Hamburg, 18.01.2017

Gang zur Bank

Eine Neugründung ist kostspielig. Franchisegründer bekommen oft Hilfestellung durch ihr System, sollten aber unbedingt auch weitere Beratungsangebote annehmen.

Businessplan: Franchisenehmer müssen zu Beginn ihres Geschäfts zunächst investieren

Vieles mag mit einem Franchisepartner im Rücken einfacher sein, doch von selbst läuft leider kaum etwas. Das gilt auch bei der Finanzierung. Je nachdem, um welche Art von System es sich handelt, variieren die Kosten. Wer sich beispielsweise als Steuerberater oder Sprachlehrer selbstständig machen will, braucht vergleichsweise wenig Startkapital. Anders sieht es aus, wenn es etwa ein Gastronomiebetrieb oder ein Möbelhaus sein soll. Dann muss das Ladengeschäft zunächst angemietet und, ohne dass Einnahmen fließen, hergerichtet und ausgestattet werden. Daher muss es schnell gehen. „Wir schaffen es, dass unsere neuen Franchisepartner ab etwa acht bis zwölf Wochen nach Planungsstart das Studio eröffnen können“, sagt Markus Tkocz, Bereichsleiter Expansion bei Küche&Co. „In der Phase vor der Eröffnung begleiten wir den neuen Franchisepartner bei der Objektsuche, der Verhandlung mit dem Vermieter, der Gestaltung seines Studios und durch die Auswahl der Lieferanten, die Planung des Ladenbaus und den Einbau der Musterküchen.“

In den seltensten Fällen kann der Unternehmensgründer alle Kosten aus eigener Tasche bezahlen. Das heißt: Ein Kredit muss her. Gute Vorbereitung ist dabei alles: Das Konzept sollte stimmig und der Businessplan plausibel sein. Neben Darlehen gibt es auch staatliche Förderprogramme, die besonders günstige Kredite gewähren, oder sogar finanzielle Unterstützung, die nicht zurückerstattet werden muss. Die Finanzierung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, bei denen es wichtig ist, die richtige Reihenfolge einzuhalten. Franchisenehmer sollten die Beratungsangebote, die ihnen zur Verfügung stehen, auch nutzen. „Bei der Finanzierung arbeiten wir eng mit der KfW und anderen Wirtschaftsbanken zusammen und begleiten den Franchisepartner auf Wunsch zu Bankgesprächen oder stellen Kontakt zu den Kommunen her“, sagt Tkocz.

Die erste Adresse

Einen Überblick bietet die Finanzierungsfibel des Deutschen Franchise-Verbands, die jedem kostenlos zur Verfügung steht. Sie wurde gemeinsam mit dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken erarbeitet. Beide Verbände kooperieren seit Jahren, sodass bei Bürgschaftsbanken ein breites Know-how zu Franchisesystemen vorhanden ist. Der erste Weg zum Gründerkredit sollte zur Hausbank führen. Wenn diese den Kredit grundsätzlich genehmigt, zieht sie gegebenenfalls die Bürgschaftsbank hinzu. Diese bürgt für 80 Prozent des Kredits. Das bedeutet für den Kreditnehmer zwar zusätzliche Kosten: zwischen 0,8 und 1,5 Prozent der Kreditsumme als jährliche Provision plus eine einmalige Bearbeitungsgebühr von einem Prozent der Bürgschaft. Im Gegenzug bringt ihm die Bürgschaft die notwendige Sicherheit ein. Sie wirkt sich als zusätzliche Sicherheit günstig auf den Kreditzins aus – für den Gründer unterm Strich also positiv.

Gründer haben zudem die Möglichkeit, zuerst mit der Bürgschaftsbank zu sprechen. Gegen eine Gebühr prüft diese, ob für den Gründer eine Bürgschaft infrage kommt. Dies ist möglich für Kredite von bis zu 500.000 Euro und heißt „Bürgschaft ohne Bank“. Der Vorteil: Der Gründer prüft vorab sein Vorhaben auf Herz und Nieren, ohne es sich mit seiner Hausbank zu verscherzen. Allerdings sollte er sich auch auf dieses Gespräch gut vorbereiten - schließlich will er glaubhaft als Unternehmer akzeptiert werden.

Nach finanzierbaren Systemen suchen

Wie Bürgschaftsbanken gibt es auch Mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBGs) in jedem Bundesland. Deren Ziel ist es, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum zu fördern. Vorteil für Gründer: Die Beteiligung durch eine MBG, die zwischen 25.000 und 2,5 Millionen Euro liegen kann, gilt ähnlich wie eine Bürgschaft formal als Eigenkapital und verbessert die Verhandlungsposition gegenüber der kreditgebenden Bank. Wer sein Franchisesystem nach der notwendigen Investitionssumme auswählen will, kann dies über die DUB-Franchisebörse tun. Nicolas Rädecke, Geschäftsführer DUB.de: „In unserer Suchmaske können potenzielle Franchisegründer auch Obergrenzen für die notwendige Investitionssumme setzen.“

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