„Die Chance für den Erfolg im Franchise war so hoch wie nie“

Franchise boomt in Deutschland. Die Firmen haben 2017 ein Umsatzplus von acht Prozent gegenüber 2016 erwirtschaftet. Nun präsentiert sich der Wirtschaftszweig auf einer großen Messe in Frankfurt am Main. Mindestens 125 Marken werden vertreten sein.

Wenn Nadine Brenner, Recruitingchefin des Franchise-Systems Rainbow International, aufzeigen soll, was der größte Unterschied zwischen den Franchise-Wirtschaften Deutschlands und den USA ist, sagt: „Anfang der 2000er-Jahre musste ich noch vielen Leuten erklären, was Franchise ist. Heute kennt jeder in den USA Franchise“. Das sei in Deutschland noch anders, eine größere Bekanntheit zu erlangen, sei in Deutschland noch eine Herausforderung.

Die seit 20 Jahren erstmals wieder ausgerichtete Messe „Franchise Expo“ kann da Abhilfe schaffen. Sie findet vom 27. bis zum 29. September in Frankfurt am Main statt. Unter www.franchiseexpofrankfurt.com gibt es ein reichhaltiges Webangebot. Veranstalter ist MFV Expositions, der größte Franchise-Messe-Ausrichter der Welt, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Franchiseverband. Medienpartner ist unter anderem die Deutsche Unternehmerbörse.

Erste Zielgruppe der Messe ist allerdings nicht die breite Öffentlichkeit, sondern die an Unternehmerschaft Interessierten, also mögliche Franchisenehmer. Diese Zielgruppe findet einen Wirtschaftszweig vor, der außerordentlich boomt. 162.000 Betriebe in Deutschland haben vergangenes Jahr einen Umsatz von 112,2 Milliarden Euro erwirtschaftet, das entspricht einem kräftigen Plus von 8 Prozent gegenüber 2016. Insgesamt arbeiten rund 707.000 Mitarbeiter für die Unternehmen.

Bekanntermaßen wird auch im Franchise in den nächsten Jahren die Zahl der gesuchten Nachfolger steigen – analog zur Nachfolgeproblematik in der gesamten Wirtschaft. Immerhin: Die Zahl der neu gewonnenen Franchisenehmer ist in Deutschland im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gestiegen, nach jeweils nur 1,8 Prozent in den Vorjahren. 24 Prozent der neu gewonnenen Franchisenehmer waren zuvor im Angestelltenverhältnis als Fach- oder Führungskräfte tätig. Erstmals wurde diese Gruppe nun auf den zweiten Platz verdrängt. Mit 25 Prozent waren bestehende Unternehmer unter den neu gewonnenen Franchisenehmern.

Diese leichte Verschiebung drückt damit zugleich einen neuen Trend aus. Das Multi-Unit-Franchising steht mittlerweile im Fokus der Franchisepraxis. „Die deutsche Franchisewirtschaft setzt ihre Expansionsstrategien neu auf. Was sich in unserer jährlichen Mitgliederbefragung, dem Franchisebarometer, Ende letzten Jahres bereits abzeichnete, bestätigen nun die Zahlen der aktuellen, belastbaren Erhebung“, sagt Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands.

Tom Portesy, Chef des Franchisemesse-Veranstalters MFV, kennt diesen Trend aus den USA. Mit einem Unterschied: Die Entwicklung gibt es dort schon seit Langem. Portesy ist seit dreißig Jahren im Franchise-Geschäft, hat Unternehmer kommen und gehen sehen. Mit seiner profunden Erfahrung kann er auch den deutschstämmigen Unternehmen wertvolle Tipps geben. „Franchisefirmen sollten langfristig planen, Unternehmen, die primär auf dem Profit von Franchiseverkäufen aufbauen, haben es sehr schwer, erfolgreich zu werden”, sagt Portesy.

Nicht zwangsläufig muss man Amerikaner sein, um den Deutschen Ratschläge aus dem US-Markt zu geben. Matthias Lehner, Chef von Bodystreet, weiß: „Wir können von den Amerikanern lernen, Dinge einfacher zu machen, und gewinnen dadurch bei der Umsetzung an Geschwindigkeit“. Denn, so Lehner, ein simples System ist gut replizierbar, aber nicht kopierbar.

Zu besichtigen waren diese Systeme gerade in New York. In der Ostküsten-Metropole fand die größte US-Franchisemesse statt. 400 Aussteller, 15.000 Besucher: das war die stolze Leistungsbilanz. Aber auch das Frankfurter Pendant muss sich bei seiner Premiere nicht verstecken. Erwartet werden 125 Marken. Bekannte Firmen wie McDonald´s, Bodystreet, TeeGschwendner, Mail Boxes Engel & Völkers und Maison du Pain haben sich angekündigt. Aber auch Newcomer aus verschiedenen Herkunftsländer mit innovativen Franchiseideen werden erwartet, zum Beispiel Pirnar aus Slowenien, die handgefertigte Eingangstüren vertreibt, die belgische Schokoladenmanufaktur Leonidas oder Store me, ein Lageflächenkonzept, das fast alle Abläufe digital abwickelt.

Dass eine solche Franchise-Messe nun veranstaltet wird, ist für die Unternehmen ein gutes Zeichen. Rainbow-International-Managerin Brenner sagt: „Franchise ist heute kein Plan B mehr, es ist für viele eine vernünftige Art sich selbstständig zu machen, eine Messe gehört einfach zu dieser Wirtschaftsform.“ Brenner wirbt darum, dass Franchise weiter Interessierte anzieht. Sie argumentiert: „Die deutsche Wirtschaft ist so stark wie seit Langem nicht, es war deshalb noch nie so einfach, wie jetzt in Franchise einzusteigen“.

Bodystreet-CEO Lehner sieht das ähnlich, plädiert aber zugleich für qualitatives Wachstum. Zu einem nachhaltigen Firmenwachstum gehören eben auch gute Mitarbeiter. „Wenn Du nicht in der Champions-League spielst, bekommst Du auch keine Champions-League-tauglichen Spieler“, sagt Lehnert.

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