Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Maschine zur Miete

Bei der Anschaffung neuer Produktionsanlagen gewinnt Leasing stark an Beliebtheit.

Von ihrem Bankberater bekam Verena Klingenberg keine guten Nachrichten. Um mit ihrem Betrieb, einer Holzbaufirma im niedersächsischen Kakenstorf, weiterwachsen zu können, brauchte sie Geld für neue Maschinen und Anlagen. Doch einen Kredit verweigerte die Bank. Das Eigenkapital sei zu gering, hieß es. Und überhaupt: Die Situation der Baubranche sei ja nicht so rosig, sagte der Bankberater. Verena Klingenberg war aber davon überzeugt, dass sich ihr Vorhaben auszahlen würde. Also leaste sie die Geräte: einen fünf Tonnen schweren Brückenkran, einen Gabelstapler sowie eine gebrauchte Abbundanlage, mit der das Holz für Dachstühle automatisch zugeschnitten werden kann. Wert der Anschaffungen: 250 000 Euro. "Die Investitionen haben sich gerechnet", so Klingenberg. Die Abbundanlage zahle sich besonders stark aus - mit ihr sägen die Mitarbeiter der Firma jetzt auch Holz für viele andere Handwerker in der Region.

Der Fall zeigt: Wenn es um den Ausbau der Geschäftsaktivitäten geht, kann Leasing eine attraktive Alternative zum Kredit der Hausbank sein. Die Finanzierung von Produktionsmaschinen gewinnt auch für die Leasing-Branche an Bedeutung. Der Sektor wuchs 2013 um vier Prozent, während der Gesamtmarkt, der nach wie vor vom Fahrzeug-Leasing dominiert wird, in diesem Jahr stagnierte. Für Unternehmen gibt es viele Vorteile: Leasing-Modelle schonen die Liquidität und verbessern die Eigenkapitalquote. Zudem fällt es leichter, die Ausrüstung immer auf dem neuesten technischen Stand zu halten. Besonders wenn die Expansion schnell vorangetrieben wird, kommt das zum Tragen. "Wachstumsunternehmen mit Bedarf an neuem Anlagevermögen wie beispielsweise Maschinen und Fuhrpark können ihren hohen Finanzierungsbedarf oftmals gut über Leasing decken", sagt Peter Bartels, Leiter des Bereichs Mittelstand beim Beratungs- und Prüfungsunternehmen PwC.

In Zukunft könnte die Attraktivität von Leasing-Finanzierungen weiter steigen. Experten rechnen mit höheren Kreditkosten aufgrund der Bankenrichtlinie Basel III, die ab 2014 schrittweise in Kraft tritt. "Kredite werden aufgrund der geplanten verschärften Eigenkapitalhinterlegungspflicht der Kreditinstitute tendenziell eher teurer", sagt Bartels. Im Vergleich zu einem Kredit können Betriebe durch Leasing schon jetzt Geld sparen. Ein Beispiel dafür ist die Wein- und Sektkellerei Herres in Trier. Die Firma wächst schnell, im vergangenen Jahr hat sie erstmals mehr als 100 Millionen Flaschen verkauft. Ihre jüngsten Anschaffungen, Lagertanks mit einem Fassungsvolumen von insgesamt 4,5 Millionen Litern, sind geleast - aus Kostengründen. "Insgesamt betrachtet ist es für uns günstiger, die Tanks zu leasen, als sie zu kaufen", sagt Adolf Lorscheider, Geschäftsführer für Personal und Finanzen. Der Grund: Beim Leasing lassen sich die Ausgaben schneller steuerlich absetzen.

Hätte die Kellerei die Tanks gekauft, könnte das Unternehmen die Anschaffung nur über einen Zeitraum von zwölf Jahren steuerlich geltend machen - weil das Finanzamt für die Tanks eine Nutzungsdauer von zwölf Jahren zugrunde legt. Der Leasingvertrag hat dagegen nur ein Dauer von siebeneinhalb Jahren, in denen Herres die Leasing-Raten absetzen kann. Neben der Einsparung war für die Geschäftsführung auch entscheidend, die Finanzierungsquellen möglichst stark zu differenzieren. "Wir wollen uns einfach von keinem Geschäftspartner zu abhängig machen", sagt Lorscheider. Die Halle, in denen die neuen Tanks stehen, hat das Unternehmen über einen klassischen Kredit finanziert. Allerdings ist Leasing nicht immer die beste Wahl. Insbesondere bei Gütern, bei denen nicht klar ist, wie lange sie genutzt werden sollen, rät PwC-Experte Bartels zur Vorsicht. Schließlich können geleaste Maschinen nicht wieder veräußert werden. "Leasing-Verträge sind hier in der Regel eher unflexibel und können nicht rasch wieder beendet werden", sagt Bartels. Auch bei einer allzu ungewissen Auftragsentwicklung kann ein Kauf oder die Kreditfinanzierung die bessere Alternative sein.

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Jörg Utecht (Interhyp)
    Digitalisierung: Mit breiter Brust

    Was revolutioniert die Finanzbranche? Wer steht wo im Wettstreit um Digital Leadership? Und wie generiert man Innovationen? Fragen an Vorstand Jörg Utecht vom Ur-Fintech Interhyp.

  • Klein, aber fein – und Renditebringer. Das sind die Börsenzwerge aus der zweiten Reihe.
    Hidden Champions fürs Depot

    Börsenzwerge aus der zweiten Reihe bringen ordentliche Renditen, sind aber auch riskanter – oder etwa nicht?

  • Mehr Unternehmenskäufer
    Mehr Unternehmenskäufer

    Faustdicke Überraschung: Die Zahl der Menschen, die ein Unternehmen kaufen wollen, ist deutlich angestiegen.

  • Fortsetzung folgt
    Fortsetzung folgt

    Die häufigsten Fallstricke bei einer familieninternen Unternehmensnachfolge.

  • Haftung bei einer Kommanditgesellschaft
    Kommanditgesellschaften im Check

    Die Kommanditgesellschaft gehört zu den häufigsten Rechtsformen in Deutschland. Was müssen Gründer über KGs wissen? DUB.de erklärt es.

  • Langsamer Generationswechsel blockiert Investitionen
    Alter schützt vor Torheit nicht

    Das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer ist so hoch wie nie. Die älteren Chefs investieren weniger – uns setzen damit ihren Erfolgs aufs Spiel.

  • Hui buh - Kommt das Inflationsgespenst nach Deutschland?
    Trump, das Inflationsgespenst?

    Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten steigen die Anleiherenditen. Kehrt jetzt auch in Deutschland das Inflationsgespenst zurück?

  • Mangelware Unternehmer
    Mangelware Unternehmer

    Viele mittelständisch geprägte Regionen stehen vor einem doppelten Problem: Sie haben nicht nur zu wenig Fachkräfte, sondern auch zu wenig Unternehmer.

  • Franchise in der Gastronomie?
    Futtern und Franchise ...

    ... passen zusammen wie Pommes und Burger. Wer sich im Gastronomie-Bereich selbstständig machen will, sollte über den Fast-Food-Bereich hinausblicken.

  • Kein Nachfolger in Sicht?
    Den Richtigen (Chef) finden

    Wer einen externen Manager anheuert, holt sich oft Probleme ins Haus. So finden Unternehmen den richtigen Kandidaten.

  • Tour de Force durchs Silicon Valley

    10 Unternehmen in 2,5 Tagen: Deutsche Unternehmer haben digitale Vorreiter besucht. Ein inspirierender Reisebericht.

  • So finden Sie einen Geschäftsführer richtig per Stellenanzeige
    Neun Tipps für die perfekte Stellenanzeige

    Flexibel, teamfähig, hohe Einsatzbereitschaft – langweilig! Wer Top-Bewerber für Führungspositionen will, muss kreativ werden.

  • Viele Mittelständler patzen bei der Nachfolgeplanung
    Verpatzte Planung

    Eine internationale Studie legt den Finger in die Wunde: Nur jedes vierte Familienunternehmen in Deutschland plant die Nachfolge.

  • Praktikantenbörse
    Top-Athlet - und dann?

    Was muss passieren, damit mehr Top-Athleten nach der Sportkarriere ihren Weg ins Top-Management finden? Diese und weitere Fragen standen beim Talk der DUB-Praktikantenbörse auf der Agenda.

  • Kleine Helfer, große Wirkung: Assistenzsysteme
    Kleine Helfer, große Wirkung

    Elektronische Assistenzsysteme wie Parksensoren sind vermehrt nun auch in Nutzfahrzeugen zu finden.

  • Einen Klick entfernt
    Drei, zwei eins, ...

    Onlineshopping boomt – eine E-Commerce-Seite will aber gut geplant sein.

  • Kampf mit dem Gewissen
    Schwieriger Spagat

    Benötigt ein Angehöriger dauerhaft Hilfe, pflegen ihn oft Partner und Verwandte. Was aber, wenn auch ein Unternehmen zu führen ist?

  • Frauke Fees
    Marke ohne Budget

    Auch mit Kreativität und Leidenschaft lässt sich eine Marke bekannt machen, sagt Beraterin Frauke Feess – wenn man die Zielgruppe gut kennt.

  • Dr. Kerstin Nina Schulz, Anwältin für Franchiserecht
    Rettung für gekündigte Franchisenehmer

    Wenn Franchisenehmern der Vertrag gekündigt wird, stehen sie häufig vor dem Nichts. Ein Paragraf im Handelsgesetzbuch schafft Abhilfe.

  • Hagen Rickmann, Telekom
    Deutscher Mittelstand meets Silicon Valley

    Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland hat beide zusammengebracht. Ein Erlebnisbericht.

  • Christoph Keese
    Messerscharf analysiert

    Christoph Keese wurde mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2016 ausgezeichnet. Für das DUB UNTERNEHMER-Magazin analysiert er exklusiv, was wir vom Silicon Valley lernen müssen.

  • Auf in die Selbstständigkeit
    20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich abzusprechen – das sind nur einige Vorteile der Selbstständigkeit. So funktioniert’s.

  • Gerlinde Baumer - Partnerin der omegaconsulting GmbH
    Nach dem Firmenverkauf ...

    ... fängt die Übergabe erst richtig an. So meistern beide Seiten die Herausforderung.

  • Flottenmanagement
    Knifflige Entscheidungen

    Kaufen, leasen, finanzieren, mieten? Vor dieser Frage steht jedes Unternehmen, ganz gleich welcher Art und Größe, wenn es um die Anschaffung von Dienst-, Fuhrpark- oder Firmenwagen geht.

  • Auf in die Franchise-Selbstständigkeit
    Auf in die Franchise-Selbstständigkeit: Welche Freiheiten habe ich?

    Als Franchiser ist man befreit davon, eine eigene Idee zur Marktreife zu führen. Was kann man entscheiden, wo sind die Grenzen?

  • Veranstaltung Firmennachfolge in Hamburg
    Die Hürden bei der Firmennachfolge: einfach mal Ja sagen!

    Eine Firma zu verkaufen, das ist für manche Eigner so schwierig, wie ihr Kind in die Selbstständigkeit zu entlassen. Welche Befürchtungen Käufer und Verkäufer haben, zeigte eine Veranstaltung in Hamburg auf.

  • Joe Kaeser, Siemens
    Der Siemensianer

    Nie hat er für ein anderes Unternehmen gearbeitet: Siemens-Chef Joe Kaeser im Interview.

  • Öko-System
    Franchise wird grün

    Der Deutsche Franchise-Verband hat den Green Franchise Award vergeben. Und der Gewinner ist ...

  • Küche&Co
    Rückenstärkung

    Franchisesystem als Gängelband, so das vielfache Vorurteil. Wie es richtig gut laufen kann, erzählen zwei Gründer.

  • Das Who’s who deutscher Konzernlenker verrät exklusiv, wie es sich die digitale Welt von morgen vorstellt.
    Quintessenzen des Erfolgs

    Denke stets vom Kunden her! An welchen Leitplanken sich 15 Konzernchefs bei ihren Strategien orientieren.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick