Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Geduld gefragt

Immer weniger junge Akademiker haben unternehmerische Ambitionen. Firmeninhaber, die ihr Werk an den Nachwuchs weitergeben möchten, brauchen in der Regel viel Geduld.

Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen, wusste schon Wilhelm Busch. So ist die Lust von Akademikern, den elterlichen Betrieb nach dem Studium zu übernehmen, recht gering. Eine Erhebung des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) und der Universität St. Gallen unter 28 000 studierenden Unternehmersöhnen und -töchtern weltweit ergab: In Deutschland wollen nur vier Prozent von ihnen direkt nach dem Studium die Nachfolge des elterlichen Betriebs antreten. Der Vergleich mit anderen Ländern gibt Aufschluss über die Beweggründe: So zeigen in Griechenland und Russland mit 17 und 16 Prozent deutlich mehr Studierende Interesse an einer Nachfolge; in Ländern also, in denen es oft an beruflichen Alternativen mangelt. In Deutschland dagegen eröffnet die wirtschaftliche Lage Akademikern viele interessante Möglichkeiten, um erste Karriereschritte als Angestellte zu gehen.

In Ruhe Erfahrungen sammeln

Für ein Unternehmen macht es einen großen Unterschied aus, ob es innerhalb der Familie oder an einen externen Nachfolger weitergegeben wird. Peter Englisch, Partner bei EY, sagt: "Natürlich gibt es auch geeignete Nachfolger außerhalb der Familie. Langfristig erfolgreich sind aber vor allem diejenigen Unternehmen, in denen sich mehrere Generationen für die Entwicklung verantwortlich fühlen." Mehr als die Hälfte der Unternehmerkinder habe den Betrieb und die Branche bereits vor Studienbeginn kennengelernt und sei bestens qualifiziert. Dies, zusammen mit dem Familiensinn und der damit verbundenen Verantwortung für das elterliche Erbe, zahle sich positiv für das Unternehmen aus.
Dennoch: Nicht nur der elterliche Betrieb, auch der Unternehmergeist schlechthin schwindet. So meldet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dass die Zahl der Unternehmensgründungen von 2002 bis 2012 stark gesunken ist (siehe Grafik). Das hat mehrere Gründe. Neben dem seit 2011 erschwerten Zugang zum Gründungszuschuss spielen auch die vergleichsweise guten Aussichten für Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle.

Andersherum bedeutet das:
Je schlechter die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, gemessen an der Zahl der Arbeitslosen, desto größer die Zahl derer, die sich mit einer Existenzgründung eine neue Perspektive verschaffen wollen.Beides, die geringe Neigung, ein Unternehmen zu gründen, sowie die mangelnde Bereitschaft, bereits bestehende Unternehmen von den Eltern zu übernehmen, kann sich langfristig sehr negativ auswirken: Die Stabilität des deutschen Mittelstands, der wichtigsten Säule der deutschen Wirtschaft, steht auf dem Spiel.

Große Entscheidungen brauchen Zeit

Was ist zu tun? Die Empfehlungen des DIHK lauten unter anderem:
Das Thema Selbstständigkeit müsse im Bildungssystem verankert werden. Und: 26 Prozent der befragten studierenden Unternehmerkinder sind noch unentschlossen, ob sie eine Nachfolge antreten wollen. Philipp Sieger, Assistenzprofessor an der Universität St. Gallen und Mitautor der Studie, sagt: "Eltern sollten auf keinen Fall Druck ausüben oder die Nachfolge in einem zu positiven Licht darstellen. Spätestens beim Eintritt ins Unternehmen folgt sonst das böse Erwachen. Eltern sollten ihren Kindern Freiraum lassen und ihnen ein realistisches Bild davon vermitteln, was eine Nachfolge bedeuten kann." Die Zeit spielt den Eltern in die Hände: Fünf Jahre nach dem Studium wollen schon 13 Prozent der befragten deutschen Unternehmerkinder gern in die Fußstapfen der Eltern treten. Geduld zahlt sich aus.

 

Das interessiert andere Leser

  • Neue Quellen erschließen

    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement

    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“

    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe

    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster

    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt

    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Raus aus der Komfortzone

    Raus aus der Komfortzone

    Vertriebsexperte Dirk Kreuter sagt, wie Verkäufer in der digitalen Welt überleben.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Niederlagen nutzen

    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten

    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas

    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten

    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)

    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler

    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

  • Last minute für Feinschmecker

    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • asant verändert die digitale Transformation Wirtschaft und Gesellschaft. Die CeBIT 2016 zeigt, was die Zukunft bringt.

    Humanismus auf der CeBIT

    Auf der CeBIT 2016 stehen der Mensch und sein Einfluss auf eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Ein Blick auf die wichtigsten Trends.

  • Fördern und vorleben

    Der Transformation vorangehen

    Beim DUB-Talk beschrieben drei Entscheider, wie sie die Digitalisierung in ihrer Firma umsetzen. Dabei entdeckten sie an ihren Firmen ganz neue Seiten.

  • Sei dein eigener Regisseur

    Keine Lust mehr auf die alte Firma? Worauf Führungskräfte bei beruflichen Veränderungen achten müssen, sagt Coach Claudia Michalski.

  • Rotes Tuch Digitalisierung

    Rotes Tuch Digitalisierung

    Zu teuer, zu komplex, zu wenig Personal: Das Thema Industrie 4.0 wird von der Mehrheit der Mittelständler kritisch gesehen.

  • Friedman schlägt Schumpeter

    Kampf der Top-Ökonomen

    Werden in Krisen innovative Unternehmen geboren? Die Theorie von Schumpeter sagt ja, die von Friedman nein. Wer hat Recht?

  • Kopenhagens Must-Sees

    Kopenhagens Must-Sees

    Wie wäre es mit einem Wochenend-Trip nach Kopenhagen? Wir haben die besten Locations für Sie aufgestöbert.

  • Gekommen, um zu bleiben

    Gekommen, um zu bleiben

    Kommt das nächste Apple, Google oder Microsoft aus Deutschland? Diese drei Newcomer haben das Zeug, zu bleiben.

  • Bock auf Gründen

    Bock auf Gründen

    „Ich hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen“ – der Tweet einer Schülerin sorgte für eine riesige Debatte. Auch über das Gründen wissen Kids zu wenig.

  • Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven: Hybrid ist die Zukunft

    Hybrid ist die Zukunft

    Lexus-Europa-Chef Alain Uyttenhoven spricht über die Evolution alternativer Antriebe als Antwort auf immer strengere Umweltauflagen.

  • Aus Scheitern wird man klug

    Erfolgreich scheitern

    Mike Mühlberger hat seinen hochdotierten Job als BMW-Manager geschmissen, um die deutsche Start-up-Szene aufzumischen. Ein Porträt.

  • Neues Erb-Gesetz 2016

    Neues Erb-Gesetz

    Brüssel mischt die Karten neu: Ein Gesetz regelt Erbschaften in der Europäischen Union. Ein Experte erklärt, welche Aspekte Unternehmer beachten müssen.

  • Wenn Eltern gründen

    Nicht immer gelingt der berufliche Wiedereinstieg nach der Familienphase. Vor allem Frauen müssen oft zurückstecken. Die Flucht nach vorn: eine Unternehmensgründung.

Zum Autor

DUB Unternehmer Newsletter 

Alle zwei Monate Hintergründe rund um Management, Finanzierung, Nachfolge, Recht und Steuern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick