„Manche Aufsichtsratschefs wollen nur aus PR-Gründen eine Frau im Vorstand"

Seit zwei Jahren gehört Yvonne Zimmermann zu einer seltenen Spezies in der Finanzbranche: Sie ist Vorstand bei der Sparda-Bank Hamburg und verantwortet einen Bereich von 220 Mitarbeitern.

Als Managerin beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken hatte sie zuvor die preisgekrönte Kampagne „Jeder hat etwas, das ihn antreibt. Wir machen den Weg frei" auf den Weg gebracht. In der Reihe "Top-Managerin im Profil" erzählt die 46-Jährige, warum sie "Genossenschafts-Bankerin aus Überzeugung" ist, wo sie "riesiges Potenzial" für ihr Institut sieht und wie sie es als erste Frau an die Spitze ihres Geldhauses geschafft hat.

Nach ihrer Meinung könnten die Zeiten für ein Geldhaus wie die Sparda-Banken nicht besser stehen: „Die Werteorientierung unter jungen Menschen ist groß“, sagt Yvonne Zimmermann. Soll heißen: Die Rendite ist nicht allein ausschlaggebend für die Wahl eines Geldhauses. “Das ist unsere Chance zu zeigen: Es gibt eine Alternative zu den Krisenbanken.“ Es gab Jahre, in denen sich Großbanken, Privatkundenbanken, Direktbanken immer schneller entwickelten. Sie bauten eigene Investmentbanken aus, internationalisierten das Geschäft und strebten nach der größten Rendite. Sie waren hip und modern. Sparda-Banken und alle anderen Genossenschaftsbanken gehörten nicht dazu. Doch das ist Geschichte, sagt Yvonne Zimmermann, Vorstand der Sparda-Bank Hamburg, eine von zwölf Sparda-Banken in Deutschland.

"Nach der Banken-Krise im Jahr 2008 kam die Einsicht: Es muss nicht immer schneller, höher, weiter gehen." Fünf Jahre später bescheinigte die Rating-Agentur Standard & Poor's den Genossenschaftsbanken, dass sie kreditwürdiger als jede andere Bankengruppe sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Idee der Genossen sogar ein "Modell der Zukunft". Denn neben Girokonten, Bausparverträgen, Tages- und Festgeld sowie Fonds haben die Genossenschaftsbanken noch etwas im Angebot, was so mancher Großbank abhanden gekommen ist: das Vertrauen ihrer Kunden. Zimmermann schlägt die Beine übereinander und lehnt sich zurück in ihrem Konferenzstuhl. Sie hat in die Hamburger Zentrale an der Binnenalster geladen. Es hat eine Weile gedauert, bis das Gespräch stattfinden konnte, jetzt ist die 46-Jährige 100-%ig präsent und nimmt sich mehr als zwei Stunden Zeit für das SAAL ZWEI-Interview. Sie holt weit aus, erklärt das Wertegerüst von Genossenschaftsbanken - „dort, wo die öffentliche Hand an ihre Grenzen stößt, setzt der genossenschaftliche Ansatz an“ - spricht von Mitgliedern statt von Kunden und erläutert die neue Marketing-Ausrichtung der Sparda-Bank Hamburg.

 Im Genossenschaftsgesetz steht es niedergeschrieben: Genossenschaften fördern ihre Mitglieder. Bedeutet konkret: Ein Girokonto bei der Sparda-Bank ist kostenlos, vorausgesetzt, man hat eine 52 Euro-Mitgliedschaft der Bank erworben. Der Ideal-Typus eines Kunden ist in Zimmermanns Augen jemand, der mehr als eine reine Geschäftsbeziehung erwartet. „Wir wünschen uns, dass sich die Menschen sehr bewusst für uns entscheiden." Soll heißen: Sie nutzen die gesamte Palette an Bank-Dienstleistungen - und bringen sich als Mitglieder in die Bank ein, besuchen ihre Veranstaltungen und nutzen die Services über das Banking-Angebot hinaus. Kürzlich wurde in Hamburg-Wilhelmsburg etwa ein Sportpark mit Kletterhalle, Skate-Arena, Schiwmmbad und Kanustrecke auf dem Gelände der ehemaligen Internationalen Gartenschau eröffnet - und die Sparda-Bank ist Sponsor dieser Idee. Damit haben Sparda-Kunden Zugang zu einem weiteren 'Add-On', wie Zimmermann es nennt. Und Nicht-Kunden werden im Idealfall auf die Bank aufmerksam.

Zimmermann gefällt die Kombination ihrer Bank: Geldgeschäfte machen und zugleich Gutes tun. "Ich bin ein Überzeugungstäter", sagt sie. Dabei hat sie ihre Laufbahn in einer Großbank begonnen. Nach einer Lehre, einem Trainee-Programm und einigen Jahren Berufserfahrung - die Schule war nicht die schlechteste, sagt sie - wechselte sie zu einer Genossenschaftsbank in der Pfalz. Als Leiterin der Hauptstelle mit rund 20 Mitarbeitern. "Das geht nicht gut", sagte ihr damals eine der Mitarbeiterinnen, die ihre Mutter hätte sein können. "Hier auf dem Land lassen sich die Männer niemals von ihnen beraten." Sieben Fusionen später war klar, dass die Skeptikerin unrecht hatte. Zimmermann hatte nicht nur die Kunden für sich gewonnen, auch ihre männliche Konkurrenten konnte sie überrunden.

Und seit gut zwei Jahren reüssiert sie als Vorstand bei der Sparda-Bank Hamburg. Sie hat einen Veränderungs-Prozess angeschoben und einiges dafür getan, dass auch die Mitarbeiter des Instituts Selbstbewusstsein entwickeln. Denn auch wenn die Genossenschaftsbanken seit der Krise in bestimmten Kreisen gelobt werden: Das Image der orange-blauen Marke ist nicht überall das beste: "Das Potenzial unserer Marke ist riesig, und die Werte unserer Bank sind die Kernwerte dieser Zeit", sagt Zimmermann. "Jetzt müssen wir bekannter machen, wofür wir stehen." Um ihr Ziel zu erreichen, ist die Bankerin viel in den Filialen unterwegs oder im Gespräch mit ihren Führungskräften. Ihr ist es ein Anliegen, die Mitarbeiter mitzunehmen, um so die Akzeptanz für Entscheidungen zu erhöhen. Ein funktionierendes Netzwerk in alle Richtungen findet sie - insbesondere als Frau im Vorstand - wichtig, etwa um Angelegenheiten auf dem kleinen Dienstweg zu regeln. „Frauen haben neben rationalen, analytischen Fähigkeiten oft eine hilfreiche Intuition, unterschwellige Themen vorherzusehen oder Entwicklungen richtig einzuschätzen. Wenn Männer sie aber nicht gleichberechtigt mitspielen lassen, nützt es ihnen überhaupt nichts.“ Sie räumt ein, dass es ohne die Wertschätzung von Aufsichtsrat oder CEO nicht funktioniert: „Ich habe persönlich den Eindruck, manche Aufsichtsratsvorsitzenden oder Vorstandschefs von Großbanken wollen aus PR-Gründen eine Frau im Vorstand, akzeptieren dann aber oft kaum, dass diese ihr eigenes Profil entwickelt.“

Themen-Mitgliedschaft statt schnöder Kundenbeziehungen

Zimmermann ist seit zwei Jahren damit beschäftigt, ihr Profil samt neuer Ideen zu entwickeln. Sie legt Wert darauf, dass sie Dinge umsetzt, bevor sie außerhalb der Bank davon spricht. So stellt sie im Interview mit SAAL ZWEI erstmals die sog. Themen-Mitgliedschaften vor, die sie seit der zweiten Jahreshälfte 2013 einführt. Die Idee dahinter: Wer einen Genossenschaftsanteil der Bank erwirbt, kann gegen einen geringen Obulus einen thematischen Schwerpunkt wählen. Wer sich etwa für 'Horizont' entscheidet, bekennt sich zum Thema Nachhaltigkeit und erhält Goodies wie eine BahnCard. Wer 'Sportiv' wählt, bekommt Rabatt in ausgewählten Sportgeschäften oder bei Sportveranstaltungen und wird mit entsprechenden Apps versorgt. Die Themenmitgliedschaft HSV beinhaltet ein Trikot des Vereins oder eine EC-Karte mit HSV-Motiv. Rund 3.000 Themen-Mitgliedschaften zählt die Bank inzwischen. Und auch wenn das angesichts der 320.000 Sparda-Bank Hamburg-Kunden eine geringe Zahl ist, wertet Zimmermann es als Erfolg. "Es ist wichtig etwas auszuprobieren, mutig zu sein", sagt sie. "Wenn Entwicklungen in Übereinstimmung mit der Marke geschehen, können sie eigentlich gar nicht schief gehen." Selbstredend gebe es auch in ihrem Haus Menschen, die Killer-Fragen stellen wie 'Wer macht denn so etwas schon?' oder 'Wie soll denn der Deckungsbeitrag im Jahr 0 aussehen?', gibt sie zu - und spricht sogleich etwas lauter, weil solche Fragen sie 'fuchsteufelswild' machen. "Man muss den Dingen doch auch die Kraft geben sich zu entwickeln." Wer nur darauf gucke, was andere machen, komme schließlich niemals weiter.

 

Der Beitrag ist zuerst bei SAAL ZWEI erschienen, dem Kooperationspartner der DUB.

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Zur Autorin

Stefanie Bilen 
Geschäftsführende Redakeurin
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