Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Muss der Dachdecker twittern?

Im Handwerk ist der Nutzen von sozialen Medien umstritten.Vielen Betrieben fehlt noch das Grundwissen.

 

Auch der NRW-Wirtschaftsminister braucht manchmal einen Elektriker. Als Garrelt Duin nach seinem Umzug von Ostfriesland nach Essen privat einen Handwerker suchte, wählte er eine simple Digitalstrategie: "Ich habe drei angemailt. Den Auftrag hat der bekommen, der mir geantwortet hat", erzählt Duin.

Mit dieser Anekdote unterhielt er Studenten der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Ende November in Köln. In einer öffentlichen Vorlesung ging der SPD-Politiker einer Frage nach, die zahlreiche Handwerker und kleinere Mittelständler umtreibt: Muss ich mich ernsthaft sozialen Netzwerken widmen - oder darf ich Facebook, Twitter und andere interaktive Plattformen getrost als Hype ignorieren?

Soll ein Dachdecker tatsächlich auch beruflich das Twittern anfangen? Was soll er mitteilen? Kann ein Kfz-Betrieb mit authentischen Reparaturvideos von Oldtimern auf Youtube vielleicht doch Neukunden gewinnen? Und wenn ja: Wer soll den Kanal pflegen?

Duin beantwortete die Frage in Anwesenheit einiger Praktiker differenziert. Die Web-Strategie kleiner Betriebe müsse sich an der Frage messen: "Springt Gewinn raus, wenigstens ideeller? Oder ist es nur Mode?" Duin vermisst noch einen klaren Bewertungsmaßstab: "Fans und Follower sind leicht zu zählen, aber es mangelt bei Social Media an einer wahren Renditemessung."

Der Minister, der bundesweit als Einziger auch explizit das Handwerk in seinem Zuständigkeitsbereich wähnt, bezweifelt den Sinn des aktualitätsgetriebenen Kurznachrichtendienstes Twitter für kleine Betriebe. "Content is king, aber nur im richtigen Kontext", sagt er. "Immer nur zu berichten, wie super man ist, hat ja keinen Nutzwert. Schafft es ein Handwerksbetrieb wirklich, aktuelle Inhalte zu verfassen?" Duin hegt Zweifel: "Twitter ist für Handwerksbetriebe ein totes Gleis."

Die Crux: In Zeiten des verbalen Empfehlungsmarketings reichte es, dass die Qualität der Arbeit stimmte. Ein guter Ruf sprach sich früher herum. "Heute muss man auffindbar sein. Handwerker schreiben nicht mehr die Telefonnummer auf ihr Auto, der Firmenwagen trägt einen QR-Code, der direkt auf die Homepage führt." Auch das Kundenverhalten ändere sich gravierend: Bevor jemand zum Laden geht, schaut er sich kurz die Homepage an. Und verzichtet möglicherweise auf den Besuch.

Eine Homepage, die im Idealfall nicht dem Baukasten entstammt, mache sich immer bezahlt, sagt Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln. "Für einen modernen Handwerksbetrieb ist es unabdingbar, einen Internetauftritt zu haben." Facebook brauche nicht jeder.

Mit Blick auf den Arbeitskräftemarkt seien Social-Media-Aktivitäten klare Pluspunkte: "Ein junger Mensch will lieber in einem Betrieb arbeiten, der einen professionellen Auftritt im Netz hat." Weltrich erlebt gleichwohl, wie meilenweit viele Handwerker noch von diesem Anspruch entfernt sind: "Von unseren 33 000 Betrieben haben wir nur von 11 000 die E-Mail-Adresse."

Nach einer aktuellen Untersuchung des Marktforschungsinstituts Forsa besitzen nur 48 Prozent der Handwerker eine eigene Webseite. 62 Prozent der Handwerksbetriebe gaben an, dass ihr Marketingbudget die 1 000-Euro-Schwelle nicht überschreitet. Auch der Mangel an personellen Ressourcen wurde als Grund für die dürftige Webpräsenz genannt. Minister Duin sieht auch den Generationenkonflikt als Ursache: "Die Jungen wollen, die Alten bremsen."

Christian Keilhau, designierter Unternehmensnachfolger im elterlichen Kfz-Betrieb in Köln, hat die anfängliche Skepsis seines Vaters überwunden - und eine Werkstatt-Facebook-Seite angelegt. Den Pflegeaufwand beziffert er auf nur wenige Minuten pro Woche - und der kleine Marketingaufwand lohne: "Wenn der Chef nur mitschraubt, kann er parallel keine neuen Kunden generieren", sagt der Student.

Über Facebook öffnet Keilhau den Blick ins Werkstattleben, postet Fotos von abgerissenen Antriebswellen, kommentiert neueste Abgasnormen aus Brüssel oder weist Kunden auf einen lokalen Test von Autowaschanlagen hin. Die Fanbasis ist mit 123 noch überschaubar. Doch wenn Keilhau die Reparatur eines seltenen Autos im Bild dokumentiert, wird der stolze Besitzer mit hoher Wahrscheinlichkeit den Inhalt teilen - im Idealfall werden so Freunde von Freunden auf den Betrieb aufmerksam.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Das interessiert andere Leser

  • Webinare Unternehmensnachfolge

    Webinar 1: Wie gestalte ich die Nachfolge?

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 23. November 2016, 17 Uhr: Ein erster Überblick über Möglichkeiten der Nachfolgeplanung innerhalb und außerhalb der Familie. Wie gehe ich es an?

  • Webinare Unternehmensnachfolge

    Webinar 2: Unternehmenskauf - Einzelne Verfahrensschritte

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 15. Dezember 2016, 17 Uhr: Von der Suche nach einem Käufer/Verkäufer bis zur faktischen Übergabe und Integration des Unternehmens.

  • BRL Webinare Unternehmensnachfolge

    Webinar 3: Kernthemen des Unternehmenskaufvertrages

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 18. Januar 2017, 17 Uhr: Worauf Sie bei den Vertragsverhandlungen und der Gestaltung des Kaufvertrages besonders achten sollten.

  • Marketing-Tipps für Startups mit kleinem Budget

    Insbesondere Startups benötigen in der Anfangszeit viele Kunden, doch für ein effektives Marketing fehlt oftmals das Geld. Mit folgenden Tipps gelingt dies auch mit kleinem Budget.

  • Gründer gesucht

    Gründer gesucht

    Um die Gründerkultur in Deutschland ist es nicht gut gestellt. Eine Studie gibt Aufschluss und ein Unternehmer erzählt aus der Praxis.

  • Beratungsfalle Nachfolge

    Bei der Unternehmensnachfolge helfen Firmeninhabern spezialisierte Berater. Woran Sie einen seriösen Berater erkennen.

  • Multiples: Äpfel mit Äpfeln vergleichen

    Realer Unternehmenswert

    Mit Hilfe der Deutsche Unternehmerbörse DUB.de können Firmenchefs nun sehr viel genauer den Verkaufswert ihres Unternehmens berechnen.

  • Expansion im Franchise

    Mut zur Größe

    Weshalb Franchisenehmer in den Angriffsmodus schalten sollten.

  • Jörg Utecht (Interhyp)

    Digitalisierung: Mit breiter Brust

    Was revolutioniert die Finanzbranche? Wer steht wo im Wettstreit um Digital Leadership? Und wie generiert man Innovationen? Fragen an Vorstand Jörg Utecht vom Ur-Fintech Interhyp.

  • Klein, aber fein – und Renditebringer. Das sind die Börsenzwerge aus der zweiten Reihe.

    Hidden Champions fürs Depot

    Börsenzwerge aus der zweiten Reihe bringen ordentliche Renditen, sind aber auch riskanter – oder etwa nicht?

  • Mehr Unternehmenskäufer

    Mehr Unternehmenskäufer

    Faustdicke Überraschung: Die Zahl der Menschen, die ein Unternehmen kaufen wollen, ist deutlich angestiegen.

  • Fortsetzung folgt

    Fortsetzung folgt

    Die häufigsten Fallstricke bei einer familieninternen Unternehmensnachfolge.

  • Haftung bei einer Kommanditgesellschaft

    Kommanditgesellschaften im Check

    Die Kommanditgesellschaft gehört zu den häufigsten Rechtsformen in Deutschland. Was müssen Gründer über KGs wissen? DUB.de erklärt es.

  • Langsamer Generationswechsel blockiert Investitionen

    Alter schützt vor Torheit nicht

    Das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer ist so hoch wie nie. Die älteren Chefs investieren weniger – uns setzen damit ihren Erfolgs aufs Spiel.

  • Hui buh - Kommt das Inflationsgespenst nach Deutschland?

    Trump, das Inflationsgespenst?

    Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten steigen die Anleiherenditen. Kehrt jetzt auch in Deutschland das Inflationsgespenst zurück?

  • Mangelware Unternehmer

    Mangelware Unternehmer

    Viele mittelständisch geprägte Regionen stehen vor einem doppelten Problem: Sie haben nicht nur zu wenig Fachkräfte, sondern auch zu wenig Unternehmer.

  • Franchise in der Gastronomie?

    Futtern und Franchise ...

    ... passen zusammen wie Pommes und Burger. Wer sich im Gastronomie-Bereich selbstständig machen will, sollte über den Fast-Food-Bereich hinausblicken.

  • Kein Nachfolger in Sicht?

    Den Richtigen (Chef) finden

    Wer einen externen Manager anheuert, holt sich oft Probleme ins Haus. So finden Unternehmen den richtigen Kandidaten.

  • Tour de Force durchs Silicon Valley

    10 Unternehmen in 2,5 Tagen: Deutsche Unternehmer haben digitale Vorreiter besucht. Ein inspirierender Reisebericht.

  • So finden Sie einen Geschäftsführer richtig per Stellenanzeige

    Neun Tipps für die perfekte Stellenanzeige

    Flexibel, teamfähig, hohe Einsatzbereitschaft – langweilig! Wer Top-Bewerber für Führungspositionen will, muss kreativ werden.

  • Viele Mittelständler patzen bei der Nachfolgeplanung

    Verpatzte Planung

    Eine internationale Studie legt den Finger in die Wunde: Nur jedes vierte Familienunternehmen in Deutschland plant die Nachfolge.

  • Praktikantenbörse

    Top-Athlet - und dann?

    Was muss passieren, damit mehr Top-Athleten nach der Sportkarriere ihren Weg ins Top-Management finden? Diese und weitere Fragen standen beim Talk der DUB-Praktikantenbörse auf der Agenda.

  • Kleine Helfer, große Wirkung: Assistenzsysteme

    Kleine Helfer, große Wirkung

    Elektronische Assistenzsysteme wie Parksensoren sind vermehrt nun auch in Nutzfahrzeugen zu finden.

  • Einen Klick entfernt

    Drei, zwei eins, ...

    Onlineshopping boomt – eine E-Commerce-Seite will aber gut geplant sein.

  • Kampf mit dem Gewissen

    Schwieriger Spagat

    Benötigt ein Angehöriger dauerhaft Hilfe, pflegen ihn oft Partner und Verwandte. Was aber, wenn auch ein Unternehmen zu führen ist?

  • Frauke Fees

    Marke ohne Budget

    Auch mit Kreativität und Leidenschaft lässt sich eine Marke bekannt machen, sagt Beraterin Frauke Feess – wenn man die Zielgruppe gut kennt.

  • Dr. Kerstin Nina Schulz, Anwältin für Franchiserecht

    Rettung für gekündigte Franchisenehmer

    Wenn Franchisenehmern der Vertrag gekündigt wird, stehen sie häufig vor dem Nichts. Ein Paragraf im Handelsgesetzbuch schafft Abhilfe.

  • Hagen Rickmann, Telekom

    Deutscher Mittelstand meets Silicon Valley

    Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland hat beide zusammengebracht. Ein Erlebnisbericht.

  • Christoph Keese

    Messerscharf analysiert

    Christoph Keese wurde mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2016 ausgezeichnet. Für das DUB UNTERNEHMER-Magazin analysiert er exklusiv, was wir vom Silicon Valley lernen müssen.

  • Auf in die Selbstständigkeit

    20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich abzusprechen – das sind nur einige Vorteile der Selbstständigkeit. So funktioniert’s.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick