Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Die Müsli-Connection aus Niederbayern

Das Internet-Start-up Mymuesli ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten im Online-Lebensmittelhandel. 2014 sollen zehn neue Läden eröffnet werden.

Der Start-up-Charme ist auch nach sechs Jahren noch nicht verflogen. Das Sofa in der Gemeinschaftsküche besteht aus Müslipackungen, eine Tafel erinnert daran, dass jede Abteilung mal Küchendienst hat: die Buchhaltung ebenso wie das Sekretariat und der Vertrieb. Doch ein Blick in die Produktionshalle offenbart, dass Mymuesli längst über sich hinausgewachsen ist: Eine elektronisch gesteuerte Fließbandanlage mit 80 Stationen ermöglicht die erste voll automatisierte Massenproduktion von individualisiertem Müsli weltweit. "Im Moment macht es wirklich Spaß", meint Mitgründer Max Wittrock.

 Mymuesli gehört heute zu den wachstumsstärksten Unternehmen im Onlineeinzelhandel. Als die Pioniere mit 3 500 Euro Kapital und der Idee an den Start gingen, nach persönlichen Vorlieben zusammengestelltes Müsli im Internet zu verkaufen, mixten sie die Zutaten zunächst in einem 30-Quadratmeter-Zimmer. Bald stellte sich heraus: Sie waren damit in eine Marktlücke gestoßen. Schon im ersten Jahr erzielte Mymuesli mehr als eine Million Euro Umsatz.

 Inzwischen sind Müsli-Fertigmischungen bei Edeka ebenso erhältlich wie in Coffeeshops und zehn eigenen Geschäften. Die Wachstumsgeschichte ist noch nicht vorüber. "2014 wollen wir zehn weitere eigene Läden eröffnen", kündigt Wittrock im Gespräch mit dem Handelsblatt an.

 Vor einigen Monaten wurde die Firma, die nach dem Ausstieg von zwei "Business Angels" nach vollbrachter Starthilfe wieder komplett den drei Gründern gehört, mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet. Das lohnte sich vor allem deshalb, weil es als Preis eine Beratung durch Porsche Consulting gab. Mit Hilfe der Experten konnte ein modernes, sich selbst steuerndes Logistik- und Produktionssystem aufgebaut werden - eine Schwachstelle der schnell gewachsenen Firma war damit beseitigt.

 Dabei haben sich im Online-Lebensmittelhandel schon viele verhoben. Zwar ist laut einer Studie von A.T. Kearney der Anteil der Menschen, die im Internet gelegentlich Lebensmittel bestellen, seit 2011 von 18 auf 27 Prozent gestiegen. Doch regelmäßig kauft kaum jemand Nahrungsmittel per Mausklick. Der Onlinemarktanteil liegt bei 0,3 Prozent, das entspricht einem Umsatz von 370 Millionen Euro. Gerade bei Frischware wollen die Kunden die Qualität der Ware lieber selbst überprüfen. Zudem bleiben Transport und Kühlung eine Herausforderung. So sind bislang vor allem Nischenanbieter wie der Fleischversand Otto-Gourmet erfolgreich. Oder eben Mymuesli. Die Mischungen bleiben lange frisch und sind einfach zu verpacken.

 Da nur Bio-Zutaten verwendet werden und ein Großteil der Packungen noch immer nach individuellem Kundenwunsch zusammengestellt wird, kann Mymuesli deutlich höhere Preise verlangen. Zwölf Euro pro Kilo kostet eine Mischung schnell, ein stolzer Preis. Doch bei Bioware ist der Preisdruck deutlich kleiner als in der Branche insgesamt. Kunden brächten Biolebensmitteln "eine höhere Wertschätzung im Sinne von 'Mittel für ein gesundes Leben' entgegen", sagt Susanne Horn, Chefin der Biobrauerei Lammsbräu. Dadurch könnten die Hersteller "die erforderlichen Preise erzielen, um die gesamte Zuliefererkette fair zu entlohnen".

 Zwar weist Mymuesli keine Umsätze aus. Doch die Wachstumsraten sind zweistellig und das Geschäft bleibt trotz hoher Investitionen profitabel: Der Bundesanzeiger weist aufgelaufene Gewinne von mehr als 1,2 Millionen Euro aus.

 Eine unkontrollierte Expansion will das Unternehmen allerdings vermeiden. "Wir wollen nachhaltig wachsen und sehen uns als Start-up mit Mittelständlermentalität", beschreibt Wittrock die Firmenphilosophie.

 Dass man auch zu schnell wachsen kann, hat Bionade gezeigt. Nach der Übernahme durch Oetker verlor die Marke einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit, weil sie zu Billigpreisen bei Discountern auftauchte.

 Man dürfe sich nicht abhängig machen von Supermarktketten, warnt hingegen Wittrock. "Wir können nicht morgen in 1000 weiteren Supermärkten stehen." Die Gründer müssten gut auf die Marke aufpassen. Wichtig seien zudem langfristige Lieferbeziehungen. Bioblaubeeren aus der Heimat gibt es eben nicht in beliebigen Mengen.

 Inzwischen betreiben die Jungunternehmer auch einen Kaffee- und Tee- sowie einen Orangenversand. Was so fürs Frühstück gebraucht wird. "Man ist halt Unternehmer und hat Freude daran, sich Neues auszudenken." Kern aber wird das Müsligeschäft bleiben. Da dürfe man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, warnt Wittrock. "Man darf nicht denken, dass man unverwundbar ist."

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Das interessiert andere Leser

  • Augmented-Reality-Effekt
    Death by Powerpoint

    Zwei Rezepte gegen sterbenslangweilige Präsentationen.

  • Mut zur Nische

    Investorin Anastasia Borghardt will Popcorn ganz groß rausbringen. Was sie über Start-ups und der Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen“ zu sagen hat.

  • Online-Tischler Pickawood liefert Erfolgszahlen

    Was ist eigentlich aus Pickawood geworden, dem Startup, das vor zwei Jahren ein Crowdinvesting auf DUB erfolgreich durchgeführt hat?

  • Compliance in Zeiten der digitalen Transformation

    Warum ein grundlegender Wertewandel notwendig ist, lesen Sie hier.

  • Das haben wir doch schon immer so gemacht

    Die Bundesbürger mögen Beständigkeit, keine Innovationen. Das könnte zum Problem für die Unternehmen werden.

  • Spektakuläre Deals

    Bei Übernahmen werden oft völlig überzogene Prämien bezahlt. Warum eigentlich? Und sind Familienunternehmen auch betroffen?

  • Auf den Punkt flüssig
    Säumige Großkunden

    Alltag in deutschen Firmen: Kunden lassen viel Zeit mit den Zahlungen, die Außenstände gehen in die Millionen. Factoring kann Abhilfe schaffen.

  • Was Chefs nicht können

    Bei der Suche nach einem Nachfolger mangelt es den meisten Chefs an einer entscheidenden Fähigkeit.

  • "Weniger Bürokratie für Start-ups und kleine Gründer"

    Letztes Jahr lockerte das Bürokratieentlastungsgesetz (BEG) einige Regeln für Existenzgründer. 2017 könnte das BEG II noch einen draufsetzen. Ein Expertengespräch über die wichtigsten Neuerungen.

  • Stellen Sie sich vor
    Stellen Sie sich vor

    Das DUB UNTERNEHMER-Magazin stellt in der Ausgabe 2-2017 potenzielle Firmenkäufer vor. Zeigen Sie, wer Sie sind, und erhöhen Sie Ihren Bekanntheitsgrad – gratis.

  • Franchise wächst in Deutschland

    Zunehmend fehlen jedoch Partner und Nachfolger für bestehende Standorte. Die Branche hofft auf gründungswillige Migranten.

  • Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht
    Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

    Immer mehr Familienfirmen suchen einen Nachfolger für den Inhaber. Das ist häufig eine komplexe Angelegenheit: Das liegt nicht nur an den Kindern, die oft ihre eigenen Wege gehen wollen.

  • Redakteur Eike Benn für das D unterwegs
    Baukastenprinzip

    Der Digitale Wandel offenbart Chancen. Beispiel: Neuerungen im Hard- und Software-Bereich versprechen, Effiienz und Umsatz zu erhöhen. Doch wie vermeidet man Fallstricke?

  • Franchise Marketing
    Franchisegeber und -nehmer: Arbeitsteilung beim Marketing

    Franchisenehmer haben einen starken Partner im Rücken. Ob Marke, Corporate Identity oder Raumgestaltung: Für viele Fragen halten sie professionelle Antworten parat.

  • Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!
    Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Besonders eine Nation geht in Deutschland auf Einkaufstour: China. Das Verhalten der Investoren aus Asien hat sich dabei in letzten Jahren kräftig geändert.

  • David gegen Goliath

    Sich gegen einen Platzhirsch zu behaupten, ist schwer. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel Paydirekt.

  • GANG ZUR BANK
    Gang zur Bank

    Eine Neugründung ist kostspielig. Franchisegründer bekommen oft Hilfestellung durch ihr System, sollten aber unbedingt auch weitere Beratungsangebote annehmen.

  • Was Unternehmensberater kosten

    Beim Thema Unternehmensnachfolge kommen meist Berater zum Zuge. Mit diesen Kosten sollten Sie planen.

  • Die neue Erbschaftssteuer im Überblick

    Ein Experte erklärt die vier wichtigsten Regeln der neuen Erbschaftssteuer.

  • Besonders zu festlichen Anlässen rundet eine edle Uhr am Handgelenk den Auftritt ab
    Zeit fürs Wesentliche

    Uhren sind mehr als Zeitmesser. Viele Freunde hochwertiger Nobelticker schätzen sie als Schmuckstücke mit technischen Raffinessen.

  • Der große Franchise-Report
    Der große Franchise-Report – das sind die neusten Trends

    Wie finanzieren sich Franchise-Betriebe? Wie finden die Systeme neue Partner? Wie stark wachsen die Unternehmen? Eine Studie gibt Antworten.

  • Invest-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums
    So profitieren Gründer noch besser von Wagniskapital

    Deutschland ist kein Gründerland. Damit sich das ändert, hat das Bundeswirtschaftsministerium das Invest-Programm aufgepäppelt.

  • Hürzeler Bicycles
    Aufgesattelt

    Es gibt schönere Orte als das Fitnessstudio, um die Arbeit hinter sich zu lassen und den Akku aufzuladen. Unternehmer und Manager finden dazu gute Gelegenheit beim Radsport auf Mallorca.

  • Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 1: Wie gestalte ich die Nachfolge?

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 23. November 2016, 17 Uhr: Ein erster Überblick über Möglichkeiten der Nachfolgeplanung innerhalb und außerhalb der Familie. Wie gehe ich es an?

  • Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 2: Unternehmenskauf - Einzelne Verfahrensschritte

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 15. Dezember 2016, 17 Uhr: Von der Suche nach einem Käufer/Verkäufer bis zur faktischen Übergabe und Integration des Unternehmens.

  • BRL Webinare Unternehmensnachfolge
    Webinar 3: Kernthemen des Unternehmenskaufvertrages

    JETZT AUFZEICHNUNG ABRUFEN: 18. Januar 2017, 17 Uhr: Worauf Sie bei den Vertragsverhandlungen und der Gestaltung des Kaufvertrages besonders achten sollten.

  • Marketing-Tipps für Startups mit kleinem Budget

    Insbesondere Startups benötigen in der Anfangszeit viele Kunden, doch für ein effektives Marketing fehlt oftmals das Geld. Mit folgenden Tipps gelingt dies auch mit kleinem Budget.

  • Gründer gesucht
    Gründer gesucht

    Um die Gründerkultur in Deutschland ist es nicht gut gestellt. Eine Studie gibt Aufschluss und ein Unternehmer erzählt aus der Praxis.

  • Beratungsfalle Nachfolge

    Bei der Unternehmensnachfolge helfen Firmeninhabern spezialisierte Berater. Woran Sie einen seriösen Berater erkennen.

  • Multiples: Äpfel mit Äpfeln vergleichen
    Realer Unternehmenswert

    Mit Hilfe der Deutsche Unternehmerbörse DUB.de können Firmenchefs nun sehr viel genauer den Verkaufswert ihres Unternehmens berechnen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick