Der Expansions-Motor

Franchising zieht sich durch alle Branchen und schafft für Firmen die Möglichkeit, sich im Partnerverbund der Marktmacht von Großunternehmen zu stellen. Wie sich das Konzept aus Sicht von Franchisegebern und -nehmern für Ausbau und Gründung eignet.

Raymond Albert Kroc gilt als Vater des modernen Franchisings. Der Gründer von McDonald’s trifft 1953 in San Bernardino auf die Brüder Maurice und Richard McDonald. Er erkennt schnell das Potenzial und die Zugkraft des ersten Drive-in-Burger-Shops. 1955 startete dann Krocs Erfolgsstory mit McDonald’s-Restaurants. Heute zeichnen sich 30.000 Restaurants in fast 120 Ländern durch identisches Aussehen, gleiche Qualität und Einheitlichkeit der Produkte aus.

Diese Vertriebsform zielte in den USA ursprünglich darauf ab, einen direkten Vertriebsweg zu wählen, bei dem Produkt und Marke im Vordergrund standen. Heute gibt es weltweit über 12.000 Franchisesysteme – 1.000 davon mit mehr als 72.000 Franchisenehmern allein in Deutschland. Modernes Franchising ist die Vermarktung von Produkten und/oder Dienstleistungen im arbeitsteiligen Zusammenwirken zweier Unternehmen unter Zugrundelegung einheitlicher Systemstandards. 

Sixt-Urteil setzt Rechtlichen Rahmen

Franchising in der Praxis heißt auch eine klare rechtliche Struktur mit wechselseitigen Rechten und Pflichten zur erfolgreichen Umsetzung eines erprobten Geschäftsmodells als „Lizenz am Unternehmen“. 1999 hat der Bundesgerichtshof den Rahmen mit dem Sixt-Urteil festgezurrt. Im europäischen Kontext gibt es eine Vielzahl weiterer Definitionen und Rechtsquellen, insbesondere die EU-Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale Vertriebsbindungen. Und doch ist Franchising in Deutschland – anders als in weiten Teilen des Auslands – in rechtlicher Hinsicht der Bereich, der am wenigsten durch Gesetze und Verordnungen geregelt und/oder reglementiert ist. Neben Selbstregulierungskriterien der Branche durch den Deutschen Franchise Verband (DFV) hat die Rechtsprechung hierzulande nur die Grenzen abgesteckt, in denen sich beide Parteien eines Vertrags zu bewegen haben.

Franchising ist, anders als jüngst in der Presse zu lesen, keine „Falle“. Vielmehr ist der Traum von der Selbstständigkeit durch Franchising schon oft wahr geworden. Die etablierten und am Markt erprobten Systeme haben zu mehr als 90 Prozent erfolgreiche Unternehmer hervorgebracht. Mit Blick auf den potenziellen Systemgeber aber gilt: Nicht jede tolle Idee eignet sich zur Franchisierung. Eine Idee muss sich auch draußen in der Wirklichkeit als erfolgreich erwiesen haben, und dies über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Zudem reicht es in der Regel nicht aus, dass sich deren Erfolg im eigenen Unternehmen einstellt. Franchising ist erst dann marktfähig, wenn über den zuvor genannten Zeitraum ein Pilotbetrieb erfolgreich durch Dritte geführt wurde. Im Rahmen von der Rechtsprechung entwickelter Grundsätze zur vorvertraglichen Aufklärung muss ein Franchisegeber Auskunft darüber geben, ob und wie lange er sein System mit anderen Franchisenehmern erfolgreich geführt hat und welche Umsätze und Erträge sich an einem potenziellen Standort nach seiner Einschätzung ergeben werden.

Franchising gibt es nicht zum Nulltarif

Der Aufbau eines Franchisesystems erfordert den Einsatz erheblicher finanzieller Ressourcen. Eine unzureichende Kapitalausstattung führt häufig nicht nur aufseiten der Franchisenehmer, sondern auch auf der der -geber zur Insolvenz. Den Anfang markiert immer eine tragfähige, zeitgemäße und rechtlich abgesicherte Marke. Verkaufsargument des Franchisegebers sollte zudem nicht ein von Interessenten gewünschter Gebietsschutz, sondern ein erprobtes und sich weiter entwickelndes Leistungsprogramm sein. Franchisegeber sind verantwortlich für Know-how, Marketing und Werbekonzepte, Produktsortimente und Einkauf einschließlich Logistik, Schulung und Training, Erstellung wie Entwicklung von Dokumentationen/Handbüchern sowie Markt- und Wettbewerbsanalysen. Alles, was zentral effektiver gehandhabt werden kann, sollte der Franchisegeber übernehmen. 

Der Franchisenehmer steht in der Regel in Verantwortung am Point of Sale für Umsatz und Mitarbeiter beziehungsweise Realisierung von Kostenstrukturen gemäß den Erprobungen des Gebers. Für ihn gilt zunächst einmal der Grundsatz „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“. Franchiseverträge werden in der Regel für Zeiträume von fünf bis zehn Jahren geschlossen. Eine solche Laufzeit wird meist auch benötigt, um zu einem Return on Investment im Hinblick auf die getätigten Investitionen für den Franchisegeschäftsbetrieb zu gelangen. Franchisenehmer üben ihre geschäftliche Tätigkeit in eigener unternehmerischer Verantwortung aus, was sich aus den im Vertrag geregelten Verpflichtungen ergeben muss. Franchisenehmer sind „Unternehmer vor Ort“, die ein Franchisekonzept im Rahmen ihrer eigenen unternehmerischen Tätigkeit und Verantwortung umsetzen. Sie haben Verantwortung für Umsatz und Personal und schulden zugleich die konsequente Anwendung und Umsetzung eines vorgegebenen Konzepts ohne Spielraum für Individualität. Das Rentabilitätsrisiko und das des Totalverlustes liegen ausschließlich beim Franchisenehmer. Die Nutzung des erprobten Konzepts hat zudem ihren Preis. Der Franchisenehmer zahlt zumeist laufende und in der Regel umsatzabhängige Gebühren sowie eine Einmal-/Eintrittsgebühr.

Franchising bedingt die Zusammenarbeit von Franchisegeber und -nehmer. Wenn es dann doch zum Streit kommt, sollte der Weg in eine Mediation als zeitgemäße Form der Auseinandersetzung vor dem Gang zum Gericht zwingend vorgesehen sein.

Das interessiert andere Leser

  • Hört die Signale
    Das zweite Maschinenzeitalter

    Roboter und künstliche Intelligenz werden Arbeit und Gesellschaft nachhaltig verändern. Unternehmer müssen sich anpassen – zehn Tipps für die Transformation.

  • Führt Digitalisierung zum Generationenkonflikt in der Nachfolge?
    Selbstbewusste Nachfolger

    Eine neue Studie zeigt, wie die Chefs von morgen ticken: Die Nachfolger sind selbstbewusst und scheuen keinen Konflikt.

  • Schlagartig kreativ - Drums als Energiequelle für Mitarbeiter
    Trommeln für’s Gehirn

    Früher jubelten Rainer Schumann und seiner Band „Fury In The Slaughterhouse“ die Massen zu. Heute weckt der Schlagzeuger die Kreativität von Unternehmern.

  • Digitale Fitness - Möglichkeiten und Stolpersteine der Krankenkasse 4.0
    Krankenkassen in der Zwickmühle

    Kunden fordern digitale Angebote. Zugleich müssen ihre Daten geschützt werden. Wie die Techniker Krankenkasse die Herausforderung annimmt.

  • Aus zwei Welten
    Fintechs versus Banken

    In der Welt der Finanzdienstleister ist der Wettbewerb durch die Digitalisierung härter geworden. Was die Geldhäuser von den Startups lernen können.

  • Comeback versus Ruhestand - Fondsmanager: Schmecken die Rezepte der Altstars noch?
    Die (Ex-)Stars der Finanzbranche

    Sie bewegten Milliarden, waren jahrelang die Stars der Branche. Doch dann stürzten einige Fondsmanager. Gelingt ihnen nun ein Comeback?

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH
    Der Faktor Mensch

    Bei der Unternehmensnachfolge spielen nicht nur Zahlen eine Rolle, sondern auch der Faktor Mensch. Drei Beispiele zeigen, worauf es ankommt.

  • Finanzierung ohne Bank
    Roadshow im Rückspiegel

    Die Roadshow „Innovative Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen“ war ein voller Erfolg. Ein Rückblick.

  • Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen
    Ihr Flug! - Selbstwahrnehmung im Flugsimulator schärfen

    Im Flugsimulator einer Boeing 737 erfahren Führungskräfte, warum Selbstwahrnehmung ebenso wichtig ist, wie klare Aussagen zu treffen und Fehler zugeben zu können.

  • Den Unternehmensverkauf gut planen
    Den Unternehmensverkauf gut planen und richtig umsetzen

    Es ist unter Unternehmern allgemein bekannt, dass zwischen 2014 und 2018 in Deutschland ca. 80.000 – 120.000 Unternehmen zum Verkauf stehen, meist aufgrund einer nicht vorhandenen Unternehmensnachfolge.

  • Den Erfolg atmen -  Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik
    Den Erfolg atmen - Sri Sri Ravi Shankar über Entspannungstechnik

    Meditation entspannt und stärkt das Selbsbewusstsein. Wer sie konsequent praktiziert, kann Berge versetzen – sagt Meditationslehrer Sri Sri Ravi Shankar. Seine Erfolge sprechen für sich.

  • Pickawood Crowdinvesting
    Was wurde eigentlich aus ...

    ... Pickawood? Vor einem Jahr sammelte der Online-Möbelshop 250.000 Euro über die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de ein. Heute zählt es zu den wachstumsstärksten Startups Europas.

  • Endlich Spaß - So hilft Outfittery Männern beim Shoppen
    Hier shoppt Mann gern

    Klamotten zu kaufen macht Männern so viel Spaß wie die Toilette zu putzen. Im Schnitt tun sie es nur zwei Mal pro Jahr. Doch es gibt Abhilfe: Curated Shopping.

  • Neue Quellen erschließen
    Kapital ohne Kredit

    Darlehen sind derzeit besonders günstig, aber längst nicht jedes Unternehmen bekommt eins. Hier werden die besten Alternativen erklärt.

  • „Kenne deinen Kunden“ - Eckhard Geulen über Risikomanagement
    Wenn die Bänder stillstehen

    Zahlungs- und Produktionsausfälle sind Gift für das Unternehmen. Wie Big Data helfen kann, solche existenziellen Risiken zu verhindern.

  • „Die letzten fünf Prozent herauskitzeln“
    Startrainer im Interview

    Jürgen Klopp verrät, wie er die letzten fünf Prozent Leistung aus seiner Mannschaft herauskitzelt – und warum das Gehalt nicht alles ist.

  • Im Fokus - Die neuen Senioren als Zielgruppe
    Das Geheimnis der Best Ager

    Die Generation 50 plus ist kaufkräftig und technikaffin. Trotzdem gelingt es nur wenigen Unternehmen, diese Zielgruppe erfolgreich anzusprechen.

  • Raus aus dem Raster
    Raus aus dem Raster

    Ungezwungene Mitarbeiter-Events wie Hackathons und Barcamps bringen oft frische Ideen.

  • Ihr Porträt
    Aktive Unternehmenssuche

    Wenn attraktive Unternehmen bei DUB.de verkauft werden, stehen die Käufer Schlange. So erhöhen Sie Ihre Kaufchance.

  • Jetzt testen: Der WirtschaftsWoche Digitalpass

    1 Pass – 5 Produkte. Inklusive BörsenWoche, der wöchentliche Finanzbrief der WirtschaftsWoche für Privatanleger. Jetzt 4 Wochen gratis.

  • Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau
    Struktur braucht Zeit - Dietmar Beiersdorfer zum HSV-Umbau

    Dietmar Beiersdorfer hat eine Vision: die arg gebeutelte Traditionsmarke HSV zukunftsfähig aufzustellen. Über den langen Restrukturierungsprozess, kurzfristige Erfolge und neue Spielregeln.

  • Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.
    Haftungsrisiken minimieren

    Ob Betriebsablauf, Arbeitsschutz oder Produktqualität – als Leitungsorgan der Gesellschaft tragen GmbH-Geschäftsführer viel Verantwortung.

  • Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten
    Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

    Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

  • Niederlagen nutzen
    Niederlagen nutzen

    Im Exklusivinterview mit dem DUB UNTERNEHMER-Magazin verrät Wladimir Klitschko, warum er für die Niederlage dankbar ist und wie er seine Karriere als Dozent gestaltet.

  • Besser streiten
    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Mahnung für Maas
    Mahnung für Maas

    Die EU-Kommission fordert, das Insolvenzrecht zu vereinheitlichen – doch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zaudert. Warum es Zeit zu handeln ist.

  • Bio, Burger, Balkongarten
    Bio, Burger, Balkongarten

    Immer mehr Kunden legen Wert auf Bio-Produkte statt Erzeugnisse aus Massentierhaltungen. Fünf der wichtigsten Ernährungstrends im Überblick.

  • Interview mit Martina Koederitz (IBM)
    Watson spricht bayrisch

    Iron Man hat Jarvis, IBM hat Watson. Das intelligente Computersystem ist aber kein Science Fiction. Watson soll aus der Datenflut lernen.

  • Last minute für Feinschmecker
    Last minute für Feinschmecker

    Zwei Ex-Google-Mitarbeiter wollen mit ihrem Start-up Table4You die Gastronomie-Szene in Deutschland aufmischen.

  • Vom Sattel in den Job - Mentoring und Praktika für Top-Sportler
    Die Spitzenkräfte von morgen

    Top-Athleten haben kaum Zeit, sich auf das Leben nach der Sportkarriere vorzubereiten. Mentoring-Programme und die DUB Praktikantenbörse unterstützen sie auf ihrem Weg in den Beruf.

Günter Erdmann, Franchise-Experte sowie Rechtsanwalt und Wirtschaftmediator bei der Kanzlei Schlarmann von Geyso in Hamburg

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.