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Hamburg, 26.06.2017

Franchisegebühren – was ist üblich?

Was „üblich“ oder „angemessen“ ist, lässt sich weder für eine Wohnungsmiete noch für das Gehalt eines Geschäftsführers so ganz einfach beantworten. Bei Franchisegebühren ist das ebenso und nur den Betrag in Euro zu betrachten, bringt kaum vertiefende Erkenntnisse. Allerdings gibt es Kriterien, aus denen sich die Angemessenheit der Franchisegebühren ableiten lässt.

Franchise Einstiegsgebühr

Bis auf wenige Ausnahmen verlangen Franchisegeber beim Systemeintritt eine Einstiegsgebühr (Eintrittsgebühr). Die Franchise Eintrittsgebühr wird für die Systemeingliederungsleistungen bezahlt, die auch tatsächlich nur beim Systemeintritt relevant sind. Das betrifft insbesondere die umfangreiche Basisschulung für den Franchisenehmer zu allen technischen, organisatorischen und produktspezifischen Fragen. Außerdem muss der neue Franchisebetrieb komplett in das Franchise System integriert werden. Das beginnt bei der Einbindung in die IT-Strukturen, Aktivierung systemspezifischer Software, Durchführung einer QM-Zertifizierung und die Vernetzung mit Lieferanten und Dienstleistern. Die Systemzentrale übernimmt das Projektmanagement bis zur Betriebseröffnung und unterstützt den Franchisenehmer meistens auch vor Ort in den ersten Tagen im laufenden Geschäftsbetrieb. Häufig berät das Systemmanagement bereits bei der Standortsuche, der Beschaffung einer nachhaltigen Finanzierung und ähnlichen Aufgabenstellungen.

Franchise Eintrittsgebühr: Höhe und Rückforderung

Die Franchise Einstiegsgebühr wird also für Leistungen bezahlt, die von dem Franchisegeber vor der Eröffnung des Franchisebetriebes erbracht werden. Deshalb sind diese Zahlungen nicht rückzahlbar, wenn der Franchisevertrag vorzeitig beendet wird – und zwar unabhängig vom Rechtsgrund. Wie hoch die Einstiegsgebühr im Franchise letztlich ist, hängt von der Komplexität des Geschäftskonzepts ab. Ein hochtechnischer Betrieb für Autoreparaturen oder Gebäudereinigung hat andere Herausforderungen als die Systemgastronomie und bei einem Einzelhandelsgeschäft ist die Ausgangslage nochmals anders. Zur groben Orientierung: etwa zwei Drittel aller Franchisesysteme liegen bei der Einstiegsgebühr zwischen 10.000 und 30.000 Euro. Je komplexer das Franchisekonzept ist, desto höher ist die Einstiegsgebühr und junge Systeme sind häufig günstiger als etablierte.

Laufende Franchisegebühren

Die laufenden Franchise Gebühren sind für Unterstützungsleistungen und die Nutzung der Vertragsrechte während der gesamte Vertragsdauer zu zahlen. Gegenleistungen des Franchisegebers sind die laufende Weiterentwicklung des Franchisesystems und des Marketingkonzepts sowie die Fortschreibung des Know-how, um Wettbewerbsvorteile dauerhaft zu sichern. Außerdem sind regelmäßige Schulungen, Erfahrungsaustausch, Lieferantenoptimierung und interne Betriebsvergleiche übliche Standards. Die Systemzentrale unterstützt in der Regel zudem vor Ort oder durch Fernwartung und Webinare. Überregionale Werbung oder Rahmenvereinbarungen mit Dienstleistern und Lieferanten sind dagegen erst ab einer gewissen Größe des Franchisesystems üblich. Bei der laufenden Franchisegebühr gibt es verschiedene Varianten. Sie als prozentualen Anteil vom Umsatz des Franchisenehmers abzuleiten, ist die mit Abstand gebräuchlichste Methode und zudem ohne großen Aufwand abzurechnen. Die Systemzentrale bekommt monatlich die Umsatzmeldung vom Franchisenehmer und kann daraus die Gebühren berechnen und einziehen. Bei etlichen Systemen reduziert sich der Prozentsatz der laufenden Gebühren schrittweise mit dem Erreichen von Umsatzschwellen, die bereits im Franchisevertrag vereinbart worden sind. Eine andere Variante besteht darin, eine fixe monatliche Gebühr zu vereinbaren und die laufende Gebühr deutlich geringer zu kalkulieren. Äls grobe Orientierung gilt, dass etwa die Hälfte aller Franchisesysteme eine laufende Gebühr von 3 bis 6 Prozent vom Umsatz ansetzt. Handel und Handwerk sind tendenziell etwas niedriger, Dienstleistungskonzepte dagegen spürbar höher. Das hängt teilweise mit den Gewinnmargen der jeweiligen Branche zusammen.

Franchisegebühren: Ergänzende Erkenntnisse

Höhe und Struktur der Franchisegebühren sind für die Etablierung und Führung des Franchisesystems von großer Bedeutung. Der Franchisegeber wird in seiner wirtschaftlichen Entwicklung stark durch die Erträge aus den Gebühren beeinflusst. Als Franchisenehmer muss man die im Franchisevertrag zugesagten Leistungen des Franchisegebers sehr genau prüfen, inwieweit sich daraus ein praktischer Nutzen ergibt und sich Punkt für Punkt die Frage stellen, was die entsprechende Leistung kosten würde, wenn man sie anderweitig einkaufen müsste.

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Gastbeitrag

Reinhard Wingral
Global Franchise AG

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