Hamburg, 04.04.2017

Passende Partner

Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

Gelungene Übergabe: Im Franchising gestaltet sich die Nachfolgesuche besonders komplex (Bild: iStock.com/akindo)

Die Nachfolge stellt für mittelständische Unternehmen zurzeit eines der dringendsten Probleme dar. Für etwa 600.000 Betriebe werden in den nächsten drei Jahren Nachfolger gesucht. In der Franchisewirtschaft ist das nicht anders: Für rund 40 Prozent der Franchisesysteme ist das Thema „Unternehmensnachfolge“ von großer Bedeutung. „Im Franchising findet gerade so etwas wie ein Prozess der zweiten Generation statt“, sagt Jan Schmelzle, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands (DFV). „Die Franchisesysteme kommen in die Jahre. Viele Franchiseunternehmer, die 20, 30 oder sogar 40 Jahre lang aktiv waren, wollen demnächst aufhören. Deshalb besteht jetzt großer Handlungsbedarf für die Systeme.“

Dem ist der DFV nun unter anderem mit einem Nachfolge-Leitfaden nachgekommen. Den Leitfaden „Nachfolgeregelung in Franchisesystemen“ hat der DFV unter Mithilfe zahlreicher Experten erarbeitet, nun steht er den Mitgliedsunternehmen kostenlos zur Verfügung. Denn eines ist allen Beteiligten bewusst: Bei einem Franchiseunternehmen ist die Unternehmensnachfolge noch komplexer als bei anderen Unternehmen, die nur für sich stehen. Schmelzle führt aus: „Beim Franchise sind nicht nur zwei, sondern drei Parteien am Nachfolgeprozess beteiligt, von denen jede ihre eigenen Interessen verfolgt.“

Das bedeutet: Während der Franchisenehmer den geeigneten Zeitpunkt und den richtigen Partner finden will, um sein Unternehmen gewinnbringend weiterzugeben, muss sich auch der Franchisegeber mit dem neuen Partner einigen, um den Zusammenhalt im System weiter zu gewährleisten. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie um den Preis, zu dem das Unternehmen den Besitzer wechselt, sondern darum, dass der neue Franchise-Partner gut in das System passt. Dieser ist wiederum besonders daran interessiert, sich nicht allzu stark verschulden zu müssen, wenn er in die Selbstständigkeit startet.

Erfolgreich kooperieren

Der Franchisegeber und der scheidende Franchisenehmer sollten in diesem Punkt gut miteinander kooperieren. Schließlich geht es darum, das Vertrauensverhältnis im gesamten System nicht zu beschädigen, sondern zu stärken. Deshalb weist der Geschäftsführer der Deutschen Unternehmerbörse Nicolas Rädecke, der ebenfalls an diesem Leitfaden mitgearbeitet hat, auf einen wichtigen Punkt hin: „Je personenabhängiger und kleiner eine Transaktion ist, desto wichtiger ist es, dass ein vetrauensvolles Verhältnis zwischen den Parteien besteht. Der Prozess kann dadurch wesentlich verschlankt werden, und die Chancen einer reibungslosen Übergabe steigen erheblich.“

„Der scheidende Franchiseunternehmer sollte gut darauf vorbereitet sein, dass er den Prozess der Geschäftsweitergabe nicht allein mit seinem Nachfolger zu regeln braucht und dies auch nicht tun sollte, sondern dass der Systemgeber ebenfalls involviert ist“, sagt Schmelzle.

Branchen unterscheiden sich

Dass es Unterschiede zwischen den Branchen gibt, liegt auf der Hand. So hat ein Franchisenehmer, der eine Dienstleistung anbietet, sein Geschäft viel stärker durch seine Persönlichkeit geprägt als etwa ein Franchisenehmer, der ein Einzelhandelsunternehmen betreibt. „In unserem Leitfaden haben wir die Branchenunterschiede einmal außer Acht gelassen und nur solche Standards erarbeitet, die auf alle Unternehmen gleichermaßen zutreffen“, sagt Schmelzle.

Eine grundlegende Empfehlung an Franchisegeber lautet deshalb, innerhalb der Systemzentrale einen Ansprechpartner zu definieren, der für einen möglichst problemfreien Übergang sorgt – und zwar nicht nur während einer bestimmten Übergangsphase, sondern generell. Eine Bringschuld des scheidenden Franchisenehmers besteht etwa darin, alle relevanten Informationen, Dokumente und Unterlagen zu seinem Betrieb offenzulegen und weiterzugeben. Wenn bereits eine Person definiert ist, die Nachfolgeprozesse begleitet, kann sie diese Informationen rechtzeitig einsammeln und bündeln.

Nutzen für das ganze System

Eine Übergabe, die dem neuen Franchisepartner gute Chancen einräumt und den scheidenden Unternehmer für seine Leistungen anerkennt, dient dem System.

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