Das Portal für Unternehmer, Gründer und Investoren
 

Das Kreditgespräch gedanklich vorbereiten

Wie Firmenchefs ihrem Banker offen und plausibel ihre Zukunftsfähigkeit darlegen können.

In der Ruhe liegt die Kraft. Trotz bester Planung kann kein Unternehmen seine Geschäfte exakt vorausberechnen. Wenn es denn mal nicht wie vorgesehen läuft und die Firma unter Umständen sogar in die roten Zahlen rutscht, gilt es, kühlen Kopf zu bewahren. Aber was, wenn die Liquidität zur Neige geht? Das Geschäft muss weiterlaufen, um überhaupt die Aussicht zu haben, in die Gewinnzone zu kommen und dauerhaft schwarze Zahlen zu schreiben.

Für viele Unternehmer liegt es nahe, mit dem Bankberater ein Gespräch über einen neuen Betriebsmittelkredit oder eine Erhöhung der laufenden Kreditlinie zu führen. Damit der Termin am Ende erfolgreich verläuft, lohnt es sich, im Vorfeld ausreichend Zeit zu investieren, um sich auf dieses Treffen gut vorzubereiten. Dabei geht es nicht nur darum, der Bank aktuelle Geschäftszahlen und Bilanzen vorzulegen. Die Reflexion der eigenen Situation und die Perspektive des Kreditgebers spielen ebenfalls eine wichtige, wenn nicht gar eine entscheidende Rolle bei der Gesprächsplanung. Der kreditsuchende Unternehmer sollte sich also in die Situation seines Bankers versetzen. Ihm gilt es kurz und prägnant zu erklären, dass die Firma auf Sicht von drei oder fünf Jahren wieder in die Erfolgsspur zurückfindet, und ohne Probleme in der Lage ist, die aufgenommenen Mittel zurückzuzahlen zu können.

"Es geht für die Bank letztlich darum, ob das zu finanzierende Unternehmen zukunftsfähig ist", sagt Jürgen Schmieding von der Commerzbank. Der Niederlassungsleiter der Mittelstandsbank in Mainz betont, dass sich der Unternehmer vor dem Gespräch verschiedene Fragen selbst beantworten sollte. Dazu gehören zum Beispiel: Was ist mein unternehmerisches Ziel? Was macht meine Firma aus? Wer sind meine Kunden, wer meine Wettbewerber und was ist das Alleinstellungsmerkmal meiner Firma?

Ein fundiertes Finanzierungsgespräch dreht sich nicht allein um die Stärken, sondern auch um mögliche Schwächen des Unternehmens. "Transparenz ist dabei absolut wichtig. Die Bank mag keine negativen Überraschungen. Je klarer und offener jemand seine Firma darstellt, desto zuverlässiger wirkt er und desto größeres Vertrauen hat die Bank in ihn", unterstreicht Finanzierungsexperte Schmieding.

Wer nicht nur über die Chancen, sondern auch über die Risiken seines Unternehmens bereit ist zu reden, hinterlässt aus Sicht des Commerz-Bankers einen besseren Eindruck als jemand, der nur euphorisch in die Zukunft schaut. "Unternehmer sollten sich in ihre finanzierende Bank hineinversetzen", sagt Wolfgang Kriesen, unabhängiger Finanzberater für den Mittelstand in München. Dabei helfe die Frage: Was könnte die Bank für die Gewährung eines Kredits wissen wollen?

Aus Sicht der kreditgebenden Bank ist der alles entscheidende Punkt letztlich, dass neben der Tilgung vor allem die regelmäßige Zinszahlung erkennbar sicher ist. "Deswegen sollte man der Bank ein plausibles Konzept vorlegen und erläutern", rät Experte Kriesen. Dabei gilt, dass der Unternehmer in der Lage sein sollte, auf die Chancen, aber auch auf die Risiken seines Vorhabens beziehungsweise auf die Gründe für den Finanzengpass einzugehen. Wichtig sei, dass der Financier die Zusammenhänge in der jeweiligen Branche verstehe, empfiehlt der Finanzberater. Unter diesem Blickwinkel ist es für den angehenden Kreditnehmer hilfreich, die Gedanken seines Bankers zu kennen und einzuschätzen, weiß Kriesen. Denn: "Die Bank steht gewissermaßen am Ende der Nahrungskette. So kann es durchaus vorkommen, dass Kunden oder Lieferanten schon lange mitbekommen haben, dass es einem Unternehmen schlecht geht - aber die Hausbank erst viel später davon erfährt." Daher ist es nur allzu verständlich, dass die Bank großen Wert auf dietransparente Darstellung des Unternehmens legt.

Und auch nach der Kreditgewährung ist laut Kriesen eine offene Kommunikation wichtig. Der Kreditnehmer ist also gut beraten, wenn er seinen Financier stets auf dem Laufenden hält. Das schafft Vertrauen. Dies wird sich vor allem dann auszahlen, wenn der Unternehmer auf den Goodwill der Bank angewiesen ist.

Allerdings sollten Mittelständler daran denken, dass es Alternativen zur Hausbank gibt. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung sind insbesondere für kleinere Firmen und Neugründungen Fintechs als Finanzierungsquelle interessant.

Nach oben


© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten
Mehr auf www.handelsblatt.com

Das interessiert andere Leser

  • Auf in die Franchise-Selbstständigkeit
    Auf in die Franchise-Selbstständigkeit: Welche Freiheiten habe ich?

    Als Franchiser ist man befreit davon, eine eigene Idee zur Marktreife zu führen. Was kann man entscheiden, wo sind die Grenzen?

  • Veranstaltung Firmennachfolge in Hamburg
    Die Hürden bei der Firmennachfolge: einfach mal Ja sagen!

    Eine Firma zu verkaufen, das ist für manche Eigner so schwierig, wie ihr Kind in die Selbstständigkeit zu entlassen. Welche Befürchtungen Käufer und Verkäufer haben, zeigte eine Veranstaltung in Hamburg auf.

  • Joe Kaeser, Siemens
    Der Siemensianer

    Nie hat er für ein anderes Unternehmen gearbeitet: Siemens-Chef Joe Kaeser im Interview.

  • Öko-System
    Franchise wird grün

    Der Deutsche Franchise-Verband hat den Green Franchise Award vergeben. Und der Gewinner ist ...

  • Küche&Co
    Rückenstärkung

    Franchisesystem als Gängelband, so das vielfache Vorurteil. Wie es richtig gut laufen kann, erzählen zwei Gründer.

  • Das Who’s who deutscher Konzernlenker verrät exklusiv, wie es sich die digitale Welt von morgen vorstellt.
    Quintessenzen des Erfolgs

    Denke stets vom Kunden her! An welchen Leitplanken sich 15 Konzernchefs bei ihren Strategien orientieren.

  • Kai Enders im DUB UNTERNEHMER-Magazin Herbst 2016
    Modernisierung des Verbands

    Kai Enders, neuer Vorstand des Deutschen Franchise-Verbands, hat sich hohe Ziele gesteckt.

  • DFV-AWARDS
    Neue Aushängeschilder

    Der Franchise-Verband hat fünf Unternehmen ausgezeichnet. Was macht diese zu Botschaftern für die gesamte Franchisewirtschaft?

  • Lisa Mayer, Olympionikin und erfolgreiche Studentin ist Sport-Stipendiatin des Jahres 2016
    Sprinterin räumt ab

    Lisa Mayer, Olympionikin und erfolgreiche Studentin ist „Sport-Stipendiat des Jahres 2016“.

  • Der Transformator
    Wachgeküsst

    Wie aus einem unprofitablen Familienbetrieb ein europäischer Champion wird, zeigt das Beispiel Europart.

  • Regierung hilft Start-ups
    Regierung hilft Start-ups

    Dank Steuererleichterungen für Investoren sollen junge Unternehmen leichter an frisches Kapital kommen.

  • Erfolgreich mit Hundefutter: Franchise-Unternehmer Torsten Toeller
    Selfmade-Millionär auf Abwegen?

    Torsten Toeller, Chef des Franchise-Imperiums Fressnapf, zieht sich zurück. Was steckt dahinter?

  • Firmenwerte: KMU-Multiples
    Schwacke-Liste für KMUs

    Neue Tabellen von DUB.de und concess.de helfen bei der Bewertung kleiner und mittelständischer Unternehmen.

  • Migranten als Gründer
    Mehr als Dönerbude

    Wenn Migranten ein Unternehmen gründen, sind sie längst nicht mehr nur in den Bereichen Gastronomie oder Handel aktiv. Viele schaffen erfolgreich Jobs.

  • Firmen fiebern nach Fusionen
    Das große Fressen

    Bayer, Fresenius, Volkswagen: Deutsche Unternehmen sind in Shoppinglaune. Dabei sah es zu Jahresbeginn düster aus im M&A-Sektor.

  • MBO - Vom Manager zum Eigentümer
    Vom Manager zum Eigentümer

    Wenn eine Firma per Management Buy-out gekauft wird, muss nicht nur das Engagement der Besitzer in spe passen, sondern auch die Finanzierung.

  • Social Media im Franchise
    Social Media für Franchise

    Wie Franchise-Unternehmen Facebook, Twitter oder Whats App richtig nutzen.

  • War for talents
    Bereit für die Neuen? Wahl des Arbeitgebers bei der Generation Y

    Bei der Wahl des Arbeitgebers gilt die Generation Y als besonders anspruchsvoll. Welches Unternehmen positioniert sich am besten im ‚War for Talents’? Eine Studie will der Frage auf den Grund gehen.

  • Wladimir Klitschko 2016
    Veränderungen managen

    Ex-Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko und die Universität St. Gallen zeigen Führungskräften und Managern, wie sie die Herausforderungen der Digitalisierung meistern.

  • LMU München
    Start-up-Hochburg München

    Der Inkubator der Ludwig Maximilians-Universität München (LMU) hat bereits 165 Start-ups mit mehreren hundert Millionen Euro Marktwert hervorgebracht.

  • Stefan Wagner
    CSR ist kein Werbe-Chichi

    Stefan Wagner, Chef der HSV-Stiftung, sagt, weshalb Corporate Social Responsibilty nicht nur Marketing sein darf.

  • In England und Frankreich werden deutlich mehr Unternehmen in Firmenbörsen inseriert als in Deutschland
    Beliebte Firmenbörsen

    Hoppla, in England und Frankreich werden deutlich mehr Unternehmen inseriert als in Deutschland. Wieso?

  • Jaguar. Ein 67-jähriger Brite hat sein Unternehmen an seine Mitarbeiter verschenkt.
    Geschenk vom Chef

    Der Brite Peter Neumark hat ein besonderes Geschenk für seine Angestellten: das Unternehmen.

  • Kingii Startup 2016
    Mehr als Samwer

    Drei spannende Start-ups von der WHU – Otto Beisheim School of Management.

  • Olympioniken auf Praktikumssuche
    Olympioniken auf Praktikumssuche

    Einmal bei den Olympischen Spielen antreten – diesen Traum hat sich unser Team in Rio erfüllt. Um an ihrer zweiten Karriere zu feilen, suchen einige der Top-Athleten auf DUB.de nach einem Praktikumsplatz.

  • Pater Notker Wolf
    Der CEO der Benediktiner

    Notker Wolf, Abtprimas des Mönchsordens, über guten Führungsstil und ernsthaftes Zuhören.

  • Berlins Turbo für Gründer
    Die besten Start-ups der TU Berlin

    Hochschul-Inkubator der Technischen Universität Berlin fördert Unternehmertalente. Wir haben drei jungen Firmen über die Schulter geschaut.

  • Wie Franchise-Systeme die Digitalisierung anpacken
    Big Franchise-Data

    Sieben Franchise-Geber verraten, wie sie das Verhalten ihrer Kunden analysieren und was sie mit den Daten anfangen.

  • Die sechs Erfolgsgeheimnisse starker Markenfirmen
    Das Geheimnis starker Marken

    Warum will jeder ein iPhone? Weshalb sagen wir „Tempo“ statt „Taschentuch“? Die Marke macht den Unterschied.

  • Nachfolge in Deutschland
    Was kostet ein Unternehmen?

    Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie viel Geld 2015 bei Übernahmen geflossen ist. Die erstaunliche Antwort: In zwei Drittel der Fälle kein Cent.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick