Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Kaufhaus kann so sexy sein

Ludwig Beck floriert mit nur einem Laden in München. Nun expandiert die Gruppe.

Im dritten Stock, gleich gegenüber der Rolltreppe, da hängt die Ahnengalerie der Ludwig Beck AG. Ein gutes Dutzend Chefs in 154 Jahren, das zeugt von Beständigkeit. Nicht alle Unternehmensführer aber haben es lange an der Spitze des Münchener Kaufhauses ausgehalten. Anfang der 1990er-Jahre etwa wollten die Bayern ganz Deutschland mit Filialen erobern, eröffneten sogar einen Ableger an der Fifth Avenue in New York - und waren danach fast pleite. Der Ausflug war ein Desaster, die Verantwortlichen verloren ihre Jobs.

Danach hat sich die börsennotierte Aktiengesellschaft fast komplett auf das Münchener Stammhaus konzentriert - und ist gut damit gefahren. Mit einer Marge vor Zinsen und Steuern von zwölf Prozent steht Ludwig Beck ausgezeichnet da. Zum Vergleich: Die Kaufhauskette Galeria Kaufhof kam im vergangenen Geschäftsjahr lediglich auf die Hälfte. Der Wettbewerber Karstadt schreibt schon seit Jahren Verluste.

Ludwig Beck zeigt, dass sich mit einem Kaufhaus in Deutschland Geld verdienen lässt. Die größte Freude macht dieser Erfolg dem Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Zwar zählt die AG mehr als 2 000 Investoren. Der ehemalige Eigentümer der Fluggesellschaften dba und LTU hält jedoch fast drei Viertel der Anteile.

Das Erfolgsrezept allerdings lässt sich nicht so einfach kopieren. Der erste Vorteil: Das Geschäft liegt günstig am Münchener Marienplatz, direkt gegenüber dem Rathaus und mit unterirdischem Zugang zu U- und S-Bahn. So strömen jeden Tag Tausende Touristen ins Haus. Zweitens: "Wir haben alle unteren Preislagen rausgeworfen und inszenieren die Ware regelrecht", erläutert Vorstand Dieter Münch. Dabei beschränkt sich Ludwig Beck am Rathauseck auf einige ausgewählte Sortimente: CDs und Platten, Wäsche, Strümpfe und Socken sowie Düfte und hochwertige Kleidung.

Mit den schwarzen Zahlen der vergangenen Jahre ist bei Ludwig Beck der Wagemut zurückgekehrt: Im Frühjahr hat das Unternehmen den Filialisten Wormland übernommen, einen bundesweit tätigen Männerausstatter. "Mit Wormland holen wir uns Herrenkompetenz ins Haus", begründet Münch den Kauf der Firma mit knapp 80 Millionen Euro Umsatz. Zunächst einmal muss der Manager die Kette mit ihren 15 Geschäften profitabel machen. Dann sollen neue Läden entstehen. Durch die Übernahme steigt der Umsatz auf rund 180 Millionen Euro.

Experten meinen freilich, dass Ludwig Beck sein Potenzial selbst im Stammhaus nicht ausgeschöpft habe. "Das ist ein Rohdiamant, der geschliffen werden muss", erklärt Unternehmensberater Franz Schmid-Preissler. Einzelne Bereiche wie die Musik, die Strümpfe und die Wäsche seien zwar unverwechselbar. Auch mit einem eigenen Laden für Knöpfe und Reißverschlüsse seien die Münchener einzigartig. Das gelte aber nicht für die Textilien. Da biete Ludwig Beck viele Marken an, die auch im Rest der Münchener Innenstadt zu bekommen seien. Zudem fehle Ludwig Beck eine zugkräftige Eigenmarke, wie sie Konkurrenten wie Hirmer oder Lodenfrey pflegten. Die gibt es, doch sie ist eher versteckt.

In diesen Tagen räumen die Mitarbeiter die Winterkollektionen in die Regale. Dabei hängt noch viel Sommerware an den Bügeln - die Touristen fehlen, ein Drittel der Kunden sind gewöhnlich Gäste von außerhalb. Vor allem Russen und Besucher aus den Golfstaaten zücken traditionell gerne und großzügig den Geldbeutel. Doch der schwache Rubel und die Wirtschaftskrise machen den Russen zu schaffen, die Araber bleiben wegen des Fastenmonats Ramadan fern.

Um das Kaufhaus müsse man sich trotzdem nicht sorgen, meint Berater Schmid-Preissler. Selbst wenn die Expansion wieder fehlschlagen sollte: "Ludwig Beck gehört zu München wie der Alte Peter", also die benachbarte, älteste Kirche der Millionenstadt.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Auf die Marke kommt es an

    Noch immer zögern viele Mittelständler, ihre erfolgreichen Geschäftsmodelle konsequent zu vermarkten. Dabei lohnt sich die Investition in die Markenführung.

  • Mission Schaltzentrale

    In Oliver Franke reifte schon sehr früh der Wunsch, Unternehmer zu sein. Der Weg zu seiner heutigen Tätigkeit als Chef des vom Vater mitbegründeten technischen Industriedienstleisters Franke + Pahl war ...

  • Wettlauf gegen die Zeit

    Ob Berater, Ingenieur oder Manager: Vor manchen Geschäftsreisen ins Ausland sind ärztliche Untersuchungen Pflicht - doch nicht alle Firmen wissen davon.

  • Das Ende der großen Vorsicht

    Seit der Krise horten Firmen Eigenkapital. Nun stehen bei Mittelständlern wieder Investitionen auf dem Plan. Siewollen mutig sein.

  • Attraktives Geschäftsfeld für Freiberufler

    Onlineplattformen helfen bei der Suche nach Cloud-Experten.

  • Sind Sie sicher?

    Nahezu alle Betriebe werden mittels elektronischer Datenverarbeitung verwaltet, teils mit Tausenden Kundendaten täglich. Doch wiesteht es um den Schutz der Informationen und die Sicherheit der Abläufe? Zehn ...

  • Erfolg ist Verhandlungssache

    Zehnmal täglich verhandeln Führungskräfte im Schnitt. Wie gut sie sich in den Gesprächen durchsetzen, wird auch durch ihre Taktik bestimmt. Der Erfolg beginnt schon mit der Vorbereitung.

  • Geld auf breiter Basis

    Crowdfinanzierungen machen als alternative Kapitalquelle von sich reden. Der Markt ist zwar klein, doch mehr als eine Schwärmerei.

  • Kühler Kopf beim Turnaround

    Wenn die Kosten steigen, der Absatz stockt und der Umsatz sinkt, darf das Management keine Zeit verlieren. Wie mittelständische Unternehmen Restrukturierungen am besten angehen.

  • Auf der sicheren Seite

    Die 17 deutschen Bürgschaftsbanken sind private Förderinstitute, die mittelständischen Unternehmen den Weg zu mehr Kapital ebnen.

  • Erfolg beginnt im Kopf

    Was verbindet Mark Zuckerberg und Wickie den Wikinger? Ihr Erfolg beginnt im Kopf. Der eine erdachte Facebook, der andere hilft seinen Freunden mit klugen Einfällen. Die Idee ist die Basis für erfolgreiches ...

  • Großprojekte im Fokus

    Projektinvestitionen sind oft Meilensteine bei der Erreichung strategischer Ziele. Häufig gehen damit hohe Risiken einher, die besonderer Aufmerksamkeit von Management und Aufsichtsrat bedürfen.

  • Vorbildliche Führung

    Ottmar Hitzfeld erklärt auf dem zweiten DUB UNTERNEHMER-Dinner, wie er Teams erfolgreich führt und wie er lernen musste, Druck zu managen.

  • Halterhaftung für den Fuhrpark

    Halterhaftung für den Fuhrpark birgt für den Verantwortlichen ein erhebliches Haftungsrisiko, das sich besonders offenbart, wenn es um die Haftungsverteilung nach einem Verkehrsunfall geht.

  • Das Geheimnis der Gewinnmaschinen

    Anlegern gelingt es nur sehr schwer - viele Unternehmen, auch deutsche, schaffen es aber Jahr für Jahr. Sie streichen Renditen von 25 und mehr Prozent ein.

  • Führen mit Stil

    Über Managementprinzipien und E-Commerce-Wandel diskutierten Otto-Vize-Chef Dr. Rainer Hillebrand und Ebay-Deutschland-Lenker Dr. Stephan Zoll auf dem ersten Hamburger Unternehmer-Dinner von EO und DUB.

  • Können Unternehmer ein Privatleben haben?

    Führungskräftetrainer und Effizienzexperten engagieren sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch vielbeschäftigte Unternehmer finden dieses Ziel oft unrealistisch.

  • „Wichtig war, nie abzuheben“

    „Der Doktor, der Kämpfer, der Sieger“ – unter diesem Titel ist eine Biografie über Professor Dr. Reinfried Pohl, den Gründer der Deutschen Vermögensberatung AG, erschienen. DUB UNTERNEHMER sprach mit ihm über ...

  • Passion für Pferde

    In dieser Serie berichten Unternehmerpersönlichkeiten davon, welchen Leidenschaften sie in ihrer Freizeit nachgehen. Den Auftakt macht Albert Darboven, Vorstandsvorsitzender und Inhaber des ...

  • Rendite – eine Standortfrage

    Deutschland ist im Immobilienfieber, auch bei Unternehmern. Beliebt sind nach wie vor A-Standorte wie München oder Frankfurt am Main – doch sind sie auch lohnenswert?

  • China Inside

    Reisen, lernen, netzwerken – Ende Mai wird eine „Handelsblatt“-Reisedelegation Kurs gen China nehmen, um das Reich der Mitte zu erkunden. Fünf Unternehmerinnen und Unternehmer erzählen, warum sie mit an Bord ...

  • Stolpersteine für Fremdmanager in Familienfirmen

    Der eine gibt zu viel Geld aus, der andere geht zu selten durch die Produktion: Manager, die neu in ein Familienunternehmen kommen, haben es nicht immer leicht.Dabei haben die Außenseiter einen entscheidenden ...

  • „Man kann nicht alle Cyber-Angriffe verhindern“

    Cybercrime-Experte Marco Gercke über Strategien der Prävention, die Verantwortung der Vorstände und was man aus simulierten Attacken lernen kann.

  • Immer etwas mehr tun

    - sprich besser, fleißiger, erfolgreicher sein -, so das Credo von Professor Dr. Reinfried Pohl. Der 85-Jährige führt die DVAG, den größten eigenständigen Finanzvertrieb Deutschlands, seit fast vier ...

  • Bewertung von GmbH-Anteilen zu Verkehrswerten unter steuerlichen Prämissen

    Während bis zum Jahr 2008 GmbH-Anteile für die vorgenannten steuerlichen Zwecke mit dem Stuttgarter Verfahren bewertet wurden, gelten seit dem ersten Januar 2009 andere Regeln.

  • Öko-Vorbild

    Claus Hipp leitet in dritter Generation den Säuglingsnahrungshersteller Hipp. Er führt die begründete Tradition der nachhaltigen Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln fort.

  • Was verdienen Vorstände?

    Aktionäre fordern heute maximale Transparenz über die Corporate Governance des Unternehmens. Dies gilt auch für die Vergütung der Vorstände.

  • Inhaber als Wachstumsbremse

    Wenn in Familienunternehmen nur einer das Sagen hat oder aber viel zu viele mitmischen, wachsen die Firmen langsamer.Dass dies nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt eine exklusive Studie, die dem ...

  • Einfacher, billiger, leichter

    Chinesische Firmen erobern den Maschinenbau. Die deutsche Vorzeigebranche ist alarmiert.

  • "Wir können zuhören"

    Die Hamburger Volksbank wurde in einer Umfrage des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zu Hamburgs mittelstandsfreundlichster Bank gekürt.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick