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Das große Schwärmen

Crowdfundig-Plattformen bieten vor allem jungen Unternehmen eine Finanzierungsalternative.

-- Das Volumen der neuen Finanzierungsform wächst rasant.

-- Finanzexperten weisen jedoch auf geringe Kontrollmöglichkeiten hin.

Vor zwei Jahren wusste in Deutschland kaum jemand, was Crowdfunding ist. Doch der Plan, zu der TV-Serie "Stromberg" einen Kinofilm zu machen, hat das Instrument der Schwarmfinanzierung auch hierzulande bekanntgemacht. Im Dezember 2011 sammelte die Produktionsgesellschaft Brainpool innerhalb von nur einer Woche eine Million Euro über das Internet bei Anlegern und Fans der Serie, in der Christoph Maria Herbst ein Büroekel mimt.

Brainpool, an der auch Fernsehmoderator Stefan Raab beteiligt ist, wählte dazu keine herkömmliche Crowdfunding-Plattform wie Seedmatch oder Innovestment, sondern das eigene Comedy-Portal Myspass.de. Mehr als 3 000 Investoren beteiligten sich schließlich an dem Projekt. Der Film kommt im Februar 2014 in die Kinos. Wer viel investiert hat, bekommt neben einer Urkunde sogar eine Nennung im Abspann des Films.

Bei der Schwarmfinanzierung können sich Anleger schon mit kleinen Summen an unternehmerischen oder kulturellen Projekten beteiligen. Unternehmensgründern bieten die entsprechenden Plattformen die Chance, an Startkapital zu kommen. Sie bekommen so eine Alternative zu Banken, denen Start-ups häufig zu riskant sind.

Hinzu kommt, dass die geringen Einstiegssummen die Hemmschwelle der Schwarmanleger senken. Bei der Crowdfunding-Plattform Seedmatch können sich Investoren zum Beispiel ab 250 Euro beteiligen und entsprechend ihrem Anteil an den Unternehmensgewinnen partizipieren. Nach der Mindestvertragslaufzeit können beide Seiten den Vertrag kündigen. Anschließend erhalten die Anleger ihren Anteil am aktuellen Firmenwert. Ist das Unternehmen pleite, ist auch das Geld der Anleger verloren.

"Crowdfunding ermöglicht es Start-ups, auf Kleininvestoren zuzugehen, die sich sonst eher nicht am Markt für Unternehmensfinanzierung beteiligen würden", sagt Tim Gemkow, Finanzierungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Auf längere Sicht müsste sich dieses Instrument aber noch beweisen, gerade wenn es in Zukunft zu ersten Projektfehlschlägen komme und Investoren in manchen Fällen Komplettabschreibungen zu verkraften hätten, so Gemkow.

Ein Vorteil für viele Firmen, die Schwarmgelder einsammeln: Sie müssen ihren Investoren keine Mitspracherechte einräumen. Die Anleger werden häufig stille Teilhaber oder erhalten Genussscheine.

Dass die Schwarmfinanzierung eine echte Alternative zur klassischen Finanzierung sein kann, zeigt das Beispiel des jungen E-Commerce-Unternehmens Urbanara, das im September und Oktober drei Million Euro einsammelte.

Abgewickelt wurde die Emission des Heimtextilien-Shops über die neue Onlineplattform Bergfürst. Im Kontrast zu den anderen Plattformen beteiligen sich Anleger über Bergfürst durch Aktien an den Start-ups. Wie bei einem normalen Börsengang gibt es eine Zeichnungsfrist, eine Preisspanne und ein anvisiertes Emissionsvolumen.

Rund 1 000 Privatinvestoren haben beim Urbanara-Börsengang 300 000 Aktien gezeichnet. Eine Beteiligung war ab 250 Euro möglich. Seit 11. November sind die Urbanara-Anteile auf der Plattform gelistet und können dort gehandelt werden. "Wir sind das größte Crowdinvestment Deutschlands und mit eines der größten in Europa", freut sich Urbanara-Chef Benjamin Esser. "Nicht jeder hat daran geglaubt, dass wir es schaffen - das macht uns umso stolzer", sagt Esser.

Wieweit sich die Schwarmfinanzierer ausbreiten werden, ist noch ungewiss. DIHK-Experte Gemkow sieht Crowdfunding als eine Ergänzung, nicht aber als Ersatz für die bestehenden Formen der Unternehmensfinanzierung. "Wegen vergleichsweise geringer Kontrollmöglichkeiten der Investoren und auch wegen regulatorischer Anforderungen wird es auf Dauer nur für relativ kleine Finanzierungssummen infrage kommen" so Gemkow, "gerade hier kann es aber eine wertvolle Hilfe sein."

 

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