Unternehmen gründen - Deutschland hat Angst

GEM-Studie 2018: Angst zu scheitern, hemmt Deutsche beim Unternehmen gründen

Geschäftsidee entwickeln, für die Finanzierung sorgen, Unternehmen gründen, Erfolg haben – so zuversichtlich könnten Deutsche an das Thema Selbständigkeit herangehen. Dass dem nicht so ist, zeigen die aktuellen Daten aus dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2018. Den Gründungswillen der Deutschen hemmt vor allem eines: Angst vor dem Scheitern.

Angst, das eigene Unternehmen zu gründen: Trotz guter Geschäftsideen trauen sich viele Deutsche nicht den Schritt zu gehen

Der GEM wurde 1999 von der London Business School und dem US-amerikanischen Babson College ins Leben gerufen. In mehr als 50 Ländern gibt er Auskunft über nationale und individuelle Voraussetzungen, die beim Unternehmen gründen benötigt werden. Dafür erheben Forscher aus aller Welt jedes Jahr Daten auf einer einheitlichen Grundlage. In Deutschland waren dafür in diesem Jahr das Wirtschafts- und Kulturinstitut der Leibniz Universität Hannover sowie das RKW Kompetenzzentrum zuständig. Ihre Untersuchungen ergaben: Aus Angst vor einem Scheitern sehen 42 % der befragten 18- bis 62-jährigen Deutschen davon ab ein Unternehmen zu gründen.

Angst vor dem Unternehmen gründen - Im internationalen Vergleich liegt die deutsche Gründerangst im Mittelfeld

Obwohl die Daten für den GEM in mehr als 50 Ländern erhoben werden, lassen sich nur 24 davon mit den Wirtschafts- und Lebensverhältnissen in Deutschland vergleichen. Diese 24 Länderdaten wurden vom RKW Kompetenzzentrum ausgewertet. Demnach liegt die Quote von 42 % im internationalen Mittelfeld. Mit Abstand den höchsten Wert bei der Gründungsangst weist das wirtschaftlich gebeutelte Griechenland auf. Hier fürchten sich 70,2 % der Befragten vor einem Scheitern in der Selbständigkeit. Zypern (54,9 %) liegt wie Israel (54,7 %) ebenfalls über den deutschen Werten. Ganz anders sieht es beispielsweise in Südkorea aus. Hier verneinen nur 32,6 % der Befragten den Weg in die Selbständigkeit aus Angst vor dem Scheitern.

Unternehmen gründen - in Deutschland liegt die Zahl weit unter dem Durchschnitt

Bedeutsam werden diese Zahlen, wenn sie ins Verhältnis zu den tatsächlichen Unternehmensgründungen gesetzt werden. Die durchschnittliche Gründerquote liegt pro Land bei 12,5 %. Davon erreicht Deutschland nicht einmal die Hälfte. Nur 6,6 % aller Männer und – noch bescheidener – 3,9 % der Frauen entscheiden sich für die Selbständigkeit. Der Geschlechterunterschied korrespondiert mit der Angst vor dem Scheitern. 47 % der Frauen haben diese Sorge, aber nur 37 % der Männer. Wie lässt sich die deutsche Ängstlichkeit erklären?

Geschäftsidee gescheitert - Deutschland braucht eine Kultur der zweiten Chance

Sicherlich spielt das Thema Finanzierung eine Rolle. Misslingt die eigene Geschäftsidee, müssen Kreditraten trotzdem bedient werden, erhofftes Einkommen fällt aus. Die Finanzierung bereitet sichtbar vielen also Sorgen. Für die Deutschen steht aber ein anderer Aspekt im Vordergrund, warum sie sicherheitshalber kein Unternehmen gründen. Die größte Angst haben Deutsche vor einem gesellschaftlichen Statusverlust, der mit dem Scheitern verbunden sein kann. Hier ist ein Umdenken gefragt. Medien, Politik und Wirtschaft müssten mehr dafür tun, dass sich eine fehlerfreundliche Unternehmenskultur etabliert – die sogenannte Kultur der zweiten Chance. Ziel wäre, Fehler und Misslingen als produktiven Bestandteil von Lernprozessen aufzufassen. Besonders junge Menschen und Frauen könnten davon profitieren und zukünftig mehr Mut zur Selbständigkeit entwickeln.

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