Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Lernen von Zooplus

Auch Einzelhändler vom alten Schlag zieht es nun ins Internet. Als Vorbild dienen auch Tierfutter-Verkäufer.

Als am 15. Oktober 1998 der Startschuss für Amazon in Deutschland fiel, lag der Umsatz des Onlinehandels gerade mal bei gut einer Milliarde Euro. Im vergangenen Jahr waren es schon mehr als 33 Milliarden Euro, schätzt der Handelsverband Deutschland (HDE). Es gibt nichts mehr, was es nicht im Internet gibt - sogar die letzte Bastion, Lebensmittel, bröckelt.

Die Einzelhändler haben sich lange Zeit schwergetan mit dem Internet als zusätzlichem Vertriebskanal, doch sie haben keine Wahl. "Online wächst die nächsten Jahre vor allem auf Kosten des stationären Einzelhandels", sagt Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein. "Nimmt man den gesamten Umsatz des Einzelhandels ohne Lebensmittel als Richtschnur, lag der Onlineanteil 2013 schon bei rund 15 Prozent." Bis 2020, erwartet Heinemann, wird jeder dritte Euro im Netz erzielt, davon wiederum rund ein Drittel über mobile Geräte.

Die Folge: Immer mehr Händler vom alten Schlag drängen ins Internet. Sie nehmen den Kampf mit reinen Onlineshops, sogenannten Pure Playern, auf.

Der Einsatz zahlt sich aus. Amazon ist für viele Menschen zwar noch immer das Maß der Dinge; wegen des schier unerschöpflichen Angebots, des simplen Einkaufs mit nur wenigen Klicks und der Zuverlässigkeit. Aber: "In Sachen Qualität gibt es immer mehr Einzelhändler, die im Netz mithalten können", sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH).

Zum dritten Mal hat das IFH mit dem Logistiker Hermes bundesweit mehr als 10 000 Kunden zu ihrer Zufriedenheit mit Onlineshops befragt. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt exklusiv vor. Der diesjährige Gewinner ist die Burda-Tochter Zooplus.

Der 1999 gegründete Internethändler für Tierbedarf hat die Sieger der vergangenen Jahre - Amazon (2013) und Musikhaus Thomann (2012) - mit knappem Vorsprung auf den zweiten Platz verwiesen. Zooplus schafft es am besten, Kunden an sich zu binden. In Deutschland lebt in fast jedem zweiten Haushalt ein Haustier - ein Milliardenmarkt.




Die wirkliche Überraschung aber folgt auf den hinteren Plätzen: Denn neben Zooplus, Amazon und Thomann konnte sich nur der Amazon-Schuhableger Javari in den Top Ten behaupten. Es gibt in diesem Jahr gleich mehrere Neueinsteiger - und sie sind allesamt keine Pure Player, sondern Hersteller wie der Spieleverlag Ravensburger und eine Reihe alteingesessener Händler.

Dazu gehören unter anderem die Tierbedarfskette Fressnapf, der Outdoor-Ausrüster Globetrotter und der Schuhhändler Deichmann. "Die reinen Internethändler bleiben zwar bei ihrer hohen Taktzahl, aber die Einzelhändler holen stark auf", erklärt Hudetz. "Das beweist: Der Händler, der das Onlinegeschäft ernst nimmt und nicht als notwendiges Übel betrachtet, hat auch im Netz Chancen." Vorausgesetzt: Er nimmt ordentlich Geld in die Hand. Vor gut einem Jahr brachte es Torsten Toeller, Gründer und Chef von Fressnapf, auf den Punkt: "Ein Onlineshop reicht nicht, wir müssen das ganze Unternehmen digitalisieren. Das kostet 'n Arsch voll Kohle, aber lohnt sich."

Fressnapf hat mit Zooplus einen starken Gegenspieler im Netz, wie Deichmann mit Zalando. Das macht es doppelt schwierig, sich online zu behaupten. "Ab und zu muss Druck auf der Pipeline sein", so Toeller.

Händler mit Läden und Onlineshop kämpfen an mehreren Fronten: "Bei jedem Euro, der vom Geschäft ins Internet wandert, sinkt die Flächenproduktivität - selbst wenn dieser im eigenen Onlineshop landet", sagt Kerstin Lehmann, Partnerin bei OC & C. "Jedes Produkt, das im Laden verkauft wird, muss also eineinhalb Vertriebskanäle finanzieren."

Mode boomt im Netz, auch das zeigt die IFH-Studie. Erstmals ist Mode vor Büchern und digitalen Medien die Warengruppe, die am häufigsten im Internet gekauft wird. Auch geben die Deutschen immer mehr Geld online für T-Shirts und Hosen aus. "Der Modemarkt im Netz wird in Zukunft noch stärker beackert", so IFH-Leiter Hudetz. Nicht nur von der Otto-Gruppe (Bonprix) und Zalando, auch von großen Modeketten wie Zara (Inditex), H & M oder C & A und von Herstellern bekannter Marken wie Hugo Boss.

BÜCHER & DIGITALE MEDIEN
Das E-Book ist weiter auf Erfolgskurs

Mit Büchern fing einst alles an, inzwischen ist der Onlinemarkt für Bücher und digitale Medien in Deutschland mehr als drei Milliarden Euro schwer. Amazon ist mit Abstand der wichtigste Spieler, wird aber nicht berücksichtigt, weil das Institut für Handelsforschung (IFH) das weltgrößte Onlinekaufhaus wegen des branchenübergreifenden Angebots als Generalisten führt. Weitere spezialisierte Spieler sind die Douglas-Tochter Thalia, die insolvente Verlagsgruppe Weltbild und deren nicht von der Pleite betroffene Tochter bücher.de, buch.de (Thalia) und Libri eBooks. Das E-Book ist auch in Deutschland weiter auf Erfolgskurs. Amazons elektronisches Lesegerät Kindle steht auf Platz zwei der meistverkauften Produkte des Onlineshops seit dem Deutschland-Start im Jahr 1998. Doch es gibt Gegenwehr: den Kindle-Konkurrenten Tolino, den Weltbild mit Hugendubel, Thalia, Bertelsmann und der Telekom mit großem Erfolg verkauft.

COMPUTER & UNTERHALTUNGSELEKTRONIK
Der Preiskampf wird sich noch verschärfen

Der deutsche Markt für Computer und Unterhaltungselektronik wächst und gehört nach Mode zu den Branchen mit dem größten Anteil am Umsatz des Onlinehandels. Im Schnitt beträgt das jährliche Wachstum mehr als zwanzig Prozent. Das Angebot ist stark geprägt von Markenartikeln, die in Qualität und Preis gut vergleichbar sind. Die Kunden haben es leicht, Computer und Unterhaltungselektronik im Internet zu bestellen, statt im Laden zu kaufen. Mit dem Smartphone lassen sich im Geschäft vor Ort schnell Anbieter mit günstigeren Preisen oder größerer Auswahl im Netz finden. Vor allem Media-Markt und Saturn leiden unter dem Preiskampf mit den Onlineshops, der sich noch verschärfen wird. Europas größter Elektronikhändler, die Metro-Tochter Media-Saturn, senkt immer wieder die Preise - zulasten des Ertrags. Der Lebensmittelkonzern Rewe hat aufgegeben und sich vom Großteil seiner 54 Pro-Markt-Filialen getrennt. luki.

SCHUHE

Zalando bleibt der Wachstumstreiber

Für den deutschen Schuhmarkt gibt es zwei Zeitrechnungen: die Ära vor und die nach Zalando. Der Onlineshop hat gezeigt, dass die Deutschen sehr wohl - und im großen Stil - Schuhe online bestellen. Vorausgesetzt, alles kann einfach und kostenlos zurückgeschickt werden. Im Netz wird immer mehr Geld für Schuhe ausgegeben, und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. Treiber ist und bleibt Zalando, zusätzlicher Schub kommt von Wettbewerbern wie der Otto-Tochter Mirapodo oder dem Amazon-Schuhableger Javari. Der stationäre Handel, allen voran Deichmann, hat die Verfolgung aufgenommen. Obwohl einzelne Händler seit Jahren Onlineshops haben, hat bisher die nötige Dynamik und Reichweite gefehlt. Deichmann will nun punkten: etwa mit einer eigenen Internetkollektion und einer App, mit der Füße vermessen und Schuhe virtuell anprobiert werden können. Zudem verkaufen immer mehr Hersteller direkt im Netz. luki.

APOTHEKEN
Ältere Kunden suchen Gesundheitsprodukte

Bei Gesundheit und Wellness - dazu gehören Arzneimittel zur Selbstmedikation, Nahrungsergänzungsmittel, Augenoptik, Hörgeräte und Sanitätswaren - beträgt das jährliche Onlinewachstum in Deutschland im Schnitt gut 23 Prozent. Vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung ist davon auszugehen, dass insbesondere Sanitätswaren wie Kompressionsstrümpfe, Bandagen, Blutdruckmessgeräte oder Sehhilfen und Kontaktlinsen im Internet stark wachsen werden. Vor allem bei Letzteren hat der Onlinemarkt angezogen. Im Bereich Augenoptik gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern für Brillen, Gläser und Kontaktlinsen. So haben zum Beispiel Mister Spex, Brille24 oder Netzoptiker den Vorstoß gewagt und sorgen für zusätzlichen Druck in einem umkämpften Markt. Auch Fielmann denkt über den Brillenverkauf im Netz nach, sieht aber noch Hürden. Wenn online dieselbe Qualität wie im Laden lieferbar sei, werde man in den Internethandel einsteigen, heißt es. luki.

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Das interessiert andere Leser

  • Kopenhagens Must-Sees
    Kopenhagens Must-Sees

    Wie wäre es mit einem Wochenend-Trip nach Kopenhagen? Wir haben die besten Locations für Sie aufgestöbert.

  • Gekommen, um zu bleiben
    Gekommen, um zu bleiben

    Kommt das nächste Apple, Google oder Microsoft aus Deutschland? Diese drei Newcomer haben das Zeug, zu bleiben.

  • Bock auf Gründen
    Bock auf Gründen

    „Ich hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ – der Tweet einer Schülerin sorgte für eine riesige Debatte. Auch über das Gründen wissen Kids zu wenig.

  • Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven: Hybrid ist die Zukunft
    Hybrid ist die Zukunft

    Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven spricht über die Evolution alternativer Antriebe als Antwort auf immer strengere Umweltauflagen.

  • Aus Scheitern wird man klug
    Erfolgreich scheitern

    Mike Mühlberger hat seinen hochdotierten Job als BMW-Manager geschmissen, um die deutsche Start-up-Szene aufzumischen. Ein Porträt.

  • Neues Erb-Gesetz 2016
    Neues Erb-Gesetz

    Brüssel mischt die Karten neu: Ein Gesetz regelt Erbschaften in der Europäischen Union. Ein Experte erklärt, welche Aspekte Unternehmer beachten müssen.

  • Wenn Eltern gründen

    Nicht immer gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Familienphase. Vor allem Frauen müssen oft zurückstecken. Die Flucht nach vorn: eine Unternehmensgründung.

  • Chinas Konzerne kaufen am liebsten in Deutschland ein
    Chinas Hunger auf deutsche Unternehmen

    Chinesische Investmentbanker suchen in Deutschland nach Fusions- und Kaufkandidaten. Dabei hat es ihnen eine Branche besonders angetan

  • Bei Übernahmen schwinden die Kräfte
    Bei Übernahmen schwinden die Kräfte

    Verpatzter Auftakt: Das neue Jahr beginnt mit einem Fehlstart bei Fusionen und Übernahmen. Im Januar schreckten die Unternehmen angesichts der Unsicherheiten an den Märkten und eines schwierigen ...

  • Starthilfe für Start-ups

    Bund und Länder fördern Start-ups durch eine Vielzahl von Wettbewerben und Preisgeldern. Eine Untersuchung der knauserigsten und spendierfreudigsten Regionen.

  • Am Ziel vorbei
    Am Tag nach dem Klettergarten

    Teamveranstaltungen sollen Spaß machen und die Mitarbeiter motivieren. Doch der Effekt ist selten auf Dauer. Über gelingende soziale Systeme am Arbeitsplatz.

  • Objekte der Begierde

    Immobilien zählen zu den beliebtesten Investments. Statt direkt zu investieren können Anleger über Fonds, Aktien und Zertifikate mit geringerem Kapitaleinsatz Risiken streuen.

  • Schlaue Schokolade
    Schlaue Schokolade

    MARS-Schokoriegel schmecken nicht nur gut – Unternehmer können von dem Familienunternehmen viel lernen. Einblick in eine außergewöhnliche Firmenkultur.

  • Systemische Betrachtungen bei der Nachfolge in familiengeführten Unternehmungen

    Manchmal gelingt eine Nachfolge nicht, weil systemische Wirkungsgesetze nicht beachtet werden. Acht Grundregeln, die es zu beachten gilt.

  • Wenn die E-Mail vom Chef gefälscht ist
    Wenn die E-Mail vom Chef gefälscht ist

    Organisierte Banden versuchen mit neuen Maschen, Mittelständler um viel Geld zu bringen.

  • Gefährliches Expertenwissen

    Wenn der Chef plötzlich ausfällt, kann das fatale Folgen für das Unternehmen haben. So sorgen Sie vor.

  • Was Verkäufer von Amazon lernen
    Was Verkäufer von Amazon lernen

    Macht das Online-Shopping Verkäufer überflüssig? Das DUB UNTERNEHMER-Magazin hat mit drei Experten diskutiert.

  • Getrieben von Finanzinvestoren muss sich der schwäbische Mittelständler Schleich zu einer globalen Marke entwickeln
    Der Schleich-Report

    Der schwäbische Mittelständler Schleich ist eine Erfolgsgeschichte. Jetzt wollen Finanzinvestoren den Spielwarenhersteller zu einer globalen Marke formen.

  • Karrierestau? Mit Franchise und Lizenzen sofort von ausgeklügelten Systemen profitieren.

    Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft steinig. Mit Franchise- und Lizenz-Modellen erhalten die Startups einen schnellen Marktzugang und das notwendige Know-how.

  • Immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost.
    Gesund genießen

    Ob Gourmetessen oder Fast Food, immer mehr Menschen legen Wert auf gesunde Kost. Zu den Wunschzutaten zählen unter anderem Umweltschutz und artgerechte Tierhaltung

  • Mit Markenkraft des starken Partners gelingt Einstieg in die Selbstständigkeit

    Wer den Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen möchte, braucht einen starken Franchisepartner. Wie aber lässt sich dieser finden?

  • Uber fürs Übersetzen

    Der Sprachdienstleister lingoking mit 4.800 Dolmetschern und Übersetzern in mehr als 835 Städten agiert seit Oktober als interaktiver Online-Marktplatz. 3 Fragen an Gründer Nils Mahler.

  • Chefs müssen umdenken
    Chefs müssen umdenken

    Nur Anweisungen zu verteilen reicht nicht mehr. In der Dienstleistungsgesellschaft muss die Selbstorganisation der Mitarbeiter gefördert werden.

  • Käufer gesucht
    Ihr Porträt

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Unternehmensnachfolge als MBI
    Starke Marke

    US-Franchises nehmen den europäischen Markt verstärkt ins Visier. Zwei Fachanwälte geben Tipps, worauf Interessenten bei den internationalen Verträgen achten sollten.

  • Goldene Gründerzeit

    Der erste deutsche Beitrag zum „Juncker Plan“ steht. Bis zu 20.000 Gründer und junge Unternehmen können hierzulande Unterstützung aus EU-Mitteln erhalten. So geht’s.

  • Versicherungen als Qualitätsmerkmal

    Viele kleine und mittlere Unternehmen handhaben den Versicherungsschutz lax, wie eine Studie zeigt. Zudem fehlen oft Maßnahmen wie Feuer- oder Einbruchschutz. Gute Vorsorge steht für Professionalität.

  • Konstruktiv unzufrieden

    UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari über den Wandel des Paketdienstes zu einem „Technologiekonzern mit ein paar Trucks“ – und warum er nie zufrieden ist.

  • Modernes Bauen – so ist’s recht
    Neue Vorschriften

    Das Klimaschutzabkommen von Paris im Dezember gilt als Durchbruch bei der Bekämpfung der Erderwärmung. Das sind die Folgen für Bauherren.

  • Wo der Kunde König ist
    Wo der Kunde König ist

    Diese 15 Unternehmen haben den Kunden-Innovationspreis abgeräumt.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick