Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Eigenkapital-Injektion

Stockt der Kreditfluss der Banken, müssen sich Mittelständler alternativer Finanzierungsquellen bedienen – bei aller Skepsis. Beteiligungsgesellschaften wittern dort einen attraktiven Markt. Wie sich Privat Equity engagiert und eignet.

Die Geschichte vom deutschen Patienten? Längst passé. Während die kleinen und mittleren Unternehmen des krisengebeutelten Europas unter einer schwächelnden Kreditvergabe ächzen, ist das Finanzierungsklima für deutsche Unternehmen weiterhin gesund, wie eine Studie von Bain & Company zeigt.

Hierzulande ist der Kreditzugang für mittelständische Firmen – abhängig davon, wie hoch ihre Bonität und wie ambitioniert das Finanzierungsvorhaben ist – keine Hürde. „Die Finanzierungssituation bleibt entspannt“, berichtet auch der Bundesverband Deutscher Banken. Die Zinsen verharrten auf niedrigem Niveau und gerade Mittelständler seien gefragte Kunden, um die von den Instituten intensiv geworben werde. Das Kreditangebot übersteige derzeit gar die Nachfrage. Der Grund: „Trotz Krise ist es vielen deutschen Mittelständlern zuletzt gelungen, ihre Eigenkapitalausstattung zu verbessern“, wie die Diagnose Mittelstand 2013 des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands bestätigt.

Allerdings: Das freundliche Klima ist lediglich eine Momentaufnahme. Basel III mit seinen verschärften Eigenkapitalvorschriften für Banken als Konsequenz aus der Finanzkrise wirft längst seine Schatten voraus. Die Folge: Je risikoreicher die Kreditvergabe der Banken, desto mehr Eigenkapital muss hinterlegt werden. Das Ergebnis sind höhere Zinsen und strengere Kreditvergabekriterien. Damit könnte sich die Freigebigkeit der Banken schon bald relativieren und die Bedeutung alternativer Finanzierungsquellen zunehmen.

Denn die Finanzierungserfordernisse bleiben unverändert hoch. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P) beziffert den Finanzbedarf europäischer Mittelständler bis zum Jahr 2018 auf etwa 3,5 Billionen Euro. Und trotz deutscher Sonderstellung sieht eine aktuelle Studie des Verbands für Finanzmärkte in Europa (AFME) erschwerte Bedingungen für die Finanzierung des Mittelstands in ganz Europa.

Aus alternativen Quellen schöpfen

Unternehmen sind daher gut beraten, sich heute aus einer starken Position heraus mit Kapital zu versorgen und gleichzeitig ihre Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen. Neben jüngst populärer gewordenen Anleihen oder Genussscheinen spielt Beteiligungskapital, sprich Private Equity, dabei eine wichtige Rolle.

Gefragtes Innovationsziel Mittelstand

„Nicht immer lassen sich Unternehmensstrategien allein mit eigenen Reserven oder Kreditmitteln realisieren. So kann Beteiligungskapital aufgenommen werden, wenn Banken keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen wollen. Zudem verbessert Eigenkapital die Kapitalbasis des Unternehmens, damit sein Rating, und erweitert so den Finanzierungsspielraum. Weiteres Fremdkapital kann aufgenommen respektive zu günstigeren Konditionen eingeworben werden“, weiß Ulrike Hinrichs, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).

Aus Sicht der Private-Equity-Häuser spricht einiges für ein Engagement. „Mittelständische Unternehmen sind attraktive Investitionsziele. Viele sind Hidden Champions in ihren Bereichen und damit deutsche oder internationale Marktführer“, so Hinrichs. Und diese „ziehen das Interesse der Investoren auf sich“, wie Wolfgang Taudte, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young), nach aktueller Analyse des Private-Equity-Markts berichten kann.

Im Frühjahr hat mit Rödl & Partner ein weiteres Prüfungs- und Beratungsunternehmen Beteiligungsgesellschaften befragt und ist zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. „Aufgrund fehlender Mega-Deals konzentriert sich die Beteiligungsbranche erfolgreich auf den deutschen Mittelstand. Die Kassen der Private-Equity- Häuser sind gut gefüllt“, berichtet der geschäftsführende Partner Wolfgang Kraus aus den Unterschungsergebnissen. Demnach gaben 60 der Prozent Befragten an, in Zielunternehmen mit einem Umsatz zwischen 21 und 100 Millionen Euro investieren zu wollen – in der Vorjahresstudie waren dies noch 48 Prozent. Beteiligungen in der Größenordnung zwischen 21 und 50 Millionen Euro waren 2012 nur für 18 Prozent der Befragten attraktiv, heute für 37 Prozent.

Die Angst vor der Heuschrecke

In der EY-Analyse spiegelt sich aber auch die Aversion vieler Mittelständller gegen einen Einstieg der vermeintlichen Heuschrecken. Die Sorge: Beteiligungsgesellschaften kaufen sich in Firmen ein, um sie zu zerschlagen und die Teile mit Gewinn weiterzuverkaufen. Ein weiterer Hinderungsgrund für ein Private-Equity- Engagement liegt in der Persönlichkeit vieler Mittelstandschefs, die es gewohnt sind, allein zu entscheiden.

Beteiligung als Partnerschaft

EY sieht die aktuell größte Herausforderung für Finanzinvestoren daher im Identifizieren verkaufsbereiter Eigentümer. Dabei habe es in den vergangenen Jahren viele Beispiele für sehr erfolgreiche Transaktionen gegeben. „In den meisten Fällen war der Einstieg von Private Equity für alle Beteiligten – das Unternehmen, den Investor und die Belegschaft – eine Win-win- Situation“, sagt Alexander Kron, Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Hinrichs vom BVK kennt das Dilemma zwischen Finanzbedarf auf der einen und Angst vor Fremdbestimmung auf der anderen Seite. Ihre Lösung lautet partnerschaftliches Miteinander. „Beteiligungsgesellschaften werden mit ihrem Investment Gesellschafter der Unternehmen, mit entsprechenden Rechten und Pflichten. Dies zeigt sich auch im Beteiligungsvertrag, der sehr umfassend die Beziehungen zwischen den Parteien regelt. Wichtig ist aber vor allem, dass Beteiligungsgesellschaft und Unternehmer von Beginn an offen und vertrauensvoll miteinander umgehen. Eine Beteiligung ist der Beginn einer langjährigen Partnerschaft, und nur gemeinsam können Beteiligungsgesellschaft und Unternehmer die Firma erfolgreich voranbringen.“

Eine Möglichkeit, dem Mittelständler entgegenzukommen oder Vorbehalten entgegenzuwirken, seien Minderheitsbeteiligungen. Zudem gebe es viele Beteiligungsgesellschaften, die keine direkten, sondern stille Beteiligungen eingehen. Bei diesen seien die Einfluss und Mitsprachemöglichkeiten begrenzt.

Neuer Zugang zur Zielgruppe

Der neue Mittelstandsfokus der Beteiligungsgesellschaften weg vom reinen Financial Engineering spiegelt sich laut Rödl & Partner bereits in einer steigenden Haltedauer wider. Laut Befragung laufen die Investments durchschnittlich über sechs bis sieben Jahre. Zugleich versprächen die Investoren nachhaltiges Wirtschaften und langfristige Wertschöpfung. „Beteiligungsgesellschaften sind heute ein tragender Pfeiler der Mittelstandsfinanzierung. Sie bringen neben Kapital auch wichtiges Know-how ein und begleiten die strategische Neuausrichtung der Unternehmen“, bringt der Leiter Corporate Finance von Rödl & Partner, Björn Stübiger, einen weiteren qualitativen Aspekt ein. Auf der anderen Seite lässt die Aussicht auf zweistellige Renditen die Konkurrenz unter den Beteiligungsunternehmen wachsen. „Die Private-Equity- Häuser buhlen mit Family-Offi ces und strategischen Investoren aus dem In- und Ausland um attraktive Zielunternehmen. Das treibt die Preise. Die Chancen auf erfolgreiche Beteiligungen sind rar gesät“, so Stübiger. Der Wettbewerb habe schon Spuren hinterlassen. Eine BVK-Statistik spiegelt die Interessentenschar: Fast 100 der 180 dort organisierten Beteiligungsgesellschaften sehen sich als Mittelstandsfinanzierer. Eine solche Vielfalt an Finanzierungsquellen sollte dafür sorgen, dass der Mittelzufluss so bald nicht versiegt.

 

 

 

 

Das interessiert andere Leser

  • Was tun bei einem Hörsturz?

    Auch zu viel Stress kann zu Hörversagen führen. Dr. Bilgen Kurt erklärt, warum Betroffene vor allem ruhig bleiben sollen.

  • Start-up vs. Franchise

    Selbständig machen – aber wie? Die Vor- und Nachteile von Start-ups und Franchise im Check.

  • Bye Bye Britain, hello Germany

    Viele britische Firmen wollen der Insel den Rücken kehren. Ihr Lieblingsziel: Deutschland.

  • Was tun bei Fake News?

    Auch Unternehmen leiden unter Fake News, etwa bei falschen Behauptungen auf Bewertungsportalen. Das raten Experten.

  • Lissabon

    Liebesgrüße vom Tejo

    Lissabon ist die perfekte Destination für ein langes Wochenende. Das sind die Must-Sees.

  • Neue Subventionen für Start-ups

    Die Bundesregierung startet einen neuen milliardenschweren Fördertopf für junge Unternehmen.

  • Frauen auf der Jagd

    Waidfrausheil

    Jagen: ein elitäres Hobby für ältere Herren? Das war einmal. Wie Frauen die Männerdomäne erobern.

  • Augmented-Reality-Effekt

    Death by Powerpoint

    Zwei Rezepte gegen sterbenslangweilige Präsentationen.

  • Mut zur Nische

    Investorin Anastasia Borghardt will Popcorn ganz groß rausbringen. Was sie über Start-ups und der Suche nach der berühmten "Nadel im Heuhaufen“ zu sagen hat.

  • Online-Tischler Pickawood liefert Erfolgszahlen

    Was ist eigentlich aus Pickawood geworden, dem Startup, das vor zwei Jahren ein Crowdinvesting auf DUB erfolgreich durchgeführt hat?

  • Compliance in Zeiten der digitalen Transformation

    Warum ein grundlegender Wertewandel notwendig ist, lesen Sie hier.

  • Das haben wir doch schon immer so gemacht

    Die Bundesbürger mögen Beständigkeit, keine Innovationen. Das könnte zum Problem für die Unternehmen werden.

  • Spektakuläre Deals

    Bei Übernahmen werden oft völlig überzogene Prämien bezahlt. Warum eigentlich? Und sind Familienunternehmen auch betroffen?

  • Auf den Punkt flüssig

    Säumige Großkunden

    Alltag in deutschen Firmen: Kunden lassen viel Zeit mit den Zahlungen, die Außenstände gehen in die Millionen. Factoring kann Abhilfe schaffen.

  • Was Chefs nicht können

    Bei der Suche nach einem Nachfolger mangelt es den meisten Chefs an einer entscheidenden Fähigkeit.

  • "Weniger Bürokratie für Start-ups und kleine Gründer"

    Letztes Jahr lockerte das Bürokratieentlastungsgesetz (BEG) einige Regeln für Existenzgründer. 2017 könnte das BEG II noch einen draufsetzen. Ein Expertengespräch über die wichtigsten Neuerungen.

  • Stellen Sie sich vor

    Stellen Sie sich vor

    Das DUB UNTERNEHMER-Magazin stellt in der Ausgabe 2-2017 potenzielle Firmenkäufer vor. Zeigen Sie, wer Sie sind, und erhöhen Sie Ihren Bekanntheitsgrad – gratis.

  • Franchise wächst in Deutschland

    Zunehmend fehlen jedoch Partner und Nachfolger für bestehende Standorte. Die Branche hofft auf gründungswillige Migranten.

  • Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

    Wenn der Vater nicht mehr will – und die Kinder auch nicht

    Immer mehr Familienfirmen suchen einen Nachfolger für den Inhaber. Das ist häufig eine komplexe Angelegenheit: Das liegt nicht nur an den Kindern, die oft ihre eigenen Wege gehen wollen.

  • Redakteur Eike Benn für das D unterwegs

    Baukastenprinzip

    Der Digitale Wandel offenbart Chancen. Beispiel: Neuerungen im Hard- und Software-Bereich versprechen, Effiienz und Umsatz zu erhöhen. Doch wie vermeidet man Fallstricke?

  • Franchise Marketing

    Franchisegeber und -nehmer: Arbeitsteilung beim Marketing

    Franchisenehmer haben einen starken Partner im Rücken. Ob Marke, Corporate Identity oder Raumgestaltung: Für viele Fragen halten sie professionelle Antworten parat.

  • Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Chinesen kaufen deutsche Unternehmen – auch kleine!

    Besonders eine Nation geht in Deutschland auf Einkaufstour: China. Das Verhalten der Investoren aus Asien hat sich dabei in letzten Jahren kräftig geändert.

  • David gegen Goliath

    Sich gegen einen Platzhirsch zu behaupten, ist schwer. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel Paydirekt.

  • GANG ZUR BANK

    Gang zur Bank

    Eine Neugründung ist kostspielig. Franchisegründer bekommen oft Hilfestellung durch ihr System, sollten aber unbedingt auch weitere Beratungsangebote annehmen.

  • Was Unternehmensberater kosten

    Beim Thema Unternehmensnachfolge kommen meist Berater zum Zuge. Mit diesen Kosten sollten Sie planen.

  • Die neue Erbschaftssteuer im Überblick

    Ein Experte erklärt die vier wichtigsten Regeln der neuen Erbschaftssteuer.

  • Besonders zu festlichen Anlässen rundet eine edle Uhr am Handgelenk den Auftritt ab

    Zeit fürs Wesentliche

    Uhren sind mehr als Zeitmesser. Viele Freunde hochwertiger Nobelticker schätzen sie als Schmuckstücke mit technischen Raffinessen.

  • Der große Franchise-Report

    Der große Franchise-Report – das sind die neusten Trends

    Wie finanzieren sich Franchise-Betriebe? Wie finden die Systeme neue Partner? Wie stark wachsen die Unternehmen? Eine Studie gibt Antworten.

  • Invest-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums

    So profitieren Gründer noch besser von Wagniskapital

    Deutschland ist kein Gründerland. Damit sich das ändert, hat das Bundeswirtschaftsministerium das Invest-Programm aufgepäppelt.

  • Hürzeler Bicycles

    Aufgesattelt

    Es gibt schönere Orte als das Fitnessstudio, um die Arbeit hinter sich zu lassen und den Akku aufzuladen. Unternehmer und Manager finden dazu gute Gelegenheit beim Radsport auf Mallorca.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen

Jetzt Newsletter bestellen

DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick