Vordenker Dienstleistungen: Radikaler Wandel mit Weitblick

Markus Reithwiesner: Führungskräfte müssen zutrauen und loslassen

Der CEO der Haufe Group, Markus Reithwiesner, weiß, dass sich disruptive Entwicklungen nur ausbreiten, wenn die Geschäftsführung diese mit vorantreibt.

Markus Reithwiesner ist CEO der Haufe Group und zuständig für die Themen Strategie, Business Development und die strategische Ausrichtung der gruppenweiten Technologie und Architektur.

Markus Reithwiesner ist CEO der Haufe Group und zuständig für die Themen Strategie, Business Development und die strategische Ausrichtung der gruppenweiten Technologie und Architektur (Illustration: JDB MEDIA/Philipp Möller)

DUB-UNTERNEMER-Magazin: Welche Maßnahmen von Vordenkern fördern den Unternehmenserfolg?

Markus Reithwiesner: Disruptive Innovationen in Unternehmen entstehen nicht evolutionär: Das erfolgreiche Erbe eines Unternehmens muss schmerzhaft, aber wertschätzend hinterfragt werden. Gleichzeitig müssen disruptive Ideen, die in Teilen der Organisation entstehen, von der Geschäftsführung gefördert werden – auch gegen Widerstände. Ich versuche vorzuleben, dass Führungskräfte in disruptiven Zeiten wie diesen mehr Verantwortung an ihre Mitarbeiter abgeben müssen. Ich glaube, dass wir durch dieses Zutrauen und Loslassen auch in Zukunft digitaler Vorreiter sein werden.

Welche Rolle für die Digitalisierung des einstigen Verlagshauses Haufe spielt bis heute die Akquise des Softwareherstellers Lexware 1993?

Reithwiesner: Lexware hat wichtige Impulse gesetzt. Der einstige Verlag Haufe hat gelernt, Software zu entwickeln – heute eine Basis unserer Digitalisierung. So können wir andere, neue Geschäfte erfolgreich und selbstbewusst betreiben.

Muss der Impuls für eine digitale Agenda immer aus der Unternehmensspitze erfolgen und wenn ja, warum?

Reithwiesner: Der erste Impuls muss konsequent von der Spitze kommen. Dann ist es wichtig, die Mitarbeiter auf dem Weg mitzunehmen und jene, die sich für das Neue begeistern, zu internen Evangelisten der Veränderung zu machen.

Was zeichnet Ihr Unternehmen als Vorreiter der digitalen Transformation aus?

Reithwiesner: Radikale Konsequenz. Wir trauen uns, eigene Angebote aggressiv selbst zu kannibalisieren und bisweilen auch einmal auf kurzfristige, sichere Gewinne zu verzichten.

Wie müssen digitale Weiterbildungsangebote über die Schulbildung hinaus aussehen, über Bildungsträger aber auch Arbeitgeber?

Reithwiesner: Situatives und permanentes Learning wird an Bedeutung gewinnen, das wird über eLearning, Social Learning und Blended Learning erfolgen. Zukünftig werden Lerninhalte und Lerntempo zunehmend individualisiert, auch über KI-Systeme. Mit diesen Trends müssen Unternehmen, aber auch öffentliche Institutionen mithalten.

Welche digitalen Meilensteine sehen Sie 2019 auf Deutschland zukommen? Wagen Sie einen Ausblick.

Reithwiesner: Künstliche Intelligenz, Big Data und Maschine Learning. Im internationalen Vergleich begegnet Deutschland diesen Trends zu zögerlich. Deutschland muss eine mentale Trendwende schaffen und sich mehr den Chancen der Digitalisierung zuwenden. Dazu bedarf es auch fördernder gesetzlicher Rahmenbedingungen und einer wesentlich aktiveren Industriepolitik.

Das Unternehmen: Die Haufe Group bietet Software-, Beratungs- und Weiterbildungs­lösungen an.

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