Kleine Lieblinge

Mittelständler mit wenigen Millionen Euro Umsatz sind von Banken heiß umworbene Kreditkunden.Die Margen sind attraktiv.

-- Noch nie kamen Firmen so leicht an Kredite.

-- Selbst Deutsche Bank entdeckt das Segment.


Eberhard Wirfs wird heiß umworben.Die Banken haben sein Unternehmen Otto Wirfs, einen Großhändler von Tiefkühlprodukten, entdeckt. Regelmäßig bekomme er "sehr gezielt Angebote" von Geldhäusern. "Die Banken gehen heute viel mehr auf uns Mittelständler zu und berücksichtigen unsere besonderen Bedürfnisse. Das gab es früher nicht", sagt der Unternehmer aus Frankfurt. Das gelte für Sparkassen, Genossenschaftsbanken, aber auch Großbanken.

So wie der Firma Wirfs geht es vielen kleineren Mittelständlern mit einem Jahresumsatz von mehreren Millionen Euro. Alle Banken umgarnen diese Firmenkunden inzwischen besonders. Denn die Geschäfte mit ihnen bringen wenigstens noch ordentliche Margen.

Die Folge: Noch nie kamen die Unternehmen so leicht an Geld. "Das Volumen abgelehnter Kredite ist historisch niedrig", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der staatlichen KfW-Bankengruppe. Die KfW erhebt seit 2005, wie viele Darlehen den deutschen Mittelständlern verwehrt bleiben: 2012 waren es lediglich zwei Milliarden Euro - weniger als vor der Finanzkrise.

Dabei umwerben die Geldhäuser längst nicht mehr nur die großen Mittelständler. Es lockt das Geschäft mit kleinen Firmen. Hier sind die Kreditmargen deutlich höher als bei Großkunden, wie Barkow Consulting ermittelt hat. Danach erzielen die Banken bei Krediten unter einer Million Euro eine Nettomarge von 2,4 Prozent, was einer Eigenkapitalrendite von 11,7 Prozent entspricht. Bei Krediten über eine Million Euro betrug die Nettomarge 1,5 Prozent und die Eigenkapitalrendite 8,4 Prozent. Auf diesen Vorteil sind die Geldhäuser aus. "Der Wettbewerb um die kleineren Mittelständler wird härter", sagt Peter Barkow.

Eigentlich gehört das Geschäft mit regional verwurzelten Firmen, die maximal auf einen Umsatz von 15 Millionen Euro kommen, zur Domäne der Sparkassen und Volksbanken. Inzwischen ist aber vor allem auch die Commerzbank hier aktiv. "Diese Kundengruppe ist schon immer sehr wichtig für uns gewesen und heute noch mehr", sagt Detlef Hermann, Bereichsvorstand in der Mittelstandsbank der Commerzbank. Das Institut wachse seit Jahren in diesem wichtigen Segment. Auch die Hypo-Vereinsbank (HVB) hat sich auf diese Kundengruppe eingestellt. "Kleine Unternehmer werden von anderen Banken oft wie Privatkunden behandelt und bekommen etwa statt eines Betriebsmittelkredits einen Dispokredit angeboten - das funktioniert aber nicht", sagt Sandra Bindler, Leiterin des zentralen Stabs der Unternehmerbank der HVB. Das Institut hat es so gelöst: "Unternehmer können bei uns ihre privaten Finanzen über denselben Betreuer wie ihre Unternehmensfinanzen abwickeln", erklärt Bindler.

Für die Banken sind die Margen bei Krediten an die kleinen Mittelständler höher. Sie brauchen in der Regel mehr Beratung - und bezahlen dafür über höhere Kreditkosten. "Viele kleinere Mittelständler haben oft keine Finanzexperten im Haus, etwa für Währungs- oder Rohstoffpreisabsicherungen. Daher legen sie großen Wert auf die Qualität der Beratung ihrer Hausbank und sind bereit, für diese Dienstleistung auch etwas mehr zu zahlen", sagt Hermann. Zudem können die Institute großen Mittelständlern leichter andere Produkte verkaufen oder parallel an Dienstleistungen für diese Firmen verdienen.

Selbst die Deutsche Bank will mehr mit kleinen Firmen ins Geschäft kommen - wenn auch beim Branchenprimus die Schwelle für "klein" erst bei 25 Millionen Euro anfängt. Bei den Unternehmen von 25 Millionen bis 250 Millionen Euro Jahresumsatz liege der Marktanteil nur im einstelligen Bereich, sagt Armin von Falkenhayn, Co-Leiter des Investmentbankings Deutschland der Deutschen Bank. "Hier gibt es sicherlich die offensichtlichsten Wachstumschancen." Das Haus wolle in diesem Segment "durch die erhöhte Nähe vor Ort, delegierte Verantwortung und gezieltere Betreuung das Geschäft ankurbeln und den lokalen und regionalen Wettbewerbern künftig noch mehr Schwierigkeiten bereiten als bisher", zeigt sich von Falkenhayn angriffslustig. "180 Filialen, die vorher nur Privat- und Geschäftskundengeschäft hatten, bekommen jetzt auch wieder Firmenkundenbetreuer", sagt er.

So viel Konkurrenz bleibt nicht ohne Auswirkungen. Seit Juni fallen die Margen im Kreditgeschäft selbst bei Darlehen, die unter einer Million Euro liegen, erkennt Barkow einen neuen Trend. Bei Großkrediten drückt der Wettbewerb schon seit fast einem Jahr auf die Margen. Der Trend dürfte sich fortsetzen und sich bei den Kleinkrediten noch beschleunigen, erwartet der Berater.

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Das interessiert andere Leser

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.

  • Bessere Entscheidungen

    Über 600 Millionen Euro an ausgezahlten Krediten – auxmoney ist ein führender Kreditmarktplatz in Kontinentaleuropa. CEO Raffael Johnen über die Digitalisierung des Kreditmarkts.

  • Unternehmensbewertung: Das müssen Sie beachten!

    Unternehmen zu bewerten ist alles andere als trivial. Es kommen verschiedene Methoden infrage. Wie sich ein Preis für ein Unternehmen ermitteln lässt, zeigt unsere Übersicht.

  • 20 Tipps für die Selbstständigkeit

    Befreit von Hierarchien Ideen umzusetzen, ohne sich absprechen zu müssen – das sind nur einige der Vorteile. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die neue Verantwortung.

  • Deutsche Unternehmen zögerlich beim Kauf von Startups

    Um im Wettbewerb zu bestehen, brauchen Unternehmen Innovationen. Startups zu übernehmen, ist aber nicht an der Tagesordnung.

  • Das sind die wichtigsten Kommunikationsregeln bei einer M&A Transaktion

    Wenn eine Firma die andere kauft, dann kann viel schiefgehen. Eine laienhafte Kommunikation ist eine große Gefahr für eine M&A Transaktion.

  • Wie läuft die Systemintegration ab?

    Eine Hauptleistungspflicht des Franchisegebers ist es, den Franchisenehmer in das Franchisesystem zu integrieren. Erfahren Sie mehr über den Ablauf und die Inhalte der Systemintegration.

  • Stressfrei studieren

    Studieren gleicht einem Fulltime-Job. Klausuren, Hausarbeiten und knappe Deadlines treiben den Adrenalinspiegel deutlich in die Höhe. Was dagegen hilft.

  • CEO-Interview: Dynamischer Prozess

    Künstliche Intelligenz avanciert zum Treiber des digitalen Wandels. Im DUB UNTERNEHMER-Magazin geben CEOs und führende Manager exklusive Einblicke in die Transformationsprozesse ihrer Unternehmen.

  • Jung, begabt, sucht ...

    ... findet und kauft Familienbetrieb: Ein neues Modell aus den USA bringt Käufer und Verkäufer elegant zusammen.

  • So sieht eine ideale Digital Due Diligence aus

    Ob ein Unternehmen fit für die digitale Zukunft ist, lässt sich mit der Digital Due Diligence überprüfen. Ein Teil davon ist die IT Due Diligence.

  • Welches Konzept passt zu mir?

    Ein Franchisesystem, das universeller Erfolgsgarant für jedermann ist, gibt es nicht. Das Konzept sollte Ihnen ein solides Einkommen bieten - da ist sorgfältiges Selektieren angesagt.

  • Judoka ist „Sport-Stipendiat des Jahres 2017“

    Theresa Stoll, EM-Zweite und Medizin-Studentin, ist „Sport-Stipendiat des Jahrs 2017“– eine Auszeichnung von Deutscher Bank und Deutscher Sporthilfe.

  • Leasing: Tipps für Gewerbetreibende

    Bei Firmenwagen ist Leasing weit verbreitet. Worauf Unternehmer im Kleingedruckten achten müssen und welche Alternativen es gibt.

  • Konfliktsituationen in Franchise-Partnerschaften

    Wie das Risiko von Konflikten in Franchise-Partnerschaften reduziert werden kann, lesen Sie hier.

  • „Zuschüsse nutzen“

    Nicht nur Käufer von Unternehmen haben Anrecht auf finanzielle Unterstützung, es gibt sie auch für Verkäufer.

  • Prinzip einfach

    Um zu unternehmerischem Wachstum zu gelangen, müssen Unternehmer eine passende Vorgehensweise entwickeln. Überzeugend sind Strategien, die sich in wenigen Worten zusammenfassen lassen.

  • Die Rolle der D&O-Versicherung für Unternehmensnachfolger

    Haben Sie als Unternehmensnachfolger schon geprüft, ob das begehrte oder bereits gekaufte Unternehmen über eine D&O-Versicherung verfügt?

  • Franchisegründungen haben Vorteile bei der Finanzierung

    Eine Gemeinsamkeit haben Franchise- und Individualgründungen auf jeden Fall – das Vorhaben muss solide und langfristig finanziert sein. Welche Vorteile Franchisegründungen haben, lesen Sie hier.

  • Digitalisierung der Integration von neuen Franchise-Partnern in das Franchise-System

    Erfolgreiches Franchising braucht einen Mix aus Online- und Offline-Medien. Lesen Sie hier, wie sich solch ein Mix zusammensetzen könnte.

  • Der richtige Verkaufszeitpunkt

    Wann soll ein Unternehmer seine Firma verkaufen? Mit 40, 50, 60 oder doch erst mit 70 Jahren?

  • Exklusivinterview: Grundeinkommen? Nein.

    Die Bundeskanzlerin stand der Redaktion Rede und Antwort zu Fragen der Zukunft.

  • Smarter Partner

    Autonome Autos, digitale Assistenten, Roboterchirurgen - Künstliche Intelligenz (KI) wird im Geschäfts- und Berufsleben immer spürbarer. Was KI heute schon kann und zukünftig verändert.

  • Exklusivinterviews: Künstliche Intelligenz

    Die Künstliche Intelligenz (KI) wirkt tief in nahezu alle Branchen hinein. 13 Top-Manager gewähren exklusive Einblicke, wie KI-Anwendungen ihre Unternehmen und Sparten umwälzen.

  • Lädt noch

    Zukunftstechnologien wie das Internet der Dinge oder künstliche Intelligenz verändern die Welt, sagen Experten. Wie und wo sie bereits erfolgreich eingesetzt werden...

  • Franchisegebühren – was ist üblich?

    Was „üblich“ und „angemessen“ ist, lässt sich nicht so ganz einfach beantworten. Allerdings gibt es Kriterien, aus denen sich die Angemessenheit der Franchisegebühren ableiten lässt.

  • Familienstiftung bei Generationenwechsel
    Die Familienstiftung bei Unternehmensnachfolgen

    Ein Instrument für die Sicherung der Nachfolge kann die Implementierung einer Familienstiftung sein.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Smart Energy und Elektromobilität
    Energiewende: Die Zukunft ist grün

    Energieversorgung von morgen: Vom smarten Zuhause über E-Mobilität bis hin zu innovativen und dezentralen Lösungen. Diese Unternehmen revolutionieren mit nachhaltigen Trends die Branche.

  • Nachfolgetypen

    Wer ein Unternehmen aufbaut, wünscht sich meistens, dass das Lebenswerk von einem Familienmitglied weiterentwickelt wird. Lesen Sie, welche Faktoren die Nachfolge begünstigen.

  • Self-Storage Startups mit neuen Lagerraum-Lösungen

    Der Arbeitsplatz von heute gewährt freie Platzwahl in Coworking-Spaces. Doch die neue Flexibilität hat Ihren Preis: mangelnder Stauraum für Papiere und Akten. Die Shareing Economy bietet Lösungen.

  • Franchise Expo18 Logo
    Save the date - Franchise Expo18 im September in Frankfurt

    Die Franchise Expo18 bringt vom 27. bis zum 29.09.2018 über 100 internationale Aussteller auf das Messegelände in Frankfurt und bietet Informationsmöglichkeiten und spannende Workshops rund um Franchising.

  • Finanzierung von Innovationen

    Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen innovativ sein. Viele Investoren scheuen jedoch das damit verbundene Risiko. Deshalb ist Beteiligungskapital gefragt.

  • Israels Innovationen

    Israel ist eine der größten Innovationsschmieden der Welt. Der Erfolg der Startup-Nation hat System, der Staat investiert massiv in Forschung und Entwicklung.

  • Risiken bei Kauf und Halten eines GmbH-Anteils

    Gesellschafter, die einen GmbH-Anteil kaufen oder halten, denken vielfach, dass bei voll einbezahlter Stammeinlage keine Haftungsgefahren drohen.

  • Allen gerecht werden

    Die Ökonomin Kate Raworth fordert ein fixes Umdenken der Wirtschaft und plädiert für ein Gleichgewicht zwischen Kapitalismus, sozialer Gerechtigkeit und Ökologie.

  • Meer und mehr Gründergeist

    Die Suche nach Erfolg im digitalen Zeitalter führt nach Israel ins Silicon Wadi – wo die Menschen mit Begabung, Bildung und Begeisterung kritische Umstände in Stärken verwandeln.

  • Du kommst hier nicht rein!

    Kryptotrojaner, DDos-Attacken, Phishing – Cyberkriminelle verfügen über ein großes Waffenarsenal. Höchste Zeit für entsprechende Abwehrstrategien.

  • Den Kauf optimal bilanzieren

    Unternehmenstransaktionen werden immer komplizierter. Ihre Bilanzierung hat materielle Auswirkungen auf den Konzernabschluss des Erwerbers.

  • Nachfolge im Franchise

    Eine Unternehmensnachfolge im Franchising weist generell deutlich weniger Minenfelder auf als die Gründung eines neuen Unternehmens. Wie es geht und worauf zu achten ist erfahren Sie hier.