Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Hamburg, 20.02.2017

Chancen und Fallstricke bei Internet-Bewertungen

Bewertungsportale im Internet sind weit verbreitet und für (fast) jede Branche abrufbar. Nicht nur Hotels, Ärzte und Lehrer können bewertet werden, sondern auch Franchiseunternehmen und Franchisenehmer: Zum einen gibt es spezielle Bewertungsportale, auf denen Franchisenehmer ihre Systeme bewerten können, zum anderen werden aber auch allgemeine, branchenübergreifende Portale genutzt (wie z.B. „Yelp“).

Wenn die Bewertungen über ein Unternehmen positiv sind, können sie dem Bewerteten etliche neue Kunden bringen (Stichwort: „Empfehlungsmarketing“). Der Bewertete kann sich einen „guten Ruf“ erarbeiten, indem andere Personen für ihn Bewertungen abgeben.

Was aber tun, wenn die Bewertung negativ und/oder falsch ist? Stillhalten und die (falsche) Bewertung „aushalten“ oder gibt es erfolgsversprechende Möglichkeiten zu reagieren?

Gegen das „Stillhalten“ spricht gerade auch in solchen Fällen der Grundsatz: „Das Netz vergisst nie!“ Der Bewertete sollte daher eine doppelte Strategie fahren: Zum einen kann er selbst auf die Bewertungen reagieren und zum anderen (rechtlich) prüfen lassen, ob er diese Bewertung vielleicht gänzlich löschen lassen kann. Auf der tatsächlichen Ebene kann der Bewertete erstens selbst Stellung nehmen zu dem behaupteten Vorwurf und diesen ggf. aus seiner Sicht richtig stellen. Zweitens kann er, um mögliche schlechte Kritik zu kontern, zufriedene Kunden animieren, positive Bewertungen abzufassen. Hierzu sieht man zum Beispiel in Cafés oder Restaurants Schilder mit der Bitte, auf einschlägigen Portalen eine positive Bewertung für das Lokal abzugeben.

Aus rechtlicher Sicht kommt es auf den konkreten Inhalt und die konkrete Formulierung der Bewertung an. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat in einer vor kurzem veröffentlichten Entscheidung nämlich noch einmal deutlich gemacht, dass wahre Tatsachenbehauptungen von einem Bewerteten in der Regel zu dulden, falsche Behauptungen vom Portalbetreiber allerdings grundsätzlich auch zu löschen sind (Beschl. d. BVerfG vom 29. Juni 2016, Aktenzeichen 1 BvR 3487/14). Dabei ging es in dem vom BVerfG entschiedenen Fall um eine Tatsachenbehauptung über einen Sachverhalt, der bereits über drei Jahre (!) zurück lag. Dort hatte ein Mieter eine Bewertung über seinen ehemaligen Vermieter abgegeben und in der Bewertungsbeschreibung formuliert, dass dieser gerichtlich zu einer Zahlung von 1.100 € an den früheren Mieter verurteilt worden war und diesen Betrag erst nach Erteilung eines Zwangsvollstreckungsauftrages gezahlt hatte. Obwohl diese Bewertung erst drei Jahre nach dem Vorfall abgegeben wurde, hielt das Bundesverfassungsgericht sie für zulässig. Selbst wenn sie Auswirkungen auf den aktuellen Betrieb eines Unternehmers haben mag, sei sie erlaubt, weil sie sich tatsächlich so zugetragen habe, also eine wahre Tatsachenbehauptung darstelle. In einem solchen Fall überwiege die Meinungsfreiheit gegenüber dem Schutz der sozialen Achtung des Unternehmers und seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht.

Anders sieht es aber aus, wenn in einer Bewertung gänzlich falsche Tatsachen behauptet werden, die sich so gar nicht zugetragen haben. Dann kann von dem Bewertenden selbst – und in der Praxis besonders wichtig (weil viele Portale in der Regel schnell und ohne besonders intensive Prüfung einer anwaltlichen Löschungsaufforderung Folge leisten!) – auch von dem Plattformbetreiber des Bewertungsportals die Löschung dieses Eintrags verlangt werden. Dies gilt im Übrigen auch dann, wenn die Bewertung eine reine „Schmähkritik“ enthält, also z.B. eine übermäßig üble Beleidigung.

Problematischer sind die Fälle, in denen die Bewertung sowohl wahre als auch falsche Tatsachenbehauptungen enthält. Hier ist eine spezifische juristische Prüfung unerlässlich, um festzustellen, welche Teile zulässig und welche zu löschen sind. Ergibt eine solche Prüfung, dass ein Anspruch auf Löschung besteht, muss der Bewertende auch Schadensersatz zahlen und insbesondere für die Anwaltskosten aufkommen.

Nach oben

Das interessiert andere Leser

  • Wie Franchise-Systeme die Digitalisierung anpacken
    Big Franchise-Data

    Sieben Franchise-Geber verraten, wie sie das Verhalten ihrer Kunden analysieren und was sie mit den Daten anfangen.

  • Die sechs Erfolgsgeheimnisse starker Markenfirmen
    Das Geheimnis starker Marken

    Warum will jeder ein iPhone? Weshalb sagen wir „Tempo“ statt „Taschentuch“? Die Marke macht den Unterschied.

  • Franchise-System: Wachstum mit Marke und Konzept
    Beziehungsstress im Franchising

    Vertrauen ist die Grundlage aller Beziehungen – nicht zuletzt von geschäftlichen. Doch beim Franchising wird es häufig auf eine harte Probe gestellt.

  • Top-Noten für Franchising

    Eine neue Befragung zeigt: 85 Prozent der Franchisenehmer würden es wieder tun. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben.

  • Franchise-Spezial
    Franchise-Spezial: Mit starken Marken unterwegs

    Wie Franchising zu einem Win-win-Konzept wird: ein Ein- und Ausblick.

  • Franchise Spezial: Partner gesucht
    Partner gesucht

    Die Zahl der Franchisegründer in Deutschland ist rückläufig. Doch jetzt gibt es einen neuen Weg, etablierte Franchisesysteme und Unternehmer in spe zusammenzubringen: die DUB-Franchisebörse.

  • Ikone des Franchise: Waltraud Martius
    Buchverlosung

    Franchise-Geber müssen erfolgreich expandieren und sich zugleich immer wieder selbst erfinden. Ein neues Buch zeigt, wie das geht.

  • DFV
    Franchise-Awards 2016: Die Gewinner der Branche

    Die DFV-Awards gingen an Mitgliedsunternehmen, die 2015 außerordentliche Leistungen erzielt und die Franchisewirtschaft dadurch als Botschafter positiv beeinflusst und erfolgreich repräsentiert haben.

  • Besser streiten
    Besser streiten

    Konflikte können Geschäftsbeziehungen nachhaltig beschädigen. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie Mediation besonders in Franchise-Systemen zu besseren Lösungen führt.

  • Karrierestau? Mit Franchise und Lizenzen sofort von ausgeklügelten Systemen profitieren.

    Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft steinig. Mit Franchise- und Lizenz-Modellen erhalten die Startups einen schnellen Marktzugang und das notwendige Know-how.

  • Mit Markenkraft des starken Partners gelingt Einstieg in die Selbstständigkeit

    Wer den Traum von der Selbstständigkeit verwirklichen möchte, braucht einen starken Franchisepartner. Wie aber lässt sich dieser finden?

  • Unternehmensnachfolge als MBI
    Starke Marke

    US-Franchises nehmen den europäischen Markt verstärkt ins Visier. Zwei Fachanwälte geben Tipps, worauf Interessenten bei den internationalen Verträgen achten sollten.

  • Futterhaus-Franchise
    Nachfolge per Franchise

    Franchise macht das Gründen leichter. So viel ist klar. Dass die Systeme auch helfen können, das eigene Unternehmen und die Nachfolge zu sichern, dürfte weniger bekannt sein.

  • Nicolas Rädecke und Susanne Schnur von DUB.de auf dem Franchise Matching Day 2016.
    Franchise Matching Day mit großem Erfolg

    Rund 400 Besucher kamen zur größten deutschen Franchisemesse in Köln. Als Medienpartner stellte die Deutsche Unternehmerbörse DUB.de die neue DUB Franchisebörse vor.

  • Unternehmerischer Erfolg mit System

    Wer sich selbstständig machen will, ohne auf eine strategische Unterstützung zu verzichten, sollte über Franchising nachdenken.

  • 7 Tipps für eine gelungene Franchise-Vertragsunterzeichnung.
    Erst Verträge schließen, dann Geld verdienen

    Vertragslaufzeit, Einkaufsbedingungen Gebührenhöhe – Franchisenehmer müssen sich mit dem Kleingedruckten befassen. 7 Tipps für eine gelungene Vertragsunterzeichnung.

  • Werben Sie jetzt auf der DUB-Franchisebörse

    Seit Jahren suchen Unternehmer in spe bei DUB.de Ihr eigenes Unternehmen. Bieten Sie finanzstarken Interessenten ein neues Zuhause unter Ihrem Dach.

  • Unternehmer per System

    Mit Franchising kann der Traum von der unternehmerischen Selbstständigkeit schnell wahr werden. Richtig angepackt, können beide Seiten profitieren.

  • Erfolgreiches Franchising in fünf Schritten

    Franchise erleichtert den Weg in die Selbstständigkeit. Die Systeme sind allerdings bei weitem kein Selbstläufer. Diese fünf Tipps sollten angehende Franchise-Nehmer beachten.

  • Ohne Moos nichts los

    Wie bekomme ich einen Gründerkredit? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Gastbeitrag

Rechtsanwalt Fabian Sturm
SCHLARMANNvonGEYSO
Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer Partnerschaft mbB

Zum Profil

DUB-Franchisebörse

Gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen unter einer starken Marke und in einem getesteten Markt.
Finden Sie jetzt das Franchisesystem, das zu Ihnen passt!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick