Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Emittenten - dringend gesucht

Deutsche Mittelständler machen sich an der Börse rar. Experten halten 2014 aber eine Trendwende für möglich.

Was bleibt von Philipp Rösler? Vielleicht mehr, als mancher Kritiker denken mag. Denn kurz vor seinem Ende als Bundeswirtschaftsminister und Vorsitzender der FDP machte sich Rösler für eine Idee stark, die im Gegensatz zu manch anderem seiner vergangenen Vorstöße tatsächlich Realität werden könnte. Im Spätsommer 2013 startete der Ex-Minister eine Initiative, um den Wachstumsmarkt für junge Börsenunternehmen wiederzubeleben. Aus dieser Idee könnte etwas werden, glaubt Holger Hinz, Managing Director und Leiter des Bereichs Corporate Finance der Quirin Bank. "Sowohl die Politik als auch die Börse arbeiten an einem Konzept zur Revitalisierung des Primärmarkts. Wir gehen davon aus, dass die Entwicklungen aber erst Ende des zweiten Halbjahrs Gestalt annehmen werden", sagt Hinz.

Eine Frischzellenkur hat die deutsche Börsenlandschaft nötig. Während im New-Economy-Spitzenjahr 1999 insgesamt 175 Unternehmen ein Initial Public Offering (IPO) im regulierten Markt wagten, waren es 2013 nur noch sechs, darunter fünf im Prime Standard. Trostpflaster: In den Krisenjahren 2008 und 2009 gab es zusammen nur drei neue Emittenten an der Börse.

Gut zehn Jahre nach dem Scheitern des Neuen Markts halten sich vor allem die mittelständischen Unternehmen aus Deutschland von der Börse fern wie sonst nur Nichtschwimmer vom tiefen Sprungbecken. Das anfällige, volatile Kapitalmarktumfeld, aber auch die mehr oder minder berechtigten Ängste vor höheren Kosten, fordernden Investoren sowie dem Kontrollverlust im eigenen Haus nach der Aufnahme neuer Anteilseigner halten viele mittelständische Familienunternehmer davon ab, einen Börsengang überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Dabei gibt es gute Gründe, der Börse eine neue Chance zu geben. Die Indizes notieren seit geraumer Zeit auf hohem bis höchstem Niveau, die Konjunkturaussichten sind gut. "Ein langanhaltender Aufschwung ist tendenziell immer ein positives Umfeld für Börsengänge", meint Frank Wohlgemuth, Leiter der Abteilung Research bei der WGZ Bank. Dazu kommt, dass die klassische Fremdkapitalfinanzierung bei Banken in Zukunft wieder schwieriger oder zumindest deutlich teurer werden dürfte.

Der Mittelstand spürt langsam die Folgen von Basel III und der schärferen Eigenkapitalrichtlinien bei den Banken. Und auch Mittelstandsanleihen - lange Zeit die große Finanzierungshoffnung - haben nach der nunmehr zweistelligen Zahl an Pleiten ihren Charme für potenzielle Nachahmer verloren.

Die Emissionsberater von Kirchhoff Consult AG erwarten für 2014 eine deutliche Belebung des IPO-Klimas in Deutschland. Auf mehr als zehn Börsengänge im Prime Standard schätzt Kirchhoff Consult die Zahl der IPOs - das wären genau doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Darunter könnte auch der eine oder andere Mittelständler sein. Mit Bastei Lübbe (siehe Interview unten) wagte 2013 nur ein echtes Familienunternehmen die Herausgabe neuer Aktien. Verleger Stefan Lübbe trennte sich von rund 40 Prozent der Aktien. Sein Kölner Medienhaus, das mit Roman- und Rätselheften groß wurde, heute aber längst 14 Prozent des Umsatzes mit digitalen Produkten in aller Welt verdient, sicherte sich mit dem Börsengang netto 23 Millionen Euro an frischem Eigenkapital. Gemessen an den mehr als 1,4 Milliarden Euro, die die RTL Group 2013 mit ihrem Börsengang an Kasse machte, ist das jedoch verschwindend gering.

Auch die 1,2 Milliarden Euro, die die LEG Immobilien AG per IPO erlöste, spielen in einer anderen Emissionsliga. Allein diese zwei Börsengänge machten 2013 mehr als 70 Prozent des gesamten Emissionsvolumens aus. Die Erben von Philipp Rösler haben noch viel zu tun, um das Börsenklima für kleine Wachstumsfirmen in Zukunft wieder anzuheizen. 

 

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten



Das interessiert andere Leser

  • Franchise-Umfrage: Wo, bitte, geht’s hier zum neuen Personal?

    Zum zweiten Jahr in Folge hat die Deutsche Unternehmerbörse Franchise-Systeme nach ihren größten Herausforderungen im Markt gefragt. Ganz oben: Die Suche nach Personal.

  • Späte Führungsnachfolge

    Der Brillenkönig Günther Fielmann behält noch weitere drei Jahre das Zepter in der Hand. Erst 2020 will er das Unternehmen in die Hände seines Sohnes legen.

  • Sachsen-Anhalt legt Fonds für die Unternehmensnachfolge auf

    Immer wieder scheitern Firmennachfolgen an der Finanzierung. Sachsen-Anhalt will dem nun vorbeugen – mit einem Fonds, ausgestattet mit 265 Millionen Euro.

  • „Psst, haben Sie schon gehört … ?“

    Wenn die Gerüchteküche brodelt, hat das selten Gutes zu bedeuten. Erst recht, wenn es um den Verkauf eines Unternehmens geht.

  • Zu schön, um wahr zu sein

    Was Franchisegeber Geschäftspartnern in spe über ihr System verraten müssen und woran man schwarze Schafe erkennt.

  • Geld vom Staat

    Auch Franchisenehmer kommen in den Genuss von staatlichen Fördertöpfen. Es müssen nur drei Kriterien erfüllt werden.

  • Deutschland paradox

    Die Bundesrepublik spielt wirtschaftlich in der ersten Liga – außer beim Gründungsgeschehen. Wie kann das sein?

  • Alles VUKA, oder was?

    Volatil, unsicher, komplex, ambivalent, kurz: VUKA. So beurteilen viele Chefs die Digitalisierung. Was tun?

  • Optimistische Chefs

    Deutschlands Unternehmer strotzen vor Optimismus. Dabei müssen sie in einem Punkt noch mächtig aufholen.

  • Erst Praktikum, dann Nachfolger

    Warum der Chef in spe bei seinem neuen Unternehmen erstmal eine Hospitanz absolvieren sollte.

  • Pflichtteilsrechte – die Büchse der Pandora

    Verstirbt ein Unternehmer, müssen häufig Kredite aufgenommen werden, um Erben auszuzahlen. Doch es geht auch anders.

  • Mehr als nur ein Spiel

    Zocken, daddeln – ist doch Kinderkram? Weit gefehlt. Video spielen ist zum Milliardenmarkt avanciert. So wollen Unternehmen und Vereine auf den neuen Goldesel aufsatteln.

  • Begehrte Pleitefirmen

    Warum ausländische Investoren um insolvente deutsche Unternehmen feilschen.

  • Gesucht, gefunden

    Wer genau weiß, was er will, wird schneller fündig: zum Beispiel auf der DUB-Franchisebörse. Im Fall von Lutz Große und dem System Filtafry war das ein Glücksfall für alle Beteiligten.

  • Risiko Familienunternehmen

    Familienunternehmen können schneller von einer Insolvenz bedroht sein als andere. Doch das Risiko lässt sich senken.

  • Von Mäusen und Gazellen

    „Growth Guy“ Verne Harnish, Gründer der Entrepreneurs’ Organization, Autor und Coach, verrät, warum Unternehmer einsam sind und wann das beste Timing für Firmenausbau oder -verkauf ist.

  • Keine Angst vor dem blauen Brief

    Wenn ein Familienunternehmen einen neuen Chef bekommt, werden Mitarbeiter selten gekündigt. Im Gegenteil.

  • Passende Partner

    Wenn ein Franchisenehmer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, ist auch der Franchisegeber gefragt – um ihn dabei im Sinne des Systems zu unterstützen.

  • Franchise: Bedeutung und Nutzen des System-Handbuchs

    Lesen Sie mehr über die „Betriebsanleitung“ für die Führung des Franchisebetriebes.

  • Ehrgeiz und Leidenschaft

    Judith Williams. Die frühere Opernsängerin, heutige Unternehmerin und TV-Moderatorin über Rezepte für ein erfolgreiches Leben.

  • Digitale Potenziale

    Deutschland ist reif für ein digitales Gesundheitswesen. Deshalb unterstützt Die Techniker Existenzgründer, Talente und Visionäre.

  • Der Amazon-Plan

    Das entschlüsselte Erfolgsgeheimnis des Amazon-Gründers Jeff Bezos.

  • So digital tickt Berlin

    Alles #Neuland? Die Redaktion des DUB UNTERNEHMER-Magazins hat sechs deutsche Spitzenpolitiker nach ihrer Vision der digitalen Zukunft befragt.

  • Die vier wichtigsten „Deal Breaker“

    Deal Breaker können Übernahmen in letzter Minute scheitern lassen. Das sind die häufigsten.

  • Bilanzbombe Pensionen

    In vielen Firmen klaffen riesige Pensionslücken – ein ernstes Problem, vor allem beim Unternehmensverkauf.

  • Auf die (Franchise-)Größe kommt es an

    Einsteiger in der Franchise-Branche haben es schwer. Aber der Aufwand zahlt sich aus.

  • Unternehmensverkauf: Worauf bei Earn-Out-Klauseln achten?

    Was Unternehmensverkäufer und -käufer über variable Preiskomponenten wissen müssen.

  • Die fünf wichtigsten Trends der CeBIT

    2017 werden auf der CeBIT wieder die großen Trends der IT-Branche gezeigt. Ganz oben auf der Tagesordnung: künstliche Intelligenz.

  • Disruption meets Design

    Produktdesigner stehen vor einem Paradigmenwechsel. Die analoge und digitale Welt verschmelzen zunehmend miteinander. Was sich hinter der „new holistic experience“ verbirgt.

  • Wie ein Franchisenehmer seine Mitarbeiter für sich werben lässt

    Employer Branding – Ein Unternehmer aus Hannover zeigt, dass solche Kampagnen sinnvoll sein können.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick