Franchising

Gemeinsam wachsen

Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.
Gemischte Gefühle: Die Zahl der Franchisenehmer stagniert, die Umsätze steigen trotzdem (Foto: Getty Images/siraanamwong)

Die Schuhe sind von Reno, der Kaffee ist von Tchibo, das Brot von Kamps und das Hundefutter von Fressnapf. Was der Kunde oft nicht weiß: Er kauft bei einem Franchisenehmer und nicht in der Filiale einer Handelskette. Beim Franchising expandiert ein Unternehmen nicht über eigene Niederlassungen, sondern verkauft Lizenzen für die Nutzung der Geschäftsidee. Franchisenehmer bauen die Betriebe mit eigenem Geld auf, werden aber unter anderem bei Marketing, Ausbildung und Buchhaltung von der Systemzentrale unterstützt.

Wer sich als Franchisenehmer selbstständig machen will, hat weit mehr Möglichkeiten als nur Domino’s Pizza, McDonald’s oder Subway. Vom Fitnessstudio über den Optiker bis hin zur Musikschule: In Deutschland agieren derzeit 950 Franchisesysteme.

Eine Erhebung des Deutschen Franchiseverbands und des Instituts für Markenfranchise zeigt, dass die meisten Systeme – 39 Prozent – im Dienstleistungssektor tätig sind und 30 Prozent im Handel. Es folgen die Bereiche Gastronomie, Touristik und Freizeit (22 Prozent) sowie Handwerk und Bau (neun Prozent). Rund 119.000 Franchisepartner und 159.000 Betriebe wurden 2016 gezählt. Insgesamt ist die Branche nur leicht gewachsen. Jedes Franchisesystem konnte im Durchschnitt 1,6 neue Partner gewinnen.

Positives Signal

Eine andere Zahl stimmt optimistisch: Trotz des geringeren Wachstums haben alle Systeme zusammen einen Umsatz von 103 Milliarden Euro erwirtschaftet – 4,8 Prozent mehr als 2015. „Die Daten sind ein positives Signal für die deutsche Franchisewirtschaft“, sagt Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchiseverbands. „Unumwunden benennen sie zwar die Herausforderungen unseres Wirtschaftszweigs, sprechen aber gleichzeitig für zunehmende Stabilität und Kontinuität.“

Gründen mit Sicherheitsnetz

Zwischen 8.000 und 10.000 Gründer werden jedes Jahr Franchisepartner. Mit einem erprobten Geschäftskonzept und der Systemzentrale im Rücken erscheint ihnen der Schritt in die Selbstständigkeit weniger risikoreich im Vergleich zum Start auf eigene Faust. Die Mehrzahl dieser Gründer übernimmt bestehende Betriebe, etwa wenn Partner aus Altersgründen ausscheiden. Dieses Jahr entstehen daher vermutlich nur rund 3.000 neue Betriebe.

„Das eigentliche Potenzial ist weitaus größer“, sagt Felix Peckert, Geschäftsführer des Instituts für Markenfranchise. „Etwa 20.000 Franchisepartner kann die Franchisewirtschaft hierzulande jedes Jahr aufnehmen und somit mehr als 10.000 Betriebe eröffnen.“ Dafür müssen aber neue Zielgruppen erschlossen werden. Bisher fokussieren sich Franchisegeber vor allem auf Fach- und Führungskräfte. Doch durch die gute Situation am Arbeitsmarkt sinkt die Bereitschaft, sich selbstständig zu machen. Vor diesem Hintergrund betont Peckert, dass Franchising auch für Migranten attraktiv sei: „Franchisesysteme können vielen von ihnen weitaus bessere Karriere- und Einkommensperspektiven bieten als eine abhängige Beschäftigung.“

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