Hamburg, 20.04.2017

„Gute Übergänge“

Für Marcus Severin, Prokurist beim Franchisegeber Isotec, verlangt die Unternehmensnachfolge im Franchising ganz besonderes Fingerspitzengefühl. Wie ihm dieser Übergabeprozess bisher gelungen ist.

Marcus Severin ist Prokurist bei der Isotec GmbH, einem Spezialisten für die Sanierung von Schimmel- und Feuchtigkeitsschäden

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Isotec hat viel Erfahrungen mit Nachfolgen gesammelt. Können andere Systeme an Ihrem Know-how teilhaben?

Marcus Severin: Ja, wir haben gemeinsam mit dem Deutschen Franchise-Verband einen Leitfaden für die Nachfolge im Franchisesystem erarbeitet. Dieser steht allen Mitgliedern zur Verfügung.

Welche Besonderheiten birgt die Nachfolge eines Franchiseunternehmens?

Severin: Die Verträge zwischen dem System und dem Franchisepartner laufen oft über zehn Jahre und werden anschließend meist mehrfach verlängert. Franchisepartner bauen sich ein Lebenswerk auf, dem muss bei der Nachfolge Rechnung getragen werden. Während der scheidende Franchisepartner einen guten Preis erzielen und seine Leistung gewürdigt wissen will, achtet der Franchisegeber darauf, dass der neue Partner zum System passt und dass er sich nicht mit dem Kaufpreis übernimmt. Für die Dreiecksbeziehung zwischen Systemgeber, scheidendem und neuem Franchisepartner ist ein besonderes Fingerspitzengefühl gefragt, damit alle Parteien eingebunden werden.

Was kann der Systemgeber dafür tun, dass die Nachfolge in seinem Sinne abläuft?

Severin: Die Nachfolge muss auch im Sinne des scheidenden Partners ablaufen, um das aufgebaute Vertrauensverhältnis nicht zu beschädigen. Wir haben dafür einen Prozess ausgearbeitet und thematisieren dies bei Partnergesprächen. So wollen wir Transparenz herstellen und den Partner gedanklich mitnehmen und begleiten. 2016 haben wir fünf Nachfolgen erfolgreich abgeschlossen. Da die Isotec-Gruppe schon seit 1990 besteht, schöpfen wir aus einer reichhaltigen Erfahrung.

Wie viel Zeit sollte man für einen Nachfolgeprozess einplanen?

Severin: Eine nachhaltige Nachfolge machen Sie nicht in ein paar Wochen. Es ist für den Franchisepartner ein hochemotionaler Prozess, er möchte sich oft nicht von heute auf morgen von seinem Lebenswerk trennen, verständlicherweise. Natürlich will er auch einen guten Preis beim Verkauf erzielen, aber genauso wichtig ist ihm, seine Firma und Mitarbeiter in guten Händen zu wissen.

Wie läuft der Nachfolgeprozess bei Ihnen konkret ab?

Severin: Wir sehen uns in der Rolle des Moderators beim Gespräch eines Partners mit seinem Nachfolger. Dieser hospitiert zunächst einige Zeit im Unternehmen und macht sich so mit den Abläufen und dem gesamten System vertraut. Dem scheidenden Partner stellen wir während der heißen Phase einen Berater zur Seite. Der ermittelt unter anderem den Wert sowie den Verkaufspreis des Unternehmens und berät in steuerlichen Dingen.

Was zeichnet für Sie einen geeigneten Nachfolger aus, und wie finden Sie ihn?

Severin: Ein Bewerber muss fachlich überzeugen, aber mindestens genauso wichtig sind seine Soft Skills: Er muss seine Kunden begeistern und seine Mitarbeiter motivieren und führen können. Das gilt für neue Franchiseinteressenten, bisherige Mitarbeiter oder Familienmitglieder des scheidenden Franchisepartners gleichermaßen. Alle müssen den gleichen mehrstufigen Prozess durchlaufen. Die häufigsten Nachfolgen kommen übrigens über Vermittlung durch Franchisebörsen zustande.

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