exzentriker und Egomane, aber der Erfolg gibt ihm recht: Kaum jemand hat in so vielen Märkten unternehmerisch Fuß gefasst wie er.

  • Wenn Anleger in(s) Schwärmen kommen

    Crowdinvesting via DUB.de eröffnet aufstrebenden Wachstumsunternehmen eine neue Kapitalquelle. Investoren bietet es attraktive Anlagechancen.

  • "Ich erwarte Dynamik"

    Volkswagen fährt derzeit Rekordzahlen ein. Das ist nicht zuletzt Verdienst des Mannes an der Spitze. Exklusiv gewährt Vorstandschef Professor Dr. Martin Winterkorn einen Einblick.

  • "Wer sich erschrecken lässt, verliert"

    Droht der Zerfall der Eurozone? Wie gefährlich ist der Terrorismus für die Wirtschaft? Verschläft Deutschland die Digitalisierung? Volker Kauder redet Tacheles.

  • Was tun mit dem Geld, Dr. Stephan?

    Mehr Mut zum Risiko fordert Dr. Ulrich Stephan, der Chefanlagestratege für die Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, bei Investments im Niedrigzinsumfeld.

  • Kollege Spitzensportler

    Die Praktikantenbörse für Unternehmen und Spitzensportler von Deutscher Bank, Deutscher Sporthilfe und Deutscher Unternehmerbörse hilft Athleten auf dem Weg in die zweite Karriere.

  • Tech-Szene sucht Trends

    Internet-Pionier Bob Metcalfe blickt beim Festival SXSW nach vorn.

  • Das Risiko der Haftung

    Beim Verkauf eines Unternehmens sollten die Vertragspartner genau regeln, wie lange und in welchem Maß der Alteigentümer für Gewährleistungen haftbar ist.

  • Immer top informiert: Der Handelsblatt Digitalpass

    Einmal kaufen. Alles nutzen. Testen Sie den Handelsblatt Digitalpass für 4 Wochen kostenlos.

  • Moving Mainstream

    Crowdfunding wird erwachsen. Europaweit sind fast EUR 3 Mrd. durch die Crowd finanziert worden, davon in Deutschland EUR 140 Mio. Die Uni Cambridge und EY schreiben eine spannende Analyse.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick