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Der Kredit bleibt erste Wahl

Nur langsam erschließen Mittelständler neue Finanzierungsquellen.

EU-Kommissar Jonathan Hill möchte mit seiner Kapitalmarktunion Alternativen schaffen, das betont er in jedem Interview. Es gehe ihm nicht darum, die Banken in die Schranken zu weisen, sondern Mittelständlern weitere Möglichkeiten zu bieten, ihre Geschäfte zu finanzieren. Am Ende würde das den Banken neue Geschäftsfelder in der Zusammenarbeit mit Unternehmen eröffnen.

Ob der Brite damit Erfolg hat, wird die Zukunft zeigen. Denn bis die Kapitalmarktunion vollständig umgesetzt ist, wird es noch Jahre dauern. Schon jetzt aber wird sichtbar, dass sich kleine und mittlere Unternehmen in Finanzierungsfragen breiter aufstellen wollen.

Einer Umfrage des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand unter 1 555 Unternehmen zufolge glauben 71 Prozent der Befragten, dass die strategische Bedeutung der Unternehmensfinanzierung wachse. Besonders exportorientierte Firmen halten die Wahl der Geldquellen für einen zunehmend wichtigen Geschäftsfaktor. Etwas mehr als die Hälfte sieht zudem einen positiven Zusammenhang zwischen Wachstum und einer breit aufgestellten Finanzierung.

Das bestätigt auch die Umfrage "Diagnose Mittelstand" des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Zwar sei im Mittelstand kein Umschwenken etwa zu Finanzmarktinstrumenten zu erkennen, schreiben die Autoren. Allerdings hätten die Unternehmen seit den Krisenjahren, in denen auch Banken in Bedrängnis kamen, ihre Eigenkapitalausstattung deutlich verbessert. Das Plus an Innenfinanzierungskraft erkläre auch die derzeit schwächelnde Nachfrage nach klassischen Bankkrediten, ergab die Befragung unter 311 Firmenkundenberatern der Sparkassen.

Doch trotz des steigenden Bewusstseins, dass die Wahl der Finanzierungsquellen strategische Bedeutung haben kann, ist der deutsche Mittelstand bislang nicht bereit, sich komplett umzustellen: Kredite bleiben das bevorzugte Mittel. Die Europäische Zentralbank hat errechnet, dass das Kreditvolumen in Deutschland knapp fünfzig Prozent des Werts des Bruttosozialprodukts entspricht - Wertpapiere ohne Anteilsrechte bringen es auf gerade einmal fünf Prozent.

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