Etabliertes Franchisesystem oder Newcomer – was ist besser?

Jeder von uns muss sich im Laufe seines Lebens immer wieder zwischen Alternativen entscheiden, die oft sehr gegensätzlich sind.

Möchte ich in einem überschaubaren Dorf oder in der Anonymität einer großen Stadt leben? Will ich das sichere Einkommen als Beamter oder die berufliche Freiheit als Selbstständiger. Und wenn ich als Franchisenehmer selbstständig werden will, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Bin ich „Franchisepionier“ oder „Franchisetraditionalist“?

Als Pionier wähle ich bewusst ein Franchisesystem, bei dem die Anzahl meiner Mitstreiter noch überschaubar ist. Dabei muss klar sein, dass es noch Mängel in der Systemkonzeption geben kann und die Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb sind nur bedingt aussagefähig. Betriebsvergleiche werden noch nicht gemacht und organisierter Erfahrungsaustausch fehlt ebenfalls. Die Unterstützung des Franchisegebers durch überregionale Werbung macht noch keinen Sinn und Rahmenvereinbarungen mit Lieferanten erübrigen sich durch fehlendes Einkaufsvolumen. Eine Organisationsstruktur der Systemzentrale ist nicht erkennbar. Das alles wirkt auf den ersten Blick ernüchternd, aber es gibt auch andere Aspekte, die man dabei betrachten sollte.

Da einige Leistungen des Franchisegebers noch nicht erbracht werden, kann ich als Franchisepionier meistens Sonderkonditionen bei den Franchisegebühren und individuelle Vereinbarungen im Franchisevertrag durchsetzen. In der täglichen Praxis ist die Systembetreuung zudem individueller, da der Franchisegeber selbst Interesse hat, den Erfolg des Geschäftskonzepts unter realistischen Bedingungen zu beweisen und die Grundlagen für die Gewinnung künftiger Partner zu verbessern.

Objektiv gesehen ist die Sicherheit der Selbständigkeit selbst in einem jungen oder kleinen Franchisesystem immer noch höher als die bei einer individuellen Gründung. Abenteuerlich wird es nur, wenn der Franchisegeber unterfinanziert ist und die ersten Partner benötigt, um selbst finanziell zu überleben. In einem solchen Fall ist die geordnete Etablierung und Führung des Systems nicht gewährleistet. Es bringt dann nichts, gute Vertragskonditionen zu bekommen, wenn der Franchisegeber nach kurzer Zeit insolvent ist. Und wenn es keine schlüssigen Pläne über die Expansion des Systems gibt, sollte man auch bei großem Pioniergeist Abstand von einem Systembeitritt nehmen.

Der Traditionalist dagegen orientiert sich an etablierten Franchisesystemen, die bereits über viele Jahre ihren Erfolg beweisen und sich mit zahlreichen Standorten einen entsprechenden Marktanteil erarbeitet haben. Hier bestehen gute Chancen, eine solide Finanzierung für das Vorhaben zu bekommen. Die Qualität der Planung überzeugt Kreditgeber, da entscheidungsrelevante Daten aus bereits tätigen Franchisebetrieben stammen. Einfach ausgedrückt: Wenn es bereits 100 erfolgreiche Franchisebetriebe gibt, warum soll der 101. Betrieb nicht funktionieren? Auch eine hohe Betreuungskompetenz oder professionelle Werbekampagnen kann ein Franchisenehmer in etablierten Systemen erwarten. Nachteil: durch die bereits erreichte Marktpräsenz steht nicht immer der persönliche Wunschstandort zur Verfügung, die räumliche Verlagerung des Lebensmittelpunktes ist dann zwangsweise die Folge, um Franchisenehmer zu werden. Ein grundsätzlicher Nachteil größerer Organisationen besteht jedoch in wachsender Bürokratie, da die Entscheidungsträger aus Angst einen Fehler zu machen oft gar nichts entscheiden. In Franchiseunternehmen fällt dieser Zustand besonders auf, da der Franchisenehmer für das „Co-Management“ der Systemzentrale entsprechende Gebühren bezahlt.

Eine Alternative sind Franchisegeber, die in anderen Ländern schon lange tätig sind und damit als etabliert gelten. Garantie für den Erfolg auf dem deutschen Markt gibt es aber keinesfalls, denn die Rahmenbedingungen und das Kundenverhalten sind von Land zu Land unterschiedlich. Mit dem Hinweis auf die internationale Bedeutung des Systems werden zudem oft Franchisegebühren verlangt, die überzogen sind und die Aufgaben der Systemzentrale übernehmen häufig sogenannte Area Developer, die sich in der laufenden Zusammenarbeit als Marionette der ausländischen Muttergesellschaft entpuppen – also Vorsicht. Ein seit Jahrzehnten international tätiger Franchise-geber der Systemgastronomie mit weltweit etwa 35.000 Betrieben, fällt immer wieder negativ auf, weil die Franchisenehmer hier in Deutschland aus verschiedenen Gründen unzufrieden sind und teilweise massive wirtschaftliche Sorgen haben. Größe ist also nicht alles.

Fazit: Ob ich mental „Pionier“ oder „Traditionalist“ bin, ist genauso individuell wie die Entscheidung, auf dem Land oder in der Stadt zu wohnen. Einerseits stehen große Systeme nicht automatisch für Erfolg, andererseits existieren zahlreiche junge Konzepte, die man ernsthaft in die Entscheidung zur Gründung des eigenen Unternehmens einbeziehen sollte.

Das interessiert andere Leser

  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

  • Auf und davon

    Eine neue Generation von Selbstständigen erobert die digitale Geschäftswelt. Sie sind gut ausgebildet, kreativ – und reisen um die Welt. Warum immer mehr digitale Nomaden unterwegs sind.

  • Land der Handwerker?

    Das deutsche Handwerk steuert in die Krise: Ein Fünftel aller Handwerksunternehmer muss in den nächsten Jahren einen passenden Nachfolger finden. Wie das Kunststück gelingen kann.

  • Pension ohne Murren und Knurren

    Unternehmensverkauf mit Pensionszusage für den scheidenden Inhaber – bislang ein Hindernis für viele Nachfolger. Ein neues Urteil macht es beiden Parteien nun leichter.

  • Progression versus Tradition

    Unternehmerische Freiheit oder lieber finanzielle Sicherheit? Gute Preiskonditionen oder Erfolgsgarantie? Was Franchise-Pioniere und -Traditionalisten voneinander unterscheidet.

  • Roland Berger Interview
    Exklusiv: „Übernehmt Verantwortung“

    Audienz bei einer Eminenz. Warum Überzeugungen gerade für Unternehmer entscheidend sind und wie Menschlichkeit zum Erfolgsfaktor wird – Beraterlegende Roland Berger im Tacheles-Talk.

  • Homo Emoticus

    Niemand kauft einen Porsche nur, um Auto zu fahren. Niemand verkauft eine Firma nur, um Geld zu verdienen. Was die eigentlichen Motive für Käufe und Verkäufe sind.

  • Kurzer Prozess

    Thomas und Karin Schneider wussten genau, was für ein Unternehmen sie kaufen wollten. Ihnen ist eine Übernahme im Eiltempo gelungen. Was ist ihr Erfolgsrezept?

  • Lernen vom Gründer-Guru

    Shai Agassi ist so etwas wie der Bill Gates Israels. In den Neunzigern baute er gleich vier Unternehmen auf, seither folgten zwei weitere. Was Entrepreneure von ihm lernen können.

  • Der Countdown läuft

    Am 25. Mai ist es soweit – die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) tritt in Kraft. Was Unternehmen jetzt noch tun können, um die Regelungen umzusetzen.

  • Smart Energy und Elektromobilität
    Energiewende: Die Zukunft ist grün

    Energieversorgung von morgen: Vom smarten Zuhause über E-Mobilität bis hin zu innovativen und dezentralen Lösungen. Diese Unternehmen revolutionieren mit nachhaltigen Trends die Branche.

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Finanzierung von Innovationen

    Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen innovativ sein. Viele Investoren scheuen jedoch das damit verbundene Risiko. Deshalb ist Beteiligungskapital gefragt.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Risiken bei Kauf und Halten eines GmbH-Anteils

    Gesellschafter, die einen GmbH-Anteil kaufen oder halten, denken vielfach, dass bei voll einbezahlter Stammeinlage keine Haftungsgefahren drohen.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Den Kauf optimal bilanzieren

    Unternehmenstransaktionen werden immer komplizierter. Ihre Bilanzierung hat materielle Auswirkungen auf den Konzernabschluss des Erwerbers.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.

  • Bio-Unternehmen suchen Nachfolger

    Biobetriebe tun sich besonder schwer einen Nachfolger zu finden. Neben Unternehmergeist muss er auch eine ökologische Einstellung mitbringen. Was bei der Suche hilft erfahren Sie hier.

Gastbeitrag

Reinhard Wingral
Global Franchise AG

 Weitere Informationen erhalten Sie im Profil

DUB-Franchisebörse

Gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen unter einer starken Marke und in einem getesteten Markt.
Finden Sie jetzt das Franchisesystem, das zu Ihnen passt!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Titelthema: Die Tech Trends 2018

    Künstliche Intelligenz, Robotik, E-Mobilität und Co. dominieren die Zukunft. Was die technologische Umwälzung bringt und wie Elon Musk und Co. Trends setzen.

  • Elon Musk
    Zwischen Genie und Wahnsinn

    Hyperloop und Marsmissionen revolutionieren Mobilität. Eines muss man ihm lassen: Elon Musk hat visionäre Ideen – und den Mut, sie zu verwirklichen.

  • Nachfolgeberatung für Familienunternehmen und KMUs
    Berater gesucht - gefunden

    Eine gute Nachfolgeberatung kann bei Unternehmensverkäufen helfen. Wie aber finden Unternehmen den richtigen Fachmann?

  • Immer weniger Nachfolger in Sicht

    Die deutsche Wirtschaft brummt, die Grundlage für Gründerwachstum ist gelegt. Tatsächlich sinkt die Zahl der Gründer, damit sind auch weniger potentielle Unternehmensnachfolger auf dem Markt.

  • Franchise boomt in Deutschland

    Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main - mit mind. 125 Marken.

  • Revolution in der Storage-Branche

    JAMES-Box will die Storage-Branche revolutionieren. Geschäftsführer Marcus Rey plant nach einem gelungenen Start die Expansion und sucht dafür Investoren.

  • Daimler kooperiert mit Taxify
    Daimler kauft sich bei Uber-Konkurrent ein

    Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler beteiligt sich nach exklusiven Informationen des DUB UNTERNEHMER-Magazins an dem estnischen Mobilitätsanbieter Taxify.

  • Industrie 4.0
    Spezial Industrie 4.0: Schrittmacher der Industrie

    Voll automatisierte Fertigung, Cobots, Digitale Zwillinge –Experten von Kuka, Linde und KPMG erklären die Metamorphose der Industrie im Interview.

  • Auf und davon

    Eine neue Generation von Selbstständigen erobert die digitale Geschäftswelt. Sie sind gut ausgebildet, kreativ – und reisen um die Welt. Warum immer mehr digitale Nomaden unterwegs sind.

  • Land der Handwerker?

    Das deutsche Handwerk steuert in die Krise: Ein Fünftel aller Handwerksunternehmer muss in den nächsten Jahren einen passenden Nachfolger finden. Wie das Kunststück gelingen kann.

  • Pension ohne Murren und Knurren

    Unternehmensverkauf mit Pensionszusage für den scheidenden Inhaber – bislang ein Hindernis für viele Nachfolger. Ein neues Urteil macht es beiden Parteien nun leichter.

  • Progression versus Tradition

    Unternehmerische Freiheit oder lieber finanzielle Sicherheit? Gute Preiskonditionen oder Erfolgsgarantie? Was Franchise-Pioniere und -Traditionalisten voneinander unterscheidet.