Auf der sicheren Seite

Die 17 deutschen Bürgschaftsbanken sind private Förderinstitute, die mittelständischen Unternehmen den Weg zu mehr Kapital ebnen.

Wenn es für ein Unternehmen gut läuft, dann zumeist langsam und stetig. Selten gibt es Schwierigkeiten bei der Finanzierung durch Bankkredite. Die Hausbank kennt ihre Kunden gut und kann abschätzen, wie sich deren Geschäfte entwickeln werden. Doch mitunter müssen Unternehmer Entscheidungen treffen, die einiges an Risiko bergen. Oft hört es in solchen Momenten mit dem Vertrauen bei der Hausbank auf. „Bei Sprung investitionen bekommen Banken häufig kalte Füße – wir aber nicht“, sagt Stephan Jansen, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB). Um eine Sprunginvestition handelt es sich etwa, wenn ein zweites Unternehmen übernommen werden soll oder ein sehr großer Auftrag ansteht, für den zunächst einmal Investitionen getätigt werden müssen.

Bürgschaftsbanken unterstützen Unternehmer und Freiberufler sowie Selbstständige bei der Kreditfinanzierung, indem sie Sicherheiten bieten – durch eine Bürgschaft. „Üblicherweise treten die Banken an uns heran, etwa wenn der Kreditnehmer aus ihrer Sicht nicht genug Sicherheiten mitbringt“, sagt Jansen. Bis zu 80 Prozent der Kreditsumme können verbürgt werden, jedoch höchstens 1,25 Millionen Euro.

Kosten, die sich auszahlen

Für den Unternehmer fallen mit einer Bürgschaft, die entweder Voraussetzung für einen Kredit darstellt oder ihn zumindest begünstigt, zusätzliche Kosten an: zwischen 0,8 und 1,5 Prozent der Kreditsumme als jährliche Provision plus eine einmalige Bearbeitungsgebühr von einem Prozent der Bürgschaft. „Unterm Strich kann es für den Kreditnehmer dennoch günstiger werden, schließlich kann er mit einer Bürgschaft im Rücken einen günstigeren Kreditzins aushandeln, sodass sein Zinsvorteil die Provision übersteigt“, sagt Jansen.

In Deutschland gibt es 17 Bürgschaftsbanken mit jeweils zahlreichen Gesellschaftern – Wirtschaftsverbänden, Handwerks- Industrie- und Handelskammern, Privatbanken, Landessparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Hinter jeder Bürgschaftsbank stehen bis zu 130 Verbände oder andere Institutionen. Entstanden sind sie vor rund 60 Jahren, als Selbsthilfeorganisationen des Mittelstandes; sie sind wiederum durch staatliche Rückbürgschaften abgesichert.

Bürgschaften mit großer Wirkung

So konnten im vergangenen Jahr mehr als 6700 Bürgschaften erteilt werden, das heißt: Für eine Kreditsumme von 1,66 Milliarden Euro wurden Bürgschaften in Höhe von insgesamt 1,12 Milliarden Euro übernommen. Doch die Wirkung ist eine noch größere. Jansen: „Einen Immobilienkredit würde ein Unternehmer vielleicht problemlos bekommen, die Finanzierung des Hochregallagers, das darin aufgebaut werden soll, scheitert jedoch an der mangelnden Sicherheit – und damit kommt das ganze Projekt nicht zustande. Das, was wir mit den Bürgschaften ermöglichen, beläuft sich auf das Zwei- bis Dreifache der Kreditsumme, also rund fünf Milliarden Euro.“

Üblicherweise liegt die Stückzahl der Bürgschaften im Jahr bei rund 7000. Dass es 2013 rund fünf Prozent weniger waren, während das Volumen um vier Prozent gestiegen ist, deutet laut Jansen auf eine insgesamt gute Finanzierungslage der Unternehmen hin. Während der Finanzkrise der Jahre 2008 bis 2010 bürgten die Institute für 9000 Kredite und ein Volumen von 2,2 Milliarden Euro. Anschließend pendelten sich die Bürgschaften wieder auf den langjährigen Jahresdurchschnitt ein.

Selbstverständlich verlangen die Bürgschaftsbanken ebenfalls Sicherheiten von den Unternehmern, insofern haben sie die gleichen Anforderungen an sie wie die Hausbanken. Dennoch gibt es Unterschiede, die Jansen so erklärt: „Anders als bei Hausbanken ist für uns die Vergangenheit weniger wichtig. Wir schauen in die Zukunft.“ Wenn ein Unternehmer früher einmal insolvent gegangen sei, stelle das allein noch keinen Grund dar, eine Bürgschaft abzulehnen. „Für uns ist wichtig, dass ein Unternehmer seine Kapitaldienstfähigkeit belegen kann. Wir sprechen mit jedem Antragsteller, um herauszufinden, ob er das ‚Unternehmer-Gen‘ hat oder ob seine Planung möglicherweise zu ambitioniert ist“, so VDB Geschäftsführer Jansen.

Jeder Fünfte wird abgewiesen

Die Ablehnungsquote liegt durchschnittlich bei 20 Prozent: Für jeden fünften Unternehmer oder Existenzgründer, dessen Bank um eine Bürgschaft anfragt, wollen die Bürgschaftsbanken nicht einstehen. Zum Teil sind das auch formale Gründe. „Wir verbürgen beispielsweise keine bestehenden Kredite“, sagt Jansen. Oder die Kapitaldienstfähigkeit wird nicht als gegeben angesehen.

Ausfallquote liegt bei 2,5 Prozent

Dennoch kommt es immer wieder zu Ausfällen – pro Jahr etwa 2,5 Prozent des Portfolios, das ständig rund 50.000 Unternehmen und ein Bürgschaftsvolumen von 5,6 Milliarden Euro umfasst. Dieses sei in den vergangenen Jahren jedoch leicht gesunken, vor allem dank der guten Beratungsangebote, vermutet Jansen. Der Verband sieht seine Aufgabe darin, Unternehmen in Krisenzeiten zu stabilisieren oder neue Mittel zur Verfügung zu stellen.

Existenzgründer in den neuen Ländern

Für kleinere Summen haben Unternehmen und Selbstständige die Möglichkeit, sich zuerst an die Bürgschaftsbank zu wenden und eine sogenannte Bürgschaft ohne Bank zu beantragen. Das kommt für kleinere Kreditsummen infrage und wenn ein Unternehmer die ausführliche Beratung in Anspruch nehmen möchte. Unternehmer aus den neuen Bundesländern machen von dieser Option deutlich stärker Gebrauch, was in Zusammenhang mit einer traditionell anderen Finanzierungslandschaft zu sehen ist. Der Grund: Existenzgründer haben ohnehin größere Schwierigkeiten, Kapital zu beschaffen. „In den neuen Bundesländern liegt der Anteil der Bürgschaften ohne Bank bei 50 bis 60 Prozent, in den alten Bundesländern macht der Anteil nur zehn Prozent aus“, sagt der VDB-Geschäftsführer. Die Kosten sind etwas höher als bei anderen Bürgschaften, da der Aufwand ein größerer ist. „Wir sprechen mit jedem Unternehmer ausführlich und unterstützen ihn beim Aufstellen des Businessplans“, sagt Jansen. So sind alle Beteiligten auf der sicheren Seite.

Das interessiert andere Leser

Zum Autor

DUB Unternehmer Newsletter 

Alle zwei Monate Hintergründe rund um Management, Finanzierung, Nachfolge, Recht und Steuern.

DUB-Unternehmensbörse

Bei der Deutschen Unternehmerbörse können Sie Verkaufsangebote und Kaufgesuche inserieren.
Jetzt nach Verkaufsangeboten für Unternehmen suchen!
Suchen
Jetzt Newsletter bestellen
DUB-Themennewsletter
monatlich & gratis
Was Unternehmer wissen müssen
DUB-Börsennewsletter
wöchentlich & gratis
Die neusten Angebote und Gesuche auf einen Blick
Das interessiert andere Leser
  • Gemeinsam wachsen

    Nicht nur in der Gastronomie expandieren Unternehmen mithilfe von Franchisenehmern. Auch im Handel, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich ist diese Vertriebsform weit verbreitet.

  • Ziele und Sorgen der nächsten Unternehmergeneration

    Gestalten statt verwalten: Die nächste Generation der Unternehmer will nicht nur das Erbe fortführen, sondern die Digitalisierung vorantreiben, zeigt eine aktuelle Umfrage.

  • Mama startet durch

    Als Mutter erfolgreich im Job zu sein, ist in Deutschland oft nicht leicht. Die Erfolgsgeschichten zweier Start-up-Gründerinnen zeigen, wie es dennoch geht.

  • Unternehmensbewertung - eine schwierige Angelegenheit?

    Kaum ein betriebswirtschaftlicher Sachverhalt gibt zu so verschiedenen Meinungen Anlass wie der Wert eines Unternehmens.

  • Folge-Wirkung

    Wer übernimmt das Unternehmen? Ein Familienmitglied oder doch jemand Externes? Rechtsanwalt Dr. Daniel Mundhenke über eine der entscheidenden Fragen bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

  • Familienunternehmen erwärmen sich für einen Einstieg von Private-Equity

    Beteiligungsgesellschaften waren lange ein rotes Tuch für deutsche Familienunternehmen. Nun findet ein Umdenken statt – auch getrieben durch fehlende Optionen.

  • So läuft eine Due Diligence ab

    Steuernachforderungen, hohe Abfindungssumme, verzwickte Kundenbeziehungen: Risiken bei einem Unternehmenskauf gibt es viele. Eine Due Diligence ist deshalb zwingend erforderlich.

  • Beiräte in Franchisesystemen

    Wie wird ein Beirat organisiert? Was sind die Aufgaben und die Arbeitsweise? Und welche positiven und negativen Aspekte gibt es? Erfahren Sie mehr über Beiräte in Franchisesystemen.

  • Starke Motivation

    Das Nahziel von Bobfahrer Thorsten Margis und Rennrodler Julian von Schleinitz (Foto) ist die erfolgreiche Teilnahme bei Olympia 2018. Ihre Fernziele: Mastertitel und Promotion an der Hochschule.

  • Smarter leben

    Neue Technologien machen die eigenen vier Wände intelligent. Arne Sextro, Smart-Home-Experte bei EWE, über Chancen und Möglichkeiten ferngesteuerter Haustechnik.

  • Falsche Vorstellung

    Die Berater von Project Partners sind Spezialisten für die Umsetzung der Blockchain. Wie sich ein Unternehmen der Technologie öffnen kann, erfahren Sie im Interview.

  • Seit 2012 Blockchain-User

    Estland ist digital ganz vorn dabei. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Estlands in Deutschland, über erste Anwendungen der Technologie.