Konfliktsituationen in Franchise-Partnerschaften

Wo Menschen sind, menschelt es. Das ist in einer Franchise-Partnerschaft nicht anders, allerdings sind Franchisenehmer ganz besondere Menschen. Sie sind Unternehmer, die dem Franchisegeber ihre wirtschaftliche Lebensplanung anvertraut haben. Als Unternehmer, die in ihre Selbstständigkeit investiert haben, wissen sie, dass der Franchisegeber ohne seine Partner die Marktposition nicht hätte – das stärkt das Selbstbewusstsein. Durch die unmittelbare Nähe zum Kunden erleben sie Kundenreaktionen intensiver als der Franchisegeber. Unabhängig vom Franchisevertrag und seinen vielfältigen Spielregeln suchen sie zudem eine tatsächlich gelebte Partnerschaft. 

Da bleiben Konflikte in der Zusammenarbeit nicht aus, die immer nur zwei Ursachen haben. Entweder sind es geschäftliche oder persönliche Ursachen. Wenn sich eine Konfliktsituation in der Zusammenarbeit andeutet muss geklärt werden, wo die Ursache liegt. Konflikte kommen selten aus heiterem Himmel, in der Regel entstehen sie aus Unzufriedenheit, die sich nach und nach aufgestaut hat. Geschäftliche Ursachen eines Konflikts sind häufig zu niedrige oder rückläufige Gewinne oder aus Sicht des Franchisenehmers nachteilige Bezugsbindungen. Mangelnde Professionalität des Systemmanagements führt zu wirtschaftlichen Schäden beim Franchisenehmer oder strategisch unkluge Entscheidungen des Franchisegebers lassen die Akzeptanz für die laufende Franchisegebühr schwinden. Derartige Probleme sind in der Regel messbar und können daher gezielter bereinigt werden. Eine typische Konfliktsituation entsteht auch durch die subjektive Wahrnehmung des Franchisenehmers, dass sich der Know-How-Abstand zwischen ihm und dem Franchisegeber verringert, parallel schwindet damit auch die Systemidentifikation. Schwierig wird es, wenn persönliche Gründe die Ursache für einen Konflikt sind. Das können personelle Veränderungen in der Systemzentrale sein oder Veränderungen des persönlichen Umfelds beim Franchisenehmer.

Wenn die Systemzentrale umsichtig und zuverlässig arbeitet, können mögliche Konfliktsituationen weitgehend vermieden oder geklärt werden, bevor ein großes Feuer daraus wird. Die Zuverlässigkeit der Systemzentrale ist Qualitätsstandard und Chance zugleich, möglichen Konflikten vorzubeugen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Franchisegeber und den Franchisenehmern sollte beständig und konstruktiv sein, die Partner können sich darauf verlassen, dass die Systemzentrale sich als ständig Optimierer des Geschäftskonzepts versteht. In der Praxis hat sich bewährt, etwa alle zwei Jahre zu überprüfen, wie die Akzeptanz der Leistungen der Systemführung bei den Franchisenehmern ist und welche Leistungen eventuell zusätzlich gewünscht werden. Dieses sogenannte Reputations-Monitoring erhöht die Effektivität der Zusammenarbeit ganz erheblich und reduziert das Risiko von Konflikten gleichermaßen. Der Gedanke „wer aufhört besser zu werden hat aufgehört gut zu sein“ gilt für Franchisesysteme ohne Wenn und Aber. Der Franchisegeber hat die Mitverantwortung für den Erfolg seiner Franchisenehmer und damit für das gesamte System.

Neben einem qualifizierten Systemmanagement hilft auch eine klare Unternehmenskultur, Konfliktsituationen zu vermeiden. Die Systemzentrale sollte als kompetenter Problemlöser wahrgenommen werden. Um kreatives Mitdenken und die Bereitschaft wirtschaftliche Verantwortung für das gesamte Franchisesystem zu fördern, ist die Einrichtung eines Beirats sinnvoll. Als allgemein sollte zudem eine Unternehmenskultur gepflegt werden, die für einen kritischen Gedankenaustausch offen ist. Es geht schließlich nie darum „wer hat Recht“ sondern „was ist richtig“. Für Diskussionen unter Menschen mit Niveau ist das zwar eine Selbstverständlichkeit. Erstaunlicherweise entwickeln sich aber gerade aus solchen Diskussionen oft Konfliktsituationen auf einer rein persönlichen Ebene.

Weitsicht und Sorgfalt im Umgang miteinander reduzieren das Risiko von Konflikten ganz entscheidend, trotzdem knirscht es hin und wieder in jedem System. Für diese Fälle ist es von Vorteil, wenn im Franchisevertrag eine Mediationsvereinbarung als Mittel zur Konfliktbewältigung verbindlich festgeschrieben ist und auch durchgeführt wird. Mediationsverfahren sind nicht öffentlich, man spart erhebliche Anwalts- und Gerichtskosten und kann den Konflikt in kürzester Zeit bereinigen – und der weiteren Zusammenarbeit steht dann nichts mehr im Wege.

Das interessiert andere Leser

  • Bemessung des Unternehmerlohns

    Für jede Unternehmensbewertung ist im Aufwand ein drittvergleichsfähiger Unternehmerlohn anzusetzen. Wie hoch ist er anzusetzen, welche Maßstäbe gelten dafür?

  • Gewinnspiel zum Buch "Familienexternes Management im Mittelstand"

    Wir verlosen drei Fachbücher zum Thema Unternehmensnachfolge außerhalb der Familie. Weitere Informationen zum Buch und zum Gewinnspiel gibt es hier.

  • Oasen zum Verlieben

    So langsam steigt wieder die Lust auf Wellnessurlaub. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin und Travelcircus stellen drei der schönsten Spa-Tempel in Deutschland und Österreich vor.

  • Thomas Röhler: „Sport-Stipendiat des Jahres“

    Der Olympiasieger und Europameister im Speerwerfen ist zum „Sport-Stipendiat des Jahres 2018“ gekürt worden. Die Deutsche Bank verdoppelt nun sein Stipendium für die nächsten 18 Monate auf 800 Euro.

  • Digitale Kundenansprache meistern

    Bei der digitalen Customer Journey haben deutsche Unternehmen noch Nachholbedarf. Professor Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft erläutert, wo es hakt.

  • Franchisesystem Town & Country Haus wird Preisträger des Hausbau-Design Awards 2018

    Erster Platz in der Kategorie „Bungalows“ – so lautete das Ergebnis des diesjährigen Hausbau-Design Awards für einen Entwurf von Town & Country Haus.

  • FranchiseExpo18 – ein Rückblick auf Deutschlands größte Franchise Messe

    Die Franchise Expo 2018 war für DUB.de und die gesamte Franchise-Szene ein voller Erfolge. Ein Resümee.

  • Moderne Klassik

    Als besonders robust und zuverlässig gelten die mechanischen Zeitmesser des Frankfurter Herstellers Sinn Spezialuhren. Das liegt an eigens entwickelten technologischen Lösungen.

  • Zeit ist Qualität

    Guter Champagner braucht einen guten Wein. Und drei Zutaten: Leidenschaft, Handwerk sowie Geduld. Wir haben die Geheimnisse des Edel-Schaumweins vor Ort bei Bertrand Lhopital erkundet.

  • Volle Pulle Vintage

    2.000 Kilometer von Nordschottland nach Südengland. Ein Erlebnis auf knorrigen alten Motorrädern und neue Heritage-Bikes. Bei der „The Great Mile“ dabei: unser Autor Ralf Bielefeldt.

  • Stromern, nicht knattern

    Elektromobilität ist modern, trendig und umweltfreundlich. Doch auch E-Autos sind in überfüllten Städten ein Fehler. Die Alternative: der elektrisch angetriebene Roller Unu.

  • Schneller Deal - Franchisegeber in der mobilen Fritteusenreinigung

    Zügig und effizient läuft die Suche nach Franchisenehmern bei FiltaFry ab. Im besten Fall vergeht von der Bewerbung bis zur Vertragsunterzeichnung nur ein Monat. Wobei achtet der Franchisegeber bei der ...

  • Reite die Welle

    Die Balance halten – darum geht es beim Surfen wie in der Wirtschaft. Wie das Beispiel von Robby Naish zeigt. Seine Entwicklung vom Weltklassesurfer zum erfolgreichen Unternehmer.

  • Drei Tage Willenskraft

    Im Face-Camp von Box-Champion und Ideengeber Wladimir Klitschko arbeiten Führungskräfte an einer persönlichen Herausforderung. Ein Selbstversuch von Redakteur Arne Gottschalk.

  • „Brauchen digitalere DNA“

    Frank Thelen fordert und fördert in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ junge Start-ups. Der Bundesrepublik verordnet er ein 360-Grad-Aufputschpaket für Wagniskapital.

  • Titelthema: Märchenhafte Reise

    Ob Dax-Konzern oder Familienbetrieb, Start-up oder Traditionsunternehmen, B2B oder B2C: Kaum etwas wird in Chefetagen so heiß diskutiert wie die Customer-Journey.

  • Eigene Firma gründen: Das sind die ersten Schritte

    Frei von den Zwängen des Angestelltendaseins: das ist nur ein Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Folgende Liste bietet Tipps für einen erfolgreichen Start.

  • Jetzt bewerben: Deutscher Exzellenz-Preis 2019

    Die top-besetzte Jury des Deutschen Exzellenz-Preises kürt Herausragendes. Entscheiderinnen und Entscheider können sich in allen Award-Kategorien noch bis zum 1. Oktober 2018 bewerben.

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • Angriff aufs Irrationale

    Welche Mechanismen machen Google, Amazon und Co. so erfolgreich? In seinem Buch „The Four“ wagt Marketingprofessor Scott Galloway einen Erklärungsversuch.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • “Refugien der Mechanik”

    Viele Freunde edler mechanischer Uhren lieben auch historische Fahrzeuge. Wilhelm Schmid fördert mit seiner Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne den legendären Oldtimer-Wettbewerb „Concorso d’Eleganza Villa ...

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

Gastbeitrag

Reinhard Wingral
Global Franchise AG

 Weitere Informationen erhalten Sie im Profil

DUB-Franchisebörse

Gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen unter einer starken Marke und in einem getesteten Markt.
Finden Sie jetzt das Franchisesystem, das zu Ihnen passt!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser