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Drum prüfe, wer sich lange bindet

Unternehmensgründer, die als Franchisenehmer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen, sollten einige Grundregeln beachten. Zehn Tipps vom Fachanwalt zur Hilfestellung.

Der Aufbau des eigenen Unternehmens in einem bestehenden Franchisesystem ist oft mit erheblichen Investitionen verbunden. Da Franchiseverträge in der Regel aber nur fünf bis zehn Jahre laufen, ist eine fundierte Prüfung der Rahmenbedingungen vonnöten.

Diese zehn Tipps sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden:
1. Die eigenen Fähigkeiten im Hinblick auf eine meist vertriebliche, aber auch kaufmännische und fachliche Qualifikation (persönliche Erfolgsfaktoren) sollten kritisch überprüft werden. Zudem sollte sich der Gründer die Frage stellen, ob er bereit ist, sich in ein Marketing- und Vertriebssystem einzuordnen, das eine bestimmte Aufgabenverteilung voraussetzt und in diesem Bereich kaum Gestaltungsspielraum lässt.
2. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, steht vor der Qual der Wahl: Rund 1.000 Systeme operieren derzeit am deutschen Markt, wovon gut 250 im Deutschen Franchise-Verband (DFV) organisiert sind. Nicht jede Idee eignet sich für den Schritt in die Selbstständigkeit, schon gar nicht, um als Versuchskaninchen zu dienen. Ein vermeintlich erprobtes System gilt es erst kritisch zu hinterfragen.
3. In einem erprobten Franchisesystem ist die Systemzentrale Dienstleister der Franchisenehmer und sorgt zum Beispiel für Marketing, Vertrieb, Sortiment, Einkauf, Know-how-Entwicklung oder betriebswirtschaftliche Beratung. Ist dies gewährleistet – was es zu überprüfen gilt –, konzentriert sich der Franchisenehmer auf die Verantwortung für Umsatz und Personal.
4. Erfolgreiches Franchising kennzeichnet ein ausgeglichenes Verhältnis von Geben und Nehmen. Dieses Verhältnis muss sich in den vertraglichen Regelungen des zu schließenden Franchisevertrages widerspiegeln. Der Franchisenehmer ist kein Angestellter des Franchisegebers, wenngleich er als Vertriebsmittler eng in ein System eingebunden ist.
5. Die Gebührenstruktur muss den Systemleistungen und Ertragschancen entsprechen. Eintrittsgebühren müssen einen echten Wettbewerbsvorteil begründen. Zu klären ist, ob die Franchise- und Marketinggebühren in einem nachvollziehbaren Verhältnis zu den erhaltenen Leistungen, dem Bekanntheitsgrad und den Werbemaßnahmen des Systems stehen (gerade bei Übernahme ausländischer Konzepte).
6. Eine realistische Investitionsplanung sollte entweder der Franchisegeber liefern oder gemeinsam mit dem Franchisnehmer erarbeiten – je nach den Erfordernissen des avisierten Standortes. Diese Investitionen müssen sich mit Blick auf die prognostizierten Umsätze und Erträge innerhalb der Vertragslaufzeit amortisieren und zudem einen angemessenen Unternehmergewinn erlauben. Hier sollte der Franchisegeber Zahlen darüber liefern, was ein Franchisenehmer üblicherweise erwarten kann
7. Die Eigenkapitalausstattung ist bei jedem Schritt in die Selbstständigkeit entscheidend. Ein Grund für das Scheitern einer Gründung ist oft der Mangel an Eigenkapital und ausreichender Liquidität bis zum Erreichen der Gewinnschwelle. Ein Eigenkapitaleinsatz von 20 bis 30 Prozent ist in jedem Falle erforderlich.
8. Auch wenn der Franchisegeber den Schritt in die Selbstständigkeit begleitet, sollten Dienstleistungen von Gründungsberatern und fachkundigen Anwälten in Anspruch genommen werden. Wenn es um langfristige Bindung und ein nicht unerhebliches Investment geht, dürfen auch die Kosten für eine Vertragsprüfung nicht gescheut werden. Hilfreich ist in jedem Falle zudem eine Aus- und Fortbildung in den Bereichen Steuern und Finanzen einschließlich Buchhaltung und Rechnungswesen.
9. Das „Fairplay-Franchising“ und die Spielregeln für partnerschaftlichen Erfolg, über die einiges nachzulesen ist (zum Beispiel in Waltraud Martius’ „Fairplay-Franchising“), sollten verinnerlicht werden. Das partnerschaftliche Zusammenwirken im Rahmen des Vertrages sollte daran gemessen werden, ob es für den Fall des Streites zeitgemäße Mediationsregeln oder Vereinbarungen für die Durchführung eines Schiedsverfahrens gibt.
10. Und wie immer im Leben: Das Bauchgefühl und der gesunde Menschenverstand sollten bei der Entscheidung in die Selbstständigkeit nicht unbeachtet bleiben. Nur wenn der Interessent hundertprozentig hinter seiner Entscheidung und dem System steht, sollte er den Schritt in die Selbstständigkeit via Franchise wagen. Zudem sollte im persönlichen Umfeld Konsens darüber herrschen.

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Zum Autor

Günter Erdmann
Franchise-Experte, Rechtsanwalt und Wirtschaftsmediator
Kanzlei Schlarmann von Geyso in Hamburg

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