„Unser Gründerspirit lockt Firmen an“

Warum Bayer und Daimler in Estland investieren

Deutsche Unternehmen beteiligen sich an Estlands Tech-Firmen. Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia in Hamburg, erklärt, warum.

Riina Leminsky, Leiterin der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia in Hamburg, sitzt in einem Konferenzraum
Riina Leminsky:
Die Leiterin der Wirtschaftsförderung Enterprise Estonia in Hamburg bringt Estlands und Deutschlands Wirtschaft zusammen (Foto: Jacob Börner)

Hände schütteln? Das sei sehr deutsch, sagt ­Riina Leminsky. In Estland umarme man sich spätestens nach der zweiten Begegnung. Und die Leiterin der estnischen Wirtschaftsförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz kennt und umarmt jede Menge Unternehmer – sei es bei der Start-up-Messe „Latitude59“ in Tallinn oder in Deutschland. Ihr Job ist es, beide Welten zusammenzubringen.

DUB UNTERNEHMER-Magazin: Estland gilt als digitaler Vorzeigestaat. Beinahe täglich reisen Delegationen von Unternehmern und Politikern in das Land. Wozu brauchen die Esten eine Wirtschaftsförderung?

Riina Leminsky: Das große Interesse der Deutschen an Estland ist noch relativ neu. Wir sind aber schon seit 15 Jahren in Deutschland tätig. Lange wurden wir als die „verrückten Esten“ belächelt. Wenn ich mich damals mit Unternehmern über das Thema Digitalisierung unterhalten habe, hat mich im Grunde niemand verstanden. Das hat sich stark gewandelt. Dies macht die Wirtschaftsförderung aber umso wichtiger. Nach Estland reisen und einen Eindruck von unserem Spirit erhalten – das können deutsche Unternehmer auch allein. Aber wenn sie wirklich Geschäfte machen wollen, ist eine Begleitung durch uns sehr sinnvoll.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Leminsky: Häufig ist die erste Frage: „Muss man in Estland wirklich keine Steuern zahlen, wenn man den Gewinn reinvestiert?“ Viele glauben das nicht und wollen eine Bestätigung von uns. Generell hängt es von den Zielen der Unternehmen ab. Wir vermitteln Kontakte, unterstützen sie aber auch dabei, die richtige Geschäftsidee und eine passende Strategie zu entwickeln. Wir begleiten die Unternehmer also im gesamten Prozess.

Welche Ziele haben die deutschen Unternehmen??

Leminsky: Das zentrale Thema ist die Digitalisierung und die Frage, wie man das IT-Know-how der Esten im Unternehmen nutzen kann. Häufig eröffnen die Deutschen dann eine IT-Abteilung bei uns. Insgesamt gibt es mehr als 650 Unternehmen mit deutscher Beteiligung in Estland.

Können Sie uns dafür ein Beispiel geben?

Leminsky: Die Unternehmen fangen mit einfachen Tätigkeiten an, bauen ihre Präsenz weiter aus und verlegen die Produktentwicklung nach Estland oder gründen dort ein neues Innovationszentrum. Das liegt am besonderen Gründerspirit, der die Unternehmen nach Estland lockt. Arvato, Axel Springer, Axinom, Kühne + Nagel sind nur wenige Beispiele.

Teil 1: Warum Bayer und Daimler in Estland investieren

Teil 2: Wer wird das nächste Skype?

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