Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Müsli to go

Der Haferflockenhersteller Kölln, der Erinnerungen an die Kindheit weckt, kam mit neuen Produkten aus der Krise - und mit einer gewagten Idee.

Es sind die roten Backsteine, die Hamburg und Elmshorn verbinden, die "Erlebniswelt" und die Produktion. Der Haferflocken-Hersteller Kölln weckt bei den meisten Deutschen Kindheitserinnerungen, haben doch viele ihren ersten Brei oft mit Köllns Schmelzflocken probiert. Das will das Familienunternehmen nun stärker für sich nutzen. Die Elmshorner haben daher im Juni im nahe gelegenen Hamburg einen eigenen großen Laden eröffnet: eine Mischung aus Kaffeebar, Haferflocken-Ausstellung und Kochschule. Die Wände sind aus ähnlichen Backsteinen wie das alte Fabrikgebäude am Flüsschen Krückau.

Die Marke solle erlebbar sein, der Shop möglichst aber auch Geld erwirtschaften, sagt Marketingchef Jörg Büttner. Der Laden ist jedoch mehr: ein Zeichen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Wirtschaftspresse ätzte, Kölln sei auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Ausgerechnet das Unternehmen, das dem damaligen DIHK-Präsidenten Hans Heinrich Driftmann gehört, habe keine neuen Ideen mehr und verliere an Umsatz, hieß es noch vor drei Jahren.

Seit einem Jahr ist Driftmann nicht mehr DIHK-Chef, und sein Unternehmen kann ihm wieder Freude bereiten: Ein Relaunch der Marke mit neuen Verpackungen und neuem Logo wirkt, neue Müsli-Mischungen mit weniger Zucker oder Mini-Keksen gewinnen Marktanteile. 2013 legte der Umsatz um zehn Prozent auf 94 Millionen Euro zu, im laufenden Jahr sollen es 100 Millionen werden. Standen vor sechs Jahren noch rote Zahlen in der Bilanz, lag der Vorsteuergewinn 2013 bei zwei Millionen Euro. In den vergangenen drei Jahren stieg die Mitarbeiterzahl um 40 auf 320, aktuell erweitert Kölln die Verpackungsanlage und baut die Mühle um, um schneller Haferflocken produzieren zu können. "Unsere Kapazitäten sind bis an die Grenzen ausgereizt. Teilweise mussten wir schon Wochenendschichten einlegen", berichtet Geschäftsführer Otto Fubel.

Kölln kommt zupass, dass der Markt für Frühstücksmischungen in Bewegung ist. Schließlich sieht sich Kölln mit 16,9 Prozent Marktanteil auf Platz zwei vor dem Konkurrenten Oetker mit der ähnlich positionierten Marke Vitalis. Organisationen wie Foodwatch kritisieren ausdauernd zuckrige Cerealien, deshalb steigen etliche Verbraucher auf Müsli-Mischungen um - obwohl auch die Kölln-Müslis zu einem Fünftel aus Zucker bestehen. Außerdem wecken neue Spieler Neugierde auf Müsli. Furore im Internet machten drei junge Gründer mit MyMuesli.de, einer Website, auf der Nutzer individuell zusammengestellte Müslis bestellen können. Inzwischen gibt es fertige MyMueslis auch etwa bei Rewe und Edeka - zu deutlich höheren Preisen als die auf den Massenmarkt zielenden Kölln-Mischungen, dafür mit halb so viel Zucker und mehr Varianten. MyMuesli hat bereits früher eigene Läden eröffnet, die allerdings deutlich kleiner sind als der mit 340 Quadratmetern großzügig dimensionierte Kölln-Shop in der Hamburger Steinstraße. Kölln-Manager Fubel sieht in MyMuesli kaum Konkurrenz. Vorbild für den eigenen Laden sei der Schokoladen-Hersteller Ritter Sport.

Dessen Flagship-Store in Berlin hat dieselbe Agentur gestaltet, die auch für Kölln arbeitet. Ritter-Chef Alfred Ritter sagte dem Handelsblatt, er sei mit dem Laden zufrieden. Er will jetzt sogar temporäre "Pop-up-Shops" eröffnen. Bei Kölln muss sich erst noch zeigen, ob Haferflocken genügend Menschen begeistern können, um den Laden den gesamten Tag über auszulasten. Marketing-Mann Büttner hofft darauf, dass Angestellte der umliegenden Büros und Laufkunden Hafersnacks kaufen, Kinder sich spielerisch eigene Müslis an einer eigens aufgebauten Anlage mischen. Solche Aktionen sollen das Profil auch gegenüber den Eigenmarken des Handels schärfen. Zudem sollen die Kunden neue Produkte kennen lernen. So hat Kölln inzwischen eine Hafermilch im Angebot. Durch Vertragsanbau auf Rügen soll die sich von der bei Veganern beliebten Sojamilch absetzen. Kölln lässt den Drink extern produzieren, verkauft ihn aber unter der eigenen Marke. Nach einem zähen Anfang habe sich das Produkt jetzt im Handel etabliert, urteilt Fubel. Trotz des Wachstums: Kölln hat Schwächen.

Das Familienunternehmen ist fast komplett auf Deutschland ausgerichtet - trotz jahrelanger Versuche in Spanien, Italien und den USA liegt der Auslandsanteil am Umsatz unter fünf Prozent. Und 2004 von Unilever zugekaufte angestaubte Marken wie Palmin-Bratfett und Livio-Öl machen nur noch gut ein Viertel des Unternehmensumsatzes aus, einst war es die Hälfte. Allerdings: Kölln kaufe diese Produkte zu - und mache mit dem Vertrieb Gewinn, sagt Fubel. Das Kerngeschäft bleibt der Hafer. Die Flocken kommen aus der eigenen Mühle neben dem denkmalgeschützten Backsteinbau. In einer Backstraße werden aus dem Korn bei 120 Grad in 25 Minuten knusprige Brocken für Müsli. Allein der Hafer, der meist aus Finnland kommt, wird nicht mehr mit dem Schiff angeliefert wie auf dem alten Bild auf den Kölln-Flocken-Packungen: Die Krückau ist verschlickt, Lastwagen haben übernommen.

Das interessiert andere Leser

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

  • Was einen »Leitwolf« und einen kleinen und mittelständischen Unternehmer verbindet

    Die Unternehmergeneration, die heute mit dem Problem einer Unternehmensnachfolge konfrontiert wird, ist ein Produkt ihrer Zeit und der Gesellschaft.

  • Bürgschaftsbanken fördern massiv Nachfolge im Mittelstand

    Deutschland hat ein Nachfolgeproblem. Im Mittelstand fehlen bis Ende 2019 rund 240.000 neue Inhaber für kleine und mittlere Unternehmen.

  • Franchise oder Startup?

    Die Vor- und Nachteile beider Modelle im Check. Ein Leitfaden für alle, die sich selbstständig machen wollen.

  • Israels Gründergeist

    Shai Agassi ist so etwas wie der Bill Gates des Silicon Wadis. Mit seiner ersten Gründung fuhr Agassi erstmal gegen die Wand. In Israel aber gehören Rückschläge zum Geschäft.

  • Darf's etwas teurer sein?

    Professionelles Pricing, Omnichannel im Vertrieb, Customization: Dr. Georg Tacke, CEO der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners über Vertriebs- und Marketingtrends 2018.

  • NEU auf DUB.de: Top-Platzierung in den Suchergebnissen

    Steigern Sie die Aufmerksamkeit für Ihre Anzeige. Positionieren Sie sich vor den Basis-Inseraten und erhöhen Sie durch die besondere Darstellung Ihre Inseratsaufrufe.

  • Einfach loslassen

    Ein Praxisbeispiel zeigt, wie die verspätete Unternehmensnachfolge gelingt.

  • Das Lebenswerk sichern

    Welche Rolle die Emotionen bei der Unternehmensübergabe spielen.

  • Die Meister des Franchise

    Die Vor- und Nachteile von Master-Franchise-Lizenzen.

  • DUB setzt Oettingers digitalen Bildungsgutschein um

    Der Politik einen Schritt voraus: Hamburger Verleger Jens de Buhr füllt die Forderung des EU-Kommissars Günther Oettinger nach Gutscheinen zur digitalen Weiterbildung mit Leben.

  • Franchisegründungen und Beteiligungskapital

    Worin unterscheiden sich Business Angels und Venture Capital? In welcher Phase ist welche Art von Beteiligungskapital die richtige? Und was passiert beim Exit? Ein Experte klärt auf.

  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

Autor




Copyright © 2013-16 Handelsblatt

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick