Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Günstige Unternehmenserwerbe können bilanziell problematisch sein

Working-Capital-Garantien kommen als mögliche Ursache für einen Badwill-Ausweis infrage.

Bei einem Unternehmenserwerb entsteht bilanziell im Regelfall ein Geschäfts- oder Firmenwert („Goodwill“), da ein ordentlicher Kaufmann unter normalen Umständen sein Nettovermögen nicht zu einem Wert unterhalb des Marktwertes veräußert. Insofern überrascht es wenig, dass es auch in dem international ausgerichteten Rechnungslegungssystem der International Financial Reporting Standards (IFRS) an dezidierten normativen Vorgaben im Falle negativer Unterschiedsbeträge („Badwill“) mangelt. Günstige Unternehmenserwerbe erkennt das für die IFRS zuständige International Accounting Standards Board (IASB) mit Sitz in London praktisch nur im Falle von Veräußerungen unter Zwang an – so etwa bei Distressed M&A-Deals. Entstehen negative Unterschiedsbeträge, müssen sämtliche Ausgangswerte der Kaufpreisallokation kritisch hinterfragt werden, um Ansatz- und Bewertungsfehler auszuschließen. Im Fachjargon bezeichnet man diese Analyse als Reassessment. Ein danach verbleibender Badwill weist zumeist den Charakter eines wirtschaftlichen Vorteils auf und ist daher nach IFRS bereits im Erwerbszeitpunkt in der Gewinn- und Verlustrechnung erfolgswirksam zu vereinnahmen. Dadurch besteht jedoch ein Anreiz zur Überbewertung des Nettovermögens und damit einer missbräuchlichen Bewertung. Abschlussadressaten können dadurch in die Irre geführt werden, da diese Ertragsrealisierung den Anschein einer effizienten Akquisitionsentscheidung erwecken kann. Zudem besteht die Gefahr einer der wirtschaftlichen Realität widersprechenden Darstellung der Ertragslage. Dies vor allem in Fällen, in denen der negative Unterschiedsbetrag im Zusammenhang mit künftigen Ereignissen steht: Werden durch einen Unternehmenserwerb zum Beispiel zukünftige Verluste und Negativentwicklungen erwartet, erscheint eine nach IFRS unzulässige Passivierung des negativen Unterschiedsbetrages mit Auflösung bei Eintreten der erwarteten Aufwendungen (analog zum deutschen Bilanzrecht) vorzugswürdig. Dem ist indes entgegenzuhalten, dass gerade durch die gesetzliche Verpflichtung zur nochmaligen kritischen Überprüfung sämtlicher Wertansätze in Kombination mit den hohen inhaltlichen Offenlegungsvorschriften im Anhang nicht regelkonforme Fehler aufgedeckt und somit von vornherein vermieden werden sollen.

Vorausschauende Absicherung

Die vom IASB anerkannten Entstehungsgründe für negative Unterschiedsbeträge sind keineswegs abschließend. In der Praxis kommen nicht nur in Zeiten wirtschaftlicher und finanzieller Krisen mannigfaltige potentielle Situationen eines günstigen Unternehmenserwerbes in Betracht. Exemplarisch sei auf bei M&A-Transaktionen nicht selten vorzufindende Working-Capital-Garantien hingewiesen, in denen der Kaufpreis bei zeitlichem Divergieren von Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft im Nachhinein nicht mehr um den Betrag angepasst wird, um den das am Erwerbszeitpunkt festgestellte Working Capital einen im Voraus vereinbarten Betrag unter- beziehungsweise überschreitet. Dadurch sichern sich Erwerber gegen etwaige Manipulationen von Cash- sowie von Debt-Posten durch den Veräußerer ab. Ist das Working Capital bei Übergang der Nutzen und Lasten höher als die zuvor vereinbarte Obergrenze, kann dies isoliert betrachtet zu einem Badwill führen. Eine tiefgründige Analyse derartiger M&A-Transaktionen bereits im Vorfeld ist daher unerlässlich.

Das interessiert andere Leser

  • Die sechs Erfolgsgeheimnisse starker Markenfirmen

    Das Geheimnis starker Marken

    Warum will jeder ein iPhone? Weshalb sagen wir „Tempo“ statt „Taschentuch“? Die Marke macht den Unterschied.

  • Nachfolge in Deutschland

    Was kostet ein Unternehmen?

    Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie viel Geld 2015 bei Übernahmen geflossen ist. Die erstaunliche Antwort: In zwei Drittel der Fälle kein Cent.

  • Bernhard Kluge, Covendit

    Den richtigen Käufer finden

    Wer sein Unternehmen verkaufen will, braucht den richtigen Käufer. Klingt total trivial, ist es in der Realität aber nicht.

  • Mitarbeitersuche

    Wachstumsschmerzen

    Drei von vier deutschen Start-ups rechnen mit steigenden Umsätzen. Doch wer expandieren will, braucht auch mehr Personal.

  • Das 4-Stunden-Startup

    Das 4-Stunden-Startup

    Es hat ihn (noch) nicht reich gemacht, aber sein Leben bereichert: Felix Plötz hat ein Start-up aus der Taufe gehoben – neben seinem Hauptberuf.

  • Maui im Binnenland

    Surfen auf dem Baggersee

    „Stand Up Paddler“ bevölkern Deutschlands Badeseen. Ein (wackliger) Selbstversuch.

  • Kampf um die Besten

    Die neue Welt der Berater

    Big Data, Digitalisierung, Regulierung: Die Unternehmensberatung verändert sich rasant.

  • Gründer-Mekka Frankfurt

    Gründer-Mekka Frankfurt

    Was die drei Top-Start-ups vom Frankfurter Goethe-Unibator planen.

  • Wie Unternehmen von der Zusammenarbeit mit Hochschulen profitieren

    Fleißig wie die Bienen

    Die erfolgreiche Kooperation zwischen einer Hochschule und Firmen zeigt, was Unternehmen von Bienen und Ameisen lernen können.

  • Wie Wladimir Klitschko Probleme ausknockt

    Wie Wladimir Klitschko Probleme ausknockt

    Boxchampion und Entrepreneur Wladimir Klitschko erklärt, wie Unternehmer mit Problemen richtig umgehen.

  • Digitalisierung für Unternehmen

    Digitalisierungs-Europameister

    Hat Deutschland bei der Digitalisierung den Anschluss verpasst? Mitnichten! Kleine und mittelgroße Unternehmen haben in Europa sogar die Nase vorn.

  • Fusionskontrolle - Gibt es ein Risiko zu großer Marktmacht durch Unternehmenskäufe?

    Mit Kanonen auf Start-Ups

    Zwischen Wirtschaftsminister Gabriel und Start-up-Verbänden tobt ein Streit um die Fusionskontrolle.

  • Franchise-System: Wachstum mit Marke und Konzept

    Beziehungsstress im Franchising

    Vertrauen ist die Grundlage aller Beziehungen – nicht zuletzt von geschäftlichen. Doch beim Franchising wird es häufig auf eine harte Probe gestellt.

  • „Profi allein kann nicht das Ziel sein“

    Göttliche Erfolgsfaktoren

    Kult und Kommerz müssen kein Widerspruch sein. Wie dass geht, zeigt Oke Göttlich, Präsident des Fußballklubs FC St. Pauli.

  • Heatmap Europe

    Wo die Talente wohnen

    Entrepreneure gründen dort, wo auch die Talente wohnen - und zwar in Berlin, London oder Amsterdam.

  • Es geht auch ohne Kredit

    Es geht auch ohne Kredit

    Banken werden kritischer bei der Bonitätsprüfung, wie eine Umfrage zeigt. Mit diesen zwölf Tipps sichern Sie sich Ihre Finanzierung.

  • Zur Erforderlichkeit und Methodik der Bewertung Ihres Unternehmens

    Was ist meine Firma wert?

    Verkauf, Erbschaft, Finanzierungen – Anlässe, den Wert der eigenen Firma zu ermitteln, gibt es reichlich. Die vier wichtigsten Berechnungsmethoden im Überblick.

  • Deutschlands Firmen haben ein Nachfolgeproblem

    Chefs händeringend gesucht

    Deutschlands Unternehmen stehen vor einem gewaltigen Nachfolgeproblem. Wie virulent die Krise ist, zeigen aktuelle Zahlen der KfW-Bankengruppe.

  • Drei Top-Start-ups der FU Berlin

    Drei Top-Start-ups der FU Berlin

    Drei junge Unternehmen aus der Hauptstadt verraten, wie ihnen die Uni unter die Arme gegriffen hat und welche Tipps sie für angehende Entrepreneure parat haben.

  • Das Berater-ABC

    Das Berater-ABC

    Banker, Juristen, Transaktionsberater, Unternehmensberater – Spezialisten für den Mittelstand gibt es reichlich. Wann brauche ich wen?

  • Mensch 4.0

    Kollege Roboter

    Kein Computer hat das Bewusstsein eines Menschen – noch nicht. Aber in wenigen Jahrzehnten dürfte es laut Experten so weit sein. Und dann?

  • Bärenstarke Starthilfe der Hauptstadt

    Profund Innovation, der Inkubator der FU Berlin, hilft gründungswilligen Studenten auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Porträts dreier starker Kandidaten aus der Start-up-Schmiede.

  • Wenn nach dem Kind das Start-up kommt

    Mama managt das

    Sie sind jung, sie sind erfolgreich, sie sind Mütter: Deutschlands Mompreneure setzen Milliarden um. Wie machen die das?

  • Verkaufen leicht gemacht

    Verkaufen leicht gemacht

    Der Bundesverband M&A hat Standards für den Verkauf eines Unternehmens entwickelt, die den Prozess erheblich vereinfachen.

  • Firmeninhaber verstirbt plötzlich – was tun?

    Risiko Familienunternehmer

    Bei ihnen laufen alle Fäden zusammen: Familienunternehmer sind unersetzlich. Und genau das kann einer Firma zum Verhängnis werden.

  • Visionäre im Visier

    Reise zu den Digital-Mekkas

    Texas, Vancouver, Hamburg: Die DUB-Redaktion und XING-Gründer Lars Hinrichs haben sich auf Pilgerfahrt begeben und berichten von den neuesten Trends.

  • Top-Noten für Franchising

    Eine neue Befragung zeigt: 85 Prozent der Franchisenehmer würden es wieder tun. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben.

  • Unternehmen suchen verstärkt Chefs außerhalb ihrer Grenzen

    Verwaiste Chefsessel

    Zehntausende Unternehmen haben keinen Nachfolger. Doch der Mittelstand tut sich weiter schwer mit Managern von außen.

  • Aus alt mach neu

    Tortenschlacht

    Mit dem Tod des Firmenpatriarchen Aloys Coppenrath 2013 schlingerte Coppenrath & Wiese in eine Führungskrise. Was Firmenchefs besser machen können.

  • Helden von morgen

    Helden von morgen

    Start-ups brauchen Ideen, Kapital – und Rat. Heute fördern viele Hochschulen Gründer während der schwierigen Anfangsphase. DUB stellt die besten Gründungen von fünf Top-Hochschulen vor.

Zu den Autoren 

Michael Oppermann, Partner bei EY in Eschborn. Er leitet die Abteilung Financial Accounting Advisory Services Germany Switzerland and Austria (GSA). Sie erreichen ihn unter: michael.oppermann@de.ey.com

Prof. Dr. Jochen Pilhofer, Professor an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Sie erreichen ihn unter: pilhofer@htwsaar.de

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick