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Stabilitätsanker Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist gerade für die Finanzwirtschaft von hoher Bedeutung, wie die Finanzkrise anschaulich verdeutlicht hat. In Hamburg hat sie in Form der hanseatischen Tugenden des Ehrbaren Kaufmanns eine lange Tradition.

Nachhaltiges Wirtschaften wird spätestens seit der Finanzkrise als Schlüssel für eine langfristig erfolgreiche Unternehmensführung angesehen. Nachhaltigkeit wird allgemein verstanden als Gleichrangigkeit von ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeitsaspekten. In der ökonomischen Betrachtung wird von Nachhaltigkeit bei dauerhaftem wirtschaftlichem Erfolg gesprochen. Fokussiert man den Blick weiter auf den finanzwirtschaftlichen Sektor nach der Finanzkrise, werden folgende strenge Nebenbedingungen für die Nachhaltigkeit des Sektors hinzugefügt:

- eine laufende mikro- und makroökonomische Nutzenstiftung für die Realwirtschaft

- das Einhalten der sich stark verändernden regulatorischen Auflagen

- die gesellschaftliche Akzeptanz

- die Fähigkeit, der unternehmens-, verbund- oder zumindest brancheninternen Bewältigung von Krisen

In Hamburg hat die Handlungsmaxime der Nachhaltigkeit eine lange Tradition: Die Verzahnung von Wirtschaftlichkeit und Verantwortung wurde aus den hanseatischen Tugenden des Ehrbaren Kaufmanns zu einer großen regionalen Stärke entwickelt. Seitdem gehört die Metropolregion Hamburg zu den wettbewerbsfähigsten Regionen Europas.

Das Vertrauen in Banken, Versicherungen und Finanzdienstleiter ist durch die Finanzkrise bis heute beschädigt. Die Vernachlässigung der Nachhaltigkeit wurde in der Vergangenheit zu Recht kritisiert; ihr Fehlen lässt die aktuelle Krise weiterhin bedrohlich erscheinen. Zukünftig muss Nachhaltigkeit als Orientierung und Motivation dienen. Dabei verkörpert der Ehrbare Kaufmann das Gegenmodell zum skrupellosen Banker. Unternehmerisches Handeln bedeutet für ihn nicht einzig gewinnorientiert zu agieren, sondern gleichzeitig Risiken zu minimieren – zum nachhaltig erfolgreichen Fortbestand des eigenen Unternehmens und zum Wohle von Mitarbeitern, Kunden und der Gesellschaft.

Das Zusammenspiel von Finanz- und Realwirtschaft muss in sich nachhaltig sein. Ein elementarer Bestandteil der Geschäftspolitik von Genossenschaftsbanken ist es etwa, dass ihre Aufsichtsräte gemeinhin von Unternehmern besetzt werden. Die Vorteile der Geschäftsmodelle von Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich in Zeiten der Finanzkrise als Stabilitätsanker für das Finanzsystem erwiesen. So hat es selbst auf dem Höhepunkt der Krise in Hamburg keine Kreditklemme gegeben. Nicht zuletzt setzt die regionale Finanzwirtschaft einen Kontrapunkt zu dem steuergestützten Rettungsgedanken „too big to fail“ einer globalisierten Börsenwelt.

Die Hamburger Finanzunternehmen sind Teil der regionalen Wirtschaft und fühlen sich von jeher den Unternehmen vor Ort verpflichtet. Damit verfolgen sie in der Tradition des Ehrbaren Kaufmanns bereits seit fast 500 Jahren Corporate Social Responsibility. Mit der Übernahme von unternehmerischer Verantwortung ist der Unternehmenszweck auf den langfristigen Erfolg und das Wohl von Kunden, Mitarbeitern und der Region Hamburg ausgelegt. Vertrauen, Transparenz und Sicherheit sind dabei die beste Grundlage, um nachhaltig zu handeln und werden auch zunehmend eingefordert. Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern muss die Möglichkeit gegeben werden, unternehmerisches Handeln besser zu verstehen und zu bewerten – und damit den gemeinsamen Erfolg mitgestalten zu können.

Mit ihrem werteorientierten Handeln gelingt es der Hamburger Finanzwirtschaft Erwartungen an das risikoorientierte Handeln ihrer Geschäftspartner zu prägen. Wie eine Bank mit ihren eigenen Risiken umgeht, prägt die Erwartungen, die sie an andere Marktteilnehmer stellt, mit denen sie geschäftlich verbunden ist. Das systemische Risiko durch Ansteckung wird reduziert. Durch Selbstregulierung und Selbstorganisation aller Marktteilnehmer, die ihre Strukturen und Prozesse konsequent auf mehr Nachhaltigkeit ausrichten, könnten der Regulatorik einige Härten genommen werden. Dazu muss ein Nachweis hinsichtlich der gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des unternehmerischen Handelns erbracht werden. Ein Nachhaltigkeitsbericht des Finanzplatzes Hamburg kann hierfür ein nützliches Transparenzinstrument sein, mit dem die bislang vorgeschriebene Berichterstattung im Finanzsektor sinnvoll ergänzt würde. Unterschiedliche Aspekte und Auswirkungen des unternehmerischen Handelns sowie von Produkten und Dienstleistungen können so strukturiert gemessen oder zumindest beobachtbar gemacht werden. Vertrauen kann nur in einem langfristigen Geschäftsmodell mit stabiler, verlässlicher und verantwortungsvoller Unternehmenspolitik hergestellt werden – durch einen dauerhaften Dialog mit den Anspruchsgruppen und einer tiefen Verwurzelung in die lokalen Wirtschaftsstrukturen. Nachhaltigkeit sollte als stetiger Entwicklungs-, Erfahrungs- und Lernprozess verstanden werden.

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Zum Autor 

Dr. Reiner Brüggestrat, Vorstandssprecher Hamburger Volksbank

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