Hamburg, 29.05.2017

Die ganze Wahrheit über ältere Gründer

Hartnäckig hält sich der Mythos des jungen Gründers. Tatsächlich steigt das Alter der Entrepreneure in Deutschland. Wo werden ältere Gründer aktiv, was müssen sie beachten?

Bei Gründern denken viele Menschen automatisch an junge Leute. Ein prominentes Beispiel für Entrepreneure, die gerade das Erwachsenen-Alter erreicht haben, ist Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef gründete sein Unternehmen mit 19 Jahren, vier Jahre später war er schon Selfmade-Milliardär. Trifft es also zu, dass die meisten Gründer in jungen Jahren an den Start gegangen sind?

Der Mythos hält sich hartnäckig. Tatsächlich liegt aktuell das Durchschnittsalter der Gründer in Deutschland bei 38,6 Jahren. Seit Beginn der Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich dieses Durchschnittsalter nicht verändert. Ergänzend zeigt eine Studie der KfW-Bankengruppe, dass jeder dritte Gründer in Deutschland älter als 45 Jahre alt ist. Rund 15 Prozent der über 45-Jährigen ist laut der Studie mit digitalen Geschäftsmodellen unterwegs. Der größere Teil ist in der Old-Economy tätig, macht sich mit einem Restaurant, einem Pflegedienst selbstständig.

Das Durchschnittsalter der Gründer wird sich in den nächsten Jahren nach oben verschieben, sind sich die Experten sicher. Auf eine entsprechende Studie des RKW Kompetenzzentrum weist das Bundeswirtschaftsministerium hin. Der wichtigste Grund für den Trend ist der demografische Wandel: 2035 wird knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland älter als 50 Jahre alt sein. Parallel nimmt die Zahl der Geburten ab.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weist daraufhin, dass durch den demografischen Wandel und eine veränderte Konsumstruktur die Märkte Gesundheit, Pflege und lebenslanges Lernen, stärker in den Mittelpunkt des Gründungsgeschehen rücken. Entsprechende Jobs aus der Dienstleistungswirtschaft sind prädestiniert für ältere Gründer, die mit ihrer Erfahrung einen Vorteil haben. Zugleich erhöht sich die Wahrscheinlichkeit zukünftig, dass ältere Gründer mit ihrem Projekt erfolgreich sind, weil es immer mehr sogenannte „Chancengründungen“ gibt – also Gründungen, die nicht aus der Arbeitslosigkeit heraus oder anderen Notlagen geschehen, sondern weil derjenige eine Geschäftsidee hat und diese umsetzen will.

Eine Studie der US-Universitäten Carnegie Mellon und Duke zeigt überdies: Von 549 Gründern aus zwölf verschiedenen Branchen konnten 75 Prozent mindestens sechs Jahre Berufserfahrung als Angestellte vorweisen, jeder Zehnte sogar mehr als 20 Jahre. Die Studienautoren folgern daraus, dass eine entsprechend lange Angestelltentätigkeit eine erfolgreiche Grundlage für eine Gründung legt, weil „Bedürfnisse besser verstanden werden können“.

Weiterer Vorteil der älteren Gründer: das Selbstbewusstsein. Eine Untersuchung der HypoVereinsbank unter 249 Gründerinnen kam zu der Erkenntnis, dass die Hälfte der über 40-Jährigen nach eigenen Angaben gut verhandeln und überzeugen kann – unter den jüngeren Befragten war es nur jede Dritte. Hinzu kommt: Nicht selten schaffen es ältere Gründer, Fehlurteile zu vermeiden – weil sie ihre eigenen Stärken und Schwächen besser kennen.

Worauf sollten ältere Gründer achten? Das notwendige unternehmerische Wissen sollte gegeben sein, oder sollte sich angeeignet werden. Zudem sollten gerade ältere Gründer frühzeitig an die Nachfolge denken. Das pressiert nicht zuletzt bei der Beantragung eines Kredits.

Für die Bank ist es wichtig, dass der Gründer im Notfall einen Vertreter benennen kann, der die Geschäfte weiterführen kann. Eine Gründung mit einem Team hat deshalb große Vorteile. Das Risiko wird gestreut. Obacht: Je höher der Kreditbetrag und das Alter des Gründers, umso wichtiger ist der Bank die Klärung des Sachverhalts.

Spezielle Finanzierungsprogramme gibt es nicht für Ältere. Aber: Die Förderkredite, die die KfW anbietet, etwa den ERP-Gründerkredit – StartGeld, berücksichtigen das Problem, dass es bei Älteren an Eigenkapital mangelt.

Was ist mit der Altersvorsorge? Als Selbstständiger kann man in der gesetzlichen Rentenversicherung bleiben, entweder als freiwilliges Mitglied oder über eine Versicherungspflicht auf Antrag. Wer sich nicht gesetzlich bei der Deutschen Rentenversicherung anmelden möchte, der sollte nicht nur eine private Altersvorsorge abschließen sondern auch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung prüfen.

Wer älter als 65 ist und damit die sogenannte Regelaltersgrenze erreicht hat, und damit eine Regelaltersrente bekommt, kann ohne Einschränkung als Gründer hinzuverdienen. Obacht: Für den Fall einer Rente wegen voller Erwerbsminderung, einer Altersrente vor Erreichen der Regelaltersgrenze, darf der Selbstständige monatlich nur bis zu 450 Euro brutto hinzuverdienen.

Was ist mit der Arbeitslosenversicherung? Gerade wer schon mehrere Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, sollte das auch als Gründer nutzen, weiter einzuzahlen. Einen entsprechenden Antrag muss innerhalb von drei Monaten nach Start der selbstständigen Tätigkeit gestellt werden. Innerhalb des ersten Kalenderjahres zahlen Gründer nur den halben Regelsatz.

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