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Gastspiel mit Anspruch

Auch Praktikanten honorieren eine gute Firmenkultur. Wenn sie bei der Arbeit überzeugt werden, heuern sie nach dem Studium gerne fest an.

Kostenlose Mahlzeiten, Sportstudio im Büro und Massageservice - ein Praktikum bei Google verspricht eine höchst ausgewogene Work-Life-Balance. Doch die unter dem Namen "Google Perks" angebotenen Extras reichen nicht aus, um vielversprechende junge Leute davon zu überzeugen, eine Weile bei dem Internetunternehmen mitzuarbeiten - darüber ist man sich auch bewusst.

Natürlich würden die Zusatzangebote zur Attraktivität beitragen, sagt Tobias Marmann, der bei Google für die Universitätsprogramme zuständig ist - ebenso wie das "wettbewerbsfähige Gehalt", von dem er spricht. "Am wichtigsten ist jedoch die Möglichkeit für Studierende, Verantwortung für ein eigenes Projekt zu übernehmen - und der Fakt, dass sie voll integrierte Teammitglieder während des Praktikums sind", erläutert Marmann.

So biete Google viel Raum für eigenverantwortliches Arbeiten, auch eine "steile Lernkurve" wird in Aussicht gestellt. Zudem treffen Praktikanten bei der "Executive Speaker Series" auf Mitglieder des Managements verschiedener Standorte. Nach der Diskussion über aktuelle Branchentrends kommt man schnell ins Gespräch.

Allein mit materiellen Werten lässt sich die Generation Y, das sind die derzeit 20- bis 30-Jährigen, nicht mehr von Unternehmen anlocken. Selbst große Namen, die sich bei einer späteren Bewerbung gut im Lebenslauf machen, müssen sich um die Gunst der Berufseinsteiger von morgen stark bemühen. Doch die Lage der Studierenden, die etwa in den Semesterferien einen Abstecher in die Wirtschaft machen, ist auch komfortabel wie lange nicht. Längst können es sich Unternehmen nicht mehr leisten, mit dem Anwerben von neuen Mitarbeitern zu warten, bis diese ihre Ausbildung oder ihr Studium beendet haben. "Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels gewinnen Praktika für die Unternehmen immer mehr an Bedeutung, wenn es darum geht, potenzielle Mitarbeiter kennenzulernen und sich so frühzeitig den Fach- und Führungskräftenachwuchs zu sichern", sagt Julia Flasdick, Leiterin des Referats für Hochschulpolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Was treibt die künftigen Nachwuchskräfte an? Beim Praktikantenspiegel 2014 der Jobbörse Absolventa stehen eine gute Unternehmenskultur und die Möglichkeiten zu lernen ganz oben auf der Wunschliste. Zudem hat Absolventa im vergangenen Jahr 800 Praktikanten und Jobsuchende zu ihren Motivationen befragt. Am wichtigsten war 78 Prozent von ihnen eine sinnvolle Arbeit. 64 Prozent gaben an, dass sie Wertschätzung fordern. 59 Prozent hofften auf gute Chancen, vom Praktikumsbetrieb übernommen zu werden.

Eine gute Arbeitsumgebung zählt mehr als finanzielle Anreize. "Die jungen Leute suchen bereits im Praktikum nach vielfältigen Aufgaben, Entfaltungsspielraum und Eigenverantwortung, gepaart mit einer positiven, teamorientierten Firmenkultur", erläutert Flasdick. Wählerisch ist die Generation Yauch beim Standort - es werden Ballungsräume bevorzugt. Unternehmen in ländlichen Regionen gehen also vom Start weg mit einem Rückstand ins Rennen. Aufholen können sie laut Flasdick jedoch, wenn sie sich offensiv um Kandidaten bemühen - und sich dabei kreativ zeigen.

Beim mittelständischen Werkzeugbauer Aweba in Aue weiß man, dass es nicht genügt, auf Bewerbungen zu warten. Das Personalmanagement betreibt einigen Aufwand, um junge Talente anzulocken. Seit Jahren sind Auftritte bei den Jobmessen der Hochschulen in der Umgebung Pflicht. Zudem sponsert das Unternehmen das Deutschlandstipendium an der Westsächsischen Hochschule Zwickau und ist Mitglied der Unternehmerlounge an der Universität Mittweida. Diese bietet Firmenlenkern aus der Region, die sich den Studenten vorstellen wollen, ein Forum.

"Es ist uns wichtig, für die jungen Leute präsent zu sein", sagt Simone Böhm, Personalleiterin bei Aweba. Persönliche Gespräche helfen, mit falschen Vorstellungen von der Arbeit in einem mittelständischen Betrieb aufzuräumen. Denn auch kleinere Unternehmen streben inzwischen auf globale Märkte - und können ihren Praktikanten so die Chance auf internationale Einsätze bieten. Zudem werden Förder- und Aufstiegschancen im Falle eines späteren Einstiegs früh aufgezeigt.

Vor allem will Aweba mit inhaltlichem Anspruch und Praxisnähe punkten. Praktikanten werden vom Werkzeugbauer unmittelbar eingebunden. Sie erhalten für die Zeit im Unternehmen ein Recherchethema, das sie bearbeiten. Dabei kann es beispielsweise um die Bewertung einer zukünftigen Investition gehen - also die Frage, ob diese sinnvoll ist oder nicht. "Wir wählen die Themen immer so aus, dass sie beide Seiten weiterbringen", sagt Personalleiterin Böhm. "Die Praktikanten bearbeiten das Thema weitestgehend selbstständig und sehen dadurch, dass sie tatsächlich etwas für das Unternehmen bewirken.

 

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