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Von Machern und gemachten Nestern

Wer sich den Traum von der Selbstständigkeit erfüllen möchte, hat mehrere Optionen, ein Unternehmen aus der Taufe zu heben: Neugründung, Franchising oder den Erwerb einer „fertigen“ Firma. Vor- und Nachteile eines Kaufs im DUB UNTERNEHMER-Check.

Geht der Unternehmergeist in Deutschland zurück? Beim flüchtigen Blick auf die jüngst veröffentlichten Zahlen könnte man durchaus diesen Eindruck gewinnen. Eine zunehmende Zahl mittelständischer Betriebe hierzulande findet keinen Nachfolger, wenn sich der Senior-Chef zur Ruhe setzt. Das zeigen die Ende Oktober 2013 vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im Report zur Unternehmensnachfolge 2013 veröffentlichten Zahlen.
Die demografische Entwicklung lasse „die Ausschau nach einem geeigneten Unternehmensnachfolger für immer mehr Alt-Inhaber zur sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ werden, berichtet DIHK-Präsident Eric Schweitzer. „Denn es gibt immer weniger Interessenten für immer mehr Unternehmen.“ Nach den Erfahrungen der Industrie- und Handelskammern, die in dem Report gebündelt sind, fi nden bereits heute 40 Prozent der Altinhaber nicht den passenden neuen Chef. Kernproblem sei das enger werdende Bewerberfeld: Waren 2010 auf  jeden von der IHK beratenen Alt-Inhaber noch 1,6 Nachfolgekandidaten gekommen, sank dieses Verhältnis im vergangenen Jahr auf nahezu eins zu eins. 

Chancen erkennen

Dazu passt: Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) ging die Zahl der Neugründungen großer wie kleiner Unternehmen im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Vorjahr jeweils um über fünf Prozent zurück. Traditionell sinkt das Interesse an Existenz(not)gründungen, wenn der Arbeitsmarkt brummt. Und das tut er. Erstmals waren laut Destatis im September 2013 über 42 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig. DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann rechnet 2014 mit „250.000 neuen Jobs“. Grund sei die gute Konjunktur. Was auf den ersten Blick alarmierend erscheint, eröffnet auf den zweiten Chancen. Die anziehende Konjunktur beispielsweise sollte einen beflügelnden Effekt auf die Geschäfte bestehender Unternehmen, damit deren Attraktivität und das Gründungsklima, haben. Wer sich aktuell mit dem Gedanken trägt, ein eigenes Unternehmen zu gründen, dabei aber Risiken wie den unter Gründern harten Verdrängungswettbewerb scheut oder aber sich ohne eine eigene Geschäftsidee selbstständig machen will, hat zwei Möglichkeiten: entweder Franchisenehmer werden oder sich ins gemachte Nest setzen und einen gesunden Mittelstandsbetrieb übernehmen. Ob der gering ausgeprägten Nachfolgeneigung sind die Optionen in letzterem Bereich heute vielfältiger denn je. Grundsätzlich gilt: Die Unternehmensnachfolge ist nicht nur für erfahrene Entrepreneure eine Alternative zur Neugründung. Tatsächlich kann die noch immer wenig populäre Strategie des Firmenerwerbs den Schritt in die Selbstständigkeit vereinfachen respektive ermöglichen. So manchen Existenzgründer versetzt eine funktionierende, den Lebensunterhalt sichernde Basis überhaupt erst in die Position, die eigenen Ideen verwirklichen zu können. Wichtig: Wie im Rahmen einer Neugründung ist auch beim Erwerb eines bestehenden Betriebs ein dezidierter Businessplan die Grundlage für ein erfolgreiches unternehmerisches Arbeiten. 
 Die externe Nachfolge ist ein komplexes Unterfangen und geht nicht zwingend einfacher vonstatten als eine Neugründung. „Vorbereitung“ lautet die oberste Devise, sonst drohen unternehmerexistenzgefährdende Fehler. Damit der potenzielle Neuunternehmer den Überblick über die nachfolgenden Detailfragen behält, sollte schon frühzeitig Rat von Expertenseite eingeholt werden. Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und/oder Unternehmensberater, die sich vielfach auf das Thema Nachfolge spezialisiert haben, eignen sich, einen solchen Deal zu begleiten. Das gilt insbesondere dann, wenn ein realistischer Verkaufspreis ermittelt werden soll – der ideelle Wert und das Bild, das der Alteigner von der eigenen Firma hat, spielen dabei keine Rolle. Ein überzeugendes Argument für die Übernahme eines im Markt etablierten Unternehmens sind die vorhandene Kundenbasis und eingeführte Produkte. So kann der Neuunternehmer sofort nach der Übernahme Umsatz machen und muss in der Startphase keine eigenen Ressourcen für die Neukundenakquisition binden. Ein weiteres zentrales Motiv nennt Stefan Boddenberg, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ixxconsult: „Ein wesentlicher Grund, ein Unternehmen zu kaufen, statt eines zu gründen, ist die Möglichkeit, das Personal zu übernehmen. In Zeiten des Fachkräftemangels sind gerade gute Pflegekräfte oder Ingenieure ein echtes Asset. Letztlich stehen oft nicht die Zahlen, sondern die Menschen im Vordergrund.“ Auch der oft zeit- und nervenraubende Aufbau einer Infrastruktur, beispielsweise im EDV-Bereich, entfällt. Bürokratische Hürden, die eine Neugründung birgt, sind aus dem Weg geräumt

Externe Expertise hinzuziehen

Ein Kauf erleichtert zudem nicht selten die Finanzierung der Unternehmensgründung: Für Banken ist es einfacher und sicherer, den Kauf eines am Markt etablierten Unternehmens zu finanzieren, zu dem mehrjährige Erfahrungswerte vorliegen, als das Risiko der Finanzierung einer Neugründung einzugehen. Ein Nachteil der Variante Unternehmenserwerb: Der übernommene Betrieb lässt sich in den seltensten Fällen problemlos auf die ureigenste Vision des Entrepreneurs zuschneidern. Der Charme maximaler unternehmerischer Gestaltungsfreiheit, sprich den Betrieb von Beginn an nach eigenen Vorstellungen aufzubauen, Mitarbeiter auszuwählen, Märkte für Produkte zu identifizieren, um anschließend mit dem Unternehmen zu wachsen, geht einem Erwerb zumeist ab. Bevor sich Entrepreneure also in das vermeintlich gemachte Nest setzen, sollten einige grundsätzliche Fragen geklärt sein, um am Ende kein Kuckucksei vorzufinden. Erste Käuferpflicht ist es daher zu eruieren, warum das Unternehmen überhaupt eine Nachfolge sucht. Über das Wohl und Wehe des Deals entscheidet die Zukunftssicherheit von Branche und Geschäftsmodell. „Ob fehlende Perspektive in den Zahlen oder im Markt – bei vielen Firmen hat eine fehlende Nachfolgeregelung gute Gründe. Manchmal ist eine geordnete Abwicklung sinnvoller als ein Verkauf“, so Boddenberg.

Nachhaltigkeit des Geschäfts prüfen

Stimmt die Positionierung, gilt es, die Unternehmenszahlen kritisch zu würdigen oder für diesen Part besagte externe Berater zurate zu ziehen. Ziel ist, ein Gefühl dafür entwickeln zu können, ob bisherige Erfolge Einmaleffekt waren oder Garant für zukünftige Erwartungen sind. In jedem Fall lohnt auch ein Blick auf die Kosten, die in naher Zukunft auf das Unternehmen zukommen. Eine böse Überraschung wäre es beispielsweise, stünden Schadensersatzforderungen ins Haus. Letztlich zählt natürlich der persönliche Eindruck, den der potenzielle Käufer vom Unternehmen gewinnt. Über dessen tatsächliche Verfassung geben zum Beispiel die Mitarbeiterstruktur, Gespräche mit den künftigen Kollegen oder Vor-Ort-Besuche einen Einblick. Zudem gilt es, Fragen zum Alteigentümer zu beantworten: Wie sehr hing das Geschäft von seiner Person ab, und wie lange stünde er in einer Übergangszeit zur Verfügung? Am Ende des Tages ist die Rechnung simpel: Für denjenigen, der seine unternehmerische Vision über einen Firmenkauf statt eine -gründung realisieren will, lohnt sich der Erwerb nur dann, wenn das, was er vorfindet, werthaltiger ist als das, was er bei gleicher Investitionssumme selbst hätte aufbauen können.

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