Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Sicher kalkulieren

Noch ist das Zinsniveau niedrig. Mit den richtigen Instrumenten können Unternehmen gute Konditionen langfristig festschreiben.

Ob es Waghalsigkeit war oder Leichtgläubigkeit, hatten die Anwälte zu klären. 2012 mussten sich Stadtkämmerer aus Sachsen vor Gericht verantworten. Mindestens 40 Städte, Landkreise und kommunale Betriebe des Freistaats hatten damals mit spekulativen Zinsgeschäften viel Geld verloren. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, ging es dabei um mehr als 200 Swap-Geschäfte mit einem Volumen von über einer halben Milliarde Euro. Die mit Banken abgeschlossenen Deals sollten die Stadtsäckel anschwellen lassen. Das Gegenteil war der Fall: Viele Kommunen standen kurz vor der Pleite.

Berichte über misslungene Spekulationsgeschäfte rückten derivative Finanzierungsinstrumente wie den Tausch von Zinszahlungen (Zins-Swaps) in die Zockerecke. Zu Unrecht, meint Helga Nething, Leiterin Corporate Sales der Nord/LB: „Lange Zeit wurde alles in einen Topf geworfen, was Derivate heißt. Wir sprechen hier aber von Absicherungsinstrumenten zum Management bestehender Zinsrisiken.“ Das bedeutet im Kern, die Risiken zu identifizieren und daraus Handlungsalternativen abzuleiten. „Bei den historisch niedrigen Geldmarktzinsen geht es auch um das Thema Sicherheit bei einem neuen Zinsanstieg und um gleichzeitige Partizipation an attraktiven Zinssätzen in kurzen Laufzeiten“, so Nething.

In die Zukunft blicken

Wegen der günstigen Zinssätze bei kurzfristigen Laufzeiten setzen nicht wenige Unternehmen vermehrt auf kurzfristige und variable Finanzierungen. Zumal sich nach den jüngsten Ankündigungen der Europäischen Zentralbank (EZB) hinsichtlich des Leitzinses an der Zinsfront im nächsten Jahr (2015) nicht viel tun dürfte. Stephen Price, Bereichvorstand Corporate Banking bei HSBC Trinkaus, gibt allerdings zu bedenken, nicht nur auf die aktuell vorteilhafte Marktlage zu blicken. Auch die Zinserwartung für die Finanzierungslaufzeit müsse in die Entscheidung einbezogen werden. „Steigt währenddessen der Referenzzinssatz der variablen Finanzierung, steigt auch die Zinslast des Unternehmens im Zeitablauf. So entsteht ein Planungsrisiko für das Unternehmen“, betont der Experte.

Status quo festschreiben

Mit Zinsderivaten lässt sich die Zinslast an die Bedürfnisse des Unternehmens anpassen. Ausgangspunkt ist oftmals eine variabel verzinsliche Kreditaufnahme des Unternehmens. Zinsinstrumente ermöglichen unter anderem, die Eigenschaften der variablen mit einer Festsatzfinanzierung zu kombinieren. Die Wahl des Instruments hängt auch von der Zinsmeinung des Unternehmens ab. „Wenn ein Kreditnehmer der Ansicht ist, dass die Zinsen bald steigen, kann er sich beispielsweise mit einem Zins -Swap die aktuellen Zinskonditionen
für die nächsten Jahre festschreiben“, sagt Ralf Vogt, Abteilungsleiter Zins- und Währungsmanagement der WGZ Bank. Aber es brauche nicht unbedingt eine dezidierte Zinsmeinung, um ein Zinsmanagement-Instrument sinnvoll einsetzen zu können. Es kann bereits ausreichen, wenn sich das Unternehmen lediglich den Status seines aktuellen Zins-Cashflows für die nächsten Jahre sichern möchte – ganz unabhängig von der Zinsmarktentwicklung. „Ohne die Absicherung wären die Zinskonditionen günstiger, besonders, wenn die Zinsen weiter fallen sollten. Aber bei dem derzeitigen niedrigen Niveau ist der Aufpreis für die Langfristsicherung durchaus zu verkraften. Zudem macht der Zins-Swap den Kredit und seine Kosten kalkulierbar“, betont Vogt.

Bei einem Zins-Swap-Geschäft tauschen zwei Verhandlungspartner ihre Zinszahlungsverpflichtungen für die Dauer einer Periode. Besitzt also ein Unternehmen variabel verzinste Verbindlichkeiten auf Euribor-Basis und möchte im Hinblick auf die künftigen Zinszahlungen Planungssicherheit erreichen, tauscht es den im Kredit vereinbarten Euribor gegen einen Festzinssatz. Der vom Kunden zu zahlende Festzinssatz wird mit dem von der Bank zu zahlenden variablen Zinssatz verrechnet. Dieser Saldo, der je nach Zinsentwicklung zu Gunsten oder zu Lasten des Unternehmens gezahlt wird, ist mit dem Kreditzins bestehend aus dem Euribor zuzüglich der Kreditmarge zu betrachten: Je höher der Euribor festgestellt wird, desto höher ist der Kreditzins und desto günstiger ist der Saldo aus dem Zins-Swap.

Zinsanstieg deckeln

Während der Swap die Zinsbindungsdauer fixiert, gibt es auch die Möglichkeit, sich gegen steigende kurzfristige Zinsen abzusichern: Ein Zins-Cap deckelt einen Zinsanstieg. Sollte der Euribor die vereinbarte Zinsobergrenze überschreiten, erhält der Kunde von der Bank eine Ausgleichszahlung. Dafür zahlt der Kreditnehmer vorab eine einmalige Versicherungsprämie. Während der Laufzeit wird aus dem Kredit dann laufend der Euribor zuzüglich einer Kreditmarge fällig. „So lange die kurzfristigen Zinsen niedrig bleiben, tritt kein Versicherungsfall ein, und man bleibt in der aktuell günstigen Finanzierung“, sagt Vogt. Wer wegen des Zinsausblicks der EZB fürs erste mit einem niedrigen Zinsniveau rechnet, sich aber gegen eine spätere Zinswende absichern möchte, für den wäre laut Vogt der Cap passend.

Die Entscheidung für oder gegen ein Zinsinstrument muss der Kreditnehmer tragen. „Wichtig ist aber, ihn im persönlichen Gespräch über die Anwendungsmöglichkeiten, die Chancen und Risiken aufzuklären, alle Fragen zu beantworten und eine kundenindividuelle Lösung zu finden“, sagt Vogt. Dann gibt es auch im Nachgang keine Arbeit für Anwälte.

Das interessiert andere Leser

  • Smarter Partner

    Autonome Autos, digitale Assistenten, Roboterchirurgen - Künstliche Intelligenz (KI) wird im Geschäfts- und Berufsleben immer spürbarer. Was KI heute schon kann und zukünftig verändert.

  • Exklusivinterviews: Künstliche Intelligenz

    Die Künstliche Intelligenz (KI) wirkt tief in nahezu alle Branchen hinein. 13 Top-Manager gewähren exklusive Einblicke, wie KI-Anwendungen ihre Unternehmen und Sparten umwälzen.

  • Lädt noch

    Zukunftstechnologien wie das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz verändern die Welt, sagen Experten. Wie und wo sie bereits erfolgreich eingesetzt werden...

  • Franchisegebühren – was ist üblich?

    Was „üblich“ und „angemessen“ ist, lässt sich nicht so ganz einfach beantworten. Allerdings gibt es Kriterien, aus denen sich die Angemessenheit der Franchisegebühren ableiten lässt.

  • Die Familienstiftung bei Unternehmensnachfolgen

    Ein Instrument für die Sicherung der Nachfolge kann die Implementierung einer Familienstiftung sein.

  • Die ganze Wahrheit über ältere Gründer

    Hartnäckig hält sich der Mythos des jungen Gründers. Tatsächlich steigt das Alter der Entrepreneure in Deutschland. Wo werden ältere Gründer aktiv, was müssen sie beachten?

  • Drama Neugründungen: Deutschland rutscht im Vergleich ab

    Deutschland, Gründerland? Das war einmal! Das belegt auch eine Statistik der Industrie- und Handelskammern, die nun öffentlich wurde.

  • So unterschiedlich treu sind Gesellschafter von Familienfirmen

    82 Prozent der Familienunternehmer schätzen den Zusammenhalt untereinander als hoch ein. Unterschiede gibt es zwischen Großfamilien und in verschiedenen Stämmen organisierten Gesellschaftern.

  • Auf den Punkt flüssig - Teil 2

    Factoring stellt eine Alternative zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung für Lieferanten dar. Doch was können Abnehmer tun, um ihr Working Capital zu optimieren?

  • Kommunikation in Franchisesystemen

    Ein Experte erläutert, worauf Franchisegeber und -nehmer dabei achten sollten.

  • Neuerungen in der DUB-Unternehmensbörse

    Übersichtlicher, einfacher und erfolgversprechender. Das sollen die neuen DUB-Unternehmensbörsen und DUB-Käuferbörsen jetzt bieten. Wir haben einige Felder ergänzt und besonders das DUB-Matching eingeführt.

  • Ist Ihr Unternehmen ausreichend gegen Cyber Angriffe geschützt?

    Machen Sie jetzt den kostenlosen Schnelltest!

  • America First

    Die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt stammen aus den USA – Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft und Facebook. Sieben namhafte Unternehmensberatungen haben das Potenzial der Tech-Riesen exklusiv bewertet.

  • Der Chef von Morgen

    Im Sport war er ein Spätzünder, dafür startet Johannes Lochner jetzt doppelt durch: Leitung eines Bobteams, Masterstudium – ein besseres Training für Führungskräfte gibt’s kaum.

  • Die Digitalisierung der Rekrutierung von Franchise-Partnern

    Lesen Sie hier, welche Rolle die Digitalisierung bei der Rekrutierung von Franchise-Partnern einnimmt.

  • Franchise-Umfrage: Wo, bitte, geht’s hier zum neuen Personal?

    Zum zweiten Jahr in Folge hat die Deutsche Unternehmerbörse Franchise-Systeme nach ihren größten Herausforderungen im Markt gefragt. Ganz oben: Die Suche nach Personal.

  • Späte Führungsnachfolge

    Der Brillenkönig Günther Fielmann behält noch weitere drei Jahre das Zepter in der Hand. Erst 2020 will er das Unternehmen in die Hände seines Sohnes legen.

  • Sachsen-Anhalt legt Fonds für die Unternehmensnachfolge auf

    Immer wieder scheitern Firmennachfolgen an der Finanzierung. Sachsen-Anhalt will dem nun vorbeugen – mit einem Fonds, ausgestattet mit 265 Millionen Euro.

  • „Psst, haben Sie schon gehört … ?“

    Wenn die Gerüchteküche brodelt, hat das selten Gutes zu bedeuten. Erst recht, wenn es um den Verkauf eines Unternehmens geht.

  • Zu schön, um wahr zu sein

    Was Franchisegeber Geschäftspartnern in spe über ihr System verraten müssen und woran man schwarze Schafe erkennt.

  • Geld vom Staat

    Auch Franchisenehmer kommen in den Genuss von staatlichen Fördertöpfen. Es müssen nur drei Kriterien erfüllt werden.

  • Deutschland paradox

    Die Bundesrepublik spielt wirtschaftlich in der ersten Liga – außer beim Gründungsgeschehen. Wie kann das sein?

  • Alles VUKA, oder was?

    Volatil, unsicher, komplex, ambivalent, kurz: VUKA. So beurteilen viele Chefs die Digitalisierung. Was tun?

  • Optimistische Chefs

    Deutschlands Unternehmer strotzen vor Optimismus. Dabei müssen sie in einem Punkt noch mächtig aufholen.

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

Dieser Artikel ist im DUB UNTERNEHMER-Newsletter erschienen. Der Newsletter erscheint alle zwei Monate - kostenlos und unverbindlich.

Bestellen Sie hier gratis den
DUB UNTERNEHMER-Newsletter

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick