Kein Interesse an Geschenken

Die Unternehmen zögern mit ihren Investitionen - obwohl Kredite derzeit so günstig sind wie selten zuvor.

Die gute Nachricht: Gewerbliche Kredite sind derzeit äußerst günstig.  Unternehmen können sich für ihre Investitionsvorhaben bei der Förderbank KfW Geld ab einem effektiven Jahreszins von 1,26 Prozent leihen. Bei den Hausbanken geht es zum Teil sogar noch günstiger. Dennoch zögern viele Firmen damit, die günstigen Kreditkonditionen zu nutzen.

"Die Mittelständler nehmen das Zinsgeschenk nur teilweise an", sagt Hendrik Wolff von der Unternehmungsberatung Wolff & Häcker. Unternehmen hielten sich nach den schlechten Erfahrungen der Finanzkrise immer noch mit größeren Investitionen zurück. "Außerdem lassen sich viele Zeit, weil sie davon ausgehen, dass die Zinsen noch länger niedrig bleiben", ergänzt der Experte.

Den gleichen Eindruck hat auch Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW): "Wir wissen aus einer Studie der Fachhochschule des Mittelstandes, dass 63 Prozent der Mittelständler bei der Anlage ihrer liquiden Mittel nicht auf das niedrige Zinsniveau reagieren."  Obwohl die Finanzierung für die meisten Mittelständler laut Ohoven derzeit kein Problem ist.

Die Beratungsfirma Wolff & Häcker hat gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ebner Stolz das Finanzierungsverhalten der Mittelständler unter die Lupe genommen und dazu rund 5 000 Unternehmer befragt.  Ergebnis: Für zwei Drittel der befragten Firmen haben sich die Finanzierungskonditionen verbessert.

"Aus Sicht der Unternehmen besteht somit wenig Handlungsdruck", erklärt Wolff.  Nur rund 40 Prozent der Unternehmer geben einen erhöhten Kapitalbedarf an.  Gewinne blieben im Unternehmen und würden thesauriert. Aus der Untersuchung geht auch hervor, dass für die meisten Firmen die Hausbank nach wie vor Kreditgeber Nummer eins ist. Weitere beliebte Finanzierungsinstrumente sind laut Wolff Leasing und Gesellschafterdarlehen.

Das Interesse von Mittelständlern an anderen, weniger traditionellen Finanzierungsformen ist der Umfrage zufolge dagegen eher gering. "Viele Firmen vergeben die Chance, den Kapitalmarkt als Finanzierungsinstrument zu nutzen", bemängelt Wolff. Kostengünstige Alternativen werden so mitunter links liegen gelassen.

Auch gegenüber Private Equity bestünden oftmals erhebliche Vorbehalte. So werden Renditedruck, kurzfristige Ergebnisoptimierung und die Gefahr einer Zerschlagung des Unternehmens befürchtet. "Unsere Studie zeigt aber auch, dass dies oft Vorurteile sind. Es ist spannend, dass eine überwiegende Mehrheit Private Equity ablehnt, während diejenigen Unternehmen, die bereits Erfahrung damit gesammelt haben, eine positive Bilanz ziehen", bemerkt Wolff.

Generell bleibt laut der Untersuchung der Informationsstand der Geschäftsführer über andere Finanzierungsformen niedrig. Wichtige Kriterien seien für den Mittelstand bei der Wahl der Finanzierung Verlässlichkeit, Unabhängigkeit von Kapitalgebern und die Kapitalkosten. Die hohe Gewichtung dieser Kriterien geht im Mittelstand einher mit einer überwiegend skeptischen Einschätzung des Kapitalmarkts als Finanzierungsquelle.

"Der Mittelstand nutzt die derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen vorwiegend über bilaterale Kredite und Konsortialkredite, bei denen also mehrere Banken gemeinsam einen Kredit gewähren", sagt Britta Becker, Expertin für Mittelstandsfinanzierung bei Ernst & Young (EY). Auch ihrer Erfahrung nach sind die Hausbanken in Finanzierungsfragen der wichtigste Ansprechpartner. Aber zugleich sei es so, dass die sogenannten differenzierten Financiers - Unternehmen, die auch moderne Finanzierungsinstrumente nutzen - schneller wachsen als Firmen, die sich rein klassisch finanzieren.

EY-Expertin Becker verweist darauf, dass der Mittelstand in Deutschland den Kapitalmarkt traditionell weit weniger intensiv als Finanzierungsquelle wahrnehme, als dies in anderen Ländern der Fall sei: "In einer verstärkten Nutzung läge für die deutschen Unternehmen erhebliches Potenzial - sowohl um den künftigen Mittelbedarf zu decken als auch die Abhängigkeit von Banken zu reduzieren."

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Bemessung des Unternehmerlohns

    Für jede Unternehmensbewertung ist im Aufwand ein drittvergleichsfähiger Unternehmerlohn anzusetzen. Wie hoch ist er anzusetzen, welche Maßstäbe gelten dafür?

  • Gewinnspiel zum Buch "Familienexternes Management im Mittelstand"

    Wir verlosen drei Fachbücher zum Thema Unternehmensnachfolge außerhalb der Familie. Weitere Informationen zum Buch und zum Gewinnspiel gibt es hier.

  • Oasen zum Verlieben

    So langsam steigt wieder die Lust auf Wellnessurlaub. Das DUB UNTERNEHMER-Magazin und Travelcircus stellen drei der schönsten Spa-Tempel in Deutschland und Österreich vor.

  • Thomas Röhler: „Sport-Stipendiat des Jahres“

    Der Olympiasieger und Europameister im Speerwerfen ist zum „Sport-Stipendiat des Jahres 2018“ gekürt worden. Die Deutsche Bank verdoppelt nun sein Stipendium für die nächsten 18 Monate auf 800 Euro.

  • Digitale Kundenansprache meistern

    Bei der digitalen Customer Journey haben deutsche Unternehmen noch Nachholbedarf. Professor Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft erläutert, wo es hakt.

  • Franchisesystem Town & Country Haus wird Preisträger des Hausbau-Design Awards 2018

    Erster Platz in der Kategorie „Bungalows“ – so lautete das Ergebnis des diesjährigen Hausbau-Design Awards für einen Entwurf von Town & Country Haus.

  • FranchiseExpo18 – ein Rückblick auf Deutschlands größte Franchise Messe

    Die Franchise Expo 2018 war für DUB.de und die gesamte Franchise-Szene ein voller Erfolge. Ein Resümee.

  • Moderne Klassik

    Als besonders robust und zuverlässig gelten die mechanischen Zeitmesser des Frankfurter Herstellers Sinn Spezialuhren. Das liegt an eigens entwickelten technologischen Lösungen.

  • Zeit ist Qualität

    Guter Champagner braucht einen guten Wein. Und drei Zutaten: Leidenschaft, Handwerk sowie Geduld. Wir haben die Geheimnisse des Edel-Schaumweins vor Ort bei Bertrand Lhopital erkundet.

  • Volle Pulle Vintage

    2.000 Kilometer von Nordschottland nach Südengland. Ein Erlebnis auf knorrigen alten Motorrädern und neue Heritage-Bikes. Bei der „The Great Mile“ dabei: unser Autor Ralf Bielefeldt.

  • Stromern, nicht knattern

    Elektromobilität ist modern, trendig und umweltfreundlich. Doch auch E-Autos sind in überfüllten Städten ein Fehler. Die Alternative: der elektrisch angetriebene Roller Unu.

  • Schneller Deal - Franchisegeber in der mobilen Fritteusenreinigung

    Zügig und effizient läuft die Suche nach Franchisenehmern bei FiltaFry ab. Im besten Fall vergeht von der Bewerbung bis zur Vertragsunterzeichnung nur ein Monat. Wobei achtet der Franchisegeber bei der ...

  • Reite die Welle

    Die Balance halten – darum geht es beim Surfen wie in der Wirtschaft. Wie das Beispiel von Robby Naish zeigt. Seine Entwicklung vom Weltklassesurfer zum erfolgreichen Unternehmer.

  • Drei Tage Willenskraft

    Im Face-Camp von Box-Champion und Ideengeber Wladimir Klitschko arbeiten Führungskräfte an einer persönlichen Herausforderung. Ein Selbstversuch von Redakteur Arne Gottschalk.

  • „Brauchen digitalere DNA“

    Frank Thelen fordert und fördert in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ junge Start-ups. Der Bundesrepublik verordnet er ein 360-Grad-Aufputschpaket für Wagniskapital.

  • Titelthema: Märchenhafte Reise

    Ob Dax-Konzern oder Familienbetrieb, Start-up oder Traditionsunternehmen, B2B oder B2C: Kaum etwas wird in Chefetagen so heiß diskutiert wie die Customer-Journey.

  • Eigene Firma gründen: Das sind die ersten Schritte

    Frei von den Zwängen des Angestelltendaseins: das ist nur ein Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Folgende Liste bietet Tipps für einen erfolgreichen Start.

  • Jetzt bewerben: Deutscher Exzellenz-Preis 2019

    Die top-besetzte Jury des Deutschen Exzellenz-Preises kürt Herausragendes. Entscheiderinnen und Entscheider können sich in allen Award-Kategorien noch bis zum 1. Oktober 2018 bewerben.

  • Mit Franchise um die ganze Welt

    Viele Geschäftsideen, die in Deutschland großen Erfolg haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland. Nach Deutschland kamen sie via Franchise und bieten für Gründer viele Möglichkeiten.

  • Unternehmensnachfolge - die richtigen Werte zählen

    Unternehmensnachfolge Beratung braucht Empathie - nicht nur Branchenexpertise und Unternehmertum werden gesucht, sondern auch die richtige Vision fürs Unternehmen.

  • Wie intelligent ist mein Unternehmen?

    Gratis: DUB startet Deutschlands größte Unternehmer-Umfrage – zusammen mit KPMG und den Hochschulen in Paderborn und Regensburg. Am Schnelltest teilnehmen und sofort Auswertung erhalten!

  • Unternehmensnachfolge per Management-Buy-Out

    Ein Management-Buy-Out bietet für alle Parteien eine Chance, ihre Ziele zu erreichen - ob Unternehmer, Führungskraft oder Vermögensinhaber

  • Entdeckt euch!

    Pascal Finette sucht und findet die Antworten auf die Frage „What’s next?“. Der Dozent der Singularity University stellt sich dem redaktionellen Kreuzfeuer in Hamburg. Das Ergebnis: ein Weckruf.

  • Angriff aufs Irrationale

    Welche Mechanismen machen Google, Amazon und Co. so erfolgreich? In seinem Buch „The Four“ wagt Marketingprofessor Scott Galloway einen Erklärungsversuch.

  • „Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

    Vor Kurzem stieg Daimler beim Uber-Konkurrenten Taxify ein. Riina Leminsky, von der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia, erklärt, weshalb deutsche Unternehmen in Estlands Start-ups investieren sollten.

  • “Refugien der Mechanik”

    Viele Freunde edler mechanischer Uhren lieben auch historische Fahrzeuge. Wilhelm Schmid fördert mit seiner Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne den legendären Oldtimer-Wettbewerb „Concorso d’Eleganza Villa ...

  • Nachfolgeberater Pro und Kontra

    Der Verkauf der eigenen Firma ist einer der sensibelsten und komplexesten Geschäftsprozesse, die es gibt. Die Auswahl eines seriösen Beraters kann dem Verkäufer Zeit, Geld und Ärger ersparen.

  • Standortanalyse für Franchisebetriebe
    Standortanalyse für Franchisebetriebe

    Es liegt in der Verantwortung des Franchisenehmers, sich über die Chancen und Risiken eines in die engere Wahl gezogenen Standortes eingehend zu informieren und sie zu bewerten.

  • Gelungene Firmenübernahme

    Praxis-Beispiel: Nach dreieinhalb Jahren geduldiger Suche konnte Loes Fröhlich sein Maschinenbau-Unternehmen erfolgreich an einen Nachfolger übergeben. Was waren die Erfolgsfaktoren?

  • Neue TV-Show - Unternehmen sucht Nachfolger

    Gemeinsam mit Pro TV Produktion sucht DUB Unternehmenskäufer für mehrere Betriebe in NRW. Die Sendung wird im Herbst ausgestrahlt. Jetzt bewerben!

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser