Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Klick, klick, Kredit

Lendico, Kreditech und Co. weisen ihren Kunden den digitalen Weg zum Kredit. Offenbart sich hier die Zukunft der Branche? Wie die neuen Web-Spieler die traditionelle Banken- und Finanzwelt aufmischen

Was hat der Nutzer zuletzt gegoogelt, wie viele seiner Facebook-Freunde haben studiert, welche Schriftarten befinden sich auf seinem Rechner? Bei Kreditech, einem Technologieunternehmen, das als digitale Bank in neun Ländern agiert, entscheiden nicht Menschen über die Bonität eines Kunden, sondern Algorithmen. So hat die Kreditech-Software beispielsweise festgestellt, dass viele Kreditnehmer, die ihr Darlehen nicht zurückzahlen, eine ganz bestimmte Schriftart auf ihrem Computer haben. Wie dies zusammenhängt? Sebastian Diemer, Kreditech-Geschäftsführer: „Nur Casino- und Pokerprogramme verwenden diese Schriftart.“ Dies ist nur einer von rund 20.000 Punkten, die im Zuge der Evaluierung betrachtet werden. In der digitalen Finanzwelt setzt der Computer also ein Bild des Schuldners aus Daten zusammen, die dieser beim Surfen im Netz preisgibt.

Schnell, flexibel und automatisiert

Sogenannte Fintechs wie die Firma Kreditech mit Sitz in Hamburg boomen. In den vergangenen Jahren sind hierzulande unzählige Start-ups aus dem Boden geschossen, die Kunden online mit Finanzangeboten wie beispielsweie Krediten versorgen. Sie heißen Lendico oder Auxmoney, Vaamo oder Zancap. So unterschiedlich ihre Dienstleistungen sind, eins eint die jungen Web-Spieler: Sie wildern im Geschäftsfeld der traditionellen Kreditinstitute. Der große Unterschied: Fintechs sind in der Regel reine Vermittlungsplattformen, die nicht selbst Kredite oder Finanzprodukte vergeben, sondern Angebot und Nachfrage zusammenbringen. „Aus diesem Grund brauchen die meisten Fintechs auch keine Banklizenz und müssen sich nicht den sehr strikten gesetzlichen Regelungen beugen, denen Kreditinstitute in Deutschland unterliegen“, erklärt Professor Dr. Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance & Management (siehe Interview Seite 73). Werden Produkte wie beispielsweise Fonds vermittelt, so ist meist ein Institut mit Banklizenz zwischengeschaltet, mit dem der Kunde den entsprechenden Vertrag abschließt. Die Überprüfung der Bonität des Kunden und die Beratung erfolgen bei den Online-Finanzmarktplätzen algorithmusgesteuert. Das heißt: Kein Mensch muss den Kreditantrag des Interessenten auswerten, Schufa-Auskünfte einholen und den Kreditrahmen festlegen – all das funktioniert automatisiert, gespeist aus Daten, die der Kunde im Online-Antrag eingibt, sowie aus unzähligen anderen, die er im Web hinterlassen hat. Doch nicht nur das Scoring läuft bei Fintechs automatisiert ab. Ähnlich funktioniert die Online-Beratung, die den Kunden – entsprechend ihrem Profil – passende Finanzprodukte empfiehlt. Dass diese Form der Beratung die menschliche langfristig ablöst, prognostiziert Finance-Professor Christian Rieck in seinem Buch „Können Roboter mit Geld umgehen?“.

Kredite für Kunden aller Couleur

Und was haben die Kunden davon? Wo weniger Berater im Einsatz sind, sinken in der Regel auch die Gebühren beim Abschluss eines Geldgeschäfts. Zudem können Konsumenten, die es als Selbstständige oder Kreditsuchende mit schlechterer Bonität bei Banken und Sparkassen meist schwer haben, an einen Kredit zu kommen, bei Fintechs fündig werden – allerdings zu risikoadäquaten Raten. Auch kleine und mittelständische Unternehmen haben mit Krediten über Plattformen wie Zancap oder Lendico eine Finanzierungsalternative, die sie unabhängiger von Banken macht. Besonders das Konzept des Peer-to-Peer-Lending hat es den Kunden angetan. Dabei verleihen Privat-anleger privaten oder geschäftlichen Kreditsuchenden Geld. Die Rendite, die sie so erzielen können, ist in der Regel höher als bei klassischen Finanzprodukten – das Risiko jedoch ebenfalls. Für die einen ist es eine attraktive Geldanlage in Niedrigzinszeiten, für andere eine unkomplizierte Art, um an ein Darlehen zu kommen. Für die Plattformen winkt Profit in Form von Gebühren, die für Bonitätsprüfung und Abwicklung anfallen. Die Nachfrage nach Online-Krediten und ihre Akzeptanz steigen: In Deutschland hat sich das Volumen der Peer-to-Peer-Kredite im vergangenen Jahr auf mehr als 80 Millionen Euro immerhin vervielfacht (siehe Grafik Seite 71). 14 Prozent aller Internetnutzer in Deutschland würden einen Kredit über ein Fintech- Unternehmen abwickeln, so das Ergebnis einer Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom).

Milliarden für die Newcomer

Fintechs versus Banken? Smart und sexy gegen langsam und langweilig? Viele institutionelle Geldgeber setzen auf den Erfolg der Online-Finanzdienstleister. Weltweit haben sie 2014 über zwölf Milliarden Dollar in die jungen Unternehmen gepumpt. Im Dezember strich etwa der US-Börsen-Newcomer Lending Club an der Wall Street 1,4 Milliarden Dollar ein. In Deutschland flossen im vergangenen Jahr zwar nur 82 Millionen Dollar in die Fintech-Szene, aber die Tendenz ist steigend. Wie wichtig die Online-Ausrichtung ist, haben auch die traditionellen Kredit institute erkannt. Beispiel Deutsche Bank: Der Branchenprimus kürte 2014 erstmals mit Henry Ritchotte einen Digital-Vorstand und kündigte an, in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Euro in die Digitalisierung seiner Angebote zu stecken. Über 70 neue Services möchte die Deutsche Bank 2015 einführen. Jüngster Coup: eine Banking-App für die Apple Watch. Doch nicht nur intern suchen Kreditinstitute nach neuen Wegen. Die Commerzbank hat etwa mit dem Main Incubator eine Art Brutstätte für Finanz- Start-ups ins Leben gerufen. Die 100-prozentige Tochtergesellschaft des Geldhauses begleitet Fintechs von ihrer Gründung bis zur Marktreife. Denn egal ob junges oder etabliertes Finanzunternehmen, die Richtung ist für die gesamte Branche gleich. Hellmich weiß: „Die Zukunft der Finanzwelt ist digital. Wer sich ihr verschließt, bleibt auf der Strecke.“

Das interessiert andere Leser

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Den Quick Fix gibt es nicht

    Industrie 4.0. Der Trend ist da, die Umsetzung lahmt: Das Potenzial der vierten industriellen Revolution wird hierzulande nicht ausgeschöpft. Zwei Experten verraten, was dafür nötig ist.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Digitale Potenziale

    Deutschland ist reif für ein digitales Gesundheitswesen. Deshalb unterstützt Die Techniker Existenzgründer, Talente und Visionäre.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.

  • Auf die (Franchise-)Größe kommt es an

    Einsteiger in der Franchise-Branche haben es schwer. Aber der Aufwand zahlt sich aus.

  • Unternehmensverkauf: Worauf bei Earn-Out-Klauseln achten?

    Was Unternehmensverkäufer und -käufer über variable Preiskomponenten wissen müssen.

  • Die fünf wichtigsten Trends der CeBIT

    2017 werden auf der CeBIT wieder die großen Trends der IT-Branche gezeigt. Ganz oben auf der Tagesordnung: künstliche Intelligenz.

  • Disruption meets Design

    Produktdesigner stehen vor einem Paradigmenwechsel. Die analoge und digitale Welt verschmelzen zunehmend miteinander. Was sich hinter der „new holistic experience“ verbirgt.

  • Wie ein Franchisenehmer seine Mitarbeiter für sich werben lässt

    Employer Branding – Ein Unternehmer aus Hannover zeigt, dass solche Kampagnen sinnvoll sein können.

  • Die Mär vom Gründerland Deutschland

    Beim Jahrestreffen der deutschen Franchise-Experten (9. bis 10. Mai in Berlin) diskutiert die Branche mit der Politik kontroverse Themen.

  • Wenn die Chefin nicht mehr will

    So planen Inhaberinnen die Unternehmensnachfolge.

  • Energiemanagementsysteme lohnen sich

    Die Firma Kaiser+Kraft hat ein Energiemanagementsystem eingeführt. Geschäftsführer Andreas Krüger über die Vor- und Nachteile.

  • Sorgfältige Vorbereitung

    Wenn Unternehmen in überschaubarer Zeit verkauft werden sollen, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend für den Verkaufserfolg.

  • Berater finden leicht gemacht

    Die Beraterbörse von DUB.de hilft Ihnen, den richtigen Unternehmensberater für Ihr Projekt zu finden.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Firma: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • Wie Franchisesysteme neue Partner finden

    Neue Partner zu finden, ist für Franchisesysteme momentan besonders schwer. So klappt’s trotzdem.

  • Fremdwort Disruption

    Der Begriff ist in aller Munde. Viele Chefs wissen aber nicht, wie sie mit innovativen Unternehmen umgehen sollen.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick