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Der Beutezug wird vertagt

Chinesische Firmen planen weniger Übernahmen in Europa - sie haben andere Sorgen.

Chinesische Unternehmen verlieren derzeit überraschend schnell die Lust auf Zukäufe in Europa. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Warth & Klein Grant-Thornton zufolge ist die Zahl der Firmen, die in diesem Jahr durch Zukäufe wachsen wollen, um 18 Prozent gesunken. "Die aktuell zurückgehende Konjunktur sorgt dafür, dass Unternehmen solche Investitionen aufschieben", erläutert Hanno Hepke, der die Studie geleitet hat.

In den vergangenen Jahren hatte eine Reihe von hochkarätigen Übernahmen aus Fernost den Eindruck erweckt, dass die chinesische Industrie mit ihren vollen Kassen zu einem regelrechten Beutezug durch den deutschen Mittelstand ansetzt. Der traditionsreiche Betonpumpenhersteller Putzmeister fiel an das Baumaschinen-Konglomerat Sany aus Zentralchina. Wichtige Teile des Hydraulik-Spezialisten Linde gingen an Weichai Power aus der Provinz Shandong.

Doch in diesem Jahr muss das Reich der Mitte offenbar Pause machen. Das Interesse an direkten Zukäufen ist deutlich zurückgegangen, das spüren auch Anwaltskanzleien und Investment-Fördergesellschaften in Peking, die chinesische Firmen bei solchen Transaktionen beraten. Ein wesentlicher Grund für die rückläufigen Anfragen sind aus Sicht eines Investment-Beraters die Verschiebungen im Verhältnis der Wechselkurse. Der Euro hat sich etwas erholt, während der chinesische Yuan gefallen ist. Übernahmen werden dadurch schlicht teurer.

Die chinesischen Unternehmen sind vor allem an Schnäppchen in Europa interessiert. Die Regierung drängt die Wirtschaft des Landes einerseits dazu, ins Ausland zu gehen: Die Firmen sollen internationaler werden und raffiniertere Produkte anbieten. Die Firmen können sich das aber nicht zu jedem Preis leisten. In China bröckelt derzeit die Konjunktur. Die neuen Wachstumszahlen, die am Mittwoch bekannt werden, werden vermutlich ein sehr schwaches erstes Quartal zeigen. In unsicheren Zeiten will sich keiner zusätzlich eine teure, langwierige und mühsame Übernahme ans Bein hängen.

Problematisch ist aber auch die Finanzierung. Denn Kredite sind in China nun schwerer zu bekommen - die Banken des Landes haben bereits viel zu viel Geld verliehen und werden derzeit vorsichtig bei der Finanzierung neuer Kredite. Auch Provinzregierungen, die Zukäufe bisher konsequent unterstützt haben, haben weniger Spielraum, um große Geschäfte einzufädeln. Hintergrund ist in beiden Fällen die Politik der Regierung in Peking. Sie will die Risiken im Finanzsystem verringern und den Schuldenstand der Wirtschaft verringern.

Der Trend habe umgekehrt auch Auswirkungen auf Deutschland, sagt Berater Hepke von Warth & Klein Grant-Thornton. "Firmen, die darauf hoffen, ihr Know-how zu einem guten Preis an solvente Wettbewerber aus China zu verkaufen, müssen sich daher noch gedulden." Gerade für Mittelständler mit Nachfolgeproblemen ist die Option eines Verkaufs nach Fernost zu einer immer attraktiveren Option geworden. Das Unternehmen lässt sich so in liquide Mittel überführen und bekommt zudem eine neue Wachstumsperspektive auf dem chinesischen Markt.

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